Selma Rothschild

geb. 10.2.1867
gest. (ca. 1942/1943, möglicherweise in Minsk [1])

Eltern:
Moritz Rothschild (1833- 1902) und
Karoline, geb. Lieber (1840- 1919)

Geschwister:
Mathilde [2]
Alfred (1871- 1939)
Willi (1879- 1941)

Familienstand:
unverheiratet

Kinder:
-

Wohnung:
Haus No 10 (Elternhaus); heute: Arolser Straße 8 (ab ca 1920 Bäckerei im Besitz der Familie Naumann, später Schwarz)


1921
Sie ist im Ehrenbuch der Stifter für das Kriegerdenkmal zum 1. Weltkrieg verzeichnet.

1923
Im Juli wird gegen ihn auf ein Ordnungsgeld von 1000 M (Verstoß gegen Steuerordnung) erkannt. [3]

1925
Im Juli hatte sie ein Ordnungsgeld von 1 Mark wegen Verstoßes gegen die Steuerordnung zu entrichten.

1929- 1932
Selma Rothschild ist in der Bürgerliste der Wahlberechtigten eingetragen.

30er Jahre
Selma Rothschild unterhielt bis zu ihrer Deportation regen Briefverkehr mit Frau Johanna Evers, mit der sie bis 1930 mehrere Jahre in einem Haus wohnte.
Eine ältere Vöhler Bürgerin erinnert sich, dass sie als Kind einmal bei Bäcker Naumann eingekauft hat, als einige Vöhler Jungen Selma Rothschild dadurch ärgerten, dass sie unter der Regenrinne, die auch die Wohnung von Selma Rothschild vom Brauchwasser entsorgte, ein Feuer gemacht hatten. Da die Jungen wohl aus Erfahrung wussten, was dann geschehen würde, riefen sie das mit dem Brot vorbeikommende Mädchen, das neugierig kam und nach dem Feuer guckte. In diesem Moment öffnete Selma Rothschild oben das Fenster und schüttete den Nachttopf (oder einfach nur Wasser?) auf das Mädchen.

Ende der 30er/Anfang der 40er Jahre
Sie oder Hermine Rothschild besuchen heimlich Frau Engelhardt (Mutter von Herta Müller).

1942
Sie wird am 5. September vom Bürgermeister und einem weiteren ortsbekannten NS-Mitglied in ihrem Haus abgeholt und zusammen mit Johanna Frankenthal und Rickchen Katzenstein zum Bahnhof Itter gebracht. Mit dem Zug fahren die drei Frauen und viele andere Juden der Region nach Kassel, von wo aus sie am nächsten Morgen aus deportiert werden.
Bezüglich Selma Rothschild ist bisher nicht bekannt, wohin sie deportiert wurde.


[1] Quelle für den vermutlichen Todesort: Yad Vashem: The Central Database of Shoah Victim's Names, zit. n. Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, Bundesarchiv, Koblenz 1986; auch Neffe Richard Rothschild hat Selma Rothschild als Opfer des Holocaust an Yad Vashem gemeldet, konnte jedoch keine genaueren Angaben machen.
[2] Lebensdaten bisher unbekannt; laut Auskunft der Neffen Richard und Walter sprach man in der Familie nicht von ihr. Ein Grund dafürist nicht bekannt.
[3] Beim Betrag ist zu berücksichtigen, dass 1923 die Inflation den Geldwert ins Bodenlose stürzen ließ.