Sie alle lebten unter uns

Verzeichnis der Vöhler, Marienhagener, Basdorfer und Oberwerber Juden
zusammengestellt von Karl-Heinz Stadtler

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Warum wird diese Zusammenstellung ins Netz gestellt?

Der wichtigste Grund ist, dass immer wieder Anfragen kommen, die sich auf Vöhler Personen und Familien beziehen. Meist erkundigen sich Juden, die von anderen Ländern aus nach Ahnen und Verwandten suchen. Manchmal sind es auch Personen, die in ihrer deutschen Heimatgemeinde – ähnlich wie das im Vöhler Förderkreis Synagoge geschieht – die jüdische oder die gemeinsame Vergangenheit erarbeiten und sich deshalb auf „Spurensuche“ befinden.

Von Interesse mögen die in diesem Verzeichnis enthaltenen Informationen aber auch für all die Bürger aus Vöhl und aus der nordhessischen Region sein, die wissen möchten, wie man früher gelebt hat und wie Juden und Christen neben- und manchmal auch miteinander lebten.

Die Daten können wegen der Fülle der vorliegenden Informationen nur nach und nach ins Netz gestellt werden. Es ist beabsichtigt, dies in alphabetischer Reihenfolge zu tun. Des weiteren werden die Angaben dort, wo dies möglich ist, durch Fotos und Dokumente ergänzt werden.

Weiterhin werden dort, wo es sinnvoll erscheint, Stammbäume erarbeitet. Sie sind interaktiv. Durch Anklicken der einzelnen Namen gelangen Sie auch vom Stammbaum aus zu weiteren Informationen über die betreffende Person.

Für Fehler und Mängel bitte ich um Verständnis, für Berichtigungen und Ergänzungen wäre ich außerordentlich dankbar. Senden Sie dazu bitte eine Email an stadtler@synagoge-voehl.de.

Vorbemerkungen

Dieses Verzeichnis Vöhler Juden ist „in Arbeit“. Das heißt vor allem: es ist nicht vollständig und kann es nicht werden.

Einige Jahre lang hat der Verfasser aus verschiedenen Quellen (Staatsarchiv Marburg, Gemeindearchiv Vöhl, verschiedenen Fachbüchern aus der Region, Gesprächen mit Zeitzeugen usw.) Daten und Fakten gesammelt und personenbezogen zusammen gestellt.

Anfangs bestand die Vermutung, dass es insgesamt nur wenige Informationen gebe, denn es hieß, dass kurz vor dem Eintreffen der amerikanischen Besatzungstruppen im April 1945 einige Tage lang die Vöhler Bäckeröfen nicht ausgegangen seien. Tatsächlich gibt es im Vöhler Archiv nicht viele Akten aus den zwölf Jahren des Tausendjährigen Reiches.

Doch Vöhler Bürgerinnen und Bürger wussten noch einiges aus der Erinnerung heraus zu berichten. Und dann sind da ja auch jene jüdischen Mitbürger, die den Holocaust überlebt haben, zu denen reger Kontakt besteht, nicht erst seit wir viele von ihnen in Vöhl zu Gast hatten.

Im Übrigen sind jene zwölf Jahre nationalsozialistischer Herrschaft eine relativ kurze Zeitspanne im Vergleich zu jenen 260 Jahren von 1682 bis 1942, in denen nachweislich Juden in Vöhl wohnten.

Das Verzeichnis ist nicht frei von Fehlern. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

Juden hatten bis in das 20. Jahrhundert hinein nicht nur ihren bürgerlichen, sondern darüber hinaus einen religiös motivierten Vornamen. Zwar wurde Letzterer öffentlich nicht gebraucht, aber manchmal eben doch; und deshalb ist es nicht auszuschließen, dass Personen vorkommen, die mit anderen identisch sind.

Auch wurden manchmal Koseformen (z.B. Malchen für Amalie, Rickchen für Friederike, Jettchen für Henriette und Johannette) benutzt oder Namen fast beliebig modifiziert. Dass ein „Moses“ manchmal nur Mose hieß, dass es den „Isaak“ auch als „Isai“, „Isak“ oder Isack“ gab, mag noch nachvollziehbar sein; wenn ein „Feist“ aber auch als „Veit“ oder gar „Uri“ erscheint, so ist die Zuordnung schon schwieriger. In Korbach gab es eine Familie Kugelmann, in der man fast jede weibliche Person „Rickchen“ nannte; eine davon, die eigentlich „Helene“ hieß, hat nach Vöhl geheiratet, wo es aber auch mehrere Familien Kugelmann gab.

Außerdem haben häufig Personen gleichen Vor- und Zunamens zu gleicher Zeit gelebt. Da ist es nicht auszuschließen, dass Informationen der falschen Person zugeordnet wurden. In mindestens einem Fall vermutet der Verfasser, dass es solche zwei Personen gleichen Namens zu gleicher Zeit gegeben hat; aber die Quellenlage ist noch zu vage, um die Existenz der zweiten Person zu behaupten. Also sind möglicherweise Informationen, die sich eigentlich auf zwei Personen beziehen, nur einer zugeordnet.

Auch waren Bedienstete der Gemeinde- oder Kreisbehörden durchaus nicht immer so gewissenhaft, wie man ihnen das heute nachsagt. So wurde ein Name einmal so und einmal anders geschrieben; für die selbe Person gibt es manchmal mehrere Geburts- oder Heiratsdaten in den Akten; Steuerdaten wurden verschiedentlich ohne exakte Nachprüfung auf das nächste Jahr übertragen.

Und es kann, trotz aller aufgewendeten Sorgfalt, durchaus auch Fehler geben, die auf einer Nachlässigkeit oder auf einem Irrtum des Verfassers dieser Zusammenstellung beruhen.

All diese möglichen Fehlerquellen sind Grund dafür, dass dieses Verzeichnis im einleitenden Satz als „in Arbeit“ befindlich bezeichnet wurde. Auch nach dem „Ins-Netz-Stellen“ wird weiter geforscht, wird geändert und ergänzt werden.

In einem Punkt sind die Informationen gewollt unvollständig: Für die Zeit der Judenverfolgung im Dritten Reich werden sogenannte Täter – also Personen, die in der Region aktiv an Handlungen gegen Juden beteiligt waren – nicht namentlich genannt. Sie leben nicht mehr, ihre Nachkommen sind nicht verantwortlich und sollen deshalb nicht durch öffentliche Nennung der Namen belastet werden.

Juristische Verwicklungen von Vöhler Juden dagegen wurden dargestellt. Sie geben wertvolle Hinweise für die Stellung der Juden in der Gesellschaft, vermitteln aber auch ganz allgemein wichtige Einblicke in das Leben in Vöhl im 19. Jahrhundert.

Schlüsse aus diesen Angaben sollten mit aller Vorsicht gezogen werden, denn die damaligen Verhältnisse sind mit den heutigen nicht zu vergleichen. Zum Beispiel gab es einige Jahrzehnte lang sehr viele Pfändungen, sowohl mit, als auch ohne Beteiligung von Juden. Häufig gab es Ordnungsstrafen wegen Verstoßes gegen die Sonntagsruhe, natürlich ausschließlich gegen Juden. Bei Betrügereien wegen falscher Gewichte waren Juden häufiger betroffen als christliche Kaufleute, doch entsprach dieses Ungleichgewicht ungefähr dem verschiedenen Anteil der Angehörigen beider Religionen am handelnden Gewerbe. Bei einer dieser amtlichen Überprüfungen der Gewichte wurden am selben Tag bei fünf Händlern Gewichtsmanipulationen festgestellt und bestraft. Zwei Händler waren Christen, drei waren Juden. In den 20er Jahren gab es auch Bestrafungen wegen Preiswuchers. Hier mögen Ressentiments in Folge des stärker werdenden Antisemitismus auch im Bereich der Gesetzgebung eine Rolle gespielt haben.

Informationen zur Verfügung gestellt haben Christiane Kupski und Jürgen Evers. Vor allem bezüglich der Familie Frankenthal konnten Nachforschungen von Carol Davidson-Baird, in den USA lebende Nachfahrin von Vöhler Juden, verwendet werden.