Waldeckische Landeszeitung und/oder Frankenberger
Zeitung
Dienstag, 10. Juli 2007
Künstlerin stellt sich den Fragen von Besuchern der "Sternenbretter"-Ausstellung
Eva René Nele zu Gast in der Vöhler Synagoge
VÖHL (cs). Die berühmte Künstlerin Eva René Nele war am Sonntagnachmittag
wieder zu Gast in der Synagoge in Vöhl. Dabei stand sie Besuchern der
Ausstellung "Kunst aus Sternenbrettern" Rede und Antwort.
Ihr Exponat, das 2004 entstand, trägt den Titel: "Die letzten Aufrechten".
"Die letzten Aufrechten" (2004): Künstlerin Eva René Nele
und
der Vorsitzende des Fördervereins der Vöhler Synagoge,
Kurt-Willi Julius. (Foto:
cs)
Eva René Nele ist geborene Berlinerin, zog aber schon
1934 als zweijähriges Mädchen mit ihren Eltern nach Kassel um. Ihr Vater
ist der „documenta“- Gründer und Kunstprofessor Arnold Bode. In Kassel
erlebte die junge E. R. Nele die NS-Zeit, die ihr künstlerisches Schaffen
maßgeblich beeinflussen sollte. Denn damit verarbeitet sie nicht zuletzt
traumatische Kindheitserlebnisse, wie beispielsweise den menschenunwürdigen
Transport von NS-Zwangsarbeitern in Kassel, den sie selbst mitbekam.
Auch ihr Werk in der Ausstellung "Kunst aus Sternenbrettern",
welche ausschließlich Werke umfasst, die zu einem Teil aus Brettern
der alten Kuppel der Vöhler Synagoge bestehen, nimmt Bezug zu dieser
schrecklichen Zeit. "Die letzten Aufrechten" sind eiserne
Figuren, die in ihren gestreckten Händen das alte Holzteil mit einem
abgebildeten Stern hochhalten. Wie eine Art Fahne soll dieses Holzstück
den Glauben symbolisieren, mit dem jüdische Gefangene in Konzentrationslagern
versuchten, trotz des „grässlichen Dilemmas eine Hoffnung zu ziehen“,
erklärt Nele.
Mit diesem Werk hatte sich die Künstlerin bereits 2004 an einer Aktion
beteiligt, als ihr der Vorsitzende des Fördervereins der Vöhler Synagoge,
Kurt-Willi Julius, ein Stück Holz der alten Synagogenkuppel brachte,
um es in einem Kunstwerk zu verarbeiten. Mit Freude habe sie an diesem
Projekt gearbeitet, da aufgrund ihrer Erfahrungen dieses Thema für sie
von besonderer Wichtigkeit sei. Deswegen sei sie auch am Sonntag gerne
nach Vöhl gekommen, um mit Besuchern der Ausstellung persönlich darüber
zu sprechen.