Albert Stern

geb. 22. Juni 1869 (nach Bürgerliste der Wahlberechtigten 1929- 1932: 22.7.69)
gest. Oktober 1942 in Theresienstadt [1]

Eltern:
David Stern (1832- 1921) und
Bertha, geb. Buch (1835- 1898)

Geschwister:
Rosalie (1866- 1943)

Familienstand:
ledig

Wohnung:
Haus Nr. 54, später Mittelgasse 3: Viktor Weise, heute Scherbaum

Beruf:
Händler

Karl Müller bezeichnet ihn als Händler und Geldverleiher.
Wilhelm Schmal berichtet, Albert und seine Schwester Rosalie hätten mit Schuhcreme und Sternchenzwirn aus dem Rucksack heraus gehandelt.
Karl Weinreich schreibt, Albert und Rosalie Stern hätten ein Fett- und Seifengeschäft gehabt und etliche Morgen Land besessen. Eine Wiese von 1 ha hat Karl Weinreichs Vater von ihnen gekauft; das Geld sei auf ein Sperrkonto gekommen. Auf der Wiese wohne heute sein Sohn Reinhard (Gartenstraße).


1894
Albert Stern wird wegen Verstoßes gegen die Polizeiverordnung mit einer Buße von 1 Mark belegt.

1896

Er wird im Mai mit einer Buße von 1 Mark belegt.

1911
Stern wird im Mai mit einem Ordnungsgeld von 2 Mark belegt wegen Verstoßes gegen die Feuerwehrordnung; er kann ein ärztliches Attest vorlegen, das seine Dienstuntauglichkeit bestätigt; deshalb wird das Ordnungsgeld wieder gestrichen.

1915
Am 21. 9.1915 erstattet der "stellvertretende Flurschütz" Christian Mander Anzeige:

Heute Morgen am 21. gegen 11 Uhr ist Herr David Stern u. sein Sohn über Friedrich Brühmann sein neu angesäten Acker gegangen im Corbacher Graben.

Bei der Zustellung des Strafbescheids über 1 Mark erhebt Albert Stern Einspruch und beantragt gerichtliche Entscheidung. Er erklärt schriftlich:

Ich bin zwar über das von Friedr. Brühmann gehörende Grundstück gegangen, kann aber mit ....? beweisen, daß er nicht besäet, sondern Stoppelland ist, mithin in keiner Weise Schaden entstanden.


Die Ordnungsstrafe von 1 Mark wird wieder zurückgenommen.

1917
Corbacher Zeitung am 18.2.:

Vöhl, 16. Febr. Der im Kreise Pferde aufkaufende Train-Gefreite Stern ist vom Generalkommando ermächtigt, Pferde freihändig aufzukaufen. Er hat nicht die Befugnis, Pferde gegen den Willen der Besitzer aufzuschreiben oder auszuheben.

1921
Er meldet den Tod seines Vaters David beim Standesamt.

ca. 1925
Nach einem Häuserverzeichnis wohnt er in Haus No 54 (heute Scherbaum).

1929
Er ist im "Einwohnerbuch für Waldeck und Amtsgerichtsbezirk Vöhl 1929" als Einwohner Vöhls eingetragen als Händler in der Mittelgasse 3.

1929-32
Albert Stern ist in der Bürgerliste der Wahlberechtigten eingetragen.

1934
Albert und Rosalie Stern verkaufen das Haus Mittelgasse 1. Das Haus Mittelgasse 3 bleibt vorerst noch in ihrem Besitz.

1936
Albert Stern ist noch als der Besitzer der Häuser mit den Hausnummern 55 und 54 eingetragen. Albert und Rosalie sind frühestens ungefähr zu dieser Zeit nach Frankfurt umgezogen.

Nach der Erinnerung von Helga Schmal und Lina Grams haben Albert und Rosalie Stern zu dieser Zeit, vielleicht noch länger in Vöhl gewohnt.

1938
Im August, als die jüdische Gemeinde die Synagoge verkauft und alle Mittlieder der Gemeinde einen entsprechenden Auftrag zum Verkauf für Alfred Rothschild unterzeichnen, fehlt ihre Unterschrift; also sind sie wohl spätestens zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Vöhl.

1942
Von Frankfurt werden sie nach Theresienstadt deportiert, wo Albert noch im selben Jahr stirbt.

1961
Er wurde in einem Schreiben vom Vöhler Bürgermeisteramt an den Landrat des Landkreises Frankenberg 1961 abgemeldet, d.h. er ist nach dem Krieg nicht zurückgekehrt.

1966
Auf der Rückseite eines Briefes, in dem der Historiker Paul Arnsberg um Informationen über Abreisetermine und Zielorte der Vöhler Juden bittet, wird handschriftlich - möglicherweise von Bürgermeister Huffert - der Name "Stern" notiert und dahinter ein + gemacht; ein Vorname fehlt.

Walter Mildenberg bezeichnet ihn und seine Schwester als sehr zurückgezogen lebende Menschen.


[1] Yad Vashem: The Central Database of Shoah Victim's Names; die Information hat Arnaldo Buch, Sohn eines Cousins, wohnhaft in Bogota, Kolumbien, an Yad Vashem gegeben.