geb. Ende Sept./Anf. Okt.1805 [1]
gest. 6. Juni 1895, Nachmittags um elf Uhr, in Vöhl (Todesursache:
Altersschwäche)
Eltern:
Selig Rothschild (vor 1780 - nach 1840) und dessen
Ehefrau Ranchen, geb. Rubine (oder Rubino oder Regine oder Razine; geb.
wohl vor 1780) [2]
Geschwister:
Belchen, verh. Kaiser (1798- 1882)
Isaak (1800- 1875)
Mathilde (geb. ca 1801/1802)
Minna, verh. Kugelmann (1803- 1892)
Abraham (geb. 1808)
Ehefrau:
Helena, geb. Sternberg (1806-86)
Kinder:
Selig (geb. 1835) [3]
Wohnung:
Haus Nr. 84; heute Basdorfer Straße (Grundstück vom Schlecker-Markt)
später Haus Nr. 10, heute Arolser Straße (Schwarz)
Beruf:
Sattler [4]
1826
Er ist aufgeführt im Verzeichnis der Militärdienstpflichtigen;
dort heißt es: Beruf Sattler; Vermögensverhältnisse:
wohlhabend; "kann nicht mit Pferden umgehen".
1831
19. Oktober: Ruben Rothschild erscheint wegen angemahnter Schulden vor
der Behörde in Vöhl.
1834
Nach der 1823 begonnenen Ortsbürgerliste wird Ruben Rothschild
am 11. Januar 1834 rezepiert; folgende Daten sind dort genannt: Geburtsort
Vöhl, Geburtsjahr 1805; Beruf: Sattler.
1835
Rothschild ist einer von 20 Unterzeichnern des Anstellungsvertrages
für den Lehrer David Schönhof.
1837
Er ist Zeuge bei der Geburtsanzeige der ältesten Tochter Auscher
Rothschilds am 4. März 1837.
Ebenfalls als Zeuge fungiert er bei der Geburtsanzeige von David Schönhof,
Sohn des Selig Schönhof.
1838- 1840
Er ist Mitglied des jüdischen Gemeindevorstands.
1840
Laut "Verzeichniß des Salzbedarfs der Bürgermeisterei
Vöhl - Gemeinde Vöhl nach Maasgabe der Seelenzahl und des
Viehstandes vom Jahr 1840" gehören zu Haushalt und Besitz:
8 Personen über 8 Jahre,
1 Person unter 8 Jahre,
4 Pferde,
8 Ochsen, Kühe und Rinder,
40 Schaafe, Ziegen und Schweine
1841
In einem Vertrag Ascher Rothschilds mit den Gemeinden des Kirchspiels
Vöhl wird Ruben Rothschild als Vormund der Kinder Aschers aus erster
Ehe bezeichnet.
Ruben Rothschild protestiert schriftlich beim Kreisrath gegen den Voranschlag
der Israelitischen Religionsgemeinde für das folgende Jahr, da
der Vorstand seiner Meinung nach zu eigenmächtig Gebühren
erhebt.
Im namentlichen Verzeichnis sämmtlicher Gewerbesteuerpflichtigen
für das Jahr 1841 heißt es:
| Haupt-Gewerbe: Lederhändler im Kleinen |
1842
Er unterzeichnet 1842 als Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde,
ebenso als Mitglied des Gemeinderats.
1843
Im namentlichen Verzeichnis sämmtlicher Gewerbesteuerpflichtigen
für das Jahr 1843 heißt es:
| Haupt-Gewerbe: Lederhändler im Kleinen |
1845
Er ist Mitglied der Vöhler Gruppe des ca 1832 in Darmstadt gegründeten
Vereins für sittliche und bürgerliche Verbesserung der Israeliten;
sein Mitgliedsbeitrag beträgt 18 Kreuzer.
Er beschwert sich, dass der jüdische Gemeinderechner bevorzugt
wird.
1846
Ruben Rothschild ist Mitglied des Gemeinderaths.
Er verkauft einen Wallach an David Schneider aus Freienhagen.
Er verkauft zusammen mit seiner Frau am 27. Mai ein Grundstück
in der Vöhler Gemarkung (im Balz) an den Marienhäger Wolrad
Emde für 180 Gulden.
1847
In einem Verzeichnis der Vorräte an Getreide, Mehl, Reis, Hülsenfrüchte
und Kartoffeln ist hinter Ruben Rothschilds Namen mit Bleistift notiert
(Maßeinheit unklar): 1/2 Weizen, 9 Korn, 1 Gerste, 14 Hafer, 1
1/2 Mehl, 3 Bohnen.
Von der Gemeinde bezieht er einen Malter Saatfrucht.
Als Mitglied des Gemeinderats ist er an einem Beschluss zum Ankauf von
Saatkartoffeln durch die Gemeinde und deren Verteilung an die Bedürftigen
beteiligt.
1848
Ruben Rothschild ist eines von 21 Mitgliedern der Vöhler und von
34 Mitgliedern der Religionsgemeinde insgesamt. Sein Steuerkapital beträgt
265 Gulden.
Am 9. März lässt er sich einen Heimatschein ausstellen für
eine 12tätige Reise nach Darmstadt.
Am 12.11. schreibt er einen Brief an die Großherzogl. Hess. Regierungscommission
zu Biedenkopf:
Der Austritt aus der hiesigen
Israelitischen Gemeinde betr. |
| Im vorigen Monath an 15.ten Dzr. zeigte ich dem hiesigen
israelitischen Vorstand mein Austritt aus besagter Gemeinde
an, mit der gleichzeitigen Bitte mich für die Folge in
der Erhebungsliste zu streichen, hirauf hat mir derselbe Vorstand
... ihn ging dieses nichts an, man möchte sich an den
Gr. St...minister wenden, um die Abänderung... |
|
Ende des Jahres äußert die Regierung in Biedenkopf zwar
Bedenken, da es wohl darum gehe, nichts mehr zu den Bedürfnissen
der jüdischen Gemeinde beizutragen, doch kommt sie schließlich
zu dem Fazit, dass Ruben Rothschild austreten könne.
1849
Er wird bei der Wahl für den Vorstand der jüdischen Gemeinde
von der Regierungscommission in Biedenkopf zu einem der beiden Wahlmänner
ernannt. In jenem Schreiben wird die Möglichkeit angesprochen,
dass Rothschild nicht mehr Mitglied der israelitischen Religionsgemeinde
ist und für diesen Fall ein Ersatz-Wahlmann benannt.
Für eine zweite Ergänzungswahl wenige Tage später wird
Ruben Rothschild nicht mehr als Ersatzmann benannt, sondern der Ersatz-Wahlmann.
Da der Grund hierfür nicht ein Wohnortwechsel sein kann, ist zu
unterstellen, dass er konvertierte, bzw. aus der jüdischen Gemeinde
austrat.
Er wird zusammen mit Christian Rohde am 1. März zum Vormund von
Andreas Kalbfleisch (geb. 1847) bestellt; dies spricht ebenfalls dafür,
dass er zum Christentum konvertierte, weil er sonst wohl nicht zum Vormund
eines Christen berufen worden wäre.
1849
Bei einer Pfändung Ascher Rothschilds im Februar gibt Ruben Rothschild
eine Kuh ins Pfand.
Als Ascher Rothschild im Herbst wegen Schulden gepfändet wird,
bürgt Ruben für die ins Pfand gesetzte Kuh.
1851
Er mahnt die Bauerlaubnis für eine Scheune an.
1853
Er hat von September bis November einen Hund angemeldet
1854
Im Verzeichnis der Gewerbesteuerzahler fehlt Ruben Rothschild.
1855
Ruben Rothschild verkauft sein Gut, muss deshalb hohe Steuern an die
jüdische Gemeinde zahlen, die er allerdings im folgenden Jahr zurückerstattet
bekommen soll.
1857
Er hat 8 Gulden 45 Kreuzer Schulden bei Salomon Liebmann, Liebmann schuldet
ihm dagegen 31 Gulden 28 Kreuzer.
Er ist 1857 einer der Unterzeichner von Kaufverträgen der Gemeinde
Vöhl an Wilhelm Brühmann, wohl als Mitglied des Gemeinderaths.
1859
Ruben Rothschild schließt am 11. März einen Kaufvertrag mit
Peter Kunz zum Preis von 400 Gulden, zahlbar zwischen Januar 1860 und
Juni 1864, zu 5 % verzinst ab 1. April 1859, bis alle Schuld bezahlt
ist.
Es gibt einen Grundbuchauszug vom 12. März 1859 für Ruben
Rothschild und Georg Eigenbrod über eine Wiese in der Herzingsgrube
"neben Pfarr... und Prinz Wilhelm".
1864
In einem Häuserverzeichnis zur Volkszählung hatte sein Haus
die Nr. 84: Basdorfer Straße, späterer Besitz von Abraham
Blum, dann Erich Scheidt, Lydia Scheidt, heute Schlecker
Bei der Mobiliarversteigerung des Hermann Prinz ersteigert Ruben Rothschild
Gegenstände im Wert von ca 1 Gulden (u.a. 2 Gläser).
1868- 1878
Er gehört zur höchstbesteuerten Hälfte der Einwohner.
1871
Im Vöhler Verzeichnis der Pfändungs- und Versteigerungskosten,
die durch Beitreibung der Schulden entstanden sind, ist Ruben Rothschild
als einer von 35 Schuldnern mit einem Betrag von 4 Thaler 6 Silbergroschen
10 Pfennig eingetragen.
1872
Im Vöhler Verzeichnis der Pfändungs- und Versteigerungskosten,
die durch Beitreibung der Schulden entstanden sind, ist Rothschild mit
einer Schuld von 22 Silbergroschen 10 Pfennig eingetragen.
1877
Gemäß der Steuerliste der Vöhler Juden zahlt er eine
Normalsteuer von 50 Pfennig und einen Beitrag für 6 "Ziele"54
von 4,50 Mark; damit gehört er zu den "ärmeren"
Juden. [5]
1886
Er meldet den Tod der Minna Schönthal beim Standesamt.
Angestellte laut Vöhler Gesinde-Register:
Nov. 1844- ? Jettchen Lazarus von Oberwerba als Dienstmagd
1845- ? Karolina Dittmar von Oberwerba als Magd
29.11.1853- ? Maria Bangert von Meineringhausen als Magd
13.11.1857- ? Maria Stockhausen aus Ober-Werba als Magt (!)
Martini 1862- ? Amalia Hochstätter aus Ober-Werba als Magd
[1] im Verzeichnis der Militärdienstpflichtigen
steht bei Tag und Monat der Geburt: unbekannt
[2] im Verzeichnis der Militärdienstpflichtigen
sind als Eltern angegeben: Seligman und Roogan (?, etwas unleserlich);
Ranchen Rothschild ist evtl. identisch mit Regine Rothschild (ca. 1776-
1860)
[3] wahrscheinlich hatte das Ehepaar
mehrere Kinder, da 1840 neun Personen zum Haushalt gehören
[4] er wird in einem standesamtlichen
Dokument 1886 als "Privatmann" bezeichnet
[5] er gehörte wohl kaum zu
den ärmeren Juden, hatte aber immerhin einen relativ niedrigen
Steuerbetrag zu zahlen