Martin Sternberg

geb. 18.7.1903 in Katzenfurt bei Wetzlar
gest. 5.9.1942 in Majdanek

Eltern:
?

Geschwister:
?

Ehegatte:
Rahel Rosalie Sternberg, geb. Mildenberg (1904- 1942)
Heirat:
4.5.1931

Kinder:
Günter Siegfried (1932- 1942)

Wohnung:
30er Jahre: Mittelgasse 15
zeitweise Mittelgasse 7 (Haus Salomon Mildenbergs)

Beruf:
Arbeiter [1]


1929- 1932
Martin Sternberg ist in der Bürgerliste der Wahlberechtigten eingetragen. [2]

1931
Am 2. Mai zieht er aus Ehringhausen zu.
Hochzeit am 4.5. in der Vöhler Synagoge; Frau Sorger erzählt, dass Frau Ottilie Scherf, damals wohnhaft auf dem Schulberg, mit einem Familienmitglied der Frankenthals zusammen an der Feier teilgenommen habe; sie habe von einem Stoffdach berichtet, unter dem das Brautpaar gestanden habe.
Helga Schmal, Grete Bock und Minna (spätere Vallbracht) hätten von der Empore aus zugesehen.

1937
Ihm wurde keine Schlachtsteuerermäßigung gewährt.
Karl Weinreich berichtet, Sternberg habe für kurze Zeit das Geschäft seiner Schwiegereltern übernommen, musste dann aber Drainage-Arbeiten verrichten. [3]

1941
Er erhält einen Strafbefehl des Korbacher Amtsgerichts gegen den "Arbeiter Martin Israel Sternberg in Vöhl (Kreis Frankenberg) Eder (!) Mittelgasse 15": "Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Sie, in Vöhl im Jahre 1940 fortgesetzt handelnd es unternommen zu haben, in zwei Fällen mittelbar ohne Genehmigung, Nachrichten in das feindliche Ausland gelangen zu lassen.
Sie haben an Ihren Schwager Max Mildenberg, der sich im Lager St. Gurs befindet, das im unbesetzten Frankreich, also im feindlichen Ausland liegt, Briefe geschrieben und diese zwecks Weiterleitung an Ihren Schwager an das "Kommitee zur Hilfeleistung für die kriegsbetroffene jüdische Bevölkerung" in Genf senden lassen.
Sie geben das zu. ...... Es wird gegen Sie eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen festgesetzt. Die erfaßten Briefe werden eingezogen". [4]

1942
Pfarrer Maier gibt die Aussage eines anderen wieder: "Sternberg und seine Frau Rosi wurden geholt - zunächst nach Wrexen..."
Lina Grams erzählt, sie habe gehört, dass man zuerst nur den Sohn Günther geholt hat. Der Sohn und die zurückbleibende Mutter hätten furchtbar geschrien. Kurze Zeit später sind auch Martin und Rosalie Sternberg geholt worden.
Wie wir wissen, wurden im Laufe des Jahres 1942 zunächst Sohn Günter Sternberg und nach Zeugenberichten einen Tag später auch seine Eltern zunächst nach Wrexen gebracht. Von dort wurde die Familie Ende Mai 1942 nach Kassel und von dort am Dienstag, dem 1. Juni nach Osten deportiert. Wahrscheinlich am 3. Juni kam der Zug in Lublin an. Die arbeitsfähigen Männer - darunter wohl auch Martin - mussten dort aussteigen und wurden nach Majdanek getrieben, während der Zug mit den Frauen, Kindern und alten Männern, also wahrscheinlich auch mit Günter und seiner Mutter Rosalie, nach Sobibor weiter fuhr. Wahrscheinlich wurden sie dort innerhalb von 2 Stunden nach ihrer Ankunft vergast.
Die Männer wurden in Majdanek am 3. Juni registriert. Sie mussten Schwerstarbeit leisten. Die durchschnittliche Lebenserwartung dieser Häftlinge in Majdanek betrug 3 Monate. Es gab aus diesem Transport nur einen einzigen Überlebenden. [5]

1961
Er wie alle anderen Juden, die nach dem Krieg nicht nach Vöhl zurück kamen, wurden vom Vöhler Bürgermeisteramt an den Landrat des Landkreises Frankenberg 1961 abgemeldet.


[1] laut Geburtsurkunde des Sohnes Günter Siegfried: Kaufmann
[2] Angesichts der folgenden Angaben ist davon auszugehen, dass er erst 1932 oder 32 nachgetragen wurde.
[3] Sternberg hatte zunächst als Kaufmann gearbeitet. Ungefähr 1937 war ihm das nicht mehr gestattet und er hat eine Beschäftigung im Tiefbau bei der Firma Rohde gefunden.
[4] Schwager Max Mildenberg musste im Februar 1939 Deutschland verlassen. Vor dem Krieg floh er wohl im Frühjahr 1940 von Belgien nach Frankreich. Dort wurde er verhaftet und in verschiedenen Lagern interniert.
[5] Quelle: Monica Kingreen, Telefongespräch am 20. Februar 2003; außerdem: "Die gewaltsame Verschleppung der Juden aus den Dörfern und Städten des Regierungsbezirks Kassel in den Jahren 1941 und 1942"