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"Synagoge in Vöhl" e.V.

Warnung vor Weg in neue Barbarei

Warnung vor Weg in neue Barbarei

Bild aus alten Tagen: Carol Bairds Mutter Eva und Cousin Rudy (links) sowie die im Holocaust ermordeten Tante Ilse und Kurt Wachsmann in Oppeln. Foto: pr

Von ©Armin Hennig

Vöhl. Persönliches Zeugnis gegen das Verleugnen und Vergessen und den Weg in eine neue Barbarei ablegen, das ist der Anspruch von Carol und Stephen Baird. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum Thema Auschwitz in der Alten Synagoge stellte die Enkelin der aus Vöhl stammenden Familie Davidsohn die familiären Zusammenhänge und die Leidensgeschichte ihrer Angehörigen in Auschwitz und anderen Lagern während des Dritten Reiches vor.

Aktuelle Aufhänger waren Videoaufnahmen von Anhängern des Republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, die „Geht nach Auschwitz, geht in euer verdammtes Auschwitz“ rufen. Aufforderungen, mit denen Carol Baird während ihrer 25-jährigen Lehrtätigkeit an einer Universität in Ohio konfrontiert worden war. Ihr Onkel Rudy war als Angehöriger der Jewish Defensive League in den 1960ern selbst oft als „Dreckiger Jude“ beschimpft worden.

Glück und Unglück

„Noch immer gibt es Leugner des Holocaust. Auf mich wirken sie wie Menschen, die im Kopf krank sind“, ging sie mit den Unbelehrbaren hart ins Gericht, ehe sie anhand der eigenen Familiengeschichte das Überleben unter glücklichen und schlimmsten Umständen beschrieb.

„So viel hängt vom richtigen Timing und Glück ab“, verwies sie auf die Fakten, die ihrem Onkel Rudy fünf Jahre in unterschiedlichen Lagern der Nazis einbrachten, ihrer Mutter aber eine rechtzeitige Ausreise ermöglichten. Auf der ersten Station in London lernten sich Carols Eltern Eva Karliner und Ernest Davidsohn kennen, damit schließt sich der Kreis zwischen Vöhl und Hollywood. Ihr Onkel Franz Waxman hatte sich als Arrangeur der Musik zum „Blauen Engel“ schnell einen Namen in der Filmbranche gemacht und konnte emigrieren, nachdem ihn die Nazis in einer Allee zusammengeschlagen hatten.

Über Fritz Langs Verfilmung von „Lilliom“ gelang die Ausreise nach Frankreich, in Hollywood machte er sich u.a. mit Filmpartituren wie „Frankensteins Braut“ mit Boris Karloff und den Soundtracks zu zahlreichen Hitchcock-Filmen einen Namen. Aufgrund seiner Position konnte die Hollywood-Größe den Eltern und der Schwester (Carol Bairds Großmutter) die Ausreise in die USA ermöglichen, für Bruder Fritz und dessen Familie trafen die Papiere zu spät ein.

Der einzige Überlebende

„Meine Mutter wurde in Auschwitz vergast, mein Bruder in Mauthausen erschossen, mein Vater wurde in meinem Beisein zu Tode geprügelt, 30 Tage vor Kriegsende“, sollte Fritz Waxmans Sohn Rudy, der auch von William Shirer für Aufstieg und Fall des Dritten Reiches interviewt wurde, später bezeugen. In einer Eidesstattlichen Erklärung vor dem Amt für Wiedergutmachung legte der einzige Überlebende im Rahmen seiner Klage gegen die IG Farben um 130 000 Dollar Entschädigung umfassend Zeugnis über sein Martyrium ab, das am 8. Mai 1940 mit der Einweisung ins von der Gestapo betriebene Zwangsarbeitslager Kersdorf bei Berlin begann.

Gegen das Vergessen: Carol und Stephen Baird in der alten Vöhler Synagoge. Foto: Hennig

 
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