HNA
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Frankenberger
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Sonntag,
30. Januar 2011
Er sprach
von Versöhnung
Bruno Frankenthal, letzter jüdischer Bürger aus Altenlotheim,
verstarb in Israel
VON KARL-HERMANN
VÖLKER
FRANKENAU/VÖHL. 93 Jahre ist
er alt geworden. Nun ist Bruno Frankenlhal in Israel gestorben. "Er hat immer
davon gesprochen, noch einmal in seinen Geburtsort Altenlotheim zurückzukehren",
berichtete Karl-Heinz Stadtler vom Förderkreis der Synagoge Vohl. Im Juni
2007 hatte Stadtler mit dem damaligen Frankenauer Bürgermeister Dr. Reinhard Kubat
und vielen Altenlotheimer Bürgern den jüdischen Gast bei einem Rundgang durch
das Dorf begleitet. "Vor jedem Haus blieb Frankenthal stehen und kannte noch
die Familiengeschichte", berichtete Stadtler.
In der Frankenberger Altstadt
schilderte Bruno Frankenthal, der wie viele andere jüdische Männer in der Reichspogromnacht
im November 1938 verhaftet worden war, am Haus der ehemaligen Synagoge Hainstraße
31 sichtlich gerührt das Schicksal des mit ihm in das KZ Buchenwald verschleppten
Lehrers Ferdinand Stern. Er musste als Häftling den in der ganzen Region bekannten
und beliebten Lehrer und Vorbeter nach dessen Tod aus der Latrine-Grube bergen
helfen. Aus dem KZ war Frankenthal im Dezember 1938 von den Nazis mir der Auflage
entlassen worden, Deutschland innerhalb eines Monats zu verlassen. Mit Glück und
Hilfe kam er über Chile nach Bolivien und späler nach Argentinien, wo er in einer
Großwäscherei, später in der Lederbranche arbeitete.
Blick
nach vorne
1963 zog er mit der Familie nach Israel und
war dort auch in einer Lederfabrik tätig. Erste Beziehungen nach Deutschland nahm
Frankenthal 1972 auf - auch wenn ihm das nicht leicht fiel. "Als wir in Düsseldorf
ankamen und zum ersten Mal wieder deutschen Boden betraten, hatten wir eine Gänsehaut",
berichtete er später.
Bei Bruno Frankenthals Besuchen in Frankenau und
Vöhl wurde deutlich, dass der humorvolle und warmherzige Mann, obwohl er
fast die gesamte Familie und seine Freunde verloren hatte, nach vorne blickte
und von Versöhnung sprach, dabei auch die Menschen würdigte, die ihm in schweren
Zeiten geholfen hatten.
Die Heimkehr der Frankenauer Thora-Rolle aus den
USA mit der Familie David Auerbach im Juni 2007, der Empfang durch Pfarrer Harald
Wahl vor der Kirche, Gespräche mit Bürgern der Region, vor allem aber die Freude,
mit der der Vorbeter Frankenthal in der zum Kulturdenkmal gewordenen Synagoge
Vöhl die Thoraschrift noch einmal auslegen durfte, haben den damals 90jährigen
hoffnungsvoll aus Deutschland Abschied nehmen lassen.

In
der Vöhler Synagoge: 1977 legte
Bruno Frankenthal dort das Wort der
Thora
als Friedenszeugnis aus. Foto: Völker
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