HNA
- Waldeckische
Allgemeine und/oder
Frankenberger Allgemeine
Samstag,
28. Oktober 2006
Kunst der Saitensprünge
Synagoge: Förderverein präsentiert eine Collage aus Film,
Livemusik und Lesung
VON MAJA YÜCE
VÖHL. Fast 40 Konzerte hat der Förderkreis Synagoge
in Vöhl in den sieben Jahren seines Bestehens schon veranstaltet.
Am Samstag, 11. November, steht ab 20 Uhr jedoch etwas vollkommen Neues
auf dem Programm: Drei Künstler haben die Vöhler Synagoge
für die "Welturaufführung" eines ehrgeizigen Projekts
ausgewählt: "eine Multi-Media-Performance der ganz besonderen
Art, eine noch nie dagewesene Collage aus Film, Livemusik und Lesung",
verspricht der Vorsitzende Kurt-Willi Julius.
Kino-Meisterwerk
Im Mittelpunkt steht Paul Wegeners Meisterwerk des deutschen expressionistischen
Kinos "Der Golem", gedreht 1920. Der Film spielt im 16. Jahrhundert
in Prag. Rabbi Löw haucht einer Lehmstatue Leben ein. Der Koloss
rettet dem Kaiser das Leben, worauf dieser ein Dekret widerruft, das
die Vertreibung der Juden aus Prag verordnet hatte. Als sich der Golem
in Folge einer verhängnisvollen Konstellation der Gestirne gegen
seinen Schöpfer auflehnt, bricht ein kleines Mädchen seine
Lebenskraft.
Der Stummfilm wird live begleitet von Pierre Pouget (Komposition, Gitarre,
Klangkulissen), Gabriela Kaufmann (Klezmerklarinette) und Alexander
May (Lesung).
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Kommt nach Vöhl:
Schauspieler Alexander May
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Ausgezeichnet:
Gabriela Kaufmann
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Lebt und liebt sein
Instrument: Pierre Pouget
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Pierre
Pouget lebt von seinem Instrument und für es. An der Pariser Musikhochschule,
an der auch einmal Claude Debussy, Erik Satie und Quincy Jones eingeschrieben
waren, studierte Pouget bei Alexandre Lagoya Komposition, Kontrapunkt
und klassische Gitarre. Der Gitarrenakrobat beherrscht mühelos
die Kunst der Saitensprünge zwischen allen Stilen. Von französischem
Cancan bis zu Balkan, von Barock bis Rock, von Raga bis Ragtime.
Gabriela Kaufmann ist Preisträgerin des Internationalen Kammermusikwettbewerbs
in Privas (Frankreich). Den Liebhabern von Klezmer-Musik ist sie als
Klarinettistin der Gruppe "Klezmers Techter" ein Begriff.
Ansichten eines Clowns
Parallel zu dieser spannungsvollen Mischung aus speziell für diese
Performance komponiertem Soundtrack und traditioneller jiddischer Musik
wird Alexander May aus dem Buch "Golem" von Gustav Meyrink
lesen, einem Klassiker der phantastischen Literatur. May wurde an der
Düsseldorfer Schauspielschule noch unter Gustaf Gründgens
ausgebildet. May spielte in anspruchsvollen Filmproduktionen mit. Als
"Opas Kino" im Sterben lag, war er in Vojtech Jasnys "Ansichten
eines Clowns" zu sehen, für seine Darstellung in der "Tätowierung"
von Johannes Schaaf, erhielt er 1968 den Bundesfilmpreis.
Für die Veranstaltung, die in Zusammenarbeit mit
dem Medienzentrum Frankenberg organisiert wurde, wird kein Eintritt
erhoben (Spenden willkommen). Um so wichtiger ist es, telefonisch (05635-336)
oder per E-Mail (julius@synagoge-voehl.de) zu reservieren, da nur eine
begrenzte Anzahl von Plätzen zur Verfügung stehen wird.
Hintergrund
Das
Programm
Am 9. November, der Reichspogromnacht, begeht der Förderkreises
"Synagoge in Vöhl" sein siebenjähriges Bestehen.
Aus diesem Anlass möchte präsentiert er die Collage am 11.
November. Einen Tag später wird der fertige Sakralraum eingeweiht.
Mit dabei: Vöhler Chöre.