Freitag, 13. August 2010

Bruno Frankenthal gestorben

Im Alter von 93 Jahren verstarb am 27. Juli 2010 Bruno Frankenthal, der letzte ehemalige jüdische Mitbürger aus Hallenberg.

Bruno Frankenthal wurde in Altenlotheim bei Vöhl geboren. Seine Mutter war eine geborene Bachenheimer aus Hallenberg. Im Haus Bachenheimer (heute Österreich, Merklinghauser Straße) hat er in der Fellhandlung seines Onkels Hermann Kasriel gearbeitet und dieses Geschäft bis 1938 auch geleitet.

In der Reichspogromnacht im November 1938 wurde er inhaftiert und ins Konzentrationslager Buchenwald geschafft. Dort wurde er am 23. Dezember 1938 mit der Auflage entlassen, Deutschland innerhalb eines Monats zu verlassen. Mit viel Glück und Hilfe kam er über Chile nach Bolivien und später nach Argentinien, wo er zunächst in einer Großwäscherei, später erfolgreich in der Fell- und Lederbranche arbeitete. 1963 verließ er Argentinien und zog mit seiner Familie nach Israel, wo er viele Jahre in einer Fabrik für Ledererzeugnisse tätig war.

Die ersten Beziehungen nach Deutschland wurden 1972 durch einen Freund aus Warstein aufgenommen. Im gleichen Jahr folgte eine erste Reise nach Deutschland. "Als wir in Düsseldorf angekommen sind und erstmals wieder deutschen Boden betreten haben, hatten wir eine Gänsehaut", so Frankenthal. Seitdem hatte die Familie Frankenthal in Warstein (wo auch Sohn Raoul lebt), Altenlotheim und Hallenberg gute Freunde gefunden.

Anlässlich der Erarbeitung seines Buches über die Hallenberger Juden hatte der heutige Stadtarchivar Georg Glade im Jahre 1986 erstmals Kontakt zu Bruno Frankenthal aufgenommen. Dadurch ist eine persönliche Freundschaft entstanden und Georg Glade hat die Familie Frankenthal mehrfach in Israel besucht. Zuletzt im Jahr 2008, als die Neuauflage seines Buches "Die Hallenberger Juden" - ergänzt um die Lebensgeschichte von Bruno Frankenthal - vorbereitet wurde.


Bruno Frankenthal bei der Einweihung des Gedenk-
steines am Standort der ehemaligen Synagoge 2007

Zur Einweihung des Gedenksteines am Standort der ehemaligen Synagoge war Bruno Frankenthal im Jahr 2007 zuletzt in Hallenberg. Viele Hallenberger hatten die Gelegenheit genutzt, um im Kump seinen Vortrag und seine interessante und spannende Lebensgeschichte zu hören. Bruno Frankenthal hatte dabei mehrfach das gute Zusammenleben der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung in Hallenberg betont. Am 27. Juli 2010 ist Bruno Frankenthal in Israel verstorben. Am nächsten Tag wurde er auf dem Friedhof von Rischon-Lezion beigesetzt. Georg Glade nahm privat an der Beerdigung teil und hat dabei auch die Anteilnahme der Stadt Hallenberg ausgesprochen.

Bürgermeister Michael Kronauge: "Ich habe Bruno Frankenthal im Jahr 2002 kennengelernt. Ich habe damals gedacht: Wer so ein Leben, so ein schweres Schicksal erlitten hat, wer fast die ganze Familie und viele Freunde durch die Judenverfolgung verloren hat, der muss doch eigentlich verbittert sein. Ich erlebte das Gegenteil - einen humorvollen und warmherzigen Menschen, der immer das Positive in den Vordergrund stellte, der von Versöhnung sprach, der nicht nur von den Menschen erzählte, die ihn verfolgt und geschlagen haben, sondern vielmehr von den Menschen, die ihn unterstützt haben, die ihn und seiner Familie geholfen haben". Die ausführliche Lebensgeschichte von Bruno Frankenthal ist in dem Buch "Die Hallenberger Juden", das im letzten Jahr neu aufgelegt wurde, beschrieben.

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