Waldeckische Landeszeitung und/oder Frankenberger Zeitung
Dienstag, 9. Juni 2009
Von Partymusik bis zum Konzerterlebnis
"Hotel Bossa Nova" in der Vöhler Synagoge
VON BERND SCHLIETER
Vöhl. "Schuld war nur der Bossa Nova...". Die
älteren Zuhörer in der wie immer dicht besetzten Vöhler Synagaoge werden
sich noch gut an diesen Partyhit der 60er-Jahre erinnern. Ein Sternchen
namens Manuela sang ihn und er war viele Male die Nummer eins in den
Schlagerhitlisten.
Dann war es still um den Bossa Nova, bestenfalls spielte er noch als
Kaufhaus- oder Loungemusik eine Rolle. Dass diese brasilianische Variante
des Jazz auch mehr sein kann als Berieselungsmusik, bewies der Auftritt
der in Wiesbaden beheimateten Band "Hotel Bos-sa Nova". So
wurde die Vöhler Synagoge unerwartet zum exotischen Jazzclub mit einer
beseelt aufspielenden Band, die Musik als farbige Mischung aus Bossa,
Samba, Fado und Latin Jazz präsentierte.
Im Zentrum des Geschehens die in Flörsheim geborene Indo-Portugiesin
Liza da Costa: Schön anzusehen, aber noch viel schöner anzuhören. Mit
charmantem Lächeln und verführerischem Hüftschwung schuf sie genau die
Stimmung, die den Bossa in Südamerika so populär macht. Mal agierte
sie draufgängerisch, forsch, mal zurückhaltend zärtlich, mit leichtem
melancholischen Timbre in den schwermütigen Fado-Gesängen; aber auch
mit humorigem Augenzwinkern wusste sie sich zu präsentieren. So geriet
"O Bato", ein Lied über eine Ente, eine Gans und einen Schwan,
die so gerne einmal im Karneval singen möchten, aber letztlich erkennen
müssen, dass sie nur schnattern können, zu einem tierischen Vergnügen.
Liza da Costa zur Seite ein Spitzentrio, mit Wolfgang Stamm als Drummer,
der auf Snare, Becken, Conga und Shaker Synkopen und Kreuzrhythmen hervorzauberte,
dass man nur noch staunen konnte. Alexander Sonntag am Bass lieferte
den samtigen Puls zum musikalischen Geschehen mit gelegentlichen virtuosen
Ausflügen in die höchsten Lagen sein Instrumentes.
Star des Abends wohl Tillmann Höhn an der Gitarre. Als ein Saitenderwisch
der Extraklasse präsentierte er sich, der mühelos das harmonische Fundament
für die Sängerin lieferte, aber auch immer wieder mit atemberaubenden
Soli in den Mittelpunkt drängte und dafür begeisterten Zwischenapplaus
erhielt.
Die durchweg portugiesischen Texte aus teils eigener Feder handeln von
armen Fischern und der Liebe zum Meer, Mitternachtshitze, Strand, Natur,
schildern die dunklen Viertel der großen Städte, aber auch schöne Landschaften
und natürlich immer wieder die Freuden und auch den Frust der Liebe.
Was man den sympathischen "Hotel Bossa Nova"- Leuten für die
Zukunft wünschen möchte? Vielleicht sollte man es auch einmal mit einer
anderen Stilrichtung probieren, vielleicht auch den einen oder anderen
Bläser integrieren. Dann käme bestimmt noch mehr Abwechslung in die
Musik; und dass einige Plätze nach der Pause leer blieben, würde wohl
auch nicht mehr geschehen.