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"Synagoge in Vöhl"
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"Synagoge in Vöhl" e.V.

Es waren Nachbarn und Schulkameraden

Gedenkveranstaltung für Volkmarser Juden

Es waren Nachbarn und Schulkameraden

Gedenken in Volkmarsen auf dem jüdischen Friedhof.

Eine Gedenkveranstaltung für die ermordeten Volkmarser Jude fand am jüdischen Friedhof von Volkmarsen statt.

Seit 15 Jahren richtet der Verein "Rückblende Gegen das Vergessen" in Volkmarsen jeweils am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag,  eine besondere Gedenkfeier aus. Über 60 Gäste, unter ihnen Bürgermeister Hartmut Linnekugel und weitere Volkmarser Kommunalpolitiker, Bürgermeister Reinhard Schaake aus Wolfhagen, Vertreter der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Kassel, des Fördervereins Synagoge in Vöhl und des Internationalen Suchdienstes Bad Arolsen versammelten sich an der Villa Dr. Bock.

Ernst Klein erinnerte an die Schicksale der Volkmarser Juden, die während der NS-Zeit ausgegrenzt, gedemütigt und am Ende in den Vernichtungslagern ermordet wurden. Er machte auch am Beispiel der Familie Lichtenstein deutlich, dass sich viele deutsche Juden nicht vor der Verfolgung retten konnten, weil sie trotz verzweifelter Versuche keine Aufnahme in anderen Ländern fanden.

 

 Nach dem gemeinsamen Gang zum jüdischen Friedhof wurden dort die Namen der 26 ermordeten Juden verlesen, an der Lesung beteiligte sich auch ein Konfirmand und Pfarrerin Holk-Gerstung. Gleichzeitig wurden für alle Opfer Lichter angezündet und von den Gästen in die Öffnungen der Gedenkmauer gestellt.

Stadtler ist neuer Vorsitzender

Förderkreis der Synagoge in Vöhl wählt neuen Vorstand

Stadtler ist neuer Vorsitzender

Seit 17 Jahren setzen sich Ehrenamtliche für den Erhalt der alten Vöhler Synagoge ein.

Vöhl. Der Förderkreis der Synagoge in Vöhl hat Karl-Heinz Stadtler zu seinem neuen Vorsitzenden gewählt. Zwei Jahre lang hatte Ingeborg Drüner nach dem Tod von Kurt Willi Julius kommissarisch die Aufgaben an der Spitze des Vereins übernommen. Sie trat von ihrem Posten nun zurück.

Einstimmig entschieden sich die Vereinsmitglieder für Karl-Heinz Stadtler als ihren Nachfolger. Er hatte den Förderkreis vor 17 Jahren mit gegründet und als Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats und dann auch als Beisitzer im Vorstand mitgearbeitet.

„Offene Bühne“ in der Synagoge: "Total Vokal"

Ensemble „Total Vocal“ gastiert am 24. April in Vöhl

„Offene Bühne“ in der Synagoge

Vöhl. „Total Vocal“: Acht Männer und ein Pianist gründete 2009 aus dem Gesangverein Niederasphe heraus ein neues Ensembles. Seit dem verlassen sie die ausgetretenen Pfade des klassischen deutschen Männerchorgesangs und wenden sich modernen Musikgenres zu. Am Sonntag, 24. April, sind die Musiker bei der „Offenen Bühne“ in der Vöhler Synagoge zu Gast.

Den Schwerpunkt setzt das Ensemble auf Chorstücke mit Klavierbegleitung. Aber auch A-capella-Stücke gehören mit zum Repertoire. Originalkompositionen zeitgenössischer Komponisten und Bearbeitungen internationaler Arrangeure werden ergänzt um Eigenkompositionen. „Total Vocal“ singen deutsch und englisch. Dabei sind Stücke aus Pop und Musicals, Schlager, Folkmusik bis hin zu besinnlichen, meditativen und geistlichen Liedern. Das Konzert in der Vöhler Synagoge beginnt am kommenden Sonntag, 24. April, um 15 Uhr. Das Synagogencafé mit selbstgebackenen Kuchen und Torten ist bereits ab 14.30 Uhr und auch nach dem Konzert geöffnet. Der Eintritt in das Konzert ist frei, es wird um eine Spende gebeten, die je zur Hälfte an die Sänger und den Förderkreis Synagoge in Vöhl gehen. (r)

Lebendige Erinnerung an Opfer

Förderkreis der Synagoge lädt mit vielen Partnern zum „Projekt Auschwitz“ ein – Eröffnung am 4. Juni

Lebendige Erinnerung an Opfer

Gemeinsam mit vielen Partnern aus der Region lädt der Förderkreis der Vöhler Synagoge zum Projekt „Auschwitz“ ein: Günter und Dorothea Maier und Karl-Heinz Stadtler.

Vöhl. Es ist der Ort, an dem die meisten Vöhler Juden ermordet wurden. 150 deportierte jüdische Mitbürger aus der Region kehrten nicht aus Auschwitz zurück. „Deswegen widmen wir diesem Ort nun einen Themenschwerpunkt“, erklärt Karl-Heinz Stadtler vom Förderkreis der Vöhler Synagoge.

Vier Monate lang sollen unter dem Sternenhimmel der Vöhler Synagoge Menschen zu Wort kommen, die sich erinnern: an ihre Zeit in dem Vernichtungslager, an ihre Familien, ihre Eltern und Großeltern, an die Spuren, die die Nazis in ihrer Lebensgeschichte hinterließen. „Dr. Wolfgang Werner kam mit dem Wunsch auf uns zu, seine Fotografien aus Auschwitz in der Synagoge auszustellen“, erzählt Stadtler, „von diesem Punkt aus nahm das Projekt Gestalt an.“

Vöhl bejubelt Aquabella

Musikalisches Damen-Quartett begeistert in der Synagoge

Vöhl bejubelt Aquabella

Vöhl. „Ayadooeh“: Unter dieses Zitat aus Adiemus hatten die Sängerinnen von Aquabella ihr Weltmusikprogramm in der Vöhler Synagoge gestellt. Es streifte 20 Sprachen und lieferte gleich zahlreiche begeisterte Definitionen des Kunstwortes.

Entsprechend positive Reaktionen seitens des Vöhler Publikums stellten sich angesichts der mit viel Virtuosität und musikalschem Humor interpretierten Klassiker des Acapella-Quartetts schnell ein. Frische Klangfarben gaben der Präsentation und Interpretation der langjährigen Favoriten ein anderes Gepräge, die Umstände sorgten für zusätzliche Akzente: etwa wenn die drei Kolleginnen am Ende des finnischen Liedes auf den Bauch ihrer Kollegin im lila Kleid zeigten, die gerade erkenn

Auftakt zur Reihe "Auschwitz"

Auftakt zur Veranstaltungsreihe „Auschwitz“ in der Vöhler Synagoge

Die doppelte Optik des Grauens

Vöhl. 155 Juden aus Waldeck-Frankenberg wurden im größten Vernichtungslager des Dritten Reiches ermordet. In Erinnerung an die Menschen veranstaltet der Förderkreis der Vöhler Synagoge mit vielen Partnern eine Veranstaltungsreihe.

Zum Auftakt am vergangenen Samstag standen gleich drei Veranstaltungen auf dem Programm: Lesung, Theaterperformance und Ausstellung vermittelte in ihrer Kombination eine beeindruckende Zusammenschau.

Tango direkt aus der Quelle

„Quadro Nuevo“ gastieren mit ihrem neuen Programm am 9. Juli in der alten Vöhler Synagoge

Tango direkt aus der Quelle gezapft

„Quadro Nuevo“ kehren in die Synagoge zurück.

Vöhl. Vor drei Jahren begeisterte „Quadro Nuevo“ mit drei Konzerten die Zuhörer in der Synagoge. Jetzt kommen sie zurück: Am 9. Juli spielt das Ensemble um 20 Uhr in dem ehemaligen jüdischen Gotteshaus in Vöhl. Sie bringen ihr neues Programm „Tango“ mit.

2014 packten die Musiker ihre Instrumente ein, keine Tournee sollte es diesmal werden, sondern eine Expedition ins sommerliche Buenos Aires.

Wahre Geschichten in Zahlen

Förderkreis der Vöhler Synagoge stellte „Auschwitz“-Broschüre vor – Auschwitzüberlebende zu Gast

Wahre Geschichten statt Zahlen

Vöhl. Am Sonntag ist Dagmar Lieblová in der Vöhler Synagoge zu Gast. Gleichzeitig stellt der Förderkreis der Vöhler Synagoge an diesem Tag eine neue Broschüre vor.

Rund 900 Kilometer liegt Auschwitz von Vöhl entfernt. „Aber das Unrecht geschah hier bei uns vor aller Augen“, sagt Ernst Klein, „hier begann es.“ Am Ende kostete es 155 Menschen aus Waldeck-Frankenberg das Leben. Insgesamt wurden Millionen Menschen in Auschwitz ermordet. „Unverständlich und auch unbegreiflich“, sagt Karl-Heinz Stadtler, „diese Zahlen können wir nicht fassen.“ „Um Demokratie kämpfen“ Und deshalb haben sich Vertreter aus einem Bündnis von Historikern und historisch Interessierten im Landkreis an einen Tisch gesetzt und recherchiert. Herausgekommen ist eine Broschüre über Auschwitz, die persönliche Schicksale in den Blick nimmt. Ernst Klein aus Volkmarsen hat ebenso mitgearbeitet wie Dr. Marion Lilientahl und Johannes Götecke aus Korbach, Karl-Heinz Stadtler vom Förderkreis hat Texte beigesteuert ebenso wie Carol Baird als Nachfahrin eines Zeitzeugen und Dr. Lukasz Martyniak vom Museum in Auschwitz.

Auschwitzüberlebende Dagmar Lieblová ist am Sonntag um 11 Uhr in der Vöhler Synagoge zu Gast. Sie wurde 1929 in Kutná Hora geboren. Im Juni 1942 deportieren die Nazis sie und ihre Familie in das Ghetto Theresienstadt. Bald wurden sie nach Auschwitz-Birkenau verlegt und im Theresienstädter Familienlager untergebracht. Dort ermordeten die Nazis ihre Eltern und ihre Schwester. Über viele andere Lager kam Dagmar Lieblová im März 1945 schließlich ins KZ Bergen-Belsen und wurde dort am 15. April 1945 von der britischen Armee befreit. Damals war Dagmar Lieblová gerade 15 Jahre alt. Zu dem kostenlosen Vortrag in der Synagoge sind alle Interessierten herzlich eingeladen. (resa)

Holocaust-Überlebende Dagmar Lieblová

Holocaust-Überlebende Dagmar Lieblová berichtet bei Auschwitz-Veranstaltungsreihe in der Synagoge

„Wissen Sie, ich bin Optimistin“

Abgründe erlebt: Doch es gibt auch Momente, an die sich Dagmar Lieblová gerne erinnert, so etwa an die mit ihrer Freundin Dascha, mit der sie ein Leben lang befreundet war.

Vöhl. Die Holocaust-Überlebende Dagmar Lieblová berichtete am Sonntagmorgen in der Vöhler Synagoge aus ihrem Leben. Zwei Stunden trug sie Passagen aus ihrer in Buchform erschienenen Biografie vor und beantwortete die Fragen der zahlreichen Besucher. 

Eine kleine rüstige Dame betritt die Bühne der Vöhler Synagoge. Sie wirkt älter, aber sicherlich nicht, als sei sie 87 Jahre alt. Sicherlich nicht, als sei sie durch einen der schlimmsten menschlichen Abgründe gegangen. Dagmar Lieblová, promovierte Germanistin aus Prag, begrüßt die anwesenden Besucher in fließendem Deutsch, nachdem sie zuvor in einem zwölfminütigen Film Einblicke in ihre Lebensgeschichte gegeben hat.

Vöhler Schüler suchen Spuren

Jugendliche der Ederseeschule  stellen in der Vöhler Synagoge Opferschicksale vor

Vöhler Schüler suchen Spuren in Auschwitz

Vöhl. Bereits seit Anfang Juni läuft das Projekt „Auschwitz“ in der ehemaligen Vöhler Synagoge, vergangenen Freitag kam dann der große Auftritt für die Schülerinnen und Schüler eines Ethikkurses der Ederseeschule Herzhausen: Nach gründlicher Recherche präsentierten sie die Geschichten von fünf Holocaust-Opfern, über die sie sich während des Unterrichts bereits gründlich informiert hatten.

In einem 45-minütigen Vortrag berichteten sie zuerst über das Leben von Esther Bejarano und den Geschwistern Renate und Anita Lasker. Die drei Frauen überlebten Auschwitz. Auch das Leben der Immenhäuserin Lilly Jahn und des Vöhlers Max Mildenberg, die beide in dem Lager der Nazis ermordet wurden, nahmen die Jugendlichen in den Blick. Vor dem Hintergrund der historischen Geschehnisse debattierten die Schüler über die Menschenrechte, wobei sie zusätzlich mit einem Gedichtsvortrag den Sinn und den Wert des Erinnerns ansprachen. Karl-Heinz Stadtler, Vorsitzender des Förderkreises, würdigte die Fleißarbeit des Kurses und dankte insbesondere auch der Lehrerin Christiane Schimana-Schreiber. (r)

Ausstellung über Henryk Mandelbaum

Tanzperformance von Jugendlichen zur Eröffnung

Ausstellung über Henryk Mandelbaum in Vöhler Synagoge zu sehen

Die Veranstaltungsreihe „Auschwitz“ in der Vöhler Synagoge wird mit der Mandelbaum-Ausstellung fortgesetzt.

Vöhl. Eine Ausstellung über das Leben von Henryk Mandelbaum, einem Überlebenden des Sonderkommandos von Auschwitz, wurde am vergangenen Samstag in der Vöhler Synagoge eröffnet.

Vorher zeigten Fiona Menne, Jennifer Heise und Louisa Reinhard aus Korbach eine ausdrucksstarke Tanzperformance in der alten Synagoge.Fünfzig Fotos mit kurzen Texten zeigen das Leben von Henryk Mandelbaum. Bis zum 14. August ist die eindrucksvolle Ausstellung in der Vöhler Synagoge zu besichtigen – sonntags von 14 bis 16 Uhr sowie vor und nach allen Veranstaltungen. (r) Mehr in der gedruckten WLZ vom 23. Juli.

Musik zum Überleben

Markus Hottgenroth, Annette Maye und Verena Guido gastieren mit „Musik aus Auschwitz“ in Vöhl

Musik zum Überleben in der Synagoge

Zu Gast in Vöhl: Annette Maye, Markus Hottgenroth und Verena Guido.

Vöhl. Im Rahmend er Veranstaltungreihe "Auschwitz" lädt das Team der Vöhler Synagoge zu Lesung und Musik am 20. August ein. Dann sind Markus Hottgenroth, Annette Maye und Verena Guido zu Gast.

„Die Geige, die ich halte, ist mein Schutzschild geworden“, schreibt Simon Láks in seinen Erinnerungen. Er leitete das Männerorchester im Vernichtungslager Auschwitz. Am Samstag, 20. August, liest Schauspieler Markus Hottgenroth aus dem Buch des polnisch-jüdischen Musikers, der den NS-Terror überlebte. Musikalisch umrahmt wird die Lesung von Annette Maye (Klarinette) und Verena Guido (Stimme, Geige, Akkordeon).

Das Programm „Musik in Auschwitz“ beginnt am am Samstag, 20. August um 20 Uhr in der Vöhler Synagoge. Eintrittskarten für 16/14/12 Euro (vier Euro Ermäßigung und plus einen Euro an der Abendkasse) gibt es unter Telefon 05635/1022 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. (r)

Carol Braid

Nachfahrin erzählt von ihrer jüdischen Familie

Carol Baird in der Synagoge zu Gast

Vöhl. „Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist verdammt, sie zu wiederholen“, sagt Carol Baird und lädt deswegen zum Erinnern ein. Am kommenden Samstag, 3. September, um 15 Uhr berichtet die Amerikanerin in der Synagoge über das Leben ihrer Vorfahren – der jüdischen Familie Frankenthal aus Vöhl.

Der Schwerpunkt ihres Berichts liegt auf dem Schicksal ihrer Familienangehörigen, die im Holocaust starben oder ihn überlebten. Carol Baird stützt sich hierbei weitgehend auf Berichte der Überlebenden, die in schriftlicher Form erhalten geblieben sind. Sie hält den Vortrag in englischer Sprache, die deutsche Übersetzung wird im Hintergrund eingeblendet.

Carol Bairds Ehemann Stephen gründete 2007 die Band „The Galapagos Mountain Boys“, die die Musikrichtung „Scientific Gospel“ entwickelte. Er wird im Anschluss an den Vortrag seiner Frau einen seiner Songs vorstellen: „Yom Ha Shoah“. Der Eintritt ist frei. (r)

Warnung vor Weg in neue Barbarei

Warnung vor Weg in neue Barbarei

Bild aus alten Tagen: Carol Bairds Mutter Eva und Cousin Rudy (links) sowie die im Holocaust ermordeten Tante Ilse und Kurt Wachsmann in Oppeln. Foto: pr

Von ©Armin Hennig

Vöhl. Persönliches Zeugnis gegen das Verleugnen und Vergessen und den Weg in eine neue Barbarei ablegen, das ist der Anspruch von Carol und Stephen Baird. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum Thema Auschwitz in der Alten Synagoge stellte die Enkelin der aus Vöhl stammenden Familie Davidsohn die familiären Zusammenhänge und die Leidensgeschichte ihrer Angehörigen in Auschwitz und anderen Lagern während des Dritten Reiches vor.

Aktuelle Aufhänger waren Videoaufnahmen von Anhängern des Republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, die „Geht nach Auschwitz, geht in euer verdammtes Auschwitz“ rufen. Aufforderungen, mit denen Carol Baird während ihrer 25-jährigen Lehrtätigkeit an einer Universität in Ohio konfrontiert worden war. Ihr Onkel Rudy war als Angehöriger der Jewish Defensive League in den 1960ern selbst oft als „Dreckiger Jude“ beschimpft worden.

Glück und Unglück

„Noch immer gibt es Leugner des Holocaust. Auf mich wirken sie wie Menschen, die im Kopf krank sind“, ging sie mit den Unbelehrbaren hart ins Gericht, ehe sie anhand der eigenen Familiengeschichte das Überleben unter glücklichen und schlimmsten Umständen beschrieb.

„So viel hängt vom richtigen Timing und Glück ab“, verwies sie auf die Fakten, die ihrem Onkel Rudy fünf Jahre in unterschiedlichen Lagern der Nazis einbrachten, ihrer Mutter aber eine rechtzeitige Ausreise ermöglichten. Auf der ersten Station in London lernten sich Carols Eltern Eva Karliner und Ernest Davidsohn kennen, damit schließt sich der Kreis zwischen Vöhl und Hollywood. Ihr Onkel Franz Waxman hatte sich als Arrangeur der Musik zum „Blauen Engel“ schnell einen Namen in der Filmbranche gemacht und konnte emigrieren, nachdem ihn die Nazis in einer Allee zusammengeschlagen hatten.

Über Fritz Langs Verfilmung von „Lilliom“ gelang die Ausreise nach Frankreich, in Hollywood machte er sich u.a. mit Filmpartituren wie „Frankensteins Braut“ mit Boris Karloff und den Soundtracks zu zahlreichen Hitchcock-Filmen einen Namen. Aufgrund seiner Position konnte die Hollywood-Größe den Eltern und der Schwester (Carol Bairds Großmutter) die Ausreise in die USA ermöglichen, für Bruder Fritz und dessen Familie trafen die Papiere zu spät ein.

Der einzige Überlebende

„Meine Mutter wurde in Auschwitz vergast, mein Bruder in Mauthausen erschossen, mein Vater wurde in meinem Beisein zu Tode geprügelt, 30 Tage vor Kriegsende“, sollte Fritz Waxmans Sohn Rudy, der auch von William Shirer für Aufstieg und Fall des Dritten Reiches interviewt wurde, später bezeugen. In einer Eidesstattlichen Erklärung vor dem Amt für Wiedergutmachung legte der einzige Überlebende im Rahmen seiner Klage gegen die IG Farben um 130 000 Dollar Entschädigung umfassend Zeugnis über sein Martyrium ab, das am 8. Mai 1940 mit der Einweisung ins von der Gestapo betriebene Zwangsarbeitslager Kersdorf bei Berlin begann.

Gegen das Vergessen: Carol und Stephen Baird in der alten Vöhler Synagoge. Foto: Hennig

 

Sistergold

Ausstellungen und Vortrag am Sonntag

„Sistergold“ am Samstag in Vöhl

Vöhl. Zum Tag des offenen Denkmals am 11. September lädt die Synagoge in Vöhl zu mehreren Veranstaltungen ein. Bereits am Vorabend wird das Saxofonquartett „Sistergold“ auftreten.

Die vier Musikerinnen unternehmen einen amüsanten Ausflug durch die Musikstile. Karten können zum Preis von zehn Euro unter Tel. 05635/1022 bzw. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! vorbestellt werden. Am Sonntag ist die Synagoge von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Im Synagogenraum werden Teile der Ausstellung „Shtil, di Nacht iz Oysgeshternt“ von 2005 gezeigt. Künstler aus fünf Kontinenten fertigten damals aus Brettern des Sternenhimmels, die aus baulichen Gründen ausgetauscht werden mussten, Kunstwerke für die Synagoge. Ab 14.30 ist das „Synagogencafé“ geöffnet.

 

Saxofon-Show mit viel Humor

Saxofon-Show mit viel Humor

 

Goldene Schwestern: Inken Röhrs (Sopran), Elisabeth Fläming (Alt), Sigrun Krüger (Tenor) und Kerstin Röhn (Bariton) bei ihrem Auftritt in der Vöhler Synagoge. Foto: ©Armin Hennig

 

Von Armin Hennig

Vöhl. Musikalische Perfektion mit großartiger Show und einem Spritzer Humor, das ist das Erfolgsrezept von Sistergold, die mit ihrem aktuellen Programm „Saxesse“ zum zweiten Mal in der Alten Synagoge in Vöhl auftraten. Im vieldeutigen Titel klingt ebenso das englische Wort für Erfolg wie das bevorzugte Instrument der vier Frauen in seiner weiblichen Form mit an.

Zum eigenen Arrangement von „I feel good“ und mit viel Show und Humor bahnten sich Inken Röhrs (Sopran), Elisabeth Fläming (Alt), Sigrun Krüger (Tenor) und Kerstin Röhn (Bariton) ihren Weg zur Bühne und stellten sich und die Qualitäten ihrer Instrumente schon einmal vor.

Mit einem großartig choreografierten Sprung in die Anfänge des Jazz, einem Klarinettensolo von Sigrun Krüger und Klassikern wie dem „Tiger Rag“ ging die musikalisch ebenso bedeutsame wie unterhaltsame Show munter weiter.

Für das Grand Quartett von Friedrich Kuhlau, das ursprünglich für vier Flöten komponiert war, tauschte Kerstin Röhn, die bis dahin mit der Baritonklarinette überwiegend Rhythmusarbeit geleistet hatte, nun Instrument und Mundstück mit Inken Röhrs. Das Arrangement für das bis dahin bekannteste Stück des Programms stammte auch von ihr einschließlich der Einleitung, einem wieder auf dem Baritonsax geblasenen Zitat aus Joaquin Rodrigos Concierto di Aranjuez, ehe das Duo Fläming/Krüger unter rasanter Beschleunigung Chick Coreas „Spain“ anstimmte. Während die Tenorsaxofonistin im Solo das Thema weiterentwickelte, wechselte die Altistin auf die Flöte und setzte mit neuem Instrument den Gipfelpunkt in dieser spanischen Fantasie.

Show und Spektakel kamen auch im weiteren Verlauf des Programms nicht zu kurz, so legte Inken Röhrs zum Swingklassiker „Tuxedo Junction“ einen Stepptanz aufs Parkett und stahl ihrer gerade noch Solo spielenden Kollegin Elisabeth Fläming die Aufmerksamkeit. Diese wiederum revanchierte sich beim Sopran-Sax-Showcase „Schwarze Augen“ mit einem wilden Cancan vor dem Finale Furioso mit maximaler Endbeschleunigung. Zu Bossanova-Klängen folgte der heitere Abschluss, in dem die vier Virtuosinnen das Aufholen des durch die Umleitung am Ortseingang entstandenen Zeitverlusts als Pantomime mit Schneuzen, Schminken, Entfusseln und „Überkreuzspielen“ auf die Bühne der Alten Synagoge brachten.

 

Gipfeltreffen mit Gitarren n

Gipfeltreffen mit Gitarren

 

Begeisterten ihr Publikum: (von links) Frank Haunschild, Claus Boesser-Ferrari und Tilmann Höhn. Fotos: Ursula Trautmann

Von ©Ursula Trautmann

Vöhl. Schwierige Parkplatzsuche bei der Mittelgasse am Samstagabend – klar, da war ja wieder eine Veranstaltung in der Synagoge. Und wie eigentlich immer ein volles Haus.

Diesmal lockten „Six Hands and Countless Strings“, sechs Hände und zahllose Saiten. Die Hände gehörten Tilmann Höhn, Frank Haunschild und Claus Boesser-Ferrari. Im Rahmen des dritten Gitarrenfestivals in der Region Edersee boten sie unterm hölzernen Sternenhimmel des alten jüdischen Gotteshauses ein abwechslungsreiches Konzert.

Zu dritt begannen sie passend mit einem jiddischen Stück aus dem Warschauer Ghetto: „Der Rebbe tanzt“. Etwas ungewöhnlich für den kleinen Raum waren die Verstärker, aber ohne diese wären die Soundeffekte wohl nicht möglich gewesen. Beim „Kranich im Schnee“ holte Claus Boesser-Ferrari als Solist alle möglichen Töne aus seinem Instrument, Klopfen und Quietschen, man hörte den Großvogel quasi übers Eis staksen.

Dann stellten Tilmann Höhn und Frank Haunschild eigene Kompositionen von ihrer neuen CD namens Yebo vor. „Just a moment“ und „Where ever you may be“ gehörten dazu. Ein bisschen Sehnsucht war auch da, nach „The next morning“ bezeichneten sich die Musiker spaßeshalber als anonyme Melancholiker.

Spaß hatten offensichtlich alle, Zuhörer wie Künstler. Letztere sagten ihre Stücke mit leichtem Witz und leiser Ironie an, es gab immer wieder was zum Schmunzeln. Nach der Pause stand ein längeres Solo von Claus Boesser-Ferrari auf dem Programm, und zum Ende hin trat das Trio nochmals gemeinsam auf. „Ghost Town“ klang klasse. Manch ein Künstler wäre froh, er bekäme am Schluss so viel Applaus wie er bei diesem Konzert schon zwischendurch nach jedem Spiel erklang. Zugabe musste sein. Die Konzert-Ankündigung im Flyer war also nicht zu hoch gegriffen. Es war tatsächlich „ein wahres Gipfeltreffen dreier großartiger Akustik-Gitarristen“.

Spendeten viel Applaus: Zuschauer des Synagogenkonzerts.

 

"Jerusalem Duo"

Jüdische Klänge in alter Synagoge

„Jerusalem Duo“ am Samstag in Vöhl

Vöhl. Zum 140. Synagogenkonzert gastiert am Samstag, 12. November, ab 19 Uhr das „Jerusalem-Duo“ in der Vöhler Synagoge. Hila Ofek (Harfe) und André Tsirlin (Saxophon) lassen eines der ältesten und eines der jüngsten Instrumente der Musikgeschichte aufeinandertreffen.

Von unterhaltsamer Moderation begleitet, nehmen die Musiker das Publikum mit auf eine musikalische Reise, die ohne Berührungsängste Klassik, Klezmer, jiddische Lieder, Tango, Milonga und viele andere Genres der Weltmusik miteinander verbindet. Hila Ofek spielte als Solistin mit ihrem Großvater Giora Feidman und dem „Jerusalem Symphony Orchestra“, André Tsirlin wurde durch Giora Feidman inspiriert, den Klang des Saxophons in der jüdischen Musik zu etablieren. Karten per E-Mail-Reservierung an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch unter 05635/1022 für 12 bis 16 Euro, ermäßigt acht bis zwölf Euro. An der Abendkasse sind die Tickets einen Euro teurer. (r)

Vöhler erinnern

„Haben immer die Wahl“

Vöhler erinnern an ermordete Juden und mahnen

Vöhl. Es war der Tag, an dem die Amerikaner Donald Trump zum Präsidenten wählten. „Plötzlich sind da Menschen, die sich wieder nach Mauern sehnen“, stellte Vöhls Pfarrer Jan Friedrich Eisenberg fest, „die unsere Welt in Schwarz und Weiß einteilen wollen.“ Und deswegen sei es an diesem Tag vielleicht wichtiger denn je, den Blick in die Geschichte zu lenken und zum Frieden zu mahnen.

Denn es war auch der Tag, an dem die Nationalsozialisten vor 78 Jahren das friedliche Miteinander zwischen Christen und Juden in Deutschland zerstörten: In der Reichspogromnacht brannten Synagogen, wurden Schaufenster zerschlagen, später dann Juden verschleppt und ermordet. „Sollten wir daran erinnern?“, fragte Eisenberg und gab die Antwort prompt: „Wir sollten und wir müssen. Schon alleine deswegen, damit die Leugner es schwer haben.“ Und das taten sie also – erst in der Vöhler Kirche, dann unter dem blauen Sternenhimmel der alten Vöhler Synagoge. Viele Besucher waren gekommen, um sich zu erinnern und um ein Zeichen zu setzen.

Duo Jerusalem

Mit Harfe und Saxofon durch sämtliche Stile im Geist des Klezmer gereist

Duo Jerusalem überzeugt in Vöhler Synagoge

André Tsirlin und Hila Ofek bei ihrem Auftritt in der ehemaligen Vöhler Synagoge.

Vöhl. Die faszinierende Vielfalt des Klezmer entschieden bereichert hat das Duo Jerusalem bei seinem Auftritt in Vöhl mit einer durchweg überzeugenden musikalischen Reise.

Ab Januar gehen André Tsirlin und Hila Ofek mit Giora Feidmann auf Tournee. Die Klezmer-Legende spielt ein reines Beatlesprogramm, die Duo-Fassung von George Harrisons „While my Guitar gently weeps“ mit seiner Enkelin an der Harfe steht auch auf der Setlist.

Das fein ausbalancierte Wechselspiel der Instrumente, das der Harfe ebenso viele melodische Entfaltungsmöglichkeiten bot wie dem Saxofon, vermittelte den Zuhörern in der sehr gut besuchten alten Synagoge schon einmal einen beeindruckenden Vorgeschmack und unterstrich die Argumentation, dass es keine Musik gibt, die sich nicht für Klezmer eignet. 

Denn das jüdische Wort Klezmer bedeutet Gefäß und, so André Tsirlin, so kann jede Musik ein Gefäß für traurige oder heitere Gefühle sein, also nicht nur der traditionelle Zweiteiler mit dem Bruchpunkt von tiefstem Leid zu überschäumender Lebensfreude und immer schnellerem Tempo, sondern auch Kompositionen aus Jazz, Klassik oder Pop, die formal anderen Regeln folgen.

Im Umgang mit den Klassikern des Genres gingen die beiden Musiker denn auch ziemlich differenziert zu Werke und schlugen dem üblichen Schematismus von absoluter Niedergeschlagenheit und rasender Ekstase immer wieder mit Zwischenspielen ein Schnippchen, bevor die ganz große Schlussbeschleunigung endlich ihren virtuosen Lauf nahm. Die Kombination unterschiedlicher Werke aus gegensätzlichen Stimmungslagen trug dem Geist des Klezmers auch Rechnung. (ahi)

Kulturprogramm 2017

 
Musik unter den Sternen
 programm 1 2017
 

Von Theresa Demski

Vöhl. Alte Bekannte und neue Freunde sind im nächsten Jahr unter dem Sternenhimmel in der alten Synagoge in Vöhl zu Gast. „Wir haben einen Weiberabend gemacht, ganz viel Material gesichtet und dann abgestimmt“, erzählt Barbara Küpfer. Herausgekommen ist ein abwechslungsreiches Kulturprogramm mit Tiefgang.

• Die Eröffnung übernehmen am 12. Februar um 19 Uhr standesgemäß „Paul Hoorn & Freunde“. Der Musiker ist inzwischen ein gern gesehener Gast und guter Freund für die Besucher der Synagoge. Gemeinsam mit Karolina Petrova und Matthias Manz erzählt er „Lieder und Geschichten von Innen und Außen“.

• Neu in der Synagoge sind die Musiker vom „Trio Macchiato“, die am 25. März um 19 Uhr in Vöhl gastieren. Jana Mishenina, Jakob Neubaur und Henry Altmann laden die Besucher mit Violine, Mandoline, Bandoneon, Vibrandoneon, Bass, Glockenspiel und Percussion zu einer Reise ein – mit Musette und Tango durch Frankreich, mit Italo-Klassikern über die Alpen und den Balkan bis nach Istanbul.

• Die Tradition der Jazzgitarre verbindet Max Clouth mit Elementen nord- und südindischer Musik. Er ist am 22. April um 20 Uhr in der Synagoge zu Gast. Im Gepäck hat er eigene Kompositionen ebenso wie traditionelle Stücke.

• Eine CD ihrer Musik schickten „Tsching“ zum Förderkreis nach Vöhl und trafen auf Begeisterung: Am 6. Mai um 20 Uhr erzählen Franziska Kraft (Cello), Helmut Mittermaier (Saxophon) und Ben Aschenbach (Gitarre) Geschichten von virtuosem Übermut, sehnsuchtsvollen Balladen und pulsierenden Tanzrhythmen.

• Einstimmig fiel die Entscheidung für das „Trio Lumimare“ aus, das am 10. Juni um 20 Uhr in der Synagoge spielt. Michaele Neuwirth (Querflöte), Iris Wehrhahn (Cello) und Matthias Schabow (Piano) spielen Melodien, die zwischen Klassik, Jazz und Weltmusik angesiedelt sind.

• „Sowieso und ohne Diskussion“ engagierte der Förderkreis für den 10. September um 19 Uhr Helmut Eiselt für ein Konzert – ein alter Bekannter für die Vöhler. Gemeinsam mit Matthias Schlubeck (Panflöte), Michael Marx (Gitarre) und Stefan Engelmann (Kontrabass) tritt er in einen musikalischen Dialog – den Mozart ebenso mitbestimmt wie die Klezmer-Tradition.

• Ein Heimspiel im wahren Sinne des Wortes hat der Vöhler Bariton Christian Backhaus am 7. Oktober um 20 Uhr. Gemeinsam mit Pianistin Masako Ono präsentiert er Franz Schuberts „Winterreise“ op. 89 D 911. „Das ist eine Premiere für uns“, sagt Barbara Küpfer, „mit Klassik haben wir es noch nicht versucht.“

• Den Schlusspunkt setzt am 11. November um 19 Uhr das Ensemble „Fisfüz“ mit orientalischem Jazz. Mit Klarinette, Ud und Perkussion spielen Annette Maye, Gürkan Balkan und Murat Coskun Traditionelles und Eigenes.

Karten kosten 16/14/12 Euro, für Schüler und Studenten vier Euro weniger, an der Abendkasse einen Euro mehr. Reservierungen sind unter Telefon 05635/1022 oder per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! möglich.

Acht Konzerte unter dem Sternenhimmel in der Vöhler Synagoge (v.l.): „Paul Hoorn & Freunde“ kommen im Februar, das Ensemble Fisfüz im November, Max Clouth im April und das „Trio Lumimare“ im Juni. Fotos: pr

 
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