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"Synagoge in Vöhl"
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Frankenthal, Bernhard


 Bernhard Frankenthal   Stammbaum Familie Frankenthal
  jüd. Name: Yisochar [1] oder Issachar (vgl. Grabstein) [2]

geb. 15. März 1863 in Vöhl
gest. 22. März 1934 in Vöhl, Nachmittags um elf und dreiviertel Uhr (Todesursache: Arterienverkalkung und Schlaganfall)

Eltern:
Selig Frankenthal (1824- 1900)
Jettchen, geb. Löwenstern, verw. Kaiser (1827- 1911)

Geschwister:
Klärchen Kaiser (geb. 1846)
Hanchen (?) Kaiser (geb. 1849)
Lazerus Kaiser (geb. 1851)
Rickchen Kaiser (geb. 1854)
Hermann (1856- 1940)
Bertha (1858- 1943?)
Lina (1861- 1941)
Julius (1865- ?(nach 1921))

Ehegatte:
Johanna, geb. Bachrach (1868- 1942)
Heirat: 19. Aug. 1891 in Bad Wildungen

Kinder:
Beate (1892- 1942)
Ida (1894- 1970)

Wohnung:
Haus No 60; nach der Einführung von Straßennamen: Am Schulberg 12 [3]

Beruf:
Kaufmann


In der Nachbarschaft und von Freunden wurde er Benis genannt.

Bernhard Frankenthal besaß eine Bibel aus der Zeit um 1650, die heute Carol Baird gehört.
Er handelte mit Textilien und anderen Sachen und zog mit dem Pferdewagen über Land. Ein Pferd hieß Fritz.
Karl Weinreich erzählt, dass Bernhard Frankenthal einmal in Alt-Asel war und abends mit Pferd und Wagen nach Hause fahren wollte. Bei Weinreichs Schmiede in Asel hätten Jungen mit Lärminstrumenten das Pferd erschreckt. Ohne Fahrer und Wagen sei es im Stall in Vöhl angekommen. [4]

1869-1874
Er besuchte die israelitische Elementarschule in Vöhl.

1874

Zeugniß:
Bernhard Frankenthal Sohn des Kaufmanns Selig Frankenthal dahier hat von Pfingsten 1869 bis heute die hiesige israelitische Elementarschule regelmäßig besucht und war ich während dieses ganzen Zeitraums sowohl mit seinem Fleiße als seinem Betragen stets recht zufrieden, was ich demselben hier mit bescheinige.
  Vöhl, den 10. Octbr. 1874
    S. Baer
      Lehrer der isr. El.-schule

1874-1877
Er besucht das Gymnasium Alte Landesschule in Korbach.

1875
Während der Schulzeit wohnt er bei Maurermeister Dicke in Korbach und bei Abraham Lazarus, wohl auch in Korbach.

1877
Er erhält Ostern 1877 ein Abgangszeugnis, "um Kaufmann zu werden" [5].

1885
Ab diesem Jahr gehört er zur höchstbesteuerten Hälfte der Einwohner Vöhls.

1891
Er wird wegen Verstoßes gegen die Polizeiordnung mit einer Geldbuße von 1 Mark belegt.

1892
Bernhard Frankenthal zeigt beim Standesamt am 7.6. die am selben Tag erfolgte Geburt seiner Tochter Beata an.

1894
Er zeigt beim Standesamt die Geburt seiner Tochter Ida an.
Am 25. Februar stellt er eine Rechnung "für Herrn Schmiedemeister Friedrich Schmal II Hier" aus über Produkte, die seit dem Febr. 1892 gekauft wurden: die Hälfte des Kaufgeldes für einen Kessel, Linsen, Thran, Hammelfleisch und Felle. Bernhard Frankenthal quittiert für den Vater, den Rechnungsbetrag durch Gegenrechnung erhalten zu haben.
Am 25. Mai werden Bernhard Frankenthal und über 20 weitere Bürger Vöhls von Bürgermeister Müller gefragt, ob sie das Ortsbürgerrecht erwerben und das damit verbundene "Einkaufsgeld" von 30 Mark und das Feuereimergeld in Höhe von 3 Mark entrichten wollen. In der dem Schreiben beigefügten Liste ist nur das Feuereimergeld in der entsprechenden Spalte notiert. Möglicherweise hat er also abgelehnt, das Ortsbürgerrecht zu kaufen.

1898
Er wird in das Vöhler Ortsbürgerverzeichnis aufgenommen; Geb.-ort: Vöhl; Berufsangabe: Kaufmann.

1900
Er erhält eine Legitimationskarte für Gewerbetreibende für das Jahr 1900.
Am 18. Oktober zeigt er beim Standesamt den Tod des Vaters am Vortag an.

1911
4. Nov.: Er zeigt beim Standesamt den Tod seiner Mutter am Vortag an.

1913
Am 2ten August erstattet Ortsdiener Scheid folgende Anzeige:

"Ich bringe den Herrn Chr. Schmale von hier, hiermit zur Anzeige, weil derselbe am 28. Juli d. Js. das, zwischen den Wohnhäusern des Herrn Bernhard Frankenthal und Kunz befindliche Treppchen gegangen ist. Die Übertretung wird bewiesen durch Herrn Bernhardt Frankenthal."

Mit demselben Text zeigt er auch den "Herrn Heinr. Schaake III" an, der das Treppchen am 1. August gegangen ist. [6]

1920
Bernhard Frankenthal zeigt im Februar den Tod Isaak Kugelmanns und im Oktober den Tod Hermann Hirsch Frankenthals beim Standesamt an.

1921
Er ist verzeichnet im Ehren-Buch der Stifter für das Kriegerdenkmal Vöhls für die Gefallenen des 1. Weltkrieges.

1923-1927
Frankenthal war Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde.

1929:
Er ist im Einwohnerbuch für Waldeck und den Amtsgerichtsbezirk Vöhl als Einwohner Vöhls eingetragen mit der Berufsbezeichnung "Kaufmann und Gütermakler, Fernruf 16".
Am 19. Februar wird der Besitz des Bernhard Frankenthal auf Veranlassung des Amtsgerichts Vöhl geschätzt:

Wohnhaus m. Scheune, Stallung, Hofraum 2,84 ar:
Wiese auf der Maise, 33,39 ar: [7]
Acker, hinter den Brunkelg.28, 14,95 ar:
Hausgarten im Dorfe 1,26 ar, Scheuer m. Stallung, Hofraum:
Hausgarten im Dorf 94 qm, Wert
Hausgarten im Dorf, 2,33 ar, Wert
5.000 RM
1.600 RM
598 RM
2.000 RM
94 RM
233 RM
Gesamtwert: RM
9.52529 [8]

1929-32
Bernhard Frankenthal ist in der Bürgerliste der Wahlberechtigten eingetragen.

1933
Nachbar Fischhaupt kauft Bernhard Frankenthal eine Scheune ab.

1934
Todesanzeige in der Zeitung:

Heute nacht entschlief plötzlich und unerwartet mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater

Herr
Bernhard Frankental

im 72. Lebensjahre.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Johanna Frankental

Vöhl, den 23. März 1934
Die Beerdigung findet Sonntag mittag 2 Uhr statt.


1936

Obwohl er bereits 1934 gestorben war, ist er in einem Verzeichnis als Besitzer des Hauses Schulberg 12, alte Hausnr. 60, eingetragen.


Dienstboten laut Vöhler Gesinde-Register:
29.12.1899- ? Caroline Heinemann aus O.Werba in Waldeck, geb. 1. November 1880, schlank u. stark, graue Augen, gewöhnl. Nase u. Mund, dunkelblond, als Magd

Gewerbesteuer 1895-1920
Bernhard Frankenthal ist als Kaufmann angegeben, seine Wohnung ist in Haus No 60.
1895 nicht in der Steuerrolle genannt
1908 Steuerklasse IV 16 Mark, 12 Steuerzahler zahlen zusammen 204 Mark
1909 Steuerklasse IV 12 Mark, 12 Steuerzahler zahlen zusammen 208 Mark
1910 Steuerklasse IV 12 Mark, 12 Steuerzahler zahlen zusammen 216 Mark
1911 Steuerklasse IV 16 Mark, 14 Steuerzahler zahlen zusammen 244 Mark
1913 Steuerklasse IV 16 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 252 Mark
1914 Steuerklasse IV 16 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 256 Mark
1915 Steuerklasse IV 16 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 252 Mark
1916 Steuerklasse IV 16 Mark, 15 Steuerzahler zahlen zusammen 240 Mark
1917 Steuerklasse IV 16 Mark, 13 Steuerzahler zahlen zusammen 220 Mark
1918 Steuerklasse IV 16 Mark, 13 Steuerzahler zahlen zusammen 212 Mark
1919 Steuerklasse IV 16 Mark, 13 Steuerzahler zahlen zusammen 216 Mark
1920 Steuerklasse IV 16 Mark, 14 Steuerzahler zahlen zusammen 224 Mark

Grab auf dem jüdischen Friedhof Vöhl
Link: Dokumentation des jüdischen Friedhofs (Reihe 11 Grab 3):

Hebräische Inschrift
Deutsche Inschrift
Grab 11.3 hebr
Hier ruht in Frieden
mein geliebter Gatte
und guter Vater
Bernhard Frankenthal
geb. 15. März 1863
gest. 22. März 1934
Übersetzung
Bild

Hier liegt begraben
ein guter Mann;
er ging geradeaus auf allen
seinen Wegen: Issachar, der Sohn
Jesuels (1). Er starb am 7. Nissan (2) 694 (3)

Seine Seele möge eingebunden sein
in das Bündel des Lebens.

(1) die hebräischen Buchstaben umgeschrieben lauten: J(e)schuel
(2) März/April/Mai
(3) 1934

Anmerkung von Karl-Heinz Stadtler:
Bernhard Frankenthal war der Sohn Seligs und Vater von Beate und Ida Frankenthal. Er wohnte auf dem Schulberg.

Grab 11.3
© Kurt-Willi Julius; 2002

weitere Bilder

Grab 11.3 zs1
© Kurt-Willi Julius; 2002
Grab 11.3 zs3
© Kurt-Willi Julius; 2002
Grab 11.3 zs2
© Kurt-Willi Julius; 2002

 

[1] Yisochar war der hebr. Vorname des Vaters.
[2] Der vollständige hebräische Name müsste Yisochar ben Jesuel gewesen sein, da der hebr. Name des Vaters Jesuel gewesen ist.
[3] Bis ca 1920 gab es keine offiziellen Straßennamen, sondern die Häuser waren insgesamt durchnummeriert. Die Hausnummer 1 hatte der wohl lange Zeit am Ortseingang gelegene Eigenbrodtsche Hof gegenüber der heutigen Apotheke. Nach den direkten Nachbarn kamen dann die Häuser in der heutigen Arolser Straße, und es endete Anfang des 18. Jahrhunderts mit den Häusern in der heutigen Basdorfer Straße und schließlich den heute zum Forstamt gehörenden Gebäuden.
[4] Da der Erzähler dieser Geschichte erst nach dem Bau der Edertalsperre geboren wurde und also Alt-Asel nicht mehr gekannt haben kann, kann er die Geschichte nur vom "Hören-Sagen" kennnen.
[5] Quelle: Abgangszeugnis der Alten Landesschule
[6] Ein Treppchen zwischen den genannten Häusern ist nicht mehr vorhanden, Reste aber noch erkennbar. Die Anzeige steht wohl im Zusammenhang mit einem Streit zwischen Nachbarn, über dessen Grund nichts bekannt ist.
[7] vgl. Johanna Frankenthal; gemeint sind wohl die Brunkelgärten.
[8] Ein Zusammenhang zur Judenverfolgung aufgrund dieser Schätzung ist möglich, aber nicht sicher, zumal es sich in dem entsprechenden Verzeichnis um die einzige Schätzung eines jüdischen Grundstücks handelt, von der man bisher weiß.

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