Rosalie Sternberg
geb. Mildenberg

geb. 13.7.1904 in Vöhl, Vormittags um acht Uhr; jüd. Name Rahel
gest. 3. Juni 1942 in Sobibor (?)

Eltern:
Salomon Mildenberg (1857- 1934)
Amalie Mildenberg, geb. Buchheim (1872- 1942)

Geschwister:
Max Mildenberg (1902- ca. 1942)

Ehemann:
Martin Sternberg aus Katzenfurt (1903- 1942)
Heirat:
am 4.5.1931

Kinder:
Günter Siegfried (1932- 1942)

Wohnung:
1904: Haus Nr. 72 (Basdorfer Str., Schröder/ Rosenstengel; abgerissen)
Mittelgasse 15


1929- 1932
Rosalie Sternberg ist in der Bürgerliste der Wahlberechtigten eingetragen. 1929 wurde sie wohl zunächst unter ihrem Mädchennamen "Mildenberg" eingetragen, nach der Heirat dort gestrichen und unter dem neuen Namen eingetragen.

1931
Hochzeit am 4.5. in der Vöhler Synagoge; Frau Sorger erzählt, dass Frau Ottilie Scherf, damals wohnhaft auf dem Schulberg, mit einem Familienmitglied der Frankenthals zusammen an der Feier teilgenommen habe; sie habe von einem Stoffdach berichtet, unter dem das Brautpaar gestanden habe.
Helga Schmal, Grete Bock und Minna (spätere Vallbracht) hätten von der Empore aus zugesehen.

1939
Standesamtlicher Eintrag in die Geburtsurkunde, sie habe zusätzlich den Vornamen Sara angenommen; der Eintrag wird am 27.8.1951 wieder gelöscht. [1]

1941
Strafbefehl des Korbacher Amtsgerichts gegen "Frau Rose Sara Sternberg geb. Mildenberg in Vöhl (Kreis Frankenberg) Mittelgasse 15": "Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Sie, in Vöhl im Jahre 1940 fortgesetzt handelnd es unternommen zu haben, in zwei Fällen mittelbar ohne Genehmigung Nachrichten in das feindliche Ausland gelangen zu lassen. Sie haben an Ihren Brudre (!) Max Mildenberg, der sich im Lager St. Gurs befindet, das im unbesetzten Frankreich, also im feindlichen Ausland liegt, Briefe geschrieben u. diese in Ihrem Einverständnis zwecks Weiterleitung an Ihren Bruder an das "Kommitee zur Hilfeleistung für die kriegsbetroffene jüdische Bevölkerung" in Genf zur Absendung bringen lassen.
Sie geben das zu. ...... Es wird gegen Sie eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen festgesetzt. Die erfaßten Briefe werden eingezogen."

1942
Lina Grams erzählt, sie habe gehört, daß man zuerst nur den Sohn Günther geholt hat. Der Sohn und die zurückbleibende Mutter hätten furchtbar geschrien. Etwas später wurde Rosalie ebenso wie ihr Mann ins Sammellager Wrexen deportiert.
Pfarrer Maier gibt die Aussage eines anderen wieder: "Sternberg und seine Frau Rosi wurden geholt - zunächst nach Wrexen..."

Wie wir wissen, wurden im Laufe der ersten Hälfte des Jahres 1942 Günter Sternberg und nach Zeugenberichten einen Tag später auch seine Eltern zunächst nach Wrexen gebracht. Von dort wurde die Familie Ende Mai 1942 nach Kassel und von dort am Dienstag, dem 1. Juni nach Osten deportiert. Wahrscheinlich am 3. Juni kam der Zug in Lublin an. Die arbeitsfähigen Männer - darunter vielleicht auch Martin Sternberg - mussten dort aussteigen und wurden nach Majdanek getrieben, während der Zug mit den Frauen, Kindern und alten Männern, also wahrscheinlich auch mit Günter und seiner Mutter Rosalie, nach Sobibor weiter fuhr. Wahrscheinlich wurden sie dort innerhalb von 2 Stunden nach ihrer Ankunft vergast. [2]

Lebensdaten nach Descendancy Chart: 1904-1942

1961
Sie wie alle anderen Juden, die nach dem Krieg nicht nach Vöhl zurück kamen, wurden vom Vöhler Bürgermeisteramt an den Landrat des Landkreises Frankenberg 1961 abgemeldet.


[1] Auf Grund eines Gesetzes bekamen alle Juden zusätzliche Vornamen (Sara für Frauen, Israel für Männer), die in die Geburtsurkunden nachgetragen wurden. Nach dem Krieg wurden die Einträge wieder gelöscht.
[2] Quelle: Monica Kingreen, Telefongespräch am 20. Februar 2003; außerdem: "Die gewaltsame Verschleppung der Juden aus den Dörfern und Städten des Regierungsbezirks Kassel in den Jahren 1941 und 1942"