Moritz Mildenberg

geb. 16.8.1880 in Vöhl, Mittags um zwölf Uhr in der elterlichen Wohnung
gest. Januar 1945 in Sachsenhausen[1]

Eltern:
Robert Mildenberg (1845- 1897) u.
Regine Mildenberg, geb. Speyer- Kleeberg (1855- 1923)

Geschwister:
Recha (geb. 23.8.1882)

Ehegatte:
1.Ehe:
Helene Kugelmann aus Korbach
Heirat:
am 2.3. 1911; geschieden am 25.1.1924
2. Ehe:
Frieda, geb. Grothe[2]

Kinder:
1. Ehe:
Ruth (1911- 1943)
Else (1914- 1984)
2. Ehe:
Rita, verh. Anzinger

Wohnung:
Haus Nr. 16; nach Einführung von Straßennamen: Arolser Straße, später wohnte hier Karl Oschmann; das Haus stand zwischen den Häusern Seibel und Schmal und ist inzwischen abgerissen.

Beruf:
Viehhändler, Metzger


Er wurde als minderjähriger Jugendlicher nach dem Tod des Vaters unter Vormundschaft von Robert Mildenberg Wit.(also seiner Mutter), Gegenvormund Ferdinand Kaiser, gestellt.

Der Vöhler Wilhelm Schmal berichtet, Moritz Mildenberg habe ein schweres, rotes Imperia-Motorrad gefahren.


1900-02
Er ist beim Militär.

1901-1904
Er erhält jährlich eine Legitimationskarte für Gewerbetreibende.

1902
Moritz Mildenberg zeigt den Tod seiner Großmutter Regine Mildenberg beim Standesamt an.

1903
Im Juni wird gegen ihn eine Ordnungsstrafe von 2 Mark wegen Verstoßes gegen die Polizeiordnung verhängt.

1904
WLZ vom 18.2.:

Vöhl, 15. Februar. Am Sonntag abend veranstaltete der hiesige Gesangverein in seinem Local bei Gastwirt Müller eine theatralische Abendunterhaltung; fast sämtliche Mitglieder waren mit ihren Damen erschienen. Vorab war das Programm ein sehr reichhaltiges. Theaterstücke lustiger und enrsterer Art, abwechselnd mit Gesang und Musikvorträgen, gestalteten den Abend zu einem höchst angenehmen. In sämtlichen Piecen wurde reichlich dafür gesorgt, daß die Lachmuskeln der Zuhörer in Bewegung blieben. Herrn Moritz Mildenberg, welcher sich sehr verdient gemacht und Vorzügliches geleistet hat, gebührt ein besonderes Lob. ...

1910
Zur Verabschiedung des Gerichtssekretärs Biskamp wurde am 31. Jan. oder kurz vorher ein Fest gegeben, an dessen musikalischen Programm auch M. Mildenberg (wahrscheinlich ist Moritz gemeint) mitwirkte. (Corbacher Zeitung 5.2.1910)

Corbacher Zeitung 24.3.:

Statt Karten.
Riekchen Kugelmann
Moritz Mildenberg
Verlobte.
Corbach,
Vöhl
Ostern 1910

1911
Er zeigt den Tod seiner Tante Julchen beim Standesamt an.
Am 1.2.1911 erscheint das Aufgebot für Moritz Mildenberg, Metzger aus Vöhl, und Helene, genannt Friederike Kugelmann, ohne Beruf, aus Corbach.
Am 2. März heiraten sie.
Am 8. Dezember wird Tochter Ruth geboren.[3]

1915
Im Januar muss er ein Ordnungsgeld von 3 Mark bezahlen.

1915- 1918
Er dient als Soldat im 1. Weltkrieg.

1916
Corbacher Zeitung am 25.6.:

Vöhl. 23. Juni. Unteroffizier Mildenberg im Inf.-Regt. wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. M., der verwundet ist, befindet sich zurzeit im Lazarett Lindenburg-Cöln.

1921
Er ist im Ehren-Buch der Stifter für das Kriegerdenkmal Vöhl für die Gefallenen des 1. Weltkrieges verzeichnet.

1923
Moritz Mildenberg wird vom Landgericht Cassel (Wuchergericht des Landgerichts) am 22. August "wegen unerlaubten Viehhandels zu einer Geldstrafe von 10 Millionen Mark, ersatzweise zu 1 Tag Gefängnis für je 500.000 Mk. und in die Kosten des Verfahrens verurtheilt".[3a]
Am 5. Juli zeigt er den Tod seiner Mutter beim Standesamt an.

1924
25. Januar: Moritz und Helene Mildenberg lassen sich scheiden.

Anzeige in der WLZ vom 7. Mai

Geschäftseröffnung.
Dem geehrten Publikum von
Vöhl und Umgegend zur Nachricht,
daß ich die bisher von Herrn Moritz
Mildenberg betriebene
Metzgerei
übernommen habe.
Es wird mein eifrigstes Bestreben
sein, meine Kundschaft durch reelle
Bedienung mit bester Ware zufrieden
zu stellen.
Die Eröffnung erfolgt am Don-
nerstag, den 16. April 1924.
Karl Rube,
Rind- und Schweinemetzgerei,
Vöhl.

Moritz Mildenberg ist Mitglied der Vöhler Burschenschaft, Mitgliedsnr. 204.

1939
In seiner Geburtsurkunde wird der Name Israel nachgetragen, 1951 wieder gelöscht.[4]


Moritz Mildenberg war auch nach Auskunft von Richard Rothschild mit einer Christin verheiratet, zog nach Sachsenhausen, starb dort gegen Kriegsende und ist auch dort begraben.


[1] 384 Es ist fast eine Sensation, dass er in Sachsenhausen das Dritte Reich überleben konnte. Bisher ist unbekannt, wie dies möglich war. Enkel Michael Dimor Rosenfeld nannte Yad Vashem Kassel als Todesort und das Jahr 1944 als Todesjahr Moritz Mildenbergs (Quelle: Yad Vashem: The Central Database of Shoah Victim's Names)
[2] Ursula Behrend bestätigt eine zweite Ehe mit einer nichtjüdischen Frau; weiß jedoch nichts Näheres darüber. Anlässlich des Besuchs ehemaliger Vöhler Juden im September 2000 nahm ein Mann namens Grothe Kontakt mit den Mildenbergs und Behrends auf und berichtete über die Verbindung zwischen Moritz Mildenberg und Frieda, geb. Grothe.
[3] Die Mutter wird in der Geburtsurkunde als "Rickchen Mildenberg, geborene Kugelmann" bezeichnet.
[3a] 1923 war das Jahr der Inflation.
[4] Nach der 2. Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen vom 17. August 1938 müssen alle Juden ab 1.1.1939 den zusätzlichen Vornamen "Sara" bzw. "Israel" annehmen. Dies wurde auf den Geburtsurkunden ergänzt. In Vöhl geschah dies bei vielen Juden am 10.12.1938.