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"Synagoge in Vöhl" e.V.

Programm 2019

Konzerte, Ausstellungen, Literatur, Kino - Ticketpreise steigen

Von Abendrot bis Morgentod: Das Programm der Vöhler Synagoge 2019

Machen Chansons im Swing-Stil: Die Musiker von „Moi Et Les Autres“ spielen im September in Vöhl.

Vöhl. Viel Bewährtes, manches Ausgefallene und ausnahmsweise etwas Klassik: Das musikalische Programm des Förderkreises der Vöhler Synagoge für das kommende Jahr ist bunt und abwechslungsreich. Die Veranstaltungen in der Übersicht.

 

Weiterlesen: Programm 2019

Stimmen gegen den "Wahnsinn"


Stimmen gegen den „Wahnsinn“
Warnung vor Volksverhetzern: Paul Horn und Freunde bekamen für ihren bewegenden Auftritt in der Vöhler Synagoge viel Applaus vom Publikum. Foto: Armin Hennig
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Hennig, Armin

Von Armin Hennig

Vöhl. „Und die Finsternis hat es nicht begriffen“: Unter dem Motto aus dem Johannes-Evangelium stand die aktuelle Version des alternativen Weihnachtsoratoriums, mit dem Paul Horn und Freunde in Vöhl gastierten.

Querdenker, unzeitgemäße Poeten und Verfolgte aus den unterschiedlichsten Zeitaltern vereinigten auch dieses Mal ihre Stimmen gegen den wohlfeilen alltäglichen Wahnsinn.

Zu Beginn war es ganz finster im Saal der Alten Synagoge, ehe die Stimme Katerina Petrovas von der Empore für den ersten Lichtschein sorgte. Ein Eröffnungsmoment, der erst am Ende des Programms seine volle Bedeutung bekam.

Verschiedene Kulturkreise

„Durch den Riss in jedem Sein, kommt erst das Licht hinein“, hatte Paul Horn diese Zeile aus Leonard Cohens „Hymne“ als Plädoyer gegen geschlossene Weltbilder und für das Leben mit den eigenen Widersprüchen gesetzt. Im Verlauf des Programms standen viele der selbst vertonten und übersetzten Dichtungen und Lieder aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen thematisch miteinander in Beziehung. Auch der Genius Loci sorgte für besondere Momente der Verbindung. So vermittelte der Davidsstern der Vöhler Synagoge bei Avrom Sutsekers „Unter dajne wajsse Schtern“, das Lied aus den Dreißigern sei im Veranstaltungsort entstanden.

Das gemeinsame Thema Gefangenschaft war ein Bindeglied zu „En una noche oscura“ des spanischen Reformators Johannes vom Kreuz, der in den Kerkern der Inquisition über die dunkle Nacht der Seele und eine Befreiung dichtete, die tatsächlich gelang. Düstere, schleppende Akkordeonklänge, kennzeichneten den Ausgangspunkt im musikalischen Bereich, der Bass von Matthias Manz und die Geige Katerina Petrovas brachten Tempo und Licht in die Vision von Befreiung und Liebe, die in einer Engelsstimme gipfelte.

Der Musiker und Komponist Paul Horn aus Dresden versteht sein Weihnachtsprogramm als Warnung vor den „Volksverhetzern“, die in Sachsen nahe dran sind bei den nächsten Wahlen als stärkste Kraft in den Landtag einzuziehen. Ein E-Bass, der aus einer Heavy-Metal-Aufnahme entsprungen sein könnte löst das Grauen ab, markiert zugleich den Beginn des intensivsten Stücks des Abends.

Tiefpunkt im Dasein

„Du willst es dunkler“ eine existenzialistische Nachdichtung von Leonard Cohens letztem Streich „You want it darker“ markiert den Tiefpunkt im Dasein als Ausgangspunkt einer Gottesbegegnung, die mit der Berufung zum Mahner und Propheten endet. Weihnachtsimpressionen aus verschiedenen Kulturkreisen bilden lichte Kontraste zu den Seelengesängen, etwa Melekalikimaka mit seiner Hawaii-Stimmung aus dem Weihnachtsalbum des Crooners Bing Crosby. „Irrlicht“ von Rio Reiser und „Stand by me“ als finale Soul-Zugabe mit Matthias Manz am Mikro folgten als Dankeschön ans Publikum für lang anhaltenden Beifall.

 

Alpen Klezmer in der Vöhler Synagoge

Alpen-Klezmer in der Vöhler Synagoge – Konzert mit stärkerer zweiter Hälfte
 
Ungewohnte Spielart: Alpen-Klezmer boten (von links) Christian Dawid, Ilja Schneyveys und Sängerin Andrea Pancur in der Vöhler Synagoge. Für die Zuhörer keine leichte Kost, doch am Ende sprang dann doch der Funke aufs Publikum über. Foto: Hennig
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Hennig, Armin

Von Armin Hennig

Vöhl. Klezmer ist maximal Crossover-tauglich - ob Balkan oder Bossanova, Tango oder Klänge aus Tausend-und-einer-Nacht. Im Verlauf der letzten 20 Jahre wurden in der alten Synagoge in Vöhl schon so gut wie alle Kombinationen des jiddischen Jazz durchgespielt und variiert.

Mit Andrea Pancurs Alpen-Klezmer kam eine bislang ungewohnte Spielart mit bayrischem Akzent nach Vöhl. Frisch betextete Klassiker der Weltmusik in Münchner Mundart, garniert mit alpenländischer Hüttenmusik und dem „Zwiefachen“ (eine Kombination aus Dreher und Walzer), bereicherten das globale musikalische Spektrum. Zwischen den einzelnen Stücken gab die im Stadtteil Ramersdorf geborene Sängerin, die im Sponti-Viertel Neuperlach sozialisiert wurde, biografische Splitter und Erklärungen zu den für Klezmer-Fans eher exotischen Musikstilen aus Bayern.

Zum Auftakt enttäuschte das Quartett mit einer ziemlich breiten, sonst aber nicht allzu eigenständigen Version von Hannes Waders „Schon so lang“ sämtliche Hörerwartungen, ehe Christian Dawids Klarinetten-Solo im besten Klezmer-Stil Schwung in die Folkballade aus den Siebzigern brachte und damit den strukturellen Bezug zur Stilrichtung herstellte.

Bassist Alex Haas gestaltete den nahtlosen Übergang zur Eigenkomposition „Is do wos“, Alpen-Klezmer pur mit einem Spritzer musikalischem Humor. Das lebensfrohe „Di Humpn mit Wein“ zeichnete im Instrumentalteil auch den Lebensweg des aus den Bürgerkriegswirren nach Argentinien geflüchteten litauischen Dichters Hirsch Blosteyn nach. Er musste später als Bewohner von Moskau im Zweiten Weltkrieg auch noch die Begleiterscheinungen der nächsten deutschen Invasion erdulden.

Zum Abschluss der Weltreise vom Klezmer in den Tango und zurück erdete sich das Trio mit Akkordeonist Ilja Schneyveys im Alpenvorland mit zünftiger Hüttenmusik. Ein ironischer Schlenker als Einstimmung auf den Zwiefachen, als bayrischen Mittelteil vor dem Nahost-Tango in Trio-Besetzung, der Andrea Pancur eine Verschnaufpause vor dem Finale gönnte, in dessen Verlauf die Sängerin erst das Publikum mit der Münchner Version eines alten Pessach-Liedes fesselte und anschließend aufmerksame Zuhörer in eifrige Mitsänger verwandelte.

„Aufam Markt in Obagiasing“, die oberbayrische Fassung von Angelo Branduardis „Alla fiera dell Est“, geriet zur bis dahin intensivsten Darbietung von Andrea Pancur, während die Handlung von Strophe zu Strophe immer ausführlicher und durch Wiederholung länger wird.

„Bella Ciao“ war der Sommerhit 2018, auch wenn die Wurzeln des Partisanenliedes aus dem Zweiten Weltkrieg deutlich älter sind, wie die Sängerin bei der Ansage der auch am Jiddischen Broadway populären Weise ausführte, die letztlich auf ein ligurisches Kinderlied zurückgehen soll. Beim allgegenwärtigen Schlager des endlosen Sommers sprang der Funke auf Anhieb über. Zuhörer, die zu Beginn des Konzerts doch etwas mit der ungewohnten Sprache und den alpenländischen Harmonien gefremdelt hatten, stimmten freudig ein.

 

Interview Esther Bejarano

Esther Bejarano kommt nach Korbach und Vöhl

Interview mit Auschwitz-Überlebender: „Dann hätten sie uns erschossen“

Machen gemeinsam Musik : Esther Bejarano mit ihrem Sohn Joram (rechts) und Kutlu Yurtseven von der „Microphone Mafia“. In Vöhl spielen sie nächste Woche in der Synagoge, zuvor wird die KZ-Überlebende Bejarano vor Schülern aus ihrem Leben berichten. 

Korbach/Vöhl. Die Musik rettete ihr Leben: Esther Bejarano spielte Akkordeon im Mädchenorchester in Auschwitz, ihr Leben verschonten die Nazis deshalb. 

Später flüchtete sie während eines Todesmarsches. In der kommenden Woche wird die 93-Jährige in Korbach und Vöhl von ihren Erlebnissen berichten – und mit der „Microphone Mafia“ rappen.

Weiterlesen: Interview Esther Bejarano

Vielfalt verteidigen

 

Vielfalt verteidigen

Gedenkfeier in Vöhl: Silas Klöcker, Vanessa Herzen, Sanja Mohnen, Najila Nazeri und Tom Wiesemann (von links) entzündeten 72 Teelichter für Holocaust-Opfer. Fotos Nadja Zecher-Christ
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Nadja Zecher-Christ

Von Nadja Zecher-Christ

Vöhl. Zum 80. Mal hat sich am Freitag die Reichspogromnacht gejährt, bei der auch in Waldeck-Frankenberg tausende jüdische Menschen durch die Rassenpolitik der Nationalsozialisten ihr Leben ließen. Mit einer Gedenkfeier haben Vöhler Bürger den Holocaust-Opfern, den Ehepartnern und Kindern gedacht.

Den Auftakt bildete ein Friedensgebet in der Martins-kirche. „Nur wenige Einzelpersonen traten den Novemberpogromen entgegen“, sagte Pfarrer Jan-Friedrich Eisenberg.

Unter ihnen sei der schwäbische Pfarrer Julius von Jan gewesen, der in einer Predigt betont habe, dass die „Gebote Gottes missachtet“ worden seien. Heutzutage seien antisemitische Übergriffe wieder Bestandteil der Nachrichten. Man habe die Verantwortung aus den Fehlern von damals zu lernen, betonte er.

Bei der Rede zur Gedenkfeier in der Vöhler Synagoge sagte Karl-Heinz Stadtler (Vorsitzender Förderkreis Synagoge): „Auch die Menschen hier bei uns in Vöhl, haben nicht Nein gesagt. Sie haben die verständnisheischenden Kommentare in den Zeitungen, die Anschuldigungen gegen die Juden schweigend, oft auch zustimmend zur Kenntnis genommen. Sie haben zugeschaut, aber nicht hingesehen.“ Stadtler schilderte das Schicksal der Vöhler Juden Max und dessen Cousin Moritz Mildenberg. Max wurde 1942 in Auschwitz-Birkenau umgebracht. Moritz wurde nicht deportiert und starb 1945 in Waldeck-Sachsenhausen an einer Rippenfellentzündung. „Immer wieder zeigen uns die Nachrichten, dass Hasskriminalität in Deutschland zunimmt“, sagte Stadtler. Straftaten, die sich gegen Nationalitäten, Hautfarben oder Religionen richteten, rechtsextremistisches, fremdenfeindliches Gedankengut seien in allen Schichten der Gesellschaft angekommen. Man müsse sich fest vornehmen den Anfängen zu wehren. „Dieses System der Freiheit, der Toleranz und der Vielfalt zu verteidigen, das sind wir auch den Opfern des 9. November 1938 schuldig“,machte er deutlich.

Das Gesangsensemble „Da Capo“ aus Frankenberg und die Evangelische Bläsergruppe Marienhagen umrahmten die Gedenkfeier mit besinnlichen Liedern. Pfarrer im Ruhestand Günter Maier verlas das Kaddisch-Gebet auf Deutsch, danach trug es Michael Dimor aus Israel auf aramäisch vor. Silas Klöcker, Vanessa Herzen, Sanja Mohn, Najila Nazeri und Tom Wiesemann entzündeten 72 Teelichter für die Holocaust-Opfer.

Gedachten ihrer Vorfahren: vorn von links Gisela Frees, Amir Dimor; hinten von links Noga Friedlender, Michael Dimor, Dalia Dimor und Ziv Dimor.
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Nadja Zecher-Christ

Landkulturboten fortgesetzt

Schulprojekt des Förderkreises Synagoge

Landkulturboten: Finanzierung steht, Projekt wird fortgesetzt

Synagoge Vöhl

Vöhl. Das Projekt Landkulturboten des Förderkreises der Vöhler Synagoge wird fortgesetzt. Das teilte jetzt Vorsitzender Karl-Heinz Stadtler mit. Die Finanzierung für die Jahr 2019 und 2020 ist demnach gesichert.

Erstmals hatte der Förderkreis in diesem Jahr das Projekt gestartet, bei dem sechs Schüler während der Sommerferien in der Synagoge arbeiten. Die jungen Menschen haben Besucher durchs Gebäude geführt und informiert, haben für die Synagoge und die Arbeit des Förderkreises geworben und eigene Projekte verfolgt, beispielsweise die Erstellung einer eigenen Facebook-Seite des Vereins. 800 Euro hat jeder der Landkulturboten dafür bekommen.

Getragen wurde das Pilotprojekt durch Sponsoren, in den kommenden beiden Jahren wird die Finanzierung durch ein Förderprogramm des Bundeslandwirtschaftsministeriums gedeckt. Darum hatte sich der Förderkreis unter dem Dach der Regionalmanagements Nordhessen bereits frühzeitig beworben. Doch weil die Zahl der Bewerbungen so groß war, dauerte die Auswahl lange und der Förderkreis entschied zunächst, auf eigenes finanzielles Risiko das Pilotprojekt zu starten. Nun gab es die Zusage aus Berlin. Stadtler freut sich über die Unterstützung. Auch, weil es viel Arbeit gewesen sei, die Sponsoren zu finden.

 

In den sechs Wochen der Sommerferien sollen wieder sechs Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren für jeweils zwei Wochen in der Synagoge arbeiten. Eine Neuerung wird es wohl geben: Die tägliche Arbeitszeit liegt dann nicht mehr bei acht, sondern bei sechs Stunden. Pro Stunde verdienen die Realschüler oder Gymnasiasten zehn Euro. Bewerbungen werden ab Frühjahr entgegen genommen.

Der Förderkreis der Synagoge strebt nun noch eine engere Kooperation mit den Schulen an. „Wir hoffen, dass es auf Dauer mit den Landkulturboten weitergehen kann,“ sagt Stadtler.

Buch zu Novemberpogrome im Landkreis

Historiker aus ganz Waldeck-Frankenberg beteiligt

Das dunkelste Kapitel: Erstes Buch zu Novemberpogromen im Kreis

Vöhl. Erstmals gibt es eine Übersicht über die Ereignisse während der Novemberpogrome 1938 für den gesamten heutigen Landkreis Waldeck-Frankenberg. 13 Historiker aus dem Kreisgebiet, außerdem zwei Mitarbeiterinnen des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen und ein Mitarbeiter der Gedenkstätte Buchenwald haben daran mitgearbeitet. Ab sofort gibt es das 380 Seiten starke Buch zu kaufen.

„Was während der Novemberpogrome 1938 in Waldeck-Frankenberg geschah, findet in der nachfolgenden Geschichte nichts Vergleichbares“, schreibt Dr. Marion Lilienthal gleich am Anfang des Buches. Die Ausschreitungen hätten sich bis in die kleinsten Dörfer erstreckt.

Entsprechend gibt es Texte in dem Sachbuch, die sich mit den Pogromen in den größeren Städten Bad Wildungen und Frankenberg beschäftigen, und solche über die Ereignisse in kleineren Orten wie Eimelrod und Röddenau.

 

Marion Lilienthal, selbst eine der Autorinnen des Buchs, gab bei der Vorstellung des Werks in der Vöhler Synagoge einen fotografischen Überblick über den Inhalt. Anhand von Bildern zerstörter jüdischer Schulen und Synagogen, von Porträts und Postkarten führte sie aus, welche Zerstörung die Novemberpogrome in der Region mit sich brachten. „Es gab nur vereinzelt Kritik aus der Bevölkerung“, sagte sie. „Der Großteil hatte offensichtlich verinnerlicht, dass Juden rechtlos waren.“ Nicht nur die meisten Bürger, auch die Presse hätte nicht widersprochen. Von der „tiefsten Entrüstung im Volk“ sei damals geschrieben worden. „Ausbruch einer gerechten Empörung“ schrieb die WLZ am 11. November 1938. „Aber keine Zeitung berichtete über die Angriffe auf Juden.“

Unzählige historische Akten und Dokumente in verschiedenen Archiven haben die Autoren gesichtet und mit Zeitzeugen gesprochen, Fotos, Geschichten und Lebensläufe zusammengetragen. „Nach allen Regeln der Kunst“ sei recherchiert worden, lobte der Historiker Prof. Dr. Dietfrid Krause-Vilmar, der sich seit Jahrzehnten intensiv mit der Aufarbeitung der NS-Zeit beschäftigt. Die Attacken seien „von unten“ gekommen, direkt aus den Orten. „Es bedurfte keines staatlichen Befehls“, so Krause-Vilmar. Nach den Ausschreitungen habe der Staat unzählige Anordnungen und Gesetze erlassen, die „die Lebenssituation von Juden in Deutschland faktisch unmöglich machten“.

Dass man die Erinnerung an die Ausschreitungen wach halten müsse, mahnte Vöhls Bürgermeister Matthias Stappert. Die vielen Gräueltaten von 1938 seien vielen Menschen im Landkreis im 21. Jahrhundert nicht bewusst, sagte Kreisbeigeordnete Hannelore Behle. „Diesen Teil der Kreisheimatgeschichte dürfen wir nicht verschweigen.“ Karl-Heinz Stadtler, einer der Autoren des Buchs, sagte, dass über dem gesamten Werk ein Satz stehe: „Nie wieder.“

Mit finanziert wurde das Buch unter anderem durch den Landkreis, das hessische Kultusministerium, die Kommunen Korbach, Bad Wildungen, Frankenberg, Battenberg, Vöhl sowie den ITS.

Hier gibt es das Buch

Das Buch „Novemberpogrome 1938 – Ausschreitungen und Übergriffe in Waldeck-Frankenberg“ gibt es ab sofort für 19,80 Euro zu kaufen in der Synagoge Vöhl, dem Wolfgang-Bonhage-Museum in Korbach, dem Rathaus in Korbach sowie im Stadtarchiv, außerdem an der Alten Landesschule und bei Thalia in Korbach.

Das sind die Autoren

Aus dem gesamten Landkreis haben Historiker Beiträge zum Buch beigesteuert: Lothar Albrecht (Waldeck), Dirk Bender (Willingen), Reiner Gasse (Allendorf), Johannes Grötecke (Bad Wildungen), Horst Hecker (Haina), Karl Heinemann (Diemelstadt), Ernst Klein (Volkmarsen), Marion Lilienthal (Korbach), Axel Marburg (Allendorf), Alf Seippel (Dortmund), Karl-Heinz Stadtler (Vöhl), Karl-Hermann Völker (Burgwald).

Von Seiten des Internationelen Suchdienstes (ITS) waren Christiane Weber und Isabel Panek beteiligt, außerdem Harry Stein von der Gedenkstätte Buchenwald.

Bilder aus der Synagoge

Bilder aus der Synagoge
 
 
Ausstellung mit Bildern von Wilhelm Thielmann in der Synagoge in Vöhl: Die Werke schauen sich (von links) Walter Schauderna, Karl-Heinz Stadtler, Elke Müller und Dagmar Keller an. Foto: Daum
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Osterhold, Hans Peter

Von Hans-Peter Osterhold

Vöhl. „Wir sind für das Miteinander“, sagte Karl-Heinz Stadler, Vorsitzender des Förderkreises Synagoge in Vöhl e.V. und stellt sich in einem freien Land wie Deutschland bei aller Vielfalt der Religionen Einigkeit vor. Bei der Vernissage zur Gemälde- und Fotoausstellung in der Vöhler Synagoge betonte Stadler bei seiner Begrüßung vor allem die gegenseitige Toleranz und das historisch bedingte Verantwortungsgefühl, gerade in unserem Land.

Zu sehen gibt es Gemälde des Malers Wilhelm Thielmann (1868 bis 1924), die aus Skizzen und Porträts zu Bildern komponiert wurden. Sie zeigen die ehemalige Kasseler Synagoge hauptsächlich von innen, gottesdienstliche Handlungen und führende Leute der Gemeinde, seinerzeit in Auftrag gegeben zur Dokumentation für eine interessierte Öffentlichkeit. Die Kasseler Gemeinde im 19. Jahrhundert galt als sehr liberal. Thielmann hatte als Lehrer und Illustrator von Zeitschriften gearbeitet und ging als „Maler und Zeichner der Schwalm“ in die Kunstgeschichte ein. Die Zeichnungen waren als Lithografien in einer Mappe zusammengestellt, und die wurde in den 1990er-Jahren mit Sponsorenhilfe neu aufgelegt. Zusätzlich zu den Gemälden gibt es eine Fotoausstellung mit Bildern von Dr. Wolfgang Werner, die die aktuelle Synagoge in unterschiedlichen Perspektiven zeigen. Spektakuläre Farbgebung und architektonische Details geben einen lebendigen Eindruck vom Inneren des Gebäudes.

Passend dazu erläuterte Ester Haß, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, in einem Vortrag die Entstehungsgeschichte dieser neuen Synagoge. Die alte Synagoge sei in der Nazizeit zwar geplündert worden, aber ein Brand sei verhindert worden. In der Nachkriegszeit habe man eine kleine Gemeinde wieder aufgebaut, die nach der Öffnung der Grenzen in den 1990ern und mit vielen Zuwanderern aus Osteuropa bis auf 1200 Mitglieder anwuchs. Ab 1995 habe es Pläne zur Vergrößerung des Gebäudes gegeben. Nach langen Verhandlungen hin und her sei das alte Gebäude abgerissen worden und man habe ein neues erstellt, das im Jahr 2000 eingeweiht wurde. Hier verlor sich Esther Haß etwas in den Details der Finanzierung des Gebäudes. Heute zähle man etwa 800 Mitglieder, und auch der jüdische Religionsunterricht werde nordhessenweit vom Rabbiner übernommen. Man praktiziere ein lebendiges Gemeindeleben mit Chor, Theatergruppe und Seniorenkreis, leide aber auch wie mancherorts an Überalterung. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Jörg Müller und Dr. Wolfgang Werner (Gitarre und Gesang) und der Musicalgruppe „Strong Together“ der Evangelischen Jugend im Kirchenkreis der Eder unter Leitung von Jenny Heise.

Kippas und Torarollen

Info: Die Ausstellung kann bis zum 9. November vor und nach den Veranstaltungen in der Synagoge oder nach Absprache (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) besucht werden. In der oberen Etage der Synagoge gibt es zudem noch eine Ausstellung, die unter anderem jüdische Kippas, Gebetsbücher, Tallits und Torarollen zeigt.

Erläuterte die Gemälde von Wilhelm Thielmann und die Baugeschichte der neuen Synagoge: Esther Haß. Foto: Osterhold
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Osterhold, Hans Peter

Virtuose Gitarrenklänge

Virtuose Gitarrenklänge

Umjubeltes Konzert: Michael „Kosho“ Koschorreck, Frank Haunschild und Tilmann Höhn (von links) begeisterten am Samstag das Publikum bei ihrem Gastspiel in der Vöhler Synagoge. Foto: Nadja Zecher-Christ
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Nadja Zecher-Christ

Von Nadja Zecher-Christ

Vöhl. Gitarrenkunst vom Feinsten hat das Publikum am Samstag bei der Gitarrennacht in der nahezu ausverkauften Vöhler Synagoge zu hören bekommen.

Im Rahmen des 4. Gitarrenfestivals der Erlebnisregion Edersee gaben die Ausnahmegitarristen Tilmann Höhn, Frank Haunschild und Michael „Kosho“ Koschorreck ein umjubeltes Konzert.

Die Musiker faszinierten mit Improvisationen, die sich von Jazz bis Pop, Reggae bis Folk und Bossa-Nova bis Blues erstreckten - faszinierend und einfach nur schön. Es gab nicht nur Gitarrenmusik zu hören - Kosho sorgte bei seinen Stücken zudem mit rauchiger Soulstimme für wohlige Gänsehaut.

Den Auftakt bildete die stimmungsvolle „Country Ballad“, bei der Haunschild seiner E-Gitarre klagende, lang verhallende Töne entlockte, untermalt von Höhns zarten Akustikklängen und Koshos E-Gitarre, die er auf seinen Oberschenkeln liegend bearbeitete.

Gefühlvoller Gesang

Beim jazzigen „Play Bach“ hatte sich Kosho vom Präludium aus Bachs erster Cellosuite inspirieren lassen und sang gefühlvoll „Play a piece by Bach and don’t worry about the rest of the world“. Berührend war auch Koshos „Love Boat“, in dem es um eine Liebe ging, die vorm Erblühen unterging.

Ihr gesamtes Improvisationstalent setzten Höhn und Haunschild beim Klangteppich „The next morning“ ein, den sie mit 18-saitiger Aliquot-Gitarre und E-Gitarre webten. Haunschild kündigte sein mal rhythmisches, mal gefühlvolles Werk „G-Punkt“ mit den Worten „Wir wollen Ihnen veranschaulichen, was man mit dem Ton G so alles anstellen kann“ an.

Exotisch mutete Koshos „Tinggal“ an, bei dem er von der geheimnisvollen Insel Bali schwärmte. Seine Virtuosität in Sachen Scatgesang stellte er bei „Amnesia“ unter Beweis. Mit seiner Hommage „Goodbye J.A.“ zollte Höhn dem einzigartigen Jazz-Gitarristen John Abercrombie Tribut, der 2017 verstorben ist.

Haunschild widmete die gefühlvolle Ballade „Amore“ seiner mitgereisten Frau. Zum Abschied trugen die Musiker mit akustischen Gitarren den zarten „January Waltz“ vor, der ins flotte afrikanische Stück „Jebo“ mündete.

Doch das Publikum hatte noch nicht genug. Mit lautem Applaus und Jubelrufen forderten sie den fetzigen „Triple Trouble Blues“ und die gefühlvolle Ballade „Where ever you may be“ ein.

 

Brillante Momente einer Weltreise

Brillante Momente einer Weltreise
Mal Bogen, mal pizzicato: Geiger Florian Meyer reizte sein Instrument beim Auftritt in der Vöhler Synagoge voll aus. Foto: Hennig
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Hennig, Armin

Von Armin Hennig

Vöhl. Hochenergetischer Tango nuevo, der diesen Namen auch verdient, das ist das Markenzeichen von „Tango Transit“. Da das Quartett zudem permanent andere Stile durch die musikalische Basis schleust, werden Martin Wagner, Hanns Höhn, Andreas Neubauer und Florian Meyer auch beim ausverkauften Auftritt in der alten Synagoge Vöhl dem Anspruch des Namens vollkommen gerecht.

Dabei erweist sich Astor Piazzollas Libertango als ideale Einführung in den multistilistischen Anspruch der Formation wie als denkbar geeignete Grundlage für ausgedehnte Exkurse. Im Verlauf der Auseinandersetzung mit dem Klassiker bleibt von der schlichten Steigerungskurve des Originals so wenig übrig wie von der hypnotischen Trance der von Grace Jones in die Charts gesungenen Version (I’ve seen this face before). Vielmehr erleben die Zuhörer im Spannungsfeld zwischen bruchlosen Tempo- und Stilwechseln und solistischen Transitzonen eine musikalische Weltreise, in der ein brillanter Moment den vorhergehenden ablöst und eine neue musikalische Wahrheit des Moments entsteht und wieder vergeht.

Als akustische Hommage an den Fusion-Jazz der frühen Siebziger nahm die Eigenkomposition Akrobat ihren Anlauf zum musikalischen Hochseilakt mit grotesken Elementen und einem bizarren Bossanova, der den bedrohlichen Moment beschreibt, indem der Clown ebenfalls aufs Seil geht und den Künstler bei der schwierigsten Übung stört. In der Verbindung der beiden Stile gab es ein musikalisches Happy End und eine einträchtige Verbeugung.

Die Basslinie von Hanns Höhn bildet das musikalische Seil auf dem Florian Meyers Geige beim Hardbop-Piazzolla „Ripped Curtain“ tanzt.

Musikalische Komik samt Seitenhiebe auf unbedarftere Weltmusik-Ensembles bilden den doppelten Boden bei „Night in Egypt“. Mit filigraner Percussionsarbeit sorgt Andreas Neubauer zu Beginn für Karawanenklänge, während Florian Mayer den Wind durch die Wüste heulen lässt und dann Martin Wagner die immer dichtere Atmosphäre mit Akkordeontupfern anreichert.

Doch was zunächst wie der Soundtrack für ein noch nicht gedrehtes Wüstenabenteuer klingt, erweist sich im weiteren Verlauf als eine grandiose Parodie auf die Vorgehensweise der üblichen Weltmusiker und ihre globalen musikalischen Rundumschläge. Deutlichstes Signal sind die bizarr überzeichneten Takte des Tangos „La Comparasita“, die das Bandoneon ins musikalische Geschehen einwirft, die aber schnell durch ein brillantes Bass-Solo von Hanns Höhn abgelöst werden, über dessen Verebben Florian Meyer noch einmal krächzt, bevor Andreas Neubauer einen letzten hauchzarten Beckenschlag anbringt.

 

Landkulturboten, Projekt abgeschlossen

Förderkreis will Fortsetzung, Finanzierung ist aber noch ungewiss

Landkulturboten: Pilotprojekt in Synagoge abgeschlossen

Die ersten Landkulturboten: Synagoge Vöhl Förderkreis Landkulturboten von links Vanessa Herzen, Henriette Hennig, Sanja Mohnen, Malte Spreckelsen, Silas Klöcker.

Vöhl. Das Pilotprojekt „Landkulturboten“ des Förderkreises der alten Synagoge Vöhl ist abgeschlossen. Sechs (ehemalige) Schüler haben in den Sommerferien jeweils zwei Wochen lang im Rahmen eines Ferienjobs in der früheren Synagoge gearbeitet und dabei auch eigene kleinere Projekte erarbeitet. Diese wurden jetzt beim Abschluss des Pilotprojekts vorgestellt.

Die jungen Menschen – allesamt aus der Großgemeinde Vöhl – sollten für die Synagoge werben, Menschen über die Arbeit des Förderkreises informieren, über die Geschichte der Vöhler Juden und das ehemalige jüdische Gotteshaus – und sich so auch stärker mit ihrer Heimatregion identifizieren.

Und die Bilanz dieses Pilotprojekts fällt durchweg positiv aus, wie Karl-Heinz Stadtler, Vorsitzender des Förderkreises, betonte. Rund 120 Besucher sind in den sechs Ferienwochen in der Synagoge gewesen, „das ist für uns eine ganz gute Zahl“. Und: „Ich war begeistert, wie gut sich alle auf die Führungen vorbereitet und wie sie auf Fragen reagiert haben.“ Insgesamt seien die Ziele des Projekts erreicht wordeVanessa Herzen, Henriette Hennig, Sanja Mohnen, Malte Spreckelsen, Silas Klöcker und Ronny Regel hatten die Jobs als Kulturboten übernommen und in ihren je zweiwöchigen Einsätzen auch eigene Aufgaben bearbeitet. Die 16-jährige Sanja Mohnen hat über jüdische Fest- und Feiertage recherchiert, warum und wann sie gefeiert werden und sie mit christlichen Feiertagen verglichen. Die Zwölftklässlerin Vanessa Herzen hat eine Übersicht der ehemaligen Synagogen in Hessen samit ihren Angeboten erstellt und zusammengefasst, was der Vöhler Förderkreis ebenfalls ins Angebot aufnehmen könnte. Unter anderem könnten in Vöhl auch Filmveranstaltungen stattfinden sowie eine geschichtliche Dauerausstellung, schlug sie vor.

Silas Klöcker und Malte Spreckelsen haben an Strategien zur Erhöhung der Webpräsenz gearbeitet, um mehr junge Menschen und auch mehr Touristen anzusprechen. Der Förderkreis hat nun eine eigene Facebook-Seite und einen eigenen Youtube-Kanal, außerdem haben die beiden dafür gesorgt, dass auf der Facebook-Seite des Touristikservices „Waldecker Land“ ein Post der Synagoge erscheint.

Henriette Hennig hat sich mit einen umfangreichen Interview einer ehemaligen Vöhler Jüdin beschäftigt und eine Abschrift des Gesprächs angefertigt. Der 15-jährige Ronny Regel hat das Leben von Ilse Schönthal aus Marienhagen niedergeschrieben, die mit ihren Eltern nach Riga deportiert und dort erschossen wurde.

Die Arbeit der Landkulturboten werde der Förderkreis fortsetzen, auch Ideen der Schüler sollen aufgegriffen werden, sagte Karl-Heinz Stadtler. So solle es im kommenden Jahr Filmabende in der Synagoge geben.

Während des Pilotprojekts hat das Netzwerk für Toleranz des Landkreises ein Video über die Arbeit erstellen lassen. Dieses ist auf dem Youtube-Kanal der Synagoge Vöhl zu sehen.

Ob das Projekt fortgesetzt wird, ist noch unklar. Der Förderkreis möchte es gerne fortführen, abhängig ist das jedoch von der Finanzierung, da die Landkulturboten Geld für ihre Arbeit bekommen.

Die Sponsoren

800 Euro hat jeder Landkulturbote für seine Arbeit bekommen. Als Sponsoren haben die Waldeckische Landeszeitung, Energie Waldeck-Frankenberg (EWF), die Gemeinde Vöhl und das Netzwerk für Toleranz Waldeck-Frankenberg vier Landkulturboten finanziert. Für zwei Jugendliche übernahm der Förderkreis der alten Synagoge die Bezahlung.

Ferienjob Landkulturboten

Silas Klöcker berichtet von seinen Erfahrungen

Vöhl: Ein ganz besonderer Ferienjob als "Landkulturbote"

Der Förderkreis der Synagoge in Vöhl hat das Projekt „Landkulturboten“ ins Leben gerufen. Erstmals begleiten sechs junge Menschen während der Sommerferien Besucher  – und sollen so auch einen stärkeren Bezug zur eigenen Heimat bekommen. Hier berichtet Landkulturbote Silas Klöcker.

Vöhl. Einige Wochen vor dem Start des Projekts „Landkulturboten“ las ich in der Zeitung einen Artikel, der die Arbeit in der Synagoge vorstellte und mein Interesse weckte. Ich bewarb mich daraufhin für diesen ganz besonderen Ferienjob und wurde zu meiner Freude zu einem vorbereitenden Treffen in die Vöhler Synagoge eingeladen. Bei diesem Treffen wurde auch David Heise vorgestellt, der das Projekt „Landkulturbote“ mit der Kamera begleitet.

Nach der Eröffnungsveranstaltung im Juni und einem letzten Treffen mit Karl-Heinz Stadtler, dem Vorsitzenden des Förderkreises, ging es dann endlich für mich und Malte Spreckelsen, den ich bereits aus der Schule kannte, los. Jeweils Montag bis Freitag waren wir im Einsatz. Zunächst überlegten wir uns, wo wir in den zwei Wochen unserer Arbeit einen Schwerpunkt setzen wollten. Wir stellten fest, dass die Webpräsenz noch gesteigert werden kann und beschlossen, in diesem Bereich einiges auszuprobieren.

YouTube-Kanal erstellt

Zuerst schauten wir, wo genau die Synagoge im Internet vertreten ist und notierten uns die Webseiten, auf denen wir Einträge fanden. Um die Reichweite noch weiter zu erhöhen, setzte ich mich mit einigen Touristikstellen in Verbindung und fragte, ob sie die Synagoge Vöhl in ihr Programm aufnehmen könnten. Hierzu gehörte unter anderem die „Grimm-Heimat Nordhessen“, der Touristik-Service Waldeck-Ederbergland und auch die Gemeinde Vöhl. Ein erster Erfolg war ein Artikel, welcher von uns gestaltet wurde und nun auf der Vöhler Internetseite zu finden ist. In den nächsten zwei Wochen erschien auch ein Beitrag auf der Facebook-Seite des „Waldecker Landes“, welche knapp 20 000 Abonnenten aufweisen kann.

Natürlich war uns auch bewusst, dass der Förderkreis der Synagoge selber aktiv werden muss, um künftig mehr Menschen erreichen zu können. Aus diesem Grund erstellten wir neben einer neuen Facebook-Seite auch einen YouTube-Kanal, auf dem wir drei Videos hochgeladen haben. Zukünftig soll dies erhalten bleiben und im besten Fall einmal im Monat ein Video veröffentlicht werden.

Dies gilt natürlich auch für die Facebook-Seite, auf der regelmäßig neue Beiträge veröffentlicht werden sollen. So kann der Verein auf diesen Online-Plattformen künftig viele auch jüngere Menschen erreichen und Werbung für Konzerte oder andere Veranstaltungen machen, die regelmäßig in der Synagoge stattfinden.

63 Besucher geführt

Neben unserer Arbeit im Internet standen aber auch Führungen durch die Vöhler Synagoge auf dem Tagesplan. So kam unter anderem eine Vöhler Kindergartengruppe zur Besichtigung. Unsere Aufgabe bestand also auch darin, die Führungen so anzupassen, dass bei keinem Besucher Langeweile aufkam. Insgesamt führten Malte und ich in zwei Wochen 63 Besucher durch die Synagoge in der Mittelgasse.

Nach dieser spannenden Arbeit als „Landkulturbote“ kann ich sagen, dass ich ganz neue Erfahrungen gemacht habe. Wir durften selber entscheiden, an was wir arbeiten wollten und konnten auch eigene Ideen vorstellen. Uns wurde Vertrauen geschenkt und wir hatten viele Freiheiten, was uns sehr motivierte. Rückblickend hat mich diese außergewöhnliche Arbeit bereichert und mir noch tiefere Einblicke in die Geschichte meiner Heimat gegeben.

Weitere Infos über die Vöhler Synagoge und den Förderkreis gibt es online auf der Internetseite www.synagoge-voehl.de sowie jetzt auch bei YouTube und Facebook jeweils unter dem Stichwort Synagoge Vöhl.

Start Landkulturboten

Pilotprojekt in Synagoge Vöhl startet – Zwei Sponsoren werden noch gesucht

Sechs Jugendliche machen Ferienjob als "Landkulturboten"

 

Sind die ersten „Landkulturboten“: (von links) Vanessa Herzen, Henriette Hennig, Sanja Mohnen, Malte Spreckelsen und Silas Klöcker. Sechster im Bund ist Ronny Regel, der derzeit im Urlaub ist. 

Vöhl. Ein Pilotprojekt startet der Förderkreis der Synagoge Vöhl in den Sommerferien. Sechs (ehemalige) Schüler aus der Gemeinde werden jeweils zwei Wochen als „Landkulturboten“ in dem früheren jüdischen Gotteshaus arbeiten und Besuchern die Geschichte näher bringen sowie in sozialen Netzwerken für einen Besuch der Synagoge werben.

 

17 Seiten lang ist das Dossier, das die Schüler bereits bekommen haben und das die Grundlage für ihre Arbeit in den kommenden Wochen bildet. Darin enthalten: alles Wichtige rund um die Geschichte der Synagoge und der Vöhler Juden sowie die Arbeit des Fördervereins.

Je zwei Wochen lang – von 25. Juni bis 3. August – werden immer zwei Schüler montags bis freitags von 9 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr als Ansprechpartner für Besucher der Synagoge bereitstehen, sie führen und informieren. In der besucherfreien Zeit erarbeitet jeder von ihnen noch ein gesondertes Projekt.

Die Ziele: Die jungen Menschen sollen für die kulturelle und historisch-politische Arbeit des Fördervereins werben, sagte Karl-Heinz Stadtler, Vorsitzender des Vereins, zum Auftakt. Und: „Wir wollen Besuchern Angebote machen, die über das Übliche hinaus gehen.“ Das soll auch die touristische Attraktivität der Edersee-Region verbessern und nicht zuletzt den emotionalen Bezug der Jugend zur Heimat stärken.
 

Zehn Bewerbungen

Umsonst sollen die sechs Jugendlichen die Arbeit nicht machen. Jeder von ihnen wird 800 Euro bekommen. Der Förderkreis sucht, um diese Finanzierung zu sichern, noch Sponsoren. Für vier junge Menschen gibt es bereits Unterstützer: Neben der Waldeckischen Landeszeitung sind auch Energie Waldeck-Frankenberg, die Gemeinde Vöhl und das Netzwerk für Toleranz Waldeck-Frankenberg dabei. 1600 Euro fehlen nun noch, doch auch wenn sich keine weiteren Sponsoren finden – „das Geld bekommen die Jugendlichen in jedem Fall“, so Stadler.

Aus zehn Bewerbungen hat der Vorstand des Fördervereins die sechs Kandidaten ausgewählt. „Landkulturboten“ sind jetzt Henriette Hennig, 16 Jahre alt, aus Obernburg/Hof Lauterbach. Sie hat gerade die Ederseeschule Herzhausen abgeschlossen; Sanja Mohnen aus Asel. Die 16-Jährige hat ebenfalls gerade die Ederseeschule verlassen; die 17-jährige Vanessa Herzen aus Dorfitter ist Schülerin der Alten Landesschule in Korbach; Silas Klöcker, 17 Jahre alt und aus Marienhagen, ist ebenfalls Schüler der ALS, so wie auch Malte Spreckelsen. Der 17-Jährige kommt aus Vöhl. Letzter im Bunde ist der 15-jährige Ronny Regel aus Herzhausen, der ebenfalls gerade die Ederseeschule absolviert hat.

Dass das Projekt eine besondere Bedeutung habe, sagte Bürgermeister Matthias Stappert. „Für euch wird das eine Zeitreise“, sagte er den Jugendlichen. Vom Angebot des Förderkreises profitiere die gesamte Gemeinde.

Info und Kontakt: Wer als Sponsor das Pilotprojekt „Landkulturboten“ unterstützen möchte, meldet sich bei Vorsitzendem Karl-Heinz Stadtler, Tel. 05635 / 1491, Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Weitere Infos auch auf der Internetseite des Fördervereins.

Chanson-Abend mit Handtasche

Wechselt ihre Rollen so schnell wie ihre Handtaschen: Die Berliner Sängerin und Schauspielerin Maria Thomaschke in der Vöhler Synagoge. Fotos: Susanna Battefeld
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Susanna Battefeld

Von Susanna Battefeld

Vöhl. Mal kokett und aufreizend, mal leise und berührend und mal völlig ungestüm und wild: Maria Thomaschke wechselte ihre Rollen so schnell wie ihre Handtaschen, von denen sie ein gutes Dutzend in die Vöhler Synagoge mitgebracht hatte. Am Klavier begleitet von Nikolai Orloff, präsentierte die Berliner Sängerin und Schauspielerin jetzt vor rund 50 Zuhörern ihr Bühnenprogramm „Eine kleine Sehnsucht - Chanson-Abend mit Handtaschen“ und erhielt begeisterten Applaus.

„Sie spielt jedes Lied“, brachte es eine Zuhörerin in der Pause auf den Punkt. Maria Thomaschke beeindruckte in der Tat durch große Authenzität, mit der sie beispielsweise in die Rolle der kleinen Kitty, einer Kleptomanin oder der eines armen Mädchens mit einer scheußlichen Puppe schlüpfte.

Die Lieder aus den 20er-Jahren stammten fast durchweg von Friedrich Holländer, was die Chansonsängerin auch zu Beginn angekündigt hatte.

„Wenn man sich vorstellt, dass hinter jeder Handtasche eine ganze Biografie steckt, kann man damit einen ganzen Abend füllen“, erläuterte Thomaschke ihren Ansatz, die Handtaschen als verbindendes Element für ihr Bühnenprogramm auszuwählen.

Nachdem die Sängerin bereits im zweiten Programmteil mit „Stoßzeufzer einer Dame“ von Kurt Tucholsky und „Alles Schwindel“ von Mischa Spoliansky, auch Lieder präsentiert hatte, die nicht von Friedrich Hollaender stammten, wählte sie als Zugabe ein berührendes Stück über die Einsamkeit aus, das ebenfalls nicht aus der Feder von Holländer stammte.

Eher humorvoll war hingegen die zweite Zugabe, in dem Thomaschke ihren „Traummann“, einen Neandertaler, besang. Die in Leipzig geborene Maria Thomaschke war nicht zum ersten Mal zu Gast in der Vöhler Synagoge. Das ehemalige Aquabella-Mitglied sei unter anderem bereits vor drei Jahren mit einem Chanson-Abend aufgetreten, sagte Vorstandsmitglied Barbara Küpfer, die für die nächsten Veranstaltungen in der Synagoge warb und auf einen Fehler in den ausgelegten Broschüren hinwies: Das Konzert am 9. September beginne bereits um 17 Uhr und nicht wie irrtümlich angekündigt um 20 Uhr, stellte sie richtig.

Ferienjob in Synagoge

Vereinsvorsitzender Karl-Heinz Stadtler warb zudem für das Sommerprogramm: „Wir wollen stärker mit Jugendlichen zusammenarbeiten“, sagte er. Man habe durch das Projekt „Landkulturboten“ sechs Jugendliche gewinnen können, die einen Ferienjob in der Synagoge angenommen hätten.

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Susanna Battefeld

Ausstellung Schicksale

Ausstellung „Schicksale“ täglich zu sehen

In der Synagoge in Vöhl ist noch bis Sonntag, 27. Mai, täglich die Ausstellung „Schicksale. Menschen im Konzentrationslager Breitenau“ zu sehen.

 

Geöffnet ist die Synagoge in der Mittelgasse 9 von 14 bis 17 Uhr. Die Wanderausstellung, die von Schülern der Alten Landesschule in Korbach zusammengestellt wurde, kann von Interessenten ausgeliehen werden. Infos und Kontakt über die Schule oder www.gedenk-portal-korbach.de.

Dichterin Mascha Kaléko

 
Paula Quast: Ihr gelang in der Synagoge Vöhl ein facettenreiches Portrait der Dichterin Mascha Kaléko. Fotos: Karl-Hermann Völker
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Karl-hermann Völker

Von Karl-Hermann Völker

Vöhl. Das gibt es: Menschen, denen ihre Heimatlosigkeit schon in die Wiege gelegt ist. Mascha Kaléko (1907-1957) zum Beispiel, die nach den frühen Erfolgen mit ihrer Dichtung in der Tradition Heines und Tucholskys von den Nazis zur Aufgabe ihrer Heimat und ihrer Karriere gezwungen wurde. Sie gilt als eine der großen deutschen Dichterinnen, geriet aber nach dem zweiten Weltkrieg in Vergessenheit, bis sie von der Hamburger Schauspielerin Paula Quast 1996 wiederentdeckt und auf deutsche Bühnen geholt wurde.

Zusammen mit dem Musiker Henry Altmann widmete die Schauspielerin Mascha Kaléko in der stilvollen Atmosphäre der alten Synagoge Vöhl am Wochenende eine anrührende Hommage, bei der Lebensstationen der Dichterin mit liebevoll-melancholischen Kindheitserinnerungen, Berliner Schnoddrigkeit, dem „harten Brot des Exils“ in Amerika und der Vereinsamung in Israel aufleuchteten.

Wirkkraft von Pausen

Wie oft sie ihr „Bündel schnüren“ musste, beschrieb Mascha Kaléko in ihrem Gedicht „Sie sprechen von mir nur leise… Ich bleibe der Fremde im Dorf“, das Paula Quast zu Beginn als Motto über den Rezitationsabend in Vöhl stellte.

Die aus einer russisch-jüdischen Familie stammende Mascha Kaléko lebte in ihrer Kindheit von 1916 bis 1918 in Marburg/Lahn, dann in Berlin. Neben einer Sekretärinnen-Ausbildung und Büroarbeit für die jüdische Gemeinde besuchte sie Abendkurse in Philosophie an der Humboldt-Universität und veröffentlichte mit 22 erfolgreich ihre ersten Gedichte. Ihr Gedichtband „Das lyrische Stenogrammheft“ wurde 1933 ein Riesenerfolg. Paula Quast zeichnete mit klaren Wortlinien, sparsamer Gestik und der Wirkkraft von Pausen eine Silhouette der Lyrikerin, die sich von Gedicht zu Gedicht mit mehr Leben füllte.

Erinnerungen an die Kindheit als „fernes Geläut“, „Weinen als Lebensgefühl“, die Erkenntnis in der Nazi-Zeit, „dass ihr Traum von Deutschland ein Irrtum war“, „Geküsst wurde nur auf dem Bahnhof“, das Wiedersehen mit der Bleibtreustraße in Berlin noch einmal kurz vor ihrem Tod („Hier besuchten mich meine Freunde und die Gestapo“) - Paula Quast verstand es faszinierend, die Ambivalenz zwischen lyrischem Lebensgefühl der Dichterin und zeitgeschichtlichem Hintergrund sichtbar zu machen.

Sensibel abgestimmt

Henry Altmann, musikalisches Multitalent und genialer Improvisator mit Kontrabass, Tenorhorn, Glockenspiel und winziger Mundharmonika lieferte den musikalischen Pulsschlag für dieses lyrische Lebensbild, mal unerbittlich wie der Takt des Metronoms („Ein kleiner Mann stirbt“), immer aber sensibel auf die Sprechtexte abgestimmt.

Es gab für ihn wie für Paula Quast am Ende herzlichen Beifall des Publikums und den Dank von Barbara Küpfer für den Förderkreis Alte Synagoge Vöhl.

Noch eine musizierte mit: Etwa eine Stunde lang sang vor dem Synagogenfenster eine Amsel ihr Abendlied.

Henry Altmann: Seinem Kontrabass entlockte er verblüffende Klangfarben und Rhythmen, fein abgestimmt auf die Lyrik.
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Karl-hermann Völker

Geschichte wachhalten

Geschichte wachhalten

Geschichte anschaulich machen: ALS-Schüler präsentieren ihre Ausstellung „Schicksale“ über Inhaftierte im Konzentrationslager Breitenau, die zurzeit in der Vöhler Synagoge zu sehen ist. Foto: Rösner
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Rösner, Stefanie

Von Stefanie Rösner

Vöhl. Eingesperrt, gefoltert und misshandelt: Was die Nazis Häftlingen im Lager Breitenau (Cuxhagen) ab 1933 antaten, erschüttert die Schüler der Alten Landesschule, die dazu eine aufschlussreiche mobile Ausstellung geschaffen haben. Am Sonntag wurde sie in der Synagoge in Vöhl eröffnet. Dort bleibt sie bis zum 27. Mai. Danach ist sie für jeden im Landkreis verfügbar, der die Informationen weitergeben möchte.

Darauf weist die Geschichtslehrerin Dr. Marion Lilienthal hin. Ihr ist es wichtig, dass die 18 Roll-Ups, also die transportablen Infotafeln nach dieser ersten Ausstellung nicht in Schränken verstauben, sondern über Monate und Jahre immer wieder genutzt werden. Ob Vereine, Kirchen, Schulen oder andere Institutionen in Waldeck-Frankenberg - jeder, dem Bildung und die Aufklärung über die Zeit des Nationalsozialismus wichtig sind, kann das anschaulich zusammengestellte Material ausleihen.

Die Nationalsozialisten waren kaum an der Macht, schon setzten sie 1933 eine gnadenlose Verhaftungswelle in Gang. Kommunisten, Juden, Sozialdemokraten: Alle, die aus Sicht der Nazis nicht ins System passten und anders dachten, wurden oft mit Gewalt gefangen genommen.

Schläge und Prügel waren im Konzentrationslager Breitenau an der Tagesordnung, berichten die ALS-Schüler. „Man hat immer in Todesangst gelebt“, zitieren sie einen, der die Schikanen und Misshandlungen erlebte. Von unbarmherzigen SS- und SA-Männern und Aufsehern ist die Rede. Chronischer Nahrungsmangel, körperliche und seelische Schäden betrafen die Insassen. Viele von ihnen stammten aus dem heutigen Waldeck-Frankenberg. Mit „Schicksale“ zeigen Dr. Marion Lilienthal und ihre Schüler die Leidenswege von Menschen aus Waldeck-Frankenberg, soweit sie diese anhand von Akten und durch intensive Recherche nachvollziehen konnten.

Herausgekommen ist eine umfangreiche Broschüre über Hintergründe und einzelne Schicksale, mit Fotos, Dokumenten und Schriftstücken. Übrigens ist auch diese Broschüre für jeden, der die Roll-Ups für eine Ausstellung ausleiht, kostenfrei verfügbar.

Folgende Schüler waren beteiligt: Dominic Antony, Kamil Cuppok, Philipp Jahn, Paul Keller, Paul Rinau, Florian Schultze, Lars Viskaal, Felix Wilke, Maik Zubiks, Alex Breus, Lisa Finaschin und Katharina Wiegand.

Service: Die Ausstellung ist bis 27. Mai täglich von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Wer die Wanderausstellung ausleihen möchte, wendet sich an die ALS oder über www.gedenkportal-korbach.de.

 

Ausstellung Breitenau

Schüler setzen sich ein

Ausstellung in Vöhler Synagoge zeigt Schicksale aus Breitenau

 

Zeigen Schicksale: Schüler der ALS eröffnen am Sonntag eine Ausstellung über Breitenau in der Vöhler Synagoge.

Vöhl/Korbach. Mit viel Einsatz von Korbacher Schülern ist die Ausstellung "Schicksale" entstanden, die im Lager Breitenau inhaftierten Menschen gewidmet ist. Am Sonntag wird sie eröffnet.

 

„Wir wollen zeigen, dass es auch hier stattgefunden hat“, sagt Maik Zubiks, einer der neun Schüler, die an der Alten Landesschule die Ausstellung „Schicksale“ über Menschen aus Waldeck-Frankenberg im KZ Breitenau entwickelt haben.

Ab Sonntag, 22. April, wird sie in der Vöhler Synagoge gezeigt. „Den Satz ,Das war ja früher, das kann nicht mehr passieren‘ wollen wir widerlegen“, pflichtet ihm Felix Wilke bei: Denn würden die Nazi-Verbrechen vergessen, könnten sie wieder geschehen.

Zur Eröffnung am Sonntag um 11.15 Uhr spricht Prof. Dietfrid Krause-Vilmar, Initiator der Gedenkstätte Breitenau, und die Schüler kommen zu Wort. Auf 18 Roll-ups halten sie Ergebnisse ihrer Arbeit mit der Lehrerin Dr. Marion Lilienthal fest. Da geht es um Grundsätzliches zum Lager Breitenau, die Haftbedingungen, Misshandlungen und Schikanen samt ihrer Folgen – und um repräsentative Schicksale politisch und religiös Verfolgter und von Zwangsarbeitern.

Marion Lilienthal begab sich mit den Schülern auf wissenschaftliches Neuland, wertete zuvor unbekannte Quellen aus und sammelte erstmals die Namen aller Opfer: „Hier werden viele Biografien gewürdigt, über deren Schicksale man nichts wusste.“

Die Schüler entwickelten nicht nur die Ausstellung, das Projekt war dreigleisig, erklärt Marion Lilienthal: Dazu gehören auch eine Broschüre und die Internetseite www.gedenkportal-korbach.de. Gefördert wurde das im Landesprogramm „LandKulturPerlen“. 

Landkulturboten

Schüler sollen ihre Heimat besser kennen lernen und sie nach außen repräsentieren

Pilotprojekt: Förderkreis Synagoge Vöhl sucht „Landkulturboten“ 

Einsatzort: Die „Landkulturboten“ sind zwei Wochen lang in der Synagoge Vöhl im Einsatz. Sie sollen Besucher führen und so auch Botschafter ihrer Heimat sein. 

Vöhl. Ein besonderes Projekt für Schüler zwischen 14 und 19 plant der Förderkreis der Synagoge Vöhl für die Sommerferien. Gesucht werden sechs „Landkulturboten“, die einen Ferienjob in der ehemaligen Synagoge annehmen, dort Besucher empfangen und die Geschichte des jüdischen Gotteshauses näher bringen.

Ursprünglich war das Projekt mit einer Ausschreibung der Grimmheimat Nordhessen für eine Förderung durch das Bundeslandwirtschaftsministerium verbunden. Allerdings: Weil 900 Bewerbungen dort eingingen, ist eine Entscheidung über die finanzielle Unterstützung noch nicht gefallen. Doch der Förderkreis fand die Idee so gut, dass sie dennoch umgesetzt werden soll – zunächst auf eigenes finanzielles Risiko.

Denn die sechs Schüler, die einen Wohnsitz in der Gemeinde Vöhl haben müssen, werden für ihre Arbeit in der Synagoge bezahlt. Mindestens den Mindestlohn sollen sie bekommen, sagt Karl-Heinz Stadtler, Vorsitzender des Vereins. Zwei Wochen lang – Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr – werden die jungen Leute dann Besucher empfangen und sie über die Geschichte des Gebäudes und der früheren jüdischen Gemeinde informieren.

Außerdem sollen sie in der besucherfreien Zeit in sozialen Netzwerken für den Besuch der Synagoge werben. Schließlich bekommt jeder der sechs Realschüler oder Gymnasiasten noch eine eigene Aufgabe. Das könnten die Übersetzung der Internetseite ins Englische oder ein Archivierungsprojekt in der Bibliothek sein. Je nach Interesse wird eine Aufgabe ausgesucht, so Stadtler. Am Ende soll jeder sein persönliches Projekt vorstellen. Es gibt ein Zertifikat.
 

Mindestens 14 Jahre alt sollten die Schüler sein und den Nationalsozialismus im Unterricht bereits thematisiert haben. Auch Lernbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein und der Wille, an Vorbereitungs- und einer Abschlussveranstaltung teilzunehmen, sollten sie mitbringen.

Die Jugendlichen sollen durch das Projekt einen stärkeren Bezug zu ihrer Heimat entwickeln, so Stadtler. Auch Botschafter ihrer Region nach außen sollen sie werden. Und: „Wenn es gut ankommt, könnten wir das Projekt fortsetzen.“ Abhängig ist das auch von der Finanzierung. Unternehmen und Institutionen, die das Vorhaben finanziell unterstützen und Patenschaften über Schüler übernehmen, werden noch gesucht.

Info und Kontakt: Bewerbungen für das Projekt „Landkulturboten“ bis zum 8. April per Mail an Karl-Heinz Stadtler unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Er ist auch Ansprechpartner für potenzielle Unterstützer.

Dresdner Salondamen mit musikalischer Zeitreise

„Mit Musik geht alles besser“

Dresdner Salondamen nehmen Publikum in der Vöhler Synagoge mit auf eine musikalische Zeitreise

 

Glamouröser Auftritt: Die Dresdner Salon-Damen begeisterten ihr Publikum in der Vöhler Synagoge von Anfang an.

Vöhl. Gehüllt in glamouröse Kleider und mit extravaganten Hüten auf dem Kopf, haben „Die Dresdner Salon-Damen“ am Sonntagabend ihr Publikum in der vollbesetzten Vöhler Synagoge auf eine musikalische Zeitreise in die 20er-, 30er-, 40er- und 50er- Jahre entführt. Dabei wurde famos gesungen und musiziert, gekonnt gepfiffen und das Ganze mit Humor garniert.

 

Seit 20 Jahren reisen Karolina Petrova (Gesang), Franziska Graefe (Violine), Juliane Gilbert (Cello, Kontrabass), Silke Krause (Klavier, Akkordeon) und Cécile Pfeiff (Klarinette, Saxophon) schon gemeinsam von Bühne zu Bühne und haben festgestellt: „Mit Musik geht alles besser.“

Beim gleichnamigen Titel sprang der Funke zum Publikum sofort über. „Wir nehmen Sie heute mit auf eine musikalische Zeitreise zum Thema Liebe“, sagte Petrova. Dabei bekämen die Herren ordentlich ihr Fett weg, denn bei der Titelauswahl seien nicht die drei K's (Kinder, Küche, Kirche) vorrangig gewesen, sondern die drei K's „Kinder, Konzertsäle, Klamotten“. Die Künstlerinnen waren aber voll des Lobes für Karl-Heinz Stadtler (Vorsitzender Förderkreis Synagoge). Dieser war nachmittags nach Marburg gefahren, um die vergessenen Hüte der Salondamen abzuholen.

Schmunzeln konnte das Publikum beim Lied „In der Bar zum Krokodil“, das verdeutlichte, dass es schon im alten Ägypten Probleme mit der Treue gab. Bei einem Potpourri zündeten Evergreens wie „Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh’n“ und „Wochenend‘ und Sonnenschein“.

Wandelbare Stimme

Wunderbar sentimental war der Marlene-Dietrich-Klassiker „Wenn ich mir was wünschen dürfte“. Ganz aktuell war „Telefonitis“, jedoch verpackt in ein altes Gewand. Beim Schlager „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“, sang das Publikum lautstark mit. Petrova war mit ihrer wandelbaren Stimme ein Hörgenuss.

Beim Zigeunertanz brillierten Graefe auf der Violine, Gilbert auf dem Cello und Krause am Klavier. Kichern war zu hören, als Pfeiff davon sang, dass beim Konto ihres Liebsten „das Komma zu weit links“ steht. Mit dem Zarah-Leander-Chanson „Merci, mon ami“ wollten sich die Dresdner Salon-Damen verabschieden, doch das Publikum forderte mit Jubelrufen und donnerndem Applaus noch „Das gibt’s nur einmal“ und den Hildegard-Knef-Klassiker „Eins und eins, das macht zwei“ ein. (nz)

Dresdner Salondamen

Konzert am 4. März in der Synagoge – Vorverkauf läuft


© pr
Die Dresdner Salondamen gastieren am Sonntag, 4. März, um 17 Uhr in der Vöhler Synagoge. Unter dem Motto „Mit Musik geht alles besser“ präsentieren sie Evergreens und Filmmelodien der 20er bis 40er Jahre.

 

Die Dresdner Salondamen haben erkannt, dass die Kraft der Musik eines der Geheimrezepte ihres langjährigen gemeinsamen Musizierens ist und eine Medizin gegen nahezu jeden Schmerz sein kann.

 

Dabei scheint es so, als würden die in mit zarter Spitze besetzten Kleidern gehüllten und mit stilvollen Hüten gekrönten Damen das Publikum in eine himmlische musikalische Traumwelt entführen.

Dieser Eindruck mag davon gestützt werden, dass die Damen im Jubiläumsjahr ihres 20-jährigen Bestehens ihre innerste Überzeugung in jedes Herz dringen lassen möchten.
 

Das gelingt ihnen famos, denn nicht nur die musikalische Vielfalt der Damen ist beeindruckend, sondern auch ihre amüsante Mimik und der köstliche Humor beleben ihren feinsinnigen Vortrag. Die singenden und musizierenden Damen an Violoncello, Violine, Klarinette und Klavier nehmen die Zuhörer mit auf eine musikalische Zeitreise durch die Ufa-Filme des vergangenen Jahrhunderts.

Karten für das Konzert gibt es im Vorverkauf zum Preis von 16/14/12 Euro, ermäßigt vier Euro weniger, unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder bei Anna Evers, Tel. 05631-1022, an der Abendkasse kosten die Tickets einen Euro mehr. (r)

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