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"Synagoge in Vöhl"
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Frankenthal, Bertha 1


 Berta 1 Frankenthal                  Stammbaum Familie Frankenthal

geb. 6.9.1887 in der elterlichen Wohnung in Vöhl, nachmittags um acht und einhalb Uhr
gest. ca 1944 (verschollen in Riga, nach Auskunft von Carol Baird in Lublin)

Eltern:
Hermann Hirsch Frankenthal (1858- 1920)
Emma Frankenthal, geb. Katz (1857- 1940)

Geschwister:
Sophie, verh. Nussbaum (1889- 1942)

Familienstand:
ledig

Kinder:
keine

Wohnung:
Vöhl, Haus No 50; nach Einführung von Straßennamen: Arolserstraße 10


1894
Ostern wird sie in die Vöhler jüdische Schule aufgenommen. [1]

1895/1896
Lehrer Joseph Laser erwähnt sie in beiden Jahren beim Schuljahresbeginn zu Ostern als eine der Schülerinnen der israelitischen Elementarschule in Vöhl. [1]

1906
Sie ist Lehrmädchen in der Buchführung in Kassel.

1920
Nach dem Tod des Vaters führt sie nach Auskunft von Karl Müller dessen Geschäft in kleinem Rahmen weiter; u.a. handelt sie mit Eiern und wird als "Eiertante" bezeichnet.

1929-32
Bertha Frankenthal ist in der Bürgerliste der Wahlberechtigten eingetragen.

ca 1930/31
Karl Müller erzählt:
Er kam aus dem Kindergarten, mit roter Schürze, besah sich das Geflügel auf dem Bauernhof gegenüber dem Frankenthalschen Haus und wurde von den Gänsen angegriffen. Berta Frankenthal "rettete" das Kind und brachte es nach Hause. Müller meint, die Straße sei damals etwas unheimlich und deshalb interessant gewesen.

1940
Frau Schönfeld erzählt:
Vom 20. Dez. 1939 (Tag ihrer Heirat) bis zum 21. März 1941 (Mann zum Militär eingezogen?) wohnte sie mit ihrem Mann Otto im oberen Geschoss des Hauses der Frankenthals, das zum damaligen Zeitpunkt schon einer christlichen Familie gehört habe, bei der ihr Mann als Schweizer [2] arbeitete. Bertha und ihre Mutter wohnten im Erdgeschoss. Bertha habe Spitzen verkauft und sei dazu manchmal mit Max Mildenberg nach Obernburg, sicher auch in andere Orte gefahren. [3]
Als Berthas Mutter Emma starb, war Frau Schönfeld gerade anwesend. Die alte Frau Frankenthal sei öfter mal plötzlich zusammengebrochen und hingefallen. So war es auch am Todestag. Als Frau Schönfeld und Bertha den Tod feststellten, wollte Frau Schönfeld helfen, sie aufzuheben. Bertha meinte, es würde nur Schwierigkeiten geben, wenn herauskomme, dass sie Juden geholfen hat. Bertha habe dann Beate, die Tochter Bernhard Frankenthals, aus der Nachbarschaft geholt.
Frau Schönfeld kann sich nicht erinnern, dass sie Frankenthals einmal beim Sabbat hätte helfen müssen; sie seien wohl nicht sehr fromm gewesen.
Sie kann sich erinnern, dass Jugendliche manchmal bei Frankenthals mit Steinen Fenster eingeworfen haben. Ihr Mann Otto sei darüber einmal sehr böse gewesen und habe die Jugendlichen geschimpft. Daraufhin habe der Ortsgruppenleiter der NSDAP ihm gesagt, wenn er sich noch einmal für Juden einsetze, müsse er das melden.
An Berthas Deportation kann sich Frau Schönfeld kaum erinnern. Bertha sei plötzlich weg gewesen. Wahrscheinlich habe Bertha vorher von der Deportation nichts gewusst.

1940
Kurz nach der Beerdigung der Mutter im Frühjahr 1940 wurde Bertha nach Auskunft von Nachbarn deportiert. An ein genaues Datum kann man sich nicht erinnern. Berthas Nichte Siddi Blumenthal, geb. Nussbaum, gibt als Aufenthaltsort für die Zeit des Krieges Frankfurt am Main an.[4]

1942
Bertha Frankenthal wurde in Minsk von einem Vöhler Soldaten beim Säubern der Toiletten im Bahnhof (oder beim Reinigen des Bahnsteigs?) gesehen; sie habe ihn erkannt, eine Kontaktaufnahme wahrscheinlich aus Furcht aber zurückgewiesen.

1944
Nach Auskunft von Carol Baird wurde Bertha Frankenthal 1944 nach Lublin deportiert. Nach einem Gedenkbuch, in dem als Geburtsort aber Frankfurt/M. angegeben ist, ist sie in Riga verschollen.

1954
Mitteilung über eine Feststellung eines Todes des Standesamts Berlin I in Berlin-Charlottenburg vom 8.3.1954 an das Standesamt Vöhl: Der Tod der Bertha Frankenthal wurde durch Entscheidung des Amtsgerichts Frankfurt a.M. am 2.5.1953 festgestellt und der Tag des Todes auf den 31.12.1945 festgelegt.


Lebensdaten nach Descendancy Chart: 1887-1944


[1] Quelle: Schulchronik, The Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem , 8273/3
[2] Melker; Knecht, der für Kühe und Rinder zuständig ist.
[3]Dies muss gewesen sein, bevor Schönfelds dort wohnten, weil Max Mildenberg ab Mitte November 1938 - mit Ausnahme einer Woche im Februar 1939 - nicht mehr in Vöhl war.
[4] Yad Vashem: The Central Database of Shoah Victim's Names; diese Information kann nur für die Zeit zwischen Frühjahr 1940 und 1942 gelten.
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