| Richard Moritz Rothschild
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geb. 12. Mai 1905 in Vöhl, Vormittags um drei Uhr
gest. 23. Januar 2006 in Israel an Lungenentzündung
Eltern:
Alfred Rothschild (1871- 1939) und
Hermine, geb. Katz (1877- 1942)
Geschwister:
keine
Ehegatte:
Gerda, geb. Westfeld (geb. 7.4.1913)
Heirat:
1.12.1934
Kinder:
keine
Wohnung:
Haus Nr. 88, Prinz Wilhelm
um 2000: gleichzeitig in Müllheim im Breisgau und in Israel
Beruf:
Radiotechniker (?) [2]
1905
Corbacher Zeitung am 16.5.:
| Statt besonderer Meldung. |
Die Geburt eines strammen
Jungen
zeigen sehr erfreut an
A. Rothschild und Frau
Hermine, geb. Katz.
Vöhl, den 14. Mai 1905 |
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vor 1920 und 20er Jahre
Er besucht das Fürstliche Landesgymnasium in Korbach, wohnt
anscheinend während der Woche auch dort, kommt am Samstag Nachmittag
mit dem Zug bis Itter und läuft dann nach Vöhl. Er bezeichnet
sich als schlechten Schüler.
Er verdient sich durch den Bau von Radioapparaten und Netzanschlussgeräten
etwas Geld.
Richard Rothschild erzählt, für Religion habe er nie viel
übrig gehabt. Seine Familie habe zu den 3-Tages-Juden gehört,
die lediglich an den drei höchsten Feiertagen (Rosch Haschana,
Jom Kippur, Pessach) in die Synagoge ging.
Nach der Schule hat er kurze Zeit in Düsseldorf als Tierverkäufer,
dann in Hamburg in einem Radiogeschäft gearbeitet.
1929-32
Richard Rothschild ist in der Bürgerliste der Wahlberechtigten
eingetragen. Vor 1933 verprügelte er mit einer Luftpumpe den Sohn
des Gerichtsrats oder Amtsrichters (Förster ?), der schon in SS-Uniform
herumlief und - wie Richard Rothschild erzählte - dumme Bemerkungen
über Juden machte.
1933
Richard Rothschild kommt im Juni für 2 Wochen in "Schutzhaft"
ins Frankenberger Gefängnis und meint, dass ihm dies die Augen
geöffnet und deshalb das Leben gerettet hat. Inhaftiert wird er
- so vermutet er - auf Initiative jenes SS-Mannes Förster, den
er im Vorjahr verprügelt hat. Er ist mit 5 Leuten (Juden und Sozialdemokraten)
in einer Einzelzelle; u.a. 2 Juden aus Frankenau. Sie müssen das
Gefängnis sauber machen. Sie seien gut verpflegt worden. Weil der
Gefängnisdirektor zu einer Sekte gehört habe, hätten
Juden kein Schweinefleisch essen brauchen. Bei der Entlassung muss er
unterschreiben, den Führer beleidigt zu haben. In Vöhl habe
man gesagt: "Wenn man bei denen sitzt, ist das eine Ehre."
Der Oberlandjägermeister Frankenberg ordnet an, dass von Richard
Rotschild (!) eine Personalakte anzulegen sei, weil er für die
politische Polizei von Interesse ist.
Rothschild kann sich erinnern, zusammen mit einem Freund an der Klosterruine
Oberwerbe ein Transparent angebracht zu haben, das gegen den Nationalsozialismus
protestierte; erwischt worden seien sie nicht.
1934
Richard Rothschild bereitet sich durch eine kurze landwirtschaftliche
Ausbildung bei Karl Ebel in Momberg, dann im sogenannten Kibbuz in Grüsen
[3] auf den Aufenthalt in
Israel vor. In Grüsen lernt er die am 7.4.1913 geborene Gerda Westfeld
aus Köln kennen. Sie heiraten am 1.12. 1934. Die religiöse
Trauung erfolgt durch Lehrer Goldwein aus Korbach im Elternhaus. Goldwein
habe sehr salbungsvoll gesprochen, so dass Gerda lachen musste. Die
Ehe war zunächst als Scheinehe zum Zweck der Einreise in Israel
gedacht.
Gerda hat zeitweise bei Kohlhagen in Höringhausen gearbeitet.
1935
Richard und Gerda Rothschild emigrieren im Januar 1935 über Triest
nach Palästina und wohnen dort in Rehovot.
1937/ 1950
Das 1937 von seinem Vater an zwei Vöhler Landwirte umgeschriebene
Grundstück von 1 ha 50 a wird 1950 auf Richard Rothschild umgeschrieben.
bis 2000
Nach Richard Rothschilds Eintritt in den Ruhestand bis zum Jahr
2000 lebte das Ehepaar sowohl in Israel als auch in Deutschland, in
der Nähe von Freiburg im Breisgau. Wegen Richards Gesundheitszustand
können sie nun größere Reisen nicht mehr unternehmen
und haben deshalb die Wohnung in Deutschland aufgegeben.
Richard und Gerda Rothschild waren nach dem Krieg mehrmals in Vöhl,
so auch beim Zusammentreffen der ehemaligen Vöhler Juden im September
2000.
[1] jüd. Name: Mosche ben Ascher;
Wilhelm Schmal nennt ihn "Rothschilds Bim"
[2] Wilhelm Schmal meint, er habe
Radiotechniker gelernt
[3] zum Kibbuz Grüsen vgl. verschiedene
Texte und Bilder unter "Juden
im Landkreis - Grüsen"