Waldeckische Landeszeitung und/oder Frankenberger Zeitung
Dienstag, 7. November 2006
Gedenken an die Opfer der Pogromnacht in Vöhler Martinskirche
und jüdischem Gotteshaus
Sakralraum der Synagoge wird eingeweiht
VÖHL (r/md). Am 9. November jährt sich zum 68. Mal der
Tag, an dem in Deutschland fast alle Synagogen zerstört oder geschändet
wurden. Dem Novemberpogrom von 1938 werden Bürger aus Vöhl
und Umgebung am Donnerstag in der Martinskirche und der Synagoge in
Vöhl gedenken. Am Wochenende will der Förderkreis "Synagoge
in Vöhl" mit einem zweitägigen Fest die Fertigstellung
des Sakralraumes feiern - seine Restaurierung ist nach mehrjähriger
Bauzeit abgeschlossen.

Vor sieben Jahren, am 9. November 1999, gründeten 74 Bürger
aus Vöhl und Umgebung
den Förderkreis "Synagoge in Vöhl", dem inzwischen
über 200 Mitglieder angehören.
Sie wollen mit der Erhaltung der Synagoge die Erinnerung an die jüdischen
Bürger
wachhalten, die aus Vöhl, Basdorf, Marienhagen und Ober-Werbe stammten.
Alljährlich besuchen mehrere tausend Menschen die Vöhler Synagoge.
(Foto: md)
Mit der Schändung und Zerstörung fast aller Synagogen war
der vorläufige Höhepunkt staatlich angeordneter und geduldeter
Ausschreitungen gegen jüdische Bürger erreicht, der später
in der Ermordung von über sechs Millionen deutschen und europäischen
Juden sein schreckliches Ende fand. Auch über 50 Vöhler wurden
Opfer der Menschen verachtenden Rassenpolitik der Nationalsozialisten.
Während das über 250-jährige Zusammenleben 1942 mit der
Deportation der letzten Juden auch in Vöhl ein abruptes Ende fand,
blieb ihr Ort der Versammlung, ihr Ort der Begegnung mit Gott: die Synagoge.
Der Förderkreis "Synagoge in Vöhl" - ihn gründeten
am 9. November 1999 insgesamt 74 Bürger, um die Synagoge zu erhalten
- und die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde wollen den Abend des
9. November zum gemeinsamen Gedenken und zu einem Ausblick in die Zukunft
nutzen: Um 19.30 Uhr wird zum Friedensgebet in die Martinskirche Vöhl
eingeladen und um 20 Uhr ist ein Gedenken in der Synagoge unter Mitwirkung
des Vöhler Flötenquartetts und von Cornelia Kleinhans-Stürzl.
Nach langer Bauzeit ist die Restaurierung der Außenfassade und
des Sakralraums abgeschlossen. Das will der Förderkreis "Synagoge
in Vöhl" im
Rahmen eines zweitägigen Festes am kommenden Wochenende feiern.
Für die Veranstaltung am Samstag um 20 Uhr, die durch Lesung und
Livemusik begleitete Vorführung des Stummfilmklassikers "Der
Golem" von 1920 (wir berichteten), gibt es nur noch wenige Karten,
erklärt Kurt-Willi Julius, Vorsitzender des Förderkreises.
Für Sonntag, 12. November, ist um 17 Uhr ein Festakt zur Einweihung
der Synagoge unter Mitwirkung der Chorgemeinschaft Vöhl/Basdorf
und des Vöhler Kirchenchores in der Synagoge vorgesehen.
Alle interessierten Bürger aus Vöhl und Umgebung sind willkommen,
am Friedensgebet am Donnerstag und an der Feierstunde am Sonntag teilzunehmen.