Ehemals von jüdischen Bürgern bewohnte Häuser in Vöhl

1 Henkelstraße 7
Um die Jahrhundertwende verkaufte Schreiner Schaake das Haus an Emanuel Katzenstein, dieser vererbte es an Siegmund Katzenstein, der dort mit Frau Toni und Tochter Else lebte und eine Landesprodukte- und Eisenwarenhandlung betrieb. Nach Verhaftung, Folter und Wiederfreilassung 1936 versteigerte er Haus und Hof und verließ Vöhl.
2 Basdorfer Straße 1
Gasthaus „Prinz Wilhelm“, erbaut von Wilhelm Prinz 1827; ab 1864 führte die Familie Rothschild das Hotel. Der letzte jüdische Besitzer Alfred Rothschild wurde 1938 nach Buchenwald deportiert. Er kam 1939 zurück und starb in Korbach an den Folgen der KZ-Behandlung. Das Gebäude hatte bereits Mitte der 30er Jahre der Gastwirt Richard Intemann aus Korbach übernommen. Heute Pizzeria.
von diesem Haus existiert kein Bild

2a Arolser Straße 1
Scheune Alfred Rothschild, ab 1938 übernahm Heinrich Scherf das Gebäude. In den Jahren 1960 bis 1968 und 1970 wurde das Gebäude zu einer Metzgerei umgebaut.

von diesem Haus existiert kein Bild 3 Arolser Straße 9
Bis ca. 1805 wohnte hier Ascher Rothschild. 1806 wurde das Haus abgerissen und Adam Rhode baute ein Jahr später das jetzige Haus.
4 Kirchweg 5
Ursprünglich Stallgebäude von Aron Stern. 1863 von W. Henkel erworben, der baute es zu einem Wohnhaus um. Später wohnten hier die Familie Georg Heinze und der Schuster Heinrich Mankel.
5 Arolser Straße 6
Ehemaliger Stall des Ascher Rothschild. Um 1880 kaufte Wilhelm Henkel die ursprünglich 2 Gebäude und baute sie zu einem Wohnhaus mit Stall und Scheune um.
6 Arolser Straße 8
In den Jahren 1835 bis 1837 baute Ascher Rothschild das Haus. Es diente als Wohnhaus und wahrscheinlich ab 1881 als Elementarschule. Bis 1925 wohnten hier auch die jüdischen Lehrer. Im Erdgeschoss war eine Gerberei untergebracht. Ab 1923 Bäckerei Konrad Naumann, dann Christian Schwarz.
7 Arolser Straße 10
Ursprünglich Levi Blum, dann Kaufmann Hermann Frankenthal, der 1920 in Herzhausen tödlich verunglückte. 1940, kurz nach dem Tod ihrer Mutter Emma, wurde seine Tochter Berta Frankenthal deportiert. Im gleichen Jahr ging das Gebäude in den Besitz eines Vöhler Bauern über, der das Haus als Wohnung für seine „Schweizer“ nutzte. Heute steht das Haus leer und verfällt.
8 Schulberg
Scheune des Bernhard Frankenthalk, die dieser 1933 an einen Nachbarn verkaufte.
von diesem Haus existiert kein Bild 9 Schulberg 14
Haus des Emanuel Schönthal; seine Tochter Emma Schönthal verkaufte es 1898 an Christian Finke, dessen Nachfahren noch heute dort wohnen.
Schulberg 10
Haus des Kaufmanns und Gütermaklers Bernhard Frankenthal. Als dieser 1934 starb, führte seine Frau Johanna den Haushalt bis zu ihrer Deportation 1942 weiter. Von 1942 bis 1958 stand das Haus leer. 1958 übernahm der Nachbar, ein Schreiner, das Haus.
11 Schulberg
Haus des Selig Schiff, es stand im Schulgarten der Fachwerkschule. Als er 1912 nach Korbach umzog, wurde das Haus (Bildmitte) abgerissen.
12 Arolser Straße
Stammhaus der Familie Mildenberg. 1923 übernahm es Moritz Mildenberg und unterhielt im Gebäude eine Rindermetzgerei. Nach seiner Scheidung verkaufte er das Haus 1924 an den Metzger Karl Rube, der es noch im gleichen Jahr an Karl Oschmann aus Marienhagen abgab.
Die Balkeninschrift an der Giebelseite lautete:
Ach Herr, wenn ich dich nur habe, so frage ich nicht nach Himmel und Erde. Psalm 73. Opfere Gott Dank, und bezahle dem Höchsten deine Gelübde! Und rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sagt Gott selber. Psalm 50.
Das Haus wurde 1963 abgerissen.
von diesem Haus existiert kein Bild 13 Arolser Straße
Das Haus gehörte wahrscheinlich der Familie Stern und wurde um 1920 abgerissen.
von diesem Haus existiert kein Bild 15 Arolser Straße
Das Haus wurde wahrscheinlich von der Familie Stern erbaut. Um 1910 abgerissen.
16 Arolser Straße 17
Ursprünglich Bär Stern, dann Familie Dauden-Schaake. Später Briefträger Friedrich Bürgener.
17 Arolser Straße 19
Seit 1705 im Besitz der Familie Stern; im 19. Jhd. Haus des Selig Stern. Es brannte ab und wurde dann wieder aufgebaut.
von diesem Haus existiert kein Bild 18 Arolser Straße 21
Bis ca 1888 Sohn des Seifensieders Salomon Liebmann; vorher gehörte es einer Familie Schäfer aus Netze. Liebmann verkaufte das Haus an die Familie Zölzer.
19 Arolser Straße 23
Ehemals Färberei Salomon Kugelmann. von ihm übernahm Überhorst den Hof, 1886 dann Familie Heckmann aus Albertshausen.
20 Herzinggrube
Der jüdische Friedhof wurde in den Jahren 1830 auf Antrag des Vorstands der jüd. Gemeinde vom Kreisrat genehmigt. Vorher wurden die Toten in Frankenau beerdigt. Die letzte Beerdigung fand im März 1940 statt. Wie bei vielen jüdischen Friedhöfen, so wurden auch hier die Gräber geschändet und alle Grabsteine abtransportiert. Nach dem Krieg wurden die noch vorhandenen Grabsteine wieder aufgestellt, aber wohl kaum an den ursprünglichen Plätzen.
21 Arolser Straße 14
Ursprünglich Kaufmann und Bankier Faist Isaak Salberg, dann Manufaktur Levi Kaiser (aus Basdorf). Von ihm übernahm sein Sohn Ferdinand Kaiser das Geschäft. Ende 1935 verkaufte er das Geschäft an Friedrich Fleck aus Ederbringhausen und zog nach Frankfurt am Main.
22 Mittelgasse 1
Ehemals Haus Abraham Rothschild, dann Geschwister Albert und Rosalie Stern, die es 1934 an eine christliche Familie verkauften und wenig später nach Frankfurt verzogen.
23 Mittelgasse 3
Vormals Familie David Stern, dann dessen Kinder Albert und Rosalie Stern, die als Händler ihren Unterhalt verdienten. 1934 verkauften sie das Haus und zogen nach Frankfurt.
24 Mittelgasse 5
Um 1849 von Schreiner Simon Mildenberg gebaut. Seine Tochter Amalie wohnte bis in die 20er Jahre hier. Simons Enkelin Frieda heiratete Carl Klausmann. Max Mildenberg betrieb hier zeitweise sein Geschäft.
Die Balkeninschrift zur Straßenseite hin lautet:
Der Herr behüte Deinem Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit, das Geschlecht der Frommen wird gesegnet sein, Reichtum und die Fülle wird in ihrem Hause sein. Psalm CXII.
25 Mittelgasse 7
1908 von Karl Schaake gebaut, 1910 an Kaufmann Salomon Mildenberg verkauft. Er unterhielt in dem Haus ein Manufaktur- und Kolonialwarengeschäft. Nach seinem Tode 1934 übernahm sein Sohn Max das Geschäft.
26 Mittelgasse 9
Synagoge und Schule, erbaut 1827. 1841-81 Lehrer Salomon Bär; seit ca 1900 Hermann Mildenberg, der mit seiner Familie Ende 1937 emigrierte. Die jüd. Gemeinde verkaufte das Haus im August 1938 an Fam. Rost, über die Familien Sprenger, Stevens und Röhling kam es im Februar 2000 in den Besitz des Förderkreises „Synagoge in Vöhl“ e.V..
27 Mittelgasse 11
Ehemals Jacob Meißner, dann Metzger Max Mildenberg, von dem Levi und Sally Mildenberg das Haus übernahmen. Ende 1937 verkaufte er Geschäft und Haus an einen Gesellen und emigrierte in die USA.
28 Mittelgasse 13
Bis ca 1850 Wohnhaus Bär Katzenstein, dann dessen Nachkommen. 1929 Siegmund Katzenstein. 1934 wegen Schwammfäule abgerissen.
von diesem Haus existiert kein Bild 28a Mittelgasse 13
Früher Eisenwarenlager der Familie Katzenstein, 1931 kaufte Familie Schäfer das Haus und baute es um.
29 Mittelgasse 15
Ehemals Fruchtspeicher Siegmund Katzenstein, der das Haus 1931 verkaufte.
30 Mittelgasse
Lebensmittel Koppel Katzenstein, dann dessen Bruder Samuel (Schmul) Katzenstein. Dessen zweite Frau Rickchen Katzenstein wurde 1942 deportiert. Ab 1936 Mietshaus. 1955 abgerissen.
31 Basdorfer Straße
Schmulsche Speicher (Spiecker), abgerissen 1934, aus den Materialien wurde das Landjahrlager gebaut.

32 Basdorfer Straße 9
1805 von Moses Schaumbug erbaut. 1890 kaufte Berta Selzam das Haus von Förster Meingard. Seitdem Familie Selzam.
Balkeninschrift: Her, wie sint meiner Feinde so viele wider mich! Viele sagen zu meiner Selen, sie hette keine Hülfe bey Gott. Sela. Gott ist der rechte Wundermann, der bald Wunden heilen kann. Amen. Leib Moses Anno 1805 den 6. August erhoben. D.H.C. Rosener Zimmermeister

33 Kirchweg 4
Haus von Simon Kugelmann (Händler, Lohgerber, Metzger) und seiner Frau Minna, geb. Rothschild. Deren Sohn Isaak (Händler) wohnt bis zu seinem Tod 1920 hier. Die Erben verkaufen das Haus Mitte der 20er Jahre an einen Vöhler Landwirt.
34 Basdorfer Straße
Lebensmittelgeschäft Ruben Rotschild, später Abraham Blum, ab Frühjahr 1934 übernahm nach dem Tode von Ehefrau Frieda Blum Erich Scheidt den Laden. 1963 wurde das Haus abgerissen.
198 Arolser Straße / Nordstraße
Im November 1998 wurde der Gedenkstein im Namen der Großgemeinde Vöhl aufgestellt. Er soll an die Vöhler Juden erinnern, die im Dritten Reich verfolgt, verschleppt und ermordet wurden.
   
  BASDORF
35 Brunnenstraße 6

Lewi Kaiser kaufte das Haus im Jahre 1850 von den Familien Heine-Müller. 1911 verkaufte er den Hof an Familie Daude aus Asel.
  36 Mühlenstraße 15
Balkeninschrift: Im Namen Gottes, Feist Keiser und seine Ehefrau haben dises Haus gebaut am 29. Mai 1859.
  37 Mühlenstraße 6
Haus des Händlers Bendix Külsheimer. Um 1880 als Hausbesitzer erwähnt.
   
  MARIENHAGEN
38

Familie Felix Kratzenberg. Ursprünglich Gasthaus und Manufakturladen "Zum Grünen Kranze". Nach dem Tode von Gastwirt Felix Kratzenberg im Jahre 1919 übernahm sein Schwiegersohn Max Winter Laden und Lokal. Im Jahre 1935 emigrierte die ganze Familie Winter nach Holland. Anschließend übernahm Christian Stevens aus Holland das Gebäude und richtete dort das Hotel "Germania" ein. Heute Diagnostikfirma Biocon
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Haus des Luis Schönthal, erbaut 1928. Das Elternhaus brannte 1928 durch Blitzschlag ab. 1935 emigrierte die Familie und verkaufte das Haus.