geb. 1.4.1895 in Marienhagen; Vormittags um elf Uhr; Zwillingsbruder
stirbt bei der Geburt
gest. wohl Jahreswechsel 1941/42 oder wenig später in Riga
Eltern:
Moses Schönthal (1847-1913) und
Regina, geb. Kratzenstein (1861-1933)
Geschwister:
?
Ehegatte:
Rosa (Alma) Schönthal, geb. Löwenstein (1902-1942; in Tochter
Ilses Geburtsurkunde steht "Löwenstern")
Heirat:
18.10.1925 in Affoldern
Kind:
Ilse Schönthal (1927- ca 1941/42)
Wohnung:
Marienhagen, bis 1928 im Haus Nr. 50
später: Haus Nr. 35 (an der Hauptstraße, unterhalb der Einmündung
der Mittelstraße),
ab Juni 1937 Herford, Credenstr. 35
Beruf:
Handelsmann
1920
Corbacher Zeitung am 26.4.:
Vöhl, 24. April. Die hiesige sogenannte
alte Sparkasse hat nun schon wieder ihren Besitzer gewechselt.
Der Kaufmann Schöntal-Marienhagen verkaufte sie dem Stellmacher
Münter aus Sachsenberg für den Erstehungspreis. |
Corbacher Zeitung am 3.7.:
| Meine Verlobung |
| mit Herrn Louis Schönthal aus Marienhagen nehme
ich |
| höchst wichtiger
Gründe wegen |
| hiermit zurück. |
| Recha Stein |
|
1928
Die Familie wohnte in Marienhagen, zog am 6. Nov. 1928, weil ihr Marienhagener
Haus nach Blitzschlag abgebrannt war, nach Korbach in die Arolser Landstraße
und kehrte am 23. November nach Marienhagen zurück.
1929
Louis Schönthal ist im "Einwohnerbuch für Waldeck und
Amtsgerichtsbezirk Vöhl für 1929" als Einwohner Marienhagens
eingetragen; er wohnt in Hausnr. 35.
1933
Er meldet den Tod seiner Mutter Regina Schönthal beim Standesamt.
1937
Im Juni zieht die Familie nach Herford.
1938
Ältere Marienhäger berichten, dass sich Louis Schönthal
während der Reichspogromnacht in Marienhagen aufgehalten und dort
versteckt hat, als Männer aus Dorfitter nach Marienhagen kamen
und die Scheiben des Schönthalschen Hauses einwarfen.
Ein standesamtlicher Eintrag auf der Geburtsurkunde am 22. Dezember
1938 teilt mit, er habe zusätzlich den Namen Israel angenommen.
Der Eintrag wird am 27. Aug. 1951 wieder gelöscht. [1]
1941
Am 9. Dezember musste sich die Familie zusammen mit 30 weiteren Herforder
Juden am "Marktplatz einfinden und (sie) wurden zum 'Kyffhäuser'
nach Bielefeld gebracht, der Sammelstelle für die Deportation aus
dem Regierungsbezirk Minden. Etwa 400 Menschen wurden hier unter unzulänglichen
Bedingungen zusammengetrieben. Die Deportation mit Wagen der Reichsbahn
begann am Sabbat, Samstag, dem 13. Dezember 1941, nach Riga. ... Kaufmann
Louis Schönthal mit Frau und Tochter und andere Familien gingen
in den Tod. .... Frau Schönthal wurde zusammen mit ihrer Tochter
erschossen, die sich zum Schutz der Mutter in deren Arme geworfen hatte."[2]
Nach Auskunft von Fritz Müller, Marienhagen, haben Angehörige
der Familie Kaufmann aus Korbach, die im selben Lager wie Louis Schönthal
waren, erzählt, dass in diesem Lager wegen eines nicht bekannten
Vorfalls jeder Zehnte einer Reihe von Männern durch Genickschuss
getötet wurde. Unter diesen Personen sei auch Louis Schönthal
gewesen.
1950
Louis, Rosa und Ilse Schönthal werden vom Amtsgericht Herford am
14. Juli für tot erklärt; der Todestag wird festgesetzt auf
den 8. Mai 1945, 24 Uhr.
[1] Auf Grund eines Gesetzes mussten
im Jahr 1938 alle männlichen Juden zusätzlich den Vornamen Israel, die
weiblichen den Namen Sara führen; er wurde im Geburtsregister nachgetragen.
Nach dem Krieg wurde dieser Nachtrag wieder gelöscht.
[2] Quelle: Juden in Herford: 700
Jahre jüdische Geschichte und Kultur; Christine und Lutz Brade/ Jutta
und Jürgen Heckmanns (Hg.), Bielefeld 1990