Michael Mildenberg

geb. 7. Juni 1805
gest. 10. Januar 1861

Eltern:

Meier Mildenberg (vor 1785- ca 1848) und dessen Ehefrau
Märle, geb. Kahn (vor 1790- ?)

Geschwister:
Simon Mildenberg (1809- 1887)

Ehegatte:
Regina (Rachel), geb. Schönemann (1825- 1902)
Heirat:
wohl 1844

Kinder:
Robert (1845- 1897)
Simon (1848- nach 1878)
Julchen (1851- 1911)
Levi (1853-1935)
Maier (nach 1853- nach 1878)
Salomon (1857- 1934)

Wohnung:
Vöhl, Haus No 16, nach der Einführung der Straßennamen: Arolser Straße, Grundstück zwischen den heutigen Häusern Seibel und Schmal, inzwischen abgerissen

Beruf
Metzger / Schlachter


1826
Er ist aufgeführt im Verzeichnis der Militärdienstpflichtigen; dort heißt es: "kann nicht mit Pferden umgehen; untauglich".

1844
Am 16. Juni beschließt der Gemeinderath positiv über den Antrag Mildenbergs, ihn als Ortsbürger und Metzger und seine zukünftige Frau in die Gemeinde aufzunehmen, und er bittet den Kreisrath um "weitere gefällige Verfügung".
Michael Mildenberg wird wahrscheinlich am 18. Juni in die Ortsbürgerliste aufgenommen; dort heißt es: Geb-ort Vöhl, Geb.-jahr 1805, Beruf: Schlachter; sein Name wurde später durchgestrichen und eine unleserliche Anmerkung angefügt, aus der hervorgeht, dass es wohl eine Uneinigkeit mit dem Gemeinderath gab. Der Großherzogliche Kreisrat Zimmermann äußert Bedenken gegen die Aufnahme und nennt 3 Bedingungen:
1. Uebung im teutsch Lesen und Schreiben,
2. 4000 Gulden schuldenfreies Vermögen oder die nachgewiesene Befähigung zu einem Handwerk,
3. Erklärung, dass er dem Schacherhandel abschwört.

1845- 1848
Er ist Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde.

1845
Kreisrat Zimmermann fordert Bürgermeister Wiesemann auf, binnen 8 Tagen zu erklären, ob Michael Mildenberg sich hinsichtlich des Betragens, der Fertigkeit im Rechnen und Schreiben sowie nach seinen sonstigen Verhältnissen eher als Selig Stern zum Vorstandsmitglied für die jüdische Gemeinde eignet. Der Bürgermeister antwortet, beide seien für dieses Amt geeignet, doch Stern könne besser rechnen und schreiben.
Als Vorstandsmitglied schreibt Mildenberg zusammen mit Isaak Rothschild und Levi Blum einen Brief an den Kreisrat, in dem sie sich darüber beschweren, dass die ledigen Juden ihre Synagogenstühle nicht ersteigern. [1]

1846
Als Vorstandsmitglied der israelitischen Gemeinde lässt er zusammen mit seinen Kollegen Arbeiten an der Synagoge ausschreiben.
Von 1846 bis 1849 zahlt er für einen Hund Hundesteuer.

1847
Im Verzeichnis der Vorräte an Getreide, Mehl, Reis, Hülsenfrüchte und Kartoffeln sind hinter seinem Namen notiert (Maßeinheit unklar): 1/2 Weizen, 1/2 Korn, 2 Mehl, 6 Bohnen.
Im "Verzeichnis über Korn vom (oder im) Fruchtspeicher dahier" ist hinter seinem Namen notiert: 1 Malter (128 Liter). [2]

1848
Er ist eines von 21 Mitgliedern der Vöhler und von 34 Mitgliedern der Religionsgemeinde insgesamt; sein Steuerkapital beträgt 28 Gulden.

1849
Laut Schreiben der Großherzoglich Hessischen Regierungs-Commission ist Michel Miltenbers (!) Amtszeit als Vorstandsmitglied (zusammen mit Levi Blum) beendet; da aber nach Regierungsverordnung nur einer der beiden ausscheiden kann, muss Michael Mildenberg nach Losentscheid ausscheiden.

1853- 1857
Er gehört zur höchstbesteuerten Hälfte der Einwohner.

1854
Im namentlichen Verzeichnis sämmtlicher Gewerbesteuerpflichtigen für das Jahr 1854 heißt es über Michael Mildenberg: Gewerbe: Metzger ohne ständigen Laden.

1857
Er beantragt bei der Gemeinde, "näben seinem Haus und der Ortsstraße, einen Garten und um denselben eine Mauer und auf dieselbe ein Gelende mit Stakketten neu" anzulegen.
Er hatte 1857 2 Gulden 12 Kreuzer Schulden bei Salomon Liebmann.

Auf dem Vöhler Friedhof befindet sich ein Grabstein mit dem Text:
Hier liegt begraben
der Mann Michael,
der Sohn Meirs. Er starb am
28. Tevet 621 kleiner Zählung.

Amen, Sela[3]

1864
Nach einem Häuserverzeichnis anläßlich der Volkszählung hat das Haus von Michael Mildenberg die Nr. 16, dies könnte die mittlere Arolser Straße - etwa bei Seibel oder Oschmann - gewesen sein.


[1] Die jüdische Gemeinde muss noch die Kredite für den Bau der Synagoge zurück zahlen. Eine Geldquelle ist die Vermietung der Plätze in der Synagoge. Die jungen Juden mieteten aber keine festen Plätze, sondern setzten sich auf die jeweils freien Plätze.
[2] In jenen Jahren gab es Nahrungsmittelknappheit. Das vorhandene Getreide wurde genau registriert.
[3] Sterbedatum: Dez./Jan. 1861. Dies könnte der Grabstein für Michel Mildenberg sein. Nach bisherigem Stand der Erkundigung ist kein anderer "Michael" aus jener Zeit bekannt, der der Sohn eines Meier ist.