| Besuch der jüdischen Friedhöfe in
Gemünden und Grüsen Termin: Sonntag, 22. August 2010 Abfahrt: 14:00 Uhr mit durch Förderkreis organisierten Privat-Pkws Kosten: nur anfallende Treibstoffkosten werden umgelegt Treff: Henkelhalle Anmeldung: Karl-Heinz.Stadtler@t-online.de, 05635-1491 oder 1022 Schon 1537 wird in Gemünden „Jacob, der Judt“ erwähnt, und 1571 finden sich in den Gerichts- und Salbüchern der Stadt weitere Hinweise auf Juden; im 17. und 18. Jahrhundert sind mehrfach Schutzjudenfamilien verzeichnet. Eine Synagoge wurde 1823 in der Untergasse 27 errichtet, als etwa 40 jüdische Bürger in dem Wohra-Städtchen lebten. 1905 waren es 71, 1933 noch 44 Juden, hinzu kommen noch etwa ähnlich viel jüdische Gemeindemitglieder aus dem Nachbarort Grüsen. Die Juden waren als Händler mit Vieh, Spezerei, Tuchwaren, Pottasche und Teer über Jahrhunderte in Gemünden integriert. Mit der Machtübernahme der Nazis änderte sich dies schlagartig: Es blieb den jüdischen Gemündenern kaum noch eine Existenzmöglichkeit, sie wurden schikaniert, bis auf vier Familien wanderten alle aus, 1939 gab es noch elf jüdische Personen, von denen nur einer die Deportation in die NS-Todeslager überlebte. Auch in Grüsen lebten schon lange Juden, als die Nazis die Macht übernahmen. Etwas Besonderes war der Kibbuz: Nach der „Machtergreifung" Adolf Hitlers im Januar 1933 wuchs der Druck der Nationalsozialisten auf die Juden. Viele entschieden sich zur Auswanderung. Dadurch frei werdende Ländereien wurden ab 1934 an die Reichsvertretung der Juden verkauft oder verpachtet. Sie richtete darauf Ausbildungsstätten für Auswanderungswillige nach Palästina ein. Im April 1934 kamen etwa 20 bis 30 Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren ins Dorf, um die Grundzüge der Landwirtschaft und Gärtnerei zu lernen: aussäen, ernten, melken oder züchten. Außerdem übten sie Hebräisch und hörten Vortrage über Palästina und die Geschichte des Sozialismus. Untergebracht waren sie im Saal des jüdischen Gastwirts Jakob Marx, auch die Familien Sußmann Marx und Sabine Marx nahmen Gäste auf. In Akten des Frankenberger Landratsamts und der Gestapo sind die Namen von 125 jungen Leuten erfasst, die bis 1938 in Grüsen waren. Unter ihnen waren Walter Marx aus Grüsen, Gerdi Kohlhagen aus Höringhausen und Richard Rothschild aus Vöhl. Nach der „Reichskristallnacht" schwappte der organisierte Zorn der Nazis auch auf den Kibbuz über. In der Nacht zum 11. November marschierten SA und SS auf und zerstörten die benachbarte Synagoge. Die Juden flohen zunächst, doch am Tag fanden die Nazis sie, trieben sie in einen Bus und karrten sie ins Konzentrationslager Buchenwald. Doch nach wenigen Tagen durften sie nach Grüsen zurückkehren. Das starke Echo auf die "Kristallnacht" im Ausland bescherte eine "kurze Atempause". Entscheidend war daneben, dass die Kibbuz-Bewohner ihre Auswanderungsabsicht nachweisen konnten. Dennoch bedeutete die Terrornacht das "Aus" für den Grüsener Kibbuz. Viele Juden verließen eilig das Dorf. Der Gendarmerie-Hauptwachtmeister Haan teilte dem Landrat fernmündlich mit, "dass im Zionistenlager Gemünden etwa 20 bis 25 Zentner Alteisen angefallen wären, und bat, die alsbaldige Abholung zu veranlassen". Klartext; Die Nazis hätten den Juden Werkzeug und Ackergerät zerstört oder weggenommen. Vom Schicksal der letzten Kibbuzbesatzung ist bis heute nichts bekannt. Über die Geschichte der jüdischen Gemeinden in Gemünden und Grüsen finden sich zahlreiche Presseartikel, Dokumente und Bilder auf der Homepage der Synagoge Vöhl: www.synagoge-voehl.de/Juden_im_Landkreis/index.htm wenn man auf die entsprechenden Ortsnamen der Landkarte klickt. Der Förderkreis Synagoge in Vöhl lädt zu einem Besuch der jüdischen Friedhöfe in Gemünden und Grüsen ein. Karl-Heinz Stadtler wird vor Ort über Einzelheiten der Geschichte der Juden aus diesen beiden Orten berichten. Wer an der Fahrt am 22. August 2010 teilnehmen möchte, ist hierzu herzlich eingeladen. Bei ausreichendem Interesse werden wir mit einem Bus fahren, anderenfalls mit PKWs Fahrgemeinschaften bilden. Die entstehenden Fahrtkosten werden aufgeteilt, also nicht sehr hoch sein. Um alle Details rechtzeitig planen zu können, bitten wir um rechtzeitige Anmeldung unter den oben genannten Kontaktadressen. |