Selig Schiff [1]

geb. 3.6.1854 in Altenlotheim [2]
gest. 18.6.1935 in Korbach

Eltern:

Mannes Schiff (1816 oder 1817- ?)
Sarah, geb. Katzenstein (1820- 1866)

Geschwister:
evtl. Salomon

1. Ehefrau:
Auguste (Giedel) Katz (1851- 1901) aus Gilsa
Heirat:
27. Juli 1880 in Altenlotheim

Kinder:
David (geb. 1881)
Sara (geb. 1884)
Moses (geb. 1886)
Willy (geb. 1888)
Abraham (geb. 1890)
Simon (geb. 1893)

2. Ehefrau:
Bertha Hirsch (1875- 1944 in Theresienstadt)

Wohnung:
in Vöhl: [3]
zuerst vielleicht Haus Nr. 72 (Basdorfer Str., später Schröder/Rosenstengel)
dann ein Haus im Kreuzungsbereich Arolser Straße/ Schulberg, das heute nicht mehr steht
in Korbach:
Hinter dem Kloster 3

Beruf:
Die Vöhlerin Herta Müller erzählt, dass er u.a. mit Wachstuchrollen für Schürzenstoff auch ins Waldeckische hinein gehandelt hat.


1886
Er wird am 21. Oktober zu 1 Mark Strafe wegen Verstoßes gegen das Strafgesetzbuch § 368 Pos. g oder 9 verurteilt; als Wohnort wird noch Altenlotheim angegeben.

1898
Selig Schiff wird erstmals als Vöhler Bürger erwähnt [3], kauft ein Haus in der oberen Arolser Straße, gehört bis 1912 zur höher besteuerten Hälfte der Vöhler Bürger

1900
Schiff wird im September mit einer Buße von 4 Mark belegt, die dann jedoch gestrichen wird (Verstoß gegen die Feld- und Forstordnung; der Geschädigte hat die Anzeige wohl zurückgenommen)

WLZ am 9.10.1900:

Vöhl. Hier wurde der Handelsmann Selig Sch. plötzlich verhaftet. Man bringt die Verhaftung in Verbindung mit unsauberen Geschäften, die Sch. [4] in Gemeinschaft mit einem anderen Bewohner unseres Ortes, Abraham B. gemacht haben soll.

1905
Er erhält Besuch von Frieda Hirsch (Schwester seiner Frau).
Auch Sulka Schiff, Verkäuferin, geb. am 1.8.1885 in Münder am Deister, hält sich zu Besuch bei Schiffs auf.

1910
Selig Schiff beschwert sich beim Landratsamt Frankenberg über den Vorstand der israelitischen Gemeinde.

um 1910
Anekdote: [5]

Kostspieliges ABC

V
or reichlich hundert Jahren erblickte in Oberwerba [6] ein jüdischer Handelsmann namens Selig Schiff das Licht der Welt. Er wuchs in recht kleinen Verhältnissen auf, doch folgte der kärglichen Jugend ein beständiger sozialer Aufstieg, zu dessen Förderung der junge Mann seinen Wohnsitz nach Vöhl verlegte, wo sich den Möglichkeiten seines Gewerbes weitere Aussichten boten. In der Tat erfüllten sich seine Erwartungen, deren Rahmen er ohnehin nicht allzu weit gespannt hatte.

Eines Tages (um 1910) überfiel ihn eine Halsentzündung. Weil sie ihn plagte und er auch eine längere Unterbrechung seiner Arbeit vermeiden wollte, suchte er alsbald den Arzt auf, der - es war damals Dr. Seefeld - in der allbekannten Weise verfuhr, sodass sich das folgende, zunächst ganz einseitige Gespräch entwickelte: Dr. Seefeld (nachdem der Patient lediglich den Wunsch ausgesprochen hatte: "Herr Doktor, gucke Se m'r doch mal in de Hals"): "Gut Schiff, machen Sie mal den Mund auf!" Schiff tut's. Darauf der Arzt: "Nun sagen Sie mal A!" Schiff sagt: "Aaaa!" Sei es, dass der Doktor gerade an ein Sprichwort dachte, sei es, dass ihn sonst ein Schalk in Versuchung führte - kurz, er fuhr noch einmal fort: "Sagen Sie auch B!" Schiff, ohne mit der Wimper zu zucken, sagte auch noch: "Beeeehhh!" Damit war's genug, und Seefeld stellte - abschließend, wie er wähnte - fest: "Gut, ich sehe, was es ist, und schreibe Ihnen ein Rezept." Das geschieht.

Nun ergreift auch der Patient erstmals wieder das Wort: "Herr Doktor, was ist denn mei' Schuldichkeit?" Dr. Seefeld: "Drei Mark, Schiff." Darauf folgte dessen Schlusswort: "Ist doch gut, Herr Doktor, dass Sie mich nicht das ganze ABC haben aufsagen lassen!" Das wäre bei 1,50 Mark je Buchstaben allerdings eine hohe Rechnung geworden. Wahrscheinlich haben sich beide über diesen Abschluss gefreut. Beide Teile haben sicher dazu beigetragen, dass die Geschichte bald im Dorfe bekannt war.

Im weiteren Verlauf seines Lebens zog Schiff schließlich nach Korbach, wo sich der eine oder andere Alte vielleicht noch des "Schiffchens" erinnert. Er hat dort, gern auf der Treppe seines Hauses sitzend, ein friedliches Alter verbracht.

1911
Curth Hirschberg, geb.15.7.1905 in Berlin, ist vom 5.7.1911 bis 15.4.1912 bei Selig Schiff (allein).

1912
Selig Schiff zieht mit seiner Frau nach Korbach in das Haus Grabenstraße 3 (inzwischen abgerissen) oder Hinter dem Kloster 3. [7]
In Korbach wird er Viehhändler und handelt mit Schuhwaren.

1935
Selig Schiff stirbt am 18.6.1935 in Korbach.


[1] Er war von kleiner Gestalt, wurde "Schiffchen" genannt und auf einem Relief am Eingang zur Parkrotunde auf dem Korbacher Obermarkt verewigt.
[2] nach einer sicher in diesem Punkt falschen Geschichte von Pfarrer Ferdinand Hoffmann aus Oberwerba stammend
[3] da Moses Schiff wahrscheinlich Sohn von Selig und Auguste Schiff ist und 1886 in Vöhl geboren wurde, ist es möglich, dass Selig Schiff bereits 1886 nach Vöhl zog
[4] bisher ist kein anderer "Selig Sch." bekannt, der 1900 in Vöhl gelebt hat
[5] Quelle: erzählt von Dekan Ferdinand Hoffmann im September 1972
[6] wohl falsch; sicherlich muss es "Altenlotheim" heißen
[7] Quelle: Karl Wilke, Geschichte der jüdischen Gemeinde Korbach