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Frankenthal, Johanna


 Johanna Frankenthal             Stammbaum Familie Frankenthal
 
geb. Bachrach  hebr. Name: Chava bas Yaakov

geb. 7.7.1868 in Langenschwarz bei Hünfeld (nach Heiratsurkunde und Gedenkbuch: 7.Okt.)
gest. 18.11.1942 in Theresienstadt

Eltern:
Jakob Bachrach (1801- 1877)
und dessen 2. Ehefrau Marianne, geb. Rothschild (1845- 1900)

Geschwister:
Ruben Bachrach, 1871-1941
Berthe Bachrach, 1876-1944

Ehegatte:
Bernhard Frankenthal (1863- 1934)
Heirat: 19.8.1891 in Bad Wildungen, standesamtlich am 16. (?) Juli 1891 in Langenschwarz

Kinder:
Beate (1892- 1942)
Ida (1894- 1970)

Wohnung:
Haus No 60, nach Einführung von Straßennamen: Am Schulberg 12


1877
Vater Jakob stirbt. Johanna ist 9 Jahre alt.

1891
Eheschließung mit Bernhard Frankenthal aus Vöhl; sie zieht vom Elternhaus in Langenschwarz in das Haus ihres Mannes nach Vöhl, wo zu diesem Zeitpunkt auch ihre Schwiegereltern leben.

1892
Tochter Beate wird am 7. Juni geboren.

1894
Am 4. Dezember wird Tochter Ida geboren.

1900
Schwiegervater Selig Frankenthal stirbt am 22. November; in diesem Jahr stirbt auch die noch junge Mutter Marianne.

1911
Schwiegermutter Jettchen Frankenthal stirbt am 3. November.

1929-32
Johanna Frankenthal ist in der Bürgerliste der Wahlberechtigten eingetragen.

1939
Verkauf eines Grundstücks (Flur VIII, Parzelle Nr. 113/55: Wiese in der Maise) an die Gemeinde
6. Jan.: Verkauf des Grundstücks
4. Febr.: Gegen Johanna Sara Frankenthal wird Sicherungsanordnung erlassen, d.h. sie darf nur mit Genehmigung der Devisenstelle Kassel (beim Oberfinanzpräsidenten) über ihr Geld verfügen.
2. Mai: Der Oberfinanzpräsident informiert die Gemeinde über die Sicherungsanordnung gegen Johanna Frankenthal und fordert sie dazu auf, den Kaufbetrag für das Grundstück bei Fälligkeit auf ein Sperrkonto einzuzahlen.
22. Aug.: Die Gemeinde überweist den Kaufpreis von 1400 RM auf ein Sperrkonto der Johanna Sara Frankenthal bei der Kreissparkasse Frankenberg.
3. Okt.: Johanna Frankenthal und die politische Gemeinde beantragen bei Notar Weigel die Beurkundung der Auflassung des Grundstücks.
20. Okt.: Notar Weigel bittet die Gemeinde schriftlich, die Grunderwerbssteuer zu zahlen, da das Grundstück aufgelassen ist; die Umschreibung könne erst erfolgen, wenn der Kaufpreis bei einer Devisenbank eingezahlt und die Devisenstelle informiert wurde.
22. Jan. 1940: Das Finanzamt Frankenberg schickt den Grunderwerbssteuerbescheid, weil das Grundstück zwar verkauft, aber noch nicht an die politische Gemeinde übergegangen ist.
26. Sept. 1940: Das Amtsgericht benachrichtigt die Gemeinde, dass das Grundstück auf den Namen der politischen Gemeinde übertragen worden ist.

Einen letzten Brief an die Tochter Ida schreibt sie am 27. 1939 [2]:

Meine Lieben (oder "Liebe")
Mit Wehmut schreibe ich diese Zeilen, da es die letzten sind, welche Ihr von uns erhält, jetzt fühlt man sich ... und verlassen u. denke ich mit Schrecken an unsere Zukunft. Wir werden uns vielleicht im Himmel einmal wieder sehn, denn daß wir jemals nach Euch kommen glaube ich nicht. Hoffentlich ist alles gut abgelaufen, u. habt Ihr weiter keine Aufregung u. Unangenehmes mehr gehabt, daß Ihr viel Arbeit u. Durcheinander hattet kann ich mir denken, denn einen Haushalt aufzugeben ist keine einfache Sache. Daß die Bekannten alle so empfindsam zu Euch sind ist ja selbstverständlich, Ihr ... . Im Traum war ich ..... hätte ich in Wirklichkeit getan, ich sehe dich l. (liebe) Ida sagen in ....
Wünsche Euch nun in Eurer neuen Heimat ..., daß es Euch nicht ... vor dem l. Ernst grüßt denselben herzlich von uns u. schreibt gleich Eure Ankunft. Empfanget noch viele herzliche Grüße von Eurer Euch l. Mutter.

1942
Der Name Johanna Bachrach erscheint auf einer Transportliste, nach der sie am 6. September 1942 vom Bahnhof Itter aus deportiert wurde.
Am 8. September wird sie von der Gestapo von Kassel aus mit dem Transport XV/1-713 ins Ghetto Theresienstadt gebracht. Sie hatte schon vorher ein schwaches Herz; dort stirbt sie am 18. [3] oder 27. [4] November.
In Theresienstadt fand die Familie Davidson-Baird eine maschinengeschriebene Liste mit dem Eintrag: Frankenthal, Hannchen * 7.10.68 ** 18.11.42

Johanna Bachrach, Rickchen Katzenstein und Selma Rothschild waren die letzten Juden, die in Vöhl wohnten und mit dem letzten nordhessischen Transport nach Osten deportiert wurden.

September: In einem "Verzeichnis des unbeweglichen Vermögens abgeschobener Juden" ist für Johanna Frankenthal aufgeführt: "Wohnhaus mit Hausgarten Vöhl Schulbergstr. 12; Grundbuchmäßige Bezeichnung: Bd 1 Bl. 30, Größe: 2,84 a; Einheitswert: 4780 M; Belassung: Joh. Frankenthal"
Die Kopie wahrscheinlich von einer Karteikarte (Nr. 53) des Finanzamts enthält folgende Angaben:
Frau Johanna Frankenthal geb. Bachrach, Vöhl
K. 12 P. 409/175 Wohnhaus m. Scheune, Stall u. Hofraum 2,84 ar
Schulberg 12
B. 1 Bl. 30 2,84 a


Lebensdaten nach Descendancy Chart: 1868-1942


[1] Carol Baird: Im Geburtsregister wird sie als "Hannchen" bezeichnet, ebenso in den Akten von Theresienstadt.
[2] Wahrscheinlich hat sie den Monat auf dem Brief vergessen; denkbar ist auch, dass er am 2. Juli geschrieben wurde.
[3] Quelle: Internationaler Suchdienst, Gedenkbuch
[4] Quelle: Carol Baird

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