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"Synagoge in Vöhl"
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"Synagoge in Vöhl" e.V.

Paul Hoorn und Gäste

© Armin Hennig / WLZ 12.12.17 

Paul Hoorn gastiert mit seinen musikalischen Freunden in Vöhl



 „Wir Waisen aus dem Abendland“: Paul Hoorn mit seinen musikalischen Mitstreitern Matthias Manz, Katerina Petrova und Ali Pirabi.

Vöhl. Die ketzerischen Weihnachtsoratorien von Paul Hoorn und seinen musikalischen Freunden gehören gewissermaßen schon zur Tradition in der Alten Synagoge in Vöhl.

Weiterlesen: Paul Hoorn und Gäste

Lyrik, Chanson und Rap


Lyrik, Chanson und Rap
Förderkreis der Synagoge Vöhl stellt abwechslungsreiches Programm für 2018 vor
 
Mit Musik ist alles besser: Unter diesem Motto sind die Dresdner Salondamen in der Synagoge zu hören. Foto:  Alfons Fries/pr
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Alexander Paul Englert

Von Julia Renner

Vöhl. Acht Konzerte, eine Ausstellung, eine literarische Veranstaltung und mehrere Vorträge: Der Förderkreis der Synagoge in Vöhl wartet mit vielen Angeboten im kommenden Jahr auf.

Los geht es am Samstag, 27. Januar, um 19 Uhr mit der Veranstaltung „Lyrik gegen das Vergessen“ zum Holocaust-Gedenktag. Schauspielerin Ursula Illert trägt Gedichte vor, die in Konzentrationslagern geschrieben wurden. Anka Hirsch begleitet sie am Cello, Prof. Dr. Dietfried Krause-Vilmar erläutert den historischen Rahmen. Am Sonntag, 4. März, kommen die Dresdner Salondamen mit ihrem Programm „Mit Musik ist alles besser“. Ab 17 Uhr stellen die Frauen Evergreens und Filmmelodien aus den 1920er- bis 1940er-Jahren vor.

Die Ausstellung „Schicksale. Menschen aus Waldeck-Frankenberg im Konzentrations- und Arbeitserziehungslager Breitenau“ von Schülern der Alten Landesschule wird am Sonntag, 22. April, 11.15 Uhr, eröffnet. Sie wird bis Ende Juni zu sehen sein. Werner Renz, ehemaliger Mitarbeiter des Fritz-Bauer-Instituts in Frankfurt, berichtet am Donnerstag, 26. April, über die Prozesse gegen Hermann Krumey und Otto Hunsche. Ab 19 Uhr geht es um die Männer, die mitverantwortlich waren für die Deportation ungarischer Juden nach Auschwitz.

Eine lyrisch-musikalische Hommage an die Dichterin Mascha Kaléko präsentiert Paula Quast am Samstag, 28. April, ab 20 Uhr. Henry Altmann begleitet sie am Cello. „Eine kleine Sehnsucht“ lautet der Titel des Auftritts von Schauspielerin und Chansonette Maria Thomaschke am Samstag, 16. Juni, 20 Uhr, die am Klavier begleitet wird.

Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 9. September, tritt Tango Transit mit Violinist Florian Meyer auf, der schon mehrfach zu Gast in der Synagoge war. Beginn ist 20 Uhr, der Eintritt kostet mit Unterstützung der Sparkasse zehn Euro.

Im Rahmen des Gitarrenfestivals Edersee spielt am Samstag, 6. Oktober, ab 20 Uhr Tilmann Höhn mit Michael Koschorreck, Mitglied der Söhne Mannheims, und Frank Haunschild. Einen besonderen Auftritt gibt es am Samstag, 10. November, mit Esther Bejarano. Sie gilt als letztes lebendes Mitglied des Mädchenorchesters von Auschwitz. Sie berichtet aus ihrem Leben, die „Mikrofonmafia“ wird sie unter anderem mit politischer Rapmusik begleiten. „Alpen Klezmer“ macht Andrea Pancur am Samstag, 24. November, ab 19 Uhr. Die Sängerin aus München erhielt bereits den Deutschen Weltmusikpreis und wird begleitet von Musikern an Bass, Klarinette und Akkordeon. Zum Abschluss spielen am Samstag, 8. Dezember, 19 Uhr, Paul Hoorn und Freunde. Die Lieder werden nicht weihnachtlich, sondern kritisch und nachdenklich.

www.synagoge-voehl.de

Treten am Tag des offenen Denkmals auf: Die Gruppe Tango Transit aus dem Rhein-Main-Gebiet. Foto:  Alexander Paul Englert/pr
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Alexander Paul Englert
Spielen am Jahresende: Paul Hoorn und seine Freunde. Foto:  pr
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Alexander Paul Englert

Musik in rasantem Tempo


 
 Musik in rasantem Tempo
Begeisterte mit Weltmusik in der Vöhler Synagoge: Das Jazz-Trio „FisFüz“ mit Klarinettistin Annette Maye, Perkussionist Murat Caskun und Gitarrist Gürkan Balkan. Foto: Sandra Simshäuser
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Simshäuser, Sandra

Von Sandra Simshäuser

Vöhl. Mit Weltmusik der besonderen Art hat das Trio „FisFüz“ zum wiederholten Mal in der Vöhler Synagoge beeindruckt. Klänge voller Lebensfreude, Exotik und Wärme brachten Murat Caskun, Annette Maye und Gürkan Balkan zum Konzert unterm Sternenhimmel mit.

Zum zwanzigjährigen Bestehen hatten FisFüz vergangenes Jahr ihr Album „Bonsai - 20 Years of Oriental Jazz“ herausgebracht. Die neu arrangierten Höhepunkte aus der Bandgeschichte genossen auch die Vöhler Besucher in vollen Zügen. Dicht gedrängt und aufmerksam lauschend, ließen sie bereits nach dem Eröffnungsstück „Bosporus winds“ prasselnden Applaus mit Bravo-Rufen hören. Ihren einzigartigen Klangkosmos hatten FisFüz damit abgesteckt.

Schnell wie ein Wirbelwind

Während Annette Maye mit ihrer Klarinette zwischen kunstvoller Schlangenbeschwörung und Jazzkeller pendelte, spickte der gebürtige Istanbuler Gürkan Balkan sein Gitarrenspiel mit Flamencoklängen oder nutzte die Oud, eine Kurzhalslaute, um das typische Flair der Bosporusregion in den Köpfen der Zuhörer aufzurufen. Dem reibungslosen Zusammenspiel setzte Murat Caskun die Krone auf. In jedem einzelnen Stück erwies sich Caskun als Perkussionzauberer, der die unterschiedlichsten Schlagwerke wie ein Wirbelwind bearbeitete und mit seinem Spiel immer wieder Zwischenapplaus erntete. Darunter ein von einem Oud-Solo eingeleiteter Janitscharenmarsch, auf dessen mitreißenden Rhythmus das Trommelregister jedes Spielmannszugs neidisch wäre.

„Den Janitscharenrhythmus hört man auch manchmal im Fußballstadion“, kommentierte Annette Maye augenzwinkernd, die die Songs allesamt mit kleinen Geschichten zu Hintergrund und Entstehung versah. Darunter Adaptionen und viele Eigenkompositionen von Murat Caskun oder auch Wolfgang Maye, der lange als Kontrabassist mit FisFüz unterwegs war.

Vom Balkan bis Nordafrika

Für ihr Repertoire schöpfe die Formation aus verschiedenen Wurzeln vom Balkan bis nach Nordafrika, erzählte Caskun dem Publikum. Auch Klezmermusik hat das Trio bei seinen Reisen kennengelernt. So stimmten FisFüz den „Tango to go“ passend zum Veranstaltungsort an und erwiesen sich einmal mehr auch als Hochgeschwindigkeitskünstler, was dem Publikum Respekt und begeisterten Applaus entlockte.

"Kultur des Mitgefühls leben"

 
„Kultur des Mitgefühls leben“
Gedenken an ermordete Juden: Jannik Lorenz, Najila Nazeri, Lilli Kreten und Silas Westmeier (von links) entzündeten 72 Teelichter, um an die ermordeten Vöhler Juden zu erinnern. Fotos:  Zecher-Christ
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Nadja Zecher-Christ

Vöhl. Die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 war Auftakt zur systematischen Vernichtung Menschen jüdischen Glaubens. Bundesweit wurden Gedenkfeiern zu den Novemberpogromen veranstaltet, die sich zum 79. Mal jähren. Der Förderkreis Synagoge und die evangelische Kirchengemeinde hatten zum Gedenken an die 72 ermordeten Vöhler Juden in die ehemalige Synagoge eingeladen, und zahlreiche Menschen waren dem Aufruf gefolgt.

Pfarrer Jan-Friedrich Eisenberg leitete den Abend mit einem Vergebungsgebet ein und gab einen Rückblick auf die Geschichte des Judentums. „Die Juden haben ihre Kultur unter wechselnden Fremdherrschaften einfach weitergepflegt“, sagte er. Stellvertretend für die Opfer nannte Karl-Heinz Stadtler (Förderkreis Synagoge) Geschäftsmann Max Mildenberg, der in der Mittelgasse gelebt hatte. „Er war im Dorf sehr beliebt und in vielen Vereinen aktiv.“ Mildenberg sei einer von drei Männern aus Vöhl gewesen, die am 10. November verhaftet und von Kassel nach Buchenwald gebracht wurden. Dekanin Petra Hegmann sagte: „Ohne Erinnerung gibt es keinen neuen Anfang.“ Vor 79 Jahren seien Synagogen verwüstet worden oder in Flammen aufgegangen, auf Gebetbüchern herumgetrampelt, Geschäfte geplündert, Menschen verfolgt und umgebracht worden. Das Volk der Dichter und Denker mit christlich geprägter Kultur und vielen Menschen christlichen Glaubens sei auf einem Tiefpunkt gewesen. „Wir haben die Pflicht vor Gott und der Welt, diese Schuld von damals nicht zu vergessen oder zu entwerten“, sagte sie. Es habe damals zwar leisen Widerstand, aber keine nennenswerte Gegenwehr gegeben. „Es gab viele bewusst verschlossene Augen in Deutschland, genauso wie im Ausland, viel christlichen Hochmut, wie Angst.“ Es sei gut, Geschichte nicht zu verdrängen, sondern sich ihr zu stellen. „Wir brauchen Menschen, die eine Kultur des Mitgefühls leben und die aus diesem Mitgefühl heraus Partei ergreifen für Menschen, deren Rechte mit Füßen getreten werden.“

Der Abend wurde von Bläsern mit christlichen Weisen umrahmt. Einige Förderkreis-Mitglieder verlasen die Namen der ermordeten Vöhler Juden, während Schüler 72 Teelichter auf einem Tuch entzündeten - eine für jedes Holocaust-Opfer. Die Steine auf dem Tuch symbolisierten jene, die traditionell auf jüdischen Grabsteine liegen. Barbara Küpfer sang das hebräische Kaddisch-Gebet zum Totengedenken, der ehemalige Pfarrer Günter Maier verlas die deutsche Übersetzung. (nz)

Machten Musik: Walter Holzapfel, Juliane Nolte, Nils Lichtenfeld und Benedikt Huhn.
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Nadja Zecher-Christ

Vier Religionen: Friedensgebet in der Synagoge Vöhl

© Julia Renner / WLZ 17.11.17 

Vier Religionen: Friedensgebet in der Synagoge Vöhl



Sprachen gemeinsam Gebete: (vorne von links) Birgit Siuts, Renate Rosine, Armando Simon-Thielen, Oguzhan Arslan, Siebo Siuts sowie (hinten von links) Flötenspielerin Barbara Fischer-Jahn, Barbara Gerhold, Karin Keller und Muhammet Balkan. 

Vöhl. Anhänger mehrerer Religionen beten für den Frieden: Im Rahmen der Interkulturellen Woche Korbach stand das „Multireligiöse Friedensgebet“ auf dem Programm. Aus Krankheitsgründen musste es verschoben werden, nun fand es am Donnerstagabend in der ehemaligen Vöhler Synagoge statt.

Weiterlesen: Vier Religionen: Friedensgebet in der Synagoge Vöhl

Grenzgänger zwischen den Stimmlagen

 
Grenzgänger zwischen den Stimmlagen
Konzert: Bariton Christian Backhaus und seine Begleiterin Masako Ono waren zu Gast in der Synagoge Vöhl. Foto: Hennig
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Hennig, Armin

Von Armin Hennig

Vöhl. Es war ein echtes Kontrastprogramm: Beim Synagogenkonzert in Vöhl zogen der Vöhler Bariton Christian Backhaus und seine Begleiterin Masako Ono die Zuhörer in der Alten Synagoge mit einer eigenständigen Interpretation von Franz Schuberts Winterreise in ihren Bann.

Beim Auszugslied „Gute Nacht“ legte die japanische Pianistin ein ziemlich forsches Tempo vor, das aber keineswegs auf Kosten der differenzierten Ausdeutung des lyrischen Gehalts durch den Bariton ging. Dieser erwies sich als großartiger Grenzgänger zwischen den stimmlichen Lagen. So schien bei der Textzeile „Es geht ein Mondesschatten“ viel tenorales Timbre auf, während er auf den dunkleren Tönen „des Wildes Tritt“ folgte.

Zum pianistischen Tippelschritt der „Gefrorene(n) Tränen“ nahm der Schmerz in der Stimme des Sängers zu, bevor Backhaus erstmals echte Bassqualitäten entwickelte, die später „Auf dem Flusse“ bis hin zum tiefsten Ton ein eindrucksvolles Gepräge geben sollten.

Das gezielte Ansteuern unterschiedlicher Stimmcharaktere war eines der Stilmittel, mit denen Christian Backhaus den Liedern des Zyklus seine persönliche Note gab, der sich dem bloßen Absingen schöner Melodien - auch beim zu Volksliedehren gelangten Lindenbaum - verweigerte und im Idyll die erste Ahnung des Todes anklingen ließ.

Bei der Gestaltung von „Rückblick“ setzte der Bariton die Atemlosigkeit von Wilhelm Müllers Lyrik nicht nur in Noten um und ließ im schmerzlichen Vergleich von einst und jetzt („Hab’ mich am Stein gestoßen“) auch ein Kratzen in der Stimme zu.

Vom rastlosen Kreisen um der Liebsten Haus, das aus immer neuen Perspektiven ins Visier genommen wird, bis zum Stillstand von „Einsamkeit“ beschreibt die Winterreise einen Bogen, den Christian Backhaus und Masako Ono vor der Pause auf unvergessliche Weise beschritten.

Die zweite Hälfte von Wilhelm Müllers Zyklus beschreibt den Weg in die Todesgewissheit, zerfällt aber eher in Momentaufnahmen, gleichbedeutend mit musikalischen Einzelbildern, deren individuelle Gestaltung dem Interpreten viel mehr abverlangen. Eine Aufgabe, mit der sich schon viele Größen schwer getan haben, ehe der unwiderstehlich schwermütige Zauber des Leiermanns alles zuvor zudeckt.

Seltsam neutral

Die zweite Hälfte der Synagogen-Winterreise war zwar schön anzuhören und stimmlich makellos, die innere Entwicklung blieb leider auf der Strecke, als hätte Christian Backhaus noch nicht die adäquaten Stilmittel für den schwierigeren Teil gefunden. Gerade „Mut“ (Will kein Gott auf Erden sein, Sind wir selber Götter), das ein letztes verzweifeltes Aufbegehren fordert, blieb seltsam neutral. Christian Backhaus verweigerte sich jeder Kopie, hatte aber offensichtlich noch keine eigene Lösung gefunden. Dennoch: die Zuhörer in der gut besuchten Synagoge waren komplett begeistert, der abschließende Leiermann zieht vom ersten schwermütigen Akkord an alle in seinem unwiderstehlichen Bann, der von Masako Ono und Christian Backhaus wirkte besonders stark.

Masako Ono und Christian Backhaus

© pr / WLZ 21.09.17 

„Winterreise“ in der Vöhler Synagoge



Eine klassische Reise: Masako Ono (Klavier) und Christian Backhaus (Bariton) interpretieren in der Vöhler Synagoge Franz Schuberts „Winterreise“.

Vöhl. Reisen ist immer ein Thema in den Konzerten in der Vöhler Synagoge. Konzerte entführen die Zuhörer in die ganze Welt. Ob per Orient-Express, Indian Jazz oder Klezmer, ob von Afrika bis zum hohen Norden, immer werden Geschichten aus der ganzen Welt über Musik vermittelt.

Weiterlesen: Masako Ono und Christian Backhaus

Fluchtgedanken 3.0

© Armin Hennig / WLZ 12.09.17 

„Fluchtgedanken 3.0“ in der Vöhler Synagoge



Eindringlich: Barbara Gottwald und Jessica Stukenberg haben Einwanderer-Erfahrungen inszeniert. 

Vöhl. Eindringlich und verstörend geriet der Auftritt von Barbara Gottwald und Jessica Stukenberg mit der Theaterproduktion „Fluchtgedanken 3.0 – Über das Leben in der neuen Heimat“ in der Vöhler Synagoge: Die beiden Schauspielerinnen hatten Interviews mit Angehörigen von drei unterschiedlichen Einwanderergenerationen zu einer an die Substanz gehenden Stunde verdichtet.

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Einblick in die Geschichte der Juden

 
Einblick in die Geschichte der Juden
 
Ausflug in die Geschichte: Eine Gruppe der Lebenshilfe besuchte die Synagoge in Vöhl. Foto: Hennig
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Hennig, Armin

Von Armin Hennig

Vöhl. Die Alte Synagoge Vöhl war eine historisch bedeutsame Station im Programm der Ferienfreizeit, die Männer und Frauen des betreuten Wohnens der Lebenshilfe unter der Leitung von Ulla Handtke im Evangelischen Freizeitheim Elbenberg verbrachten.

„Karl-Heinz Stadtler hat uns eine hervorragende und leicht verständliche Führung durch das Gebäude geboten“, lobte Oberst a.D. Jürgen Damm die ganz auf die Besucher zugeschnittene Einweisung in die Geschichte des Hauses und der Vöhler Juden.

Die Sperrmauer in Hemfurth war die erste Station des Ausflugs, dort hatte Oberst Damm die 27 Teilnehmer mit dem Bau der Staumauer und ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg vertraut gemacht. Im Maislabyrinth in Basdorf machten die Teilnehmer eine Mittagspause. Letzte Etappe der Edersee-Reise war das verkehrte Haus bei Affoldern/Hemfurth „Wir haben Spaß gehabt, auch beim anschließenden Grillen“, zog Jürgen Damm ein rundum zufriedenes Fazit für die 18. Auflage der Freizeit, die alljährlich Ende August stattfindet.

Am Vorabend der von der Aktion für behinderte Menschen in Waldeck finanzierten Freizeit hatten Ulla Handtke und Siegfried Damm die Teilnehmer dazu motiviert, bei der Bundestagswahl von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen und sich vor der Stimmabgabe zu informieren, da sämtliche Parteien ihre Wahlprogramme in leicht verständlicher Sprache veröffentlicht hätten.

 

Ausstellung Richard Rothschilds

© Armin Hennig / WLZ 21.06.17 

Ausstellung mit Bildern aus dem Nachlass Richard Rothschilds in der Vöhler Synagoge



Ein Feigen- und ein Mandelbaum aus Palästina stehen auf Höhe des Familienplatzes der Rothschilds: Karl-Heinz Stadtler, der viele persönliche Begegnungen mit Richard Rothschild hatte, gab eine Einführung in das Leben des Künstlers und sparte nicht mit persönlichen Anekdote

Vöhl. 20 Landschaftsbilder aus Palästina und dem Hochschwarzwald zeigt eine Ausstellung in der Vöhler Synagoge. Die Bilder stammen von Richard Rothschild, der am 12. Mai 1905 in Vöhl geboren wurde und dort aufwuchs.

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Trio Lumimare

© Battefeld / WLZ 14.06.17 

Musikalische Reise mit Trio Lumimare



Trio Lumimare: (von links) Victor Plummetaz, Mathias Schabow und Michaela Neuwirth traten in der Synagoge auf. Am Ende des Konzerts wurden sie von Mitgliedern des Förderkreises mit Fotos des gerade absolvierten Auftritts überrascht.

Vöhl. Wer sich beim 145. Synagogenkonzert in Vöhl angesichts von Klavier, Querflöte und Cello auf rein klassische Musik eingestellt hatte, der wurde schnell eines Besseren belehrt: Das Repertoire des Ensembles Trio Lumimare – bestehend aus Mathias Schabow, Michaela Neuwirth und Victor Plummetaz – war vielschichtig und reichte von Jazz, Latin, Klassik bis hin zum Tango.

Weiterlesen: Trio Lumimare

Tosender Applaus für "Aquabella"

 
 Tosender Applaus für „Aquabella“
Vom Publikum in der Vöhler Synagoge bejubelt: Die Musikerinnen von „Aquabella“ glänzten nicht nur mit Gesang, sondern auch mit schauspielerischem Talent. Foto: Nadja Zecher-Christ
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Nadja Zecher-Christ

Von Nadja Zecher-Christ

Vöhl. „Aquabella“ sind längst eine feste Größe im Konzertprogramm der ehemaligen Synagoge in Vöhl. Nicht verwunderlich also, dass sie zu ihrem 20-jährigen Bestehen am Sonntagnachmittag ihr aktuelles Programm „Jubilé“ dort präsentierten mit den besten Liedern aus vorangegangen Tourneen.

Mit ausdrucksstarken, wandelbaren Stimmen, anmutigen Choreografien und schauspielerischem Talent verzauberten Nadja Dehn, Bettina Stäbert, Elisabeth Sutterlüty, Claudia Karduck und Anett Levander ihr Publikum im proppenvollen Saal. Abgerundet wurde der Gesang durch Percussion-Instrumente, wie Cajon- oder Rahmentrommel.

Zum Auftakt sangen „Aquabella“ den weltberühmten Tanz-Hit „Pata Pata“ der südafrikanischen Sängerin Miriam Makeba. Lateinamerikanisches Feeling erzeugten die Sängerinnen mit dem brasilianischen Klassiker „Mas que nada“. Schauspielerisches Talent bewies das Quintett beim finnischen Volkslied „Levan Polka“, das von einem Mädchen handelte, das trotz Warnungen seiner Mutter heimlich mit einem jungen Kerl zum Polkatanzen geht.

Eine wohlige Gänsehaut erzeugte die irische Ballade „She moved through the fair“. Ein eindringlicher Appell war das finnische Lied „Emoni ennen“, in dem eine Mutter ihrer Tochter rät, dass sie ihr Leben erst in vollen Zügen genießen soll, bevor sie heiratet.

Schönheit der Kirschblüte

Nachdenklich machte die Eigenkomposition „Jerusalem“, in der die Schönheit der Stadt beschrieben wird, die schon so viel Leid erfahren hat.

Beim schwedischen Lied „Vänner och fränner“ assistierte „Prinz Thomas“ beim Drehen einer Bildrolle, auf der die Geschichte einer Jungfrau abgebildet war, die einen Königssohn heiraten soll. Glücklicherweise rettet sie ihr Geliebter, ein armer Matrose. Zart und filigran erklang das japanische Lied „Sakura“, das von der Schönheit der Kirschblüten und der Vergänglichkeit des Lebens handelte. Zum Träumen verleiteten die balladenhaft arrangierten Lieder „Hijo de la luna“ aus Spanien und der Welthit der Israelin Ofra Haza „Im nin alu“. Den Abschluss bildete das in einer Phantasiesprache gesungene „Adiemus“.

Das Publikum forderte mit tosendem Applaus und Jubelrufen als Zugaben ein bulgarisches Tanzlied und das afrikanische Schlaflied „Thula“ ein, bei dem es den Refrain begeistert mitsang.

 

Hunderten das Leben gerettet

 

Hunderten das Leben gerettet

Besuch in der Geschichtswerkstatt Volkmarsen: Ernst Klein (von links), Dorothee Lottmann-Keseler, Monica Kingreen, Karen Franklin und Markus Moors vom Museum Wewelsburg. Fotos:  Haß/Renner
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Renner, Julia

Von Julia Renner

Waldeck-Frankenberg. Prominenter Besuch aus den USA in Waldeck-Frankenberg: Die US-Historikerin Karen Franklin war jetzt zu Gast beim ITS in Bad Arolsen, in der Mikwe Volkmarsen, der Synagoge Vöhl und im Stadtmuseum in Bad Wildungen. In einem Vortrag in der Synagoge berichtete sie von ihrer Forschungsarbeit.

Karen Franklin ist Direktorin des Family Research Program am Leo Baeck Institut in New York, das sich mit der deutsch-jüdischen Geschichte beschäftigt. Seit Jahren steht im Mittelpunkt ihrer Forschung eine Familie: die Lehmans, vielen sicherlich bekannt durch die Pleite-Bank Lehman Brothers. Doch mit der Bank habe die Familie schon längst nichts mehr zu tun, sagte Franklin.

Ursprünglich kamen die Lehmans aus der Nähe von Würzburg, sie emigrierten jedoch in die USA. Im Mittelpunkt für Franklin steht Herbert H. Lehman, in den 1930er- und 1940er-Jahren Gouverneur von New York. Er gründete eine Stiftung, um zunächst vor allem den jüdischen Familienmitgliedern aus Europa die Flucht in die USA zu ermöglichen.

Von drei ausgewählten Fällen berichtete Franklin in der Synagoge, unter anderem von Rosa Katz-Adler, die aus Bad Wildungen stammte und bei der Stiftung um Hilfe bat, um ihre Tochter in die USA holen zu können. Die Antwort der Stiftung sei nicht bekannt, sagte Franklin. Allerdings: 1940, so belegen es Reisedokumente, kamen der Mann und die Tochter von Rosa Katz-Adler nach Amerika. Hunderten ermöglichten die Lehmans so die Ausreise. Die Familie unterstützt die Forschung von Karen Franklin.

Noch vor dem Vortrag besuchte sie den Internationalen Suchdienst in Arolsen, um die Arbeit kennenzulernen und zwei Fälle zu recherchieren. „Sie war beeindruckt von der Arbeit des ITS“, sagte Ernst Klein, Vorsitzender des Vereins Rückblende Volkmarsen. Dort zeigte er Franklin die Mikwe und die Dauerausstellung zur deutsch-jüdischen Geschichte. In Bad Wildungen besuchte sie mit Johannes Grötecke den jüdischen Friedhof, das Stadtmuseum und sah sich Stolpersteine an.

In der Synagoge Vöhl: Johannes Grötecke (links) mit Karen Franklin und Karl-Heinz Stadtler.
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Renner, Julia

Volkslieder in neuem Gewand


Volkslieder in neuem Gewand
Viel Applaus und Zugaben: Das Trio „Tsching“ aus Berlin begeisterte das Publikum mit seinem Konzert in der Vöhler Synagoge. Foto: Nadja Zecher-Christ
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Nadja Zecher-Christ

Von Nadja Zecher-Christ

Vöhl. Weltmusik vom Feinsten hat das Berliner Trio „Tsching“ dem Publikum in der fast gefüllten Vöhler Synagoge serviert. Zu Gehör kamen zumeist Stücke der CD „Vagabunden-Suite“, bei denen Saxofonist Helmut Mittermaier, Cellistin Franziska Kraft und Gitarrist Ben Aschenbach Volkslieder als Basis genommen und mit pfiffigen Arrangements und Improvisationskunst ein neues Gewand verpasst haben.

Osteuropäische Melodien schlichen sich bei „Kein schöner Land“ betörend ins Gehör. Orientalische Klänge mündeten in eine Variation über „Taler, Taler, du musst wandern“, bei deren flottem 7/8-Takt das Publikum mitklatschte. Ein Hörgenuss war die russische Ballade „Schwesterlein, wann gehen wir nach Hause“. Auch Eigenkompositionen hatte „Tsching“ im Gepäck, darunter den „Pfennigtango“, die geheimnisvollen „Nachgestalten“ und den einsamen Walzer „La Rona“. Zum Träumen verleitete ein Arrangement ums Schlaflied „Weißt du, wie viel Sternlein stehen?“.

Mit Hinblick auf die goldfarbenen Sterne an der blauen Decke der Synagoge sagte Franziska Kraft: „Unter so einer Kuppel spielt man nicht oft.“ Dass unterschiedliche Dinge harmonieren können, bewiesen die Musiker, als sie das jüdische Hochzeitslied „Mazel Tov“ mit dem christlichen Weihnachtslied „Maria durch ein Dornwald ging“ verschmelzen ließen.

Solch eine wohlklingende Fusion entstand auch beim Lied „Theo spann den Wagen an“, das in die schottische Seefahrerhymne „Drunken Sailor“ mündete. Feuer, Sehnsucht und Leidenschaft wurde beim Werk „Libertango“ des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla entfacht.

Feinsinnige Improvisation

Zum krönenden Abschluss zauberte „Tsching“ aus „Les yeux noirs“ in Verbindung mit „Im Frühtau zu Berge“ eine feinsinnige Jazz-Improvisation. Das Publikum forderte mit lautstarken Jubelrufen und Applaus noch zwei Zugaben ein. Zum Dank spielte das Trio den jiddischen Swingtitel „Bei mir bist du schön“, in den es den Refrain des Pippi-Langstrumpf-Liedes einbaute. Den Schlusspunkt setzte die wunderbare Melodie „Summertime“ von George Gershwin, die in „Hallelujah“ von Leonard Cohen mündete. „Danke für den schönen Abend“, sagte Helmut Mittermaier.

 

Max Clouth Clan

© Nadja Zecher-Christ / WLZ 25.04.17 

Faszinierende Klangteppiche



Bei der gefühlvollen Ballade „O Magnum Mysterium“ glänzte Clouth als Solist.

Vöhl. Ein kleines, feines Konzert hat das Publikum am Samstagabend in der ehemaligen Vöhler Synagoge genossen. Der Max Clouth Clan, bestehend aus Max Clouth (Gitarre), Andrey Shabashev (Keyboard), Markus Wach (Bass) und Martin Standke (Schlagzeug), wob faszinierende Klangteppiche, bei denen westlicher Jazz mit klassischer indischer Musik fusionierte.

Weiterlesen: Max Clouth Clan

Trio Macchiato

© Nadja Zecher-Christ / WLZ 29.03.17 

Reise mit dem Orient-Express



Auf eine abwechslungsreiche Reise mit dem Orient-Express nahm das „Trio Macchiato“ sein Publikum in Vöhl mit.

Vöhl. Unter dem Motto „Orient-Express“ hat das „Trio Macchiato“ am Samstagabend sein Publikum in der vollbesetzten Vöhler Synagoge auf eine musikalische Zugreise entführt.

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"Diese Abschiebungen sind Unrecht"

„Diese Abschiebungen sind Unrecht“

Musikalischer Protest: Nadine Fingerghut und Frank Becker bei der kundgebung auf dem Kirchplatz Bad Arolsen.

Von Armin Haß

Bad Arolsen. Etwa 150 Menschen demonstrierten bei einer Kundgebung am Samstagnachmittag auf dem Kirchplatz in Bad Arolsen gegen die Abschiebungen von afghanischen Flüchtlingen aus Waldeck-Frankenbergund gegen die Flüchtlingspolitik von Bundes- und Landesregierung.

„Es ist ein Unrecht, wie die Abschiebung läuft“, sagte Landrat Dr. Reinhard Kubat. Die Abschiebungen seien eine „Sünde“ und ihm täten die Polizisten leid, die sie zu vollstrecken hätten. „Wer meint, dass Afghanistan ein sicheres Land sei, der irrt“, sagte der Landrat.

„Meine Leute machen gute Arbeit!“, unterstrich Kubat mit Blick auf die Ausländerbehörde des Kreises. Es gelte jedoch, das unveräußerliche Menschenrecht auf Asyl zu bewahren und standhaft für den Verbleib der vor Unrecht, Terror und Krieg geflohenen Menschen einzutreten.

CDU nicht eingeladen

„Flüchtlinge, die sich um eine Integration bemühen, haben das Recht, in Deutschland zu bleiben“, forderte Karl-Heinz Stadtler vom Vöhler Netzwerk für Flüchtlinge und dem Verein Vöhler Synagoge.

Der SPD-Unterbezirk Waldeck-Frankenberg, die Kreisverbände der Linken und der FDP und das Bürgerbündnis für ein tolerantes und weltoffenes Korbach hatten gemeinsam mit den Vöhler Gruppen zu der Kundgebung aufgerufen. Kritisiert wurde bei der Protestveranstaltung, dass die Abschiebungen im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen vorangetrieben würden.

Die CDU sei nicht zur Kundgebung eingeladen worden, sie habe es hier schwierig, weil der CDU-Bundesinnenminister die Abschiebungen nach Afghanistan vertrete, sagte der Vöhler SPD-Politiker. Gleichwohl müsse auch an die SPD innerhalb der großen Koalition in Berlin ein Signal gesendet werden.

Anhörungen „empörend“

Stadtler kritisierte die Anhörungen der Flüchtlinge durch das Bundesamt für Migration, ein Teil der Mitarbeiter sei offenbar nicht angemessen ausgebildet. Die Art und Weise der Anhörungen sei empörend. Innenminister Thomas de Maizière bezeichne afghanische Provinzen als „volatil sicher“, womit er die unsichere Stabilität einräume, sagte Stadtler. Dagegen sei beispielsweise die zuvor noch als sicher bezeichnete Hauptstadt Kabul in diesen Tagen Schauplatz von schweren Anschlägen der Taliban gewesen, bei denen viele Menschen ums Leben gekommen seien.

„Wer sagt, Afghanistan ist sicher, der lügt“, erklärte der 24-jährige Afghane Shams Haydari und erläuterte seine Perspektive.

„Wir wollen keine Abschiebungen nach Afghanistan oder woanders hin“, sagte Linken-Sprecher Ingo Hoppmann. „Wir sind Menschen und keine Paragraphen“, forderte er ein Überdenken des Umgangs mit Menschen, die vor Krieg und Terror flüchteten.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Daniela Sommer ermunterte zu einem gemeinsamen Handeln. Der frühere Flüchtlingsberater des Diakonischen Werkes, Rufus Böhringer, empfahl, für gut integrierte Flüchtlinge die Härtefallkommission anzurufen und damit eine Abschiebung zu verhindern.

Menschen aus verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens nahmen an der Kundgebung teil, auch der FDP-Kreisvorsitzende Dieter Schütz und FDP-Kreisausschussmitglied Heinrich Heidel kamen zu der Protestveranstaltung, allerdings ohne Wortbeiträge.

Nadine Fingerhut und Frank Becker brachten Protest in Liedern zum Ausdruck.

Abschiebungen sind Unrecht: Landrat Dr. Reinhard Kubat kritisierte die derzeitige Praxis im Umgang mit Flüchtlingen aus Afghanistan. 150 Menschen protestierten am Samstag auf dem Kirchplatz in Bad Arolsen. Fotos: Armin Haß

 

Lehrer dürfen nicht teilnehmen

Lehrer dürfen nicht teilnehmen

„Arash soll bleiben“: Mädchen und Jungen demonstrieren in der Vöhler Synagoge Solidarität mit ihrem Mitschüler, der nach Afghanistan abgeschoben werden soll. Foto: Lutz Benseler

Von Lutz Benseler

Vöhl. Das Staatliche Schulamt in Fritzlar hat Lehrern nahegelegt, nicht an einer Informationsveranstaltung über die drohende Abschiebung afghanischer Flüchtlinge in der Vöhler Synagoge teilzunehmen. Bei der Veranstaltung am vergangenen Dienstag sorgte die Maßnahme für Empörung: Von einem „Teilnahmeverbot“ war die Rede, das durch die Behörde ausgesprochen worden sei.

„Das Staatliche Schulamt als Dienstaufsichtsbehörde hat die anfragenden Lehrkräfte beraten, aber kein Teilnahmeverbot ausgesprochen“, erklärt die stellvertretende Amtsleiterin Doris Braun-Grimmelbein auf Nachfrage dieser Zeitung. Dabei seien die Lehrer auf das beamtenrechtliche Zurückhaltungsgebot hingewiesen worden: Beamte dürfen sich demnach wie alle Staatsbürger politisch betätigen und hierzu ihre Auffassung in Wort und Schrift äußern und vertreten.

Sie müssten jedoch darauf Rücksicht nehmen, dass sie dem Wohl des ganzen Volkes verpflichtet sind, so Braun-Grimmelbein. Von ihnen werde verlangt, dass sie die Grenzen beachteten, die einzuhalten seien, damit der Dienstbetrieb nicht durch politische Auseinandersetzungen nachhaltig gestört werde, die politische Neutralität der Amtsführung gewahrt bleibe und kein Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit eintrete im Hinblick auf eine unparteiische und gerechte Amtsführung des Beamten. Für Lehrkräfte und speziell Schulleitungen bedeute dies, dass sie den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule durch ihre politische Betätigung nicht gefährden dürften.

Braun-Grimmelbein: „Da es zu diesem Erziehungsauftrag auch gehört, Rücksichtnahme auf die Empfindungen und Überzeugungen Andersdenkender zu vermitteln, dürfen sich gerade Schulleitungen in einer die Öffentlichkeit stark polarisierenden Frage wie der Aufnahme von Flüchtlingen und dem Umgang mit ausreisepflichtigen Ausländern nicht aktiv an Veranstaltungen beteiligen, in denen Entscheidungen der zuständigen Behörden als rechtswidrig und inhuman kritisiert werden.“ Durch eine solche Betätigung könnten Lehrkräfte oder Schulleitungen möglicherweise gegen ihre Dienstpflichten verstoßen.

Unterdessen hatten Grundschüler am Dienstag eigenständig eine Aktion geplant und sich für einen Klassenkameraden eingesetzt, der abgeschoben werden soll.

 

"Keinen Zeitdruck für Flüchtlinge"

„Keinen Zeitdruck für Flüchtlinge“

Karl-Heinz Stadtler und andere Mitglieder des Förderkreises Synagoge Vöhl hatten das Bundesamt für Migration kritisiert. Foto: Benseler

Von Lutz Benseler

Waldeck-Frankenberg. Deutliche Kritik an den Anhörungsverfahren für Flüchtlinge in Neustadt und Offenbach haben am Dienstag Vertreter des Förderkreises „Synagoge in Vöhl“ bei einem Treffen mit Flüchtlingen und ehrenamtlichen Helfern geübt (wir berichteten). Gegenüber unserer Zeitung hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gestern Stellung zu den Vorwürfen genommen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

? Sind die Flüchtlinge nur oberflächlich und unter großem Zeitdruck angehört worden?

! Tatsächlich ist es in Offenbach zwischen September und Oktober 2016 mehrfach zu Problemen gekommen, räumt das BAMF ein. „Hintergrund war der Anspruch, möglichst vielen Flüchtenden schnellstmöglich ein Asylverfahren zu ermöglichen. Nicht alles verlief in diesen Zeiten reibungsfrei. Diese Startprobleme sind beseitigt“, sagt eine Sprecherin der Behörde. Eine Anhörung dauere so lange, wie es nötig sei für den Schutzsuchenden, seine individuellen Fluchtgründe ausführlich darzulegen und genau so lange, wie es notwendig sei, dass die Mitarbeiter die Gründe nachvollziehen und zu einem rechtsgültigen Bescheid umsetzen könnten. „Es gibt keinen Zeitdruck.“

? Haben die Flüchtlinge teils mehrere Tage auf ihre Anhörung warten müssen?

! Nein, sagt die Sprecherin. Die Anzahl der Ladungen sei abhängig von der Anzahl der anwesenden Anhörer und von den jeweiligen Herkunftsländern, die zur Anhörung vorgesehen seien. In der Regel könnten alle am entsprechenden Tag angehört werden. In Einzelfällen sei es möglich, dass jemand geladen werde, die vorhergehende Anhörung aber so viel Zeit in Anspruch nehme, dass diese dann an dem Tag nicht mehr stattfinde. Dabei handele es sich aber um Einzelfälle. Zudem würden Personengruppen wie Schwangere oder Kranke immer vorrangig behandelt.

? Sind die Flüchtlinge von fachfremdem Personal, das von anderen Behörden abgezogen worden ist, angehört worden?

!Im Rahmen des Rückstandsabbaus wurden Mitarbeiter befristet eingestellt oder aus anderen Behörden abgeordnet, bestätigt das BAMF. Alle hätte die ausgeschriebenen Qualifikationen, wie beispielsweise einen abgeschlossenen Studiengang, mitgebracht. Sie seien zudem durch eine mehrwöchige Schulung qualifiziert und in einer intensiven Weiterbildung vor Ort zusätzlich ausgebildet worden. Durch Besprechungen, Schulungen, einem Mentorenprinzip werde zudem gewährleistet, dass die Arbeitsweise aller Mitarbeiter einheitlich und auf fachlich aktuellem Stand bleibe.

? Betroffene berichteten, dass ihnen Dokumente nicht in der richtigen Sprache ausgehändigt worden seien. Trifft das zu?

! Fälle, bei denen falsche Formulare ausgehändigt wurden, seien in beiden Dienststellen nicht angemerkt worden und demnach nicht bekannt. „Hier würden wir um eine entsprechende Meldung vor Ort bitten, sollte so etwas vorkommen“, so die Sprecherin. Zudem finde im Anhörungszentrum keine Antragstellung statt, außer dem Anhörungsprotokoll gebe es keine weiteren Formulare.

? Sind die Einladungen zu den Anhörungen nur mit zwei bis drei Tagen Vorlauf versandt worden?

! Zur Anhörung werde in der Regel mit einem Mindestvorlauf von sieben Tagen geladen. Antragsteller sollten, je nach Postzustellung, eine Ladung vier bis fünf Tage vor ihrer Anhörung erhalten. In der Außenstelle Neustadt würde grundsätzlich mit einem Vorlauf von zwei Wochen eingeladen. Auf Anfrage, etwa von Rechtsanwälten oder Jugendämtern, würden auch individuelle Termine vereinbart.

"Wir wollen nicht sterben"

© Lutz Benseler / WLZ 16.02.17 

„Wir wollen nicht sterben“


Ihnen droht die Abschiebung: Flüchtlinge bei einer Inforamtionsveranstaltung in der Vöhler Synagoge. Rechts: Fördervereinsvorsitzender Karl-Heinz Stadtler. Foto: Lutz Benseler

Von Lutz Benseler

Vöhl. „Letzten Freitag ist ein schlechter Brief gekommen“, sagt Nadjila Nazeri (15) mit fester Stimme ins Mikrofon. Rund 150 Menschen hören ihr in der Synagoge in Vöhl zu – Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer. Die junge Afghanin und ihre Familie sollen in einer Woche Deutschland verlassen.

Etwa zehn Afghanen und vier Pakistani allein aus der Gemeinde Vöhl hätten in den letzten Tagen ähnliche Briefe vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bekommen, sagt Karl-Heinz Stadtler vom Förderkreis „Synagoge in Vöhl“. Viele Mitglieder des Vereins engagieren sich auch für Flüchtlinge – und waren entsetzt über die Entscheidung der Behörde. „Wir können nicht akzeptieren, dass unsere Gäste abreisen müssen“, sagt Günter Maier, Pfarrer im Ruhestand. Seit einem Jahr lebt eine Familie aus Afghanistan in seinem Haus. „Wir wohnen in einer fröhlichen Wohngemeinschaft zusammen. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie schockiert wir waren“, sagt Maiers Frau Dorothea.

Demonstration geplant

Weil sich die Mitglieder damit nicht abfinden wollen, organisiert der Förderkreis nun den öffentlichen Protest. Geplant ist eine Ausstellung und eine Demonstration. Zum Auftakt berichten an diesem Dienstag die Flüchtlinge in der Synagoge über sich und ihre Situation.

„In Deutschland kann ich in die Schule gehen, einen Beruf lernen und arbeiten“, sagt Nadjila. Frauen in Afghanistan hingegen müssen den strengen Sittenregeln entsprechen. „Ich müsste immer zuhause bleiben“, sagt die 15-Jährige.

„Wir wollen leben, wir wollen nicht sterben. Afghanistan ist nicht sicher. Stoppt die Abschiebung“, sagt Shams Haydari (24). Sein Vater arbeitete bis in die 90er Jahre in der kommunistischen Regierung Afghanistans. Die Taliban haben Flugblätter aufgehängt, auf denen die Familie für vogelfrei erklärt wurde. „Trotzdem hat das BAMF die Abschiebung beschlossen“, sagt Karl-Heinz Stadtler. „Das sind Nachbarn und Freunde. Was hier passiert, empfinde ich als völkerrechtliche Schande ersten Grades“, sagt Landrat Dr. Reinhard Kubat.

Dann spricht Amin Rahini (23). Er war Polizist in einem kleinen Dorf im Kundus, kämpfte dort gegen die Taliban, bis sie die Polizeistation und sein Haus in Brand setzten und ihm schriftlich drohten, ihn zu töten. Auch Ashraf Naziri steht auf der Todesliste der Taliban. Er hatte ihnen die Zusammenarbeit verweigert. „Wir haben in Afghanistan eine Regierung und Polizei. Aber nur bis zum Abend“, schildert er die aktuelle Situation. Nach Sonnenuntergang gehöre das Land den Taliban.

Die ablehnenden Bescheide treffen nicht nur Afghanen: Pakistani Shabbir Ahmad (25), hat sich integriert, die Sprache gelernt und könnte zum 1. August eine Ausbildung bei einer Bäckerei in der Gemeinde Vöhl beginnen. Auch er soll zurück.

„Wir wollen hier bleiben, wir sind hier sicher. Hier ist es gut für unsere Familie“, fasst Nadjila Nazeri zusammen. Ihr kleiner Bruder Arash (8) drückt sich fest an sie. Freunde aus seiner Schulklasse kommen nach vorne und rufen: „Arash soll bleiben!“

Zusatz vom Förderverein:
Hier die Petition an den innenminister:Petitionan den hessischen Innenminister

 

 
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