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"Synagoge in Vöhl" e.V.

Gründe für das Gedenken

Gründe für das Gedenken

Nach und nach entzünden Jugendliche 72 Kerzen, um der ermordeten Vöhler Juden zu gedenken. Foto:  ©Wilhelm Figge

Von Wilhelm Figge

Vöhl. Vergessen wollen die Besucher in Vöhler Kirche und Synagoge nicht – schließlich sind sie zusammengekommen, um sich an die Pogromnacht des 9. November 1938 zu erinnern. Je länger der Abend dauert, desto mehr Gründe für das Erinnern nennen die Redner.

Menschen nicht vergessen

„Wenn wir die Namen der Opfer vergessen würden, dann hätten die Mörder gewonnen, die aus Menschen Nummern machen wollten“, befindet Pfarrer Jan Friedrich Eisenberg. Gegen das Vergessen zünden Jugendliche in der Synagoge für jeden von den Nazis ermordeten Vöhler Juden eine Kerze an, die Vorstandsmitglieder des Förderkreises der Synagoge verlesen deren Namen, ihr Alter und den Ort ihres Todes. Jeder Name hat Zeit zu wirken. Eine Besonderheit: Ein israelischer Verwandter der jüdischen Familie Frankenthal hat dem ehemaligen Pfarrer Günter Maier eine eigene Gedenkkerze mitgegeben, die er in der Synagoge entzündet.

Das Gedenken an die Nazi-Opfer steht im Mittelpunkt, ist aber nicht alles: „Die reine Fixierung auf den Nationalsozialismus muss endlich raus“, zitiert Eisenberg die Essener Synagogenleiterin Edna Brocke. Am 9. November 1938 sei eine Saat aufgegangen, die Menschen und Kirche über Jahrhunderte gesät hätten. Matthias Stappert erinnert daran, dass selbst nach der formellen Gleichberechtigung Juden vielen Menschen grundsätzlich „suspekt“ blieben – lange bevor es zum traurigen Höhepunkt gekommen sei.

Lehren für die Zukunft

Bilder dieser Vergangenheit kämen wieder vor Augen. Stappert fragt die Gäste: Erinnert die Hetze gegen Flüchtlinge Sie an die Parolen von damals? Die Galgen bei Pegida an die, welche Juden an die Häuser gemalt wurden? Die Hetzseiten im Internet an die Rassistenzeitung „Stürmer“?

Die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts hätte ein zutiefst anderes Deutschland hervorgebracht, eines geprägt von Geschichtsbewusstsein, Menschenwürde und Europa – aber „der Geist des Nationalismus“ rühre sich erneut. Selbst das Fortbestehen der Europäischen Union sei nicht mehr garantiert: „Bei einer Auflösung hätten die Geister der Vergangenheit gewonnen“, warnt er. Viele Menschen verstünden nicht mehr, was passiert: Sie bräuchten von der Politik Antworten statt Parolen – Angela Merkels „Wir schaffen das“ mitinbegriffen.

Erinnerung schaffe auch Grundlagen für die Zukunft, so Eisenberg: Der biblische Mensch ziehe seine Zuversicht vom Gedenken an Gottes gute Taten: „Es gibt Gutes und Zukunft trotz allem, was war.“ Den Wert des Rückblicks hebt auch Karl-Heinz Stadtler vom Förderkreis hervor: „Es geht nicht nur darum, zu erinnern und zu gedenken. Das, was wir gelernt haben, müssen wir anwenden auf das, was in unserem alltäglichen Leben geschieht – und in unserem Staat.“

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