Salomon Mildenberg [1]

geb. 29.6.1857 in Vöhl
gest. 31.1.1934 in Vöhl, Nachmittags um vier Uhr, in Vöhl [2]

Eltern:
Michel Mildenberg (1805- 1861) und dessen Ehefrau
Regine, geb. Schönemann (1825- 1902)

Geschwister:
Robert (1845- 1897)
Simon (1848- nach 1878)
Julchen (1851- 1911)
Levi (1853- 1935)
Maier (nach 1853- nach 1878)

Ehegatte:
Amalie, geb. Buchheim (1872- 1943),
Trauung:
am 22.2.1901 in Vöhl

Kinder:
Max (1902- nach Mitte 1941)
Rosalie (1904- 1942)

Wohnung:
1902 in Haus Nr. 57 (später Kraft, dann Langhammer, heute leerstehendes Eckhaus Arolser/Mittelgasse)
1904: Haus Nr. 72 (Basdorfer Straße, Hof Schröder/ Rosenstengel; inzwischen abgerissen)
seit 1910 Haus No 50 1/10, nach Einführung von Straßennamen: Mittelgasse 7

Beruf:
Metzger, Handelsmann; er hatte nach Meinung Karl Müllers ein Lebensmittelgeschäft.


1894
Wegen Verstoßes gegen die Polizeiverordnung wird er mit einer Buße von 1 Mark belegt.

1899
Ein Gruppenbild des Gesangvereins zeigt Salomon Mildenberg als Vereinsmitglied. Ebenfalls abgebildete Juden sind Levi Mildenberg, Emanuel und Samuel Katzenstein.

1901
Salomon Mildenberg wird mit einer Ordnungsstrafe von 1 Mark wegen Verstoßes gegen die Polizeiordnung belegt.

1901/1902
Im Verzeichnis der steuerpflichtigen Hundebesitzer ist er mit einem Hund und einem Steuerbetrag von 4 Mark notiert.

1901-12
Er gehört zur höchstbesteuerten Hälfte der Einwohner.

1902
Am 6. Januar wird Sohn Max geboren.

1904
Tochter Rosalie wird am 13. Juli geboren.

1909
Beim landwirtschaftlichen Fest für den Bezirk Vöhl nahm Sal. Mildenberg mit einer Ziege an der Prämierung teil und gewann den 3. Preis.

1910
Im August wird gegen ihn ein Ordnungsgeld von 1 Mark wegen Verstoßes gegen die Polizeiverordnung verhängt.
Salomon Mildenberg kauft das 1908 von Schreiner Schaake gebaute Haus in der heutigen Mittelgasse oberhalb der damaligen Synagoge; er betreibt dort ein Manufaktur-, Kurz- und Kolonialwarengeschäft und hat die Telefonnummer 18.
In Salomons Laden hat sich abends oft die Jugend des Dorfes getroffen. Die Jugendlichen sind samstags gesprungen, wenn es darum gegangen ist, bei Salomons Feuer anzumachen oder Brennmaterial nachzulegen. Es gab dann immer Bonbons. Süßigkeiten seien sonst absolute Mangelware gewesen. [3]

1921
Er ist im Ehren-Buch der Stifter für das Kriegerdenkmal Vöhl für die Gefallenen des 1. Weltkrieges verzeichnet.

1926
Corbacher Zeitung am 8. März:

Vöhl, 5. März. Das Amtsgericht verhandelte in seiner letzten Strafsitzung gegen den Kaufmann S.M., seine Ehefrau und seinen Sohn von hier wegen Zuwiderhandlung gegen die Steuergesetze und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Sie waren beschuldigt, Straßenhandel getrieben zu haben, den sie dem Finanzamt nicht angemeldet hatten. Sie hatten sich geweigert, dem sie revidierenden Finanzbeamten den Inhalt ihres Wagens vorzuzeigen und waren dann, als die Revision trotzdem vorgenommen wurde, gegen den Beamten tätlich geworden, namentlich soll der Sohn M. durch einen Schlag auf den Hut diesen zertrümmert haben. Da die Angeklagten den Straßenhandel bestreiten, mußte zwecks Anstellung weiterer Ermittelungen die Sache vertagt werden. [4]

Salomon wird wegen Vergehens gegen die Reichsabgabenordnung verurteilt zu 40 Reichsmark, seine Frau zu 30 Mark, Max zu 100 Mark

1929
Er ist im Einwohnerbuch für Waldeck und Amtsgerichtsbezirk Vöhl 1929 als Einwohner Vöhls eingetragen als Kaufmann in der Mittelgasse 7, Fernruf 18.

1929-32
Salomon Mildenberg ist in der Bürgerliste der Wahlberechtigten eingetragen.

1930
Sohn Max heiratet die Tochter eines christlichen Vöhler Handwerkers. Salomon Mildenberg ist mit dieser Verbindung nicht einverstanden. Sohn Max eröffnet daher ein eigenes Geschäft und wohnt nicht im Haus der Eltern.

1931
Am 28. XII. 1931 wird er angezeigt nach § 11a (Maß u. Gewichtsord.), am 14.3. 1932 wird die Strafe auf 2 Mark festgelegt, dann auf 1 Mark ermäßigt und bezahlt. Am selben Tag wurden 5 weitere Personen wegen derselben Straftat angezeigt: 2 weitere Juden, 3 Nicht-Juden; die Strafhöhe war bei allen dieselbe, nur bei Salomon Mildenberg wurde sie ermäßigt.

1932
Die WLZ berichtet unter dem 3. August 1932:

In dem Konkursverfahren des Kaufmanns Salomon Mildenberg in Vöhl soll eine Abschlagsverteilung erfolgen. Die verfügbare Masse beträgt 1120 RM. Zu berücksichtigen sind 248 RM vorberechtigte Forderungen und 8580 RM nicht hervorberechtigte Forderungen

1936
Salomon Mildenberg ist trotz Todes 1934 noch als Besitzer des Hauses Mittelgasse 7, alte Hausnummer 50 1/10 eingetragen


Grab auf dem jüdischen Friedhof Vöhl (Reihe 11 Grab 2):

Hebräische Inschrift
Deutsche Inschrift
keine
Hier ruht
Salomon
Mildenberg
geb. 29. Juni 1857
gest. 31. Januar 1934
Übersetzung
Bild

entfällt

Anmerkung von Karl-Heinz Stadtler:
Salomon war der Sohn Michaels, Vater von Max und Rosalie Mildenberg und hatte ein Geschäft in der Mittelgasse. Er wohnte im Haus oberhalb der Synagoge.

weitere Bilder

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© Kurt-Willi Julius; 2002
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© Kurt-Willi Julius; 2002


[1] Er war Mitglied der Vöhler Burschenschaft, Mitgliedsnr. 208, Berufsangabe: Metzgermeister. Er war im Dorf nur unter seinem Vornamen bekannt, der wie ein Familienname verwendet wurde: man ging zu den "Salomons" oder "Salmons".
[2] Nach Heiratsurkunde: 30.6.1856 in Vöhl
[3] Quelle: Marie Klöker und / oder Luise Eigenbrod
[4] Aufgrund der Initialen können nur Salomon, Amalie und Max Mildenberg gemeint sein.