HNA
- Waldeckische
Allgemeine und/oder
Frankenberger Allgemeine
Montag, 13. November 2006
Multimedia in der Synagoge
Projekt Golem zum siebenjährigen Bestehen des Fördervereins
aufgeführt
VÖHL. Selten nur hat man die Gelegenheit, einer
hochkarätig besetzten Uraufführung beizuwohnen. Und wenn,
muss man dazu in der Regel mindestens nach Hamburg, Düsseldorf
oder Berlin fahren. Am Wochenende hingegen bot sich solch eine Gelegenheit
in der ehemaligen Synagoge in Vöhl. Zum siebenjährigen Bestehen
präsentierte der Förderverein die erste Aufführung des
"Multimediaprojekts Golem".

Film und Musik: Verbunden werden die beiden Elemente durch
gespielte Improvisationen der bekannte Klarinettistin Gabriela
Kaufmann (rechts) und des Gitarristen Pierre Pouget. Foto:
Rau
Collage
"Multimedia" ist in unserer Zeit zu einem Modewort verkommen.
Meist deutet es an, dass Dinge mit (oft unangemessenem) Aufwand an Computertechnik
vorgeführt werden. In der Vöhler Uraufführung hingegen
wurde der Ausdruck wortwörtlich genommen: Die Medien Film, Tonaufnahmen,
Livemusik, szenische Einlagen und Sprechstimme wurden in dem Projekt
zu einer Collage vereinigt.
Im Mittelpunkt standen dabei zwei Werke aus dem zweiten Jahrzehnt des
zwanzigstens Jahrhunderts: der Stummfilmklassiker "Der Golem"
von Paul Wegener und Ausschnitte aus Gustav Meyrinks gleichnamigem Roman.
Während im Film die Prager Sage um den Kunstmenschen Golem im Mittelpunkt
steht, handelt das Buch hauptsächlich von der Identitätssuche
des Ich-Erzählers, die mit der Sage nur am Rande zu tun hat.
Verbunden werden die beiden Elemente durch gespielte Improvisationen
der bekannte Klarinettistin Gabriela Kaufmann und des Gitarristen Pierre
Pouget, der auch die Idee zu dem Projekt hatte. Die Livemusik erklang
zusätzlich zu der Tonspur, mit der Pouget den Film eigens unterlegt
hatte.
Der Schauspieler Alexander May, der einige Darsteller aus dem Film selbst
noch kannte, eröffnete den Abend mit dem ersten Kapitel aus Meyrinks
Buch. Zwischen den Abschnitten des Films las er sehr ausdrucksstark
weitere Abschnitte, die thematisch jeweils zu einem gezeigten Standbild
aus dem Film in Bezug standen.
Ungewöhnte Klangeffekte
Pouget überraschte in seinen Improvisationen immer wieder durch
ungewohnte Klangeffekte. Warum sich hingegen Kaufmann hauptsächlich
auf gängige musikalische Floskeln beschränkte, wurde nicht
ganz deutlich. Das Publikum jedenfalls zeigte sich von dem Projekt beeindruckt.
"Ich finde es wunderbar, wie die Künstler zu dritt gewirkt
haben", urteilte Dagmar Kunke aus Sachsenhausen.
Das alles reibungslos klappen würde, sei in der Generalprobe noch
nicht abzusehen gewesen, meinte Kurt-Willi Julius vom Förderverein.
Für die gelungene Aufführung dankte er den Künstlern
und der Bildstelle in Frankenberg, die den Film zur Uraufführung
zur Verfügung stellte. (ad)