David Stern

geb. 4.10.1832
gest. 10.12.1921, Vormittags um drei und einhalb Uhr
Todesursache: Darmlähmung, Herzschwäche

Eltern:
Selig Stern (1800- 1893) und dessen erste Ehefrau
Rikel, geb. Hess (vor 1817- ca. 1854)

Geschwister und Halbgeschwister:
Helene (nach 1820- nach 1871)
Nadan (geb. 20.12.1834)
Isaac (1836- 1855 oder 1856)
Madilde (geb. 1854)
Mädchen (geb. 1864)

Ehegatte:
Bertha, geb. Buch (1835- 1898)
Heirat:
27. August 1861 (in Gießen durch Dr. Levi, Rabbiner der Provinz Oberhessen)

Kinder:
Rosalie (1866- 1943)
Albert (1869- 1842)

Wohnung:
Haus Nr. 54 (später Viktor Weise, heute Scherbaum)

Beruf:
Handelsmann


Karl Müller nennt ihn "Aron Stern"; entweder irrt er sich in dem Namen oder es ist der jüdische Name von David Stern.


1861
D. Stärn (!) wird am 17. Juli in die Vöhler Ortsbürgerliste aufgenommen; Geb.-Ort Vöhl, Geb.-datum 4. Okt. 1832; Beruf: Handelsmann.

Am 27. August schließt er die Ehe mit Bertha Buch; die Trauungsurkunde lautet:

Der
Großherzogliche Rabbiner der Provinz Oberhessen
Beurkundet andurch, daß er heute am unterfertigten Datum, nach Einsicht des Kreisamtlichen Privatschrieb d.d. Vöhl 17 Juli 1861 und der gerichtlichen Bescheinigung d.d. Hungen 19 August und Vöhl 22 August 1861, daß auch kein privatrechtliches Hinderniß dagegen ver...: den David Stern von Voehl und Bertha Buch von Hungen, dahier zu Gießen in Gegenwart der beiden Zeugen Lehrer Salomon Mayer von Gießen und Gemeindediener Abraham Hehlburg (?) von Gießen nach Vorschrift des israelitischen Ritus ehelich getraut hat: Dessen zur Urkunde dieser Trauungsschein ertheilt worden ist.
Gießen den 27ten August 1861
Dr. Levi

1864- 1867
Er ist Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde.

1864
In einem Häuserverzeichnis zur Volkszählung hat sein Haus die Nr. 54.
In einem Faszikel mit der Mobiliarversteigerung des Hermann Prinz aus Vöhl gibt es eine undatierte Liste, die im selben Zusammenhang stehen könnte und wo vermerkt ist, dass David Stern Gegenstände erworben und 7 fg 35 kr (u.a. 1 Tisch, 3 Stühle) bezahlt hat.

1865
Er ist Vorstandsmitglied der israelitischen Religionsgemeinde zusammen mit L. Kaiser und S. Schönhof.
David Stern ist in einer Liste der inaktiven Mitglieder des Gesangvereins Sängerlust Vöhl notiert. Sein Aufnahmeantrag lautet [1]:

An den Vorstand des Gesangvereins zu Vöhl
Der Unterzeichnete beabsichtigt als Inactives Mitglied aufgenommen zu werden und bittet gehorsamst über Aufnahme abstimmen zulassen und das Resultat hiervon mir gefälligst mitzuteilen.
7. März 1865 Ergebenst
David Stern

1868
Am 25.3. bittet er um Ablösung von der Tätigkeit im Vorstand der israelitischen Gemeinde wegen "Familien- und Geschäftsverhältnissen".
Er kauft einen Hund und meldet ihn bei der Gemeinde an.

1871
Im Vöhler Verzeichnis der Pfändungs- und Versteigerungskosten, die durch Beitreibung der Schulden entstanden sind, ist David Stern als einer von 35 Schuldnern mit einem Betrag von 8 Thaler 28 Silbergroschen 10 Pfennig eingetragen.

1873
Am 4. Januar erhält die bei ihm als Magd beschäftigte Marie Kahl einen Heimathschein.

1879
Für einen Hund zahlt er 3 Mark 43 Steuern.

1883- 1887
Für einen Hund zahlt er 3 Mark 43 Steuern.
Am 8. Juli 1887 meldet er den Hund schriftlich ab.

1883- 1889
In einem Auszug aus der Gewerbesteuer-Rolle des Kreises Frankenberg heißt es über ihn:
Steuerklasse B II; Gewerbe: Branntweinkleinhandel; monatl. Steuersatz: 0,50 M (Der Eintrag wurde gestrichen) Bemerkungen: 1.4.84 abderlarirt

1885
David Stern wird am 17. November erneut in die Vöhler Ortsbürgerliste aufgenommen; die Berufsbezeichnung ist nun Kaufmann. [2]

1877
Nach der Steuerliste der Vöhler Juden zahlt er eine Normalsteuer von 12,57 Mark und einen Beitrag für 6 "Ziele" von 112,86 Mark; zusammen mit Selig Stern zahlt er außerdem eine Normalsteuer von 1,94 Mark und einen Beitrag für 6 "Ziele" von 17,40 Mark; gemeinsam mit Abraham Katzenstein zahlt er eine Normalsteuer von 9 Pfennig und einen Beitrag für 6 "Ziele" von 78 Pfennig; gemeinsam mit Levi Kaiser zahlt er eine Normalsteuer von 6 Pfennig und einen Beitrag für 6 "Ziele" von 54 Pfennig [3].

1878
Er besitzt gemäß Vöhler Rezeß "Im tiefen Thal" 31 a 96 qm; zusammen mit seiner Frau besitzt er außerdem 93 a 47 qm "Hinter den Brunkelgärten" und in Marienhagen ("Mengenscheid") 45 a 75 qm; außerdem in der Vöhler Ortslage einen Hausgarten von 337 qm und Hofraum von 441 qm. Seine jährlichen Grundsteuern dafür betragen 2,84 M.

1884- 1885
Er ist Mitglied des Gemeinderats.

1884- 1889
Im Auszug aus der Gewerbesteuer -Rolle des Kreises Frankenberg pro 1883/84. pro 1888/89 heißt es:
Gewerbe: Kaufmann (Handel mit Frucht, Wolle, Häuten, Vieh u. Spiritus en gros); Umfang des Gewerbebetriebes: recht gut; monatl. Steuersatz; 2,50 M

1889-1906
Er ist Mitglied des Gemeinderats.

1894
Er wird im Oktober wegen Verstoßes gegen die Polizeiverordnung mit einer Buße von 1 Mark belegt.

1895
Nach der Gewerbesteuer-Rolle ist David Stern einer von 12 Gewerbesteuer-Zahlern; er soll 12 Mark Steuern zahlen bei einem Gesamt-Gewerbesteuer-Aufkommen von 216 Mark; mit blauem Buntstift wurde ergänzt: "auf 4 Mk ermäßigt".

1897- 1901
Er ist Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde.

1897
Er wird mit einer Buße von 1 Mark belegt.

1898
Er meldet den Tod seiner Ehefrau dem Standesamt.
Stern wird wieder zum Gemeindeverordneten gewählt, und zwar in der sog. II. Abteilung. [4]

1900- 1902 und 1906
Am 12. Februar 1900 meldet er einen Hund für die Steuer an und bezahlt 4 Mark in den genannten Jahren.

1900- 1908
Er erhält jährlich eine Legitimationskarte für Gewerbetreibende.

1901
David Stern wird mit einer Buße von 1 Mark belegt.

1902
Am 1. Oktober verkauft Gustav Ueberhorst als Bevollmächtigter der Selig Stern`schen Erben Land (Flur 12, No 625/230, i; 1 ar 87 qm Garten) an Friedrich Schmal II. und dessen Ehefrau Karoline geb. Knoche in Vöhl.

1903
Laut einer Zeitungsmeldung vom 22.12.1903 (WLZ) lief am 31. März 1904 eine Amtsperiode für David Stern und 2 weitere Gemeindeverordnete aus; für alle 3 sowie für 2 weitere vorher verstorbene Verordnete wurden für März 1904 Neuwahlen angesetzt.

1904:
WLZ vor dem 15. März 1904:

Vöhl. Die Wahlperiode der Gemeindeverordneten Philipp Müller, David Stern und Daniel Müller dahier läuft mit dem 31. März ab und findet die Neuwahl im März 1904 statt. An Stelle der verstorbenen Gemeindevertreter Ueberhorst und Rothschild sind bei der Neuwahl noch zwei weitere Personen als Mitglieder der Gemeindevertretung zu wählen.

WLZ am 17. März:

Vöhl, 15. März. Am gestrigen Tage fand im Müller'schen Saale hier die Wahl der Gemeindeverordneten statt. Es waren 4 Gemeinde-Verordnete zu wählen. In der I. Abtheilung wurde der Landwirt Daniel Müller und in der 3. Abtheilung der Wagnermeister Philipp Müller einstimmig wiedergewählt. An Stelle des in der 2. Abtheilung ausscheidenden Gemeinde-Verordneten David Stern wurde der Landwirt Hermann Schmidt neugewählt. Herr Stern wurde dann von der I. Abtheilung an Stelle des verstorbenen Gemeindeverordneten Moritz Rothschild gewählt. Unter den Wählern herrschte diesmal eine Einigkeit wie nie zuvor; nachdem die Wahl beendet, amüsierte man sich noch einige Stunden bei einem Glase Freibier.

Er wird im November mit einer Ordnungsstrafe von 2 RM belegt.

1906
Corbacher Zeitung am 24.3.:

Vöhl. Bei der stattgefundenen Wahl eines Gemeinderatmitgliedes der 1.Klasse wurde der Kaufm. David Stern gewählt.

1909
Die Corbacher Zeitung berichtet am 22. Juni, dass anlässlich des 39. Geburtstags des Gerichtsvollziehers Richard Heinze sich die Kapelle Mander ins Sternsche Haus begab und im Morgengrauen 3 Stücke darbot.
Möglicherweise hat der Gerichtsvollzieher im Haus David Sterns gewohnt.

1910- 1913
Er erhält jährlich eine Legitimationskarte für Gewerbetreibende.

1911
Am 20. Juli bringt "Flurschütz" Scheid

... Willy Klingelhöfer, Sohn des Richard Klingelhöfer; Karl Heckmann, Sohn des Landwirts Heinrich Heckmann; Wilhelm Scherf, Sohn des Landwirts Wilhelm Scherf, und Karl Seibel, Sohn des Inf.Gefr. Seibel, sämtlich von Vöhl, hiermit zur Anzeige, weil dieselben am 17. d.Mts. unbefugter Weise, um dem Besitzer ein Ärgerniß und Schaden zu bereiten wovon die vorherigen Kundgebungen zeugten, sich zu dritt auf das zur Stern'schen Hute gehörige Geländer setzten und so die Latte zum Durchbrechen gezwungen haben.

1912
Corbacher Zeitung am 13.3.1912:

Vöhl, 10. März. Bei der gestrigen Wahl der Gemeindeverordneten wurden in der 3. Klasse Herr Sattlermeister Koch und in der 2. Klasse Herr Landwirt H. Plock als Gemeindeverordneten (!) wiedergewählt und in der 1. Klasse an Stelle des Kaufmanns Herrn David Stern Herr Kaufmann Hermann Frankenthal neugewählt. Herr D. Stern ist ein Mann von 77 Jahren und gehört der Gemeindevertretung bereits seit 40 Jahren an. Er war stets ein tüchtiger Vertreter für die Gemeinde und besonders besorgt für das Gemeindebudget.

1915
Am 21. 9.1915 erstattet der "stellvertretende Flurschütz" Christian Mander Anzeige:

Heute Morgen am 21. gegen 11 Uhr ist Herr David Stern u. sein Sohn über Friedrich Brühmann sein neu angesäten Acker gegangen im Corbacher Graben.

Sohn Albert legt Widerspruch ein. Die Ordnungsstrafe von 1 Mark wird daher wieder zurückgenommen.

1917
Im Juli muss er ein Ordnungsgeld von 5 Mark wegen Verstoßes gegen die Steuerordnung bezahlen.

1921
Er ist verzeichnet im Ehren-Buch der Stifter für das Kriegerdenkmal Vöhl für die Gefallenen des 1. Weltkrieges.

Anzeige:

Heute morgen 4 Uhr entschlief sanft nach kurzer Krankheit
unser lieber Vater, der
Kaufmann
David Stern
m noch nicht vollendeten 90. Lebensjahre.
Die trauernden Kinder.
Vöhl und Hamburg, den 10. Dezember 1921.
Die Beerdigung findet am Dienstag um 3 Uhr statt.


Dienstboten nach Vöhler Gesinde-Register:
Martini 1861- ? Katharina Habicht aus Wattenroth (vielleicht Wallenrod bei Lauterbach?) als Magd
29.11.1868- ? Luise Schmidt als Dißmagt (!)
4.1.1873- ? Marie Kahl aus Ober-Orke, 35 Jahre, starke Statur, blaue Augen, gewöhnliche Nase und Mund, blonde Haare, keine besond. Merkmale, als Dinstmagd


[1] Quelle: Gesangverein "Sängerlust" Vöhl 1863 e.V., Dokumentantion über 140 Jahre Vereinsgeschichte 1863-2003, zusammengestellt von Karl Schäfer, Vöhl 2004
[2] Es ist unklar, warum er noch einmal aufgenommen wurde.
[3] Dies heißt, dass er den genannten Betrag sechs Mal pro Jahr zu zahlen hat.
[4] Von 1899 bis 1900 ist ein D. Stein vermerkt; doch da der Name Stein sonst in keinem Dokument auftaucht, ist zu vermuten, dass es sich um einen Schreibfehler handelt und D. Stern gemeint ist.