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"Synagoge in Vöhl"
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Presse 2021

Jüdisch-christlicher Dialog in der Synagoge

 

Jüdisch-christlicher Dialog in der Synagoge

Veranstaltung findet am 9. Dezember statt

Karl-Heinz Stadtler (links) und Jan-Friedrich Eisenberg laden dazu ein, das christliche Weihnachtsfest und das jüdische Fest Chanukka in Beziehung zu setzen. Foto: pr

Vöhl – Im nun zu Ende gehenden Jahr haben die Kirchengemeinde Vöhl und der Förderkreis Synagoge gemeinsam eine vierteilige Veranstaltungsreihe zum jüdisch-christlichen Dialog durchgeführt, die in dieser Art in Nordhessen einmalig war. Förderverein und Kirchengemeinde haben dabei die ökumenisch verantwortete Kampagne „#beziehungsweise: jüdisch und christlich“ aufgenommen.

Diese soll dazu anregen, die enge Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum wahrzunehmen. Gerade im Blick auf die Feste wird die Verwurzelung des Christentums im Judentum deutlich. Die Kampagne ist ein Beitrag zum Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.

Während die ersten beiden Veranstaltungen zu Ostern und Pfingsten pandemiebedingt als Online-Veranstaltung stattfanden, war man im September zum Thema Jom Kippur, Buße und Abendmahl im Garten der Vöhler Synagoge.

Die vierte und letzte Veranstaltung findet in dieser Woche am Donnerstag, 9. Dezember, um 19 Uhr in der Martinskirche statt und wird online übertragen. Gastreferenten sind dabei Pfarrer Reinhard Brand und Rabbiner Dr. Jehoshua Arens, die die beiden Feste Chanukka und Weihnachten in Beziehung setzen.

Wer teilnehmen möchte, kann dem Zoom-Meeting übers Internet beitreten: www.zoom.us/join; Meeting-ID: 825 9331 4428; Kenncode: 603934.  red

Verfolgt, verschleppt und überlebt

 

Verfolgt, verschleppt und überlebt

Richard Oppenheimer berichtet an der ALS über die Geschichte seiner Mutter

 
Übergeben Dokumente der Arolsen Archives: (von links) die ALS-Schüler Yaron Paul und Vincent Bagniewski sowie Richard Oppenheimer. Foto: Lutz Benseler

Korbach – Richard Oppenheimer aus den USA ist Nachfahre der jüdischen Familie Mannheimer aus Bad Wildungen. Vor Schülern der Alten Landesschule in Korbach berichtete er am Montag vom Leiden in der NS-Zeit, dem viele Familienmitglieder zum Opfer fielen. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand das Tagebuch seiner Mutter Erika, in dem sie über die Deportation, die Lager und den Todesmarsch berichtet. Auch in Bad Wildungen an der Ense-Schule sowie am Gustav-Stresemann-Gymnasium berichtet Oppenheimer in dieser Woche über seine Familiengeschichte.

Die fünfköpfige Familie Mannheimer aus der Lindenstraße in Bad Wildungen lebte vom Viehhandel und schien gut integriert in der Altstadt. Tatsächlich aber durchlebte sie in der NS-Zeit schlimme Verfolgungen, große Teile der Verwandtschaft wurden ermordet. Erika Mannheimer überlebte mit ihrer Mutter Lina den Holocaust als einzige aus ihrer Familie.

Richard Oppenheimer, 1950 in New York geboren, erfuhr vom ganzen Ausmaß des Schicksals seiner Familie erst nach dem Tod seiner Mutter 1988, als er ihr Tagebuch aus der Kriegszeit fand. Er begann nachzuforschen und knüpfte schließlich Kontakt zum Bad Wildunger Johannes Grötecke – heute Lehrer an der Alten Landesschule –, der ihm zu weiteren Informationen über seine Mutter verhalf.

Eindrücklich berichtet Erika Mannheimer von der Deportation zunächst ins Ghetto „Lettland“ in Riga. Wie die „Schwerstverbrecher“ seien sie vom SD und der SS mit Hunden getrieben worden. Als die Rote Armee 1944 näher rückte, wurde Erika Mannheimer mit weiteren Häftlingen über die Ostsee nach Danzig gebracht und schließlich ins Konzentrationslager Stutthof, später ins Außenlager Korben. „Dort war es noch schwieriger“, sagt Oppenheimer. Bei großer Kälte und Hunger überlebte sie den sogenannten Todesmarsch. Der 26. Februar 1945 war der Tag ihrer Befreiung aus dem Gefängnis Koronowo. Ein Pole habe gerufen: „Packt eure Sachen. Geht, wohin ihr wollt. Der Russe ist da. Ihr seid frei!“ „Wir konnten vor lauter Freude nicht sprechen“, schreibt Mannheimer. Am 17. Oktober 1945 kam sie wieder in Bad Wildungen an, 1946 emigrierte sie in die USA.

An den Vortrag anschließend übergaben die Schüler Yaron Paul und Vincent Bagniewski Kopien von Dokumenten aus den Arolsen Archives an Oppenheimer.

HEUTE VOR 80 JAHREN  Die Deportation Korbacher Juden nach Riga

 

HEUTE VOR 80 JAHREN  Die Deportation Korbacher Juden nach Riga
Zum Sterben gen Osten verfrachtet

 
Überlebende der Shoah 1953 in Arolsen. Unter ihnen ist als Zweiter von rechts auch einer der Brüder Kaufmann aus Korbach – ob Siegfried oder Alfred ist nicht bekannt. Foto: Brüne/pr

Korbach – Am 9. Dezember 1941 verließ der Zug „Da 36“ den Kasseler Hauptbahnhof. Sein Ziel: die von deutschen Truppen besetzte lettische Hauptstadt Riga. Die Reichsbahn führte ihn als „Gesellschafts-Sonderzug Reichssicherheitshauptamt“ – tatsächlich organisierte die Geheime Staatspolizeistelle in Kassel unter der Leitung des Regierungsrates und SS-Sturmbannführers Dr. Karl Lüdcke die erste und größte Deportation von Juden aus dem Regierungsbezirk Kassel. Es traf 1000 Menschen – nur 100 von ihnen überlebten.

Unter den Deportierten befanden sich sieben aus Korbach: Fanny Kohlhagen, Erika Oppenheimer, geborene Mannheimer, Siegfried Schild, Alfred Kaufmann, sein Bruder Siegfried Kaufmann und dessen Ehefrau Gertrud und ihre Tochter Helga. Die kleine Helga war erst drei Jahre, das älteste Opfer 67 Jahre alt.

Der Altersdurchschnitt der Sieben lag bei 32,86 Jahren. Dies verdeutlicht, dass es sich tendenziell um zur Zwangsarbeit genötigte, vergleichsweise junge und kräftige Juden handelte. Nach Monica Kingreen dürften Vermögen und Fürsorgeabhängigkeit weitere Auswahlkriterien gewesen sein. Dennoch fanden sich auffällig viele Familien auf der Namensliste.

Die Landräte und Oberbürgermeister wurden mit einem geheimen Schreiben vom 27. November 1941 über die bevorstehende Deportation informiert – schönfärberisch „Evakuierung“ genannt. Namenslisten waren beigefügt. Bei Ausfall einzelner Juden etwa durch Krankheit war Ersatz zu stellen.

Im November 1941 richtete die Gestapo in den Turnhallen der Bürgerschulen an der Schillerstraße in Kassel einen zentralen Sammelpunkt für Juden des Regierungsbezirks ein, der in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof lag.

Die Landräte und Oberbürgermeister erhielten genaue Angaben für die „Evakuierung“. So durften Juden „neben dem leichten Handgepäck“ bis zu 50 Kilo Gepäck mitführen. Um den eigentlichen Zweck der Deportation zu verschleiern, wurden sie aufgefordert, Haushaltsgegenstände, Werkzeuge, Decken, Schaufeln und andere Gebrauchsgüter mitzunehmen – angeblich ging es zum „Arbeitseinsatz“ in den Osten. Die Frachtkosten hatten die Betroffenen zu tragen.

Vorab hatten die Eigentümer auf einem Vordruck ihr Vermögen aufzulisten. Beim Verlassen der Wohnung waren die Schlüssel der Polizeibehörde oder einer von ihr bestimmten Stelle auszuhändigen. Das in der Wohnung zurückgelassene Eigentum wurde unmittelbar nach dem Abtransport eingezogen und danach zum Teil versteigert.

Die Gestapo kontrollierte in Kassel die Kennkarten. Entwürdigende Körperkontrollen folgten im Sammellager: Die Menschen mussten sich nackt ausziehen, auf einen Stuhl stellen und Gesäßkontrollen über sich ergehen lassen. Gestapo-Bedienstete nahmen ihnen Wertsachen ab. Noch vor der Deportation wurden die Waggons mit den Gepäckstücken auf dem Hauptbahnhof abgekoppelt.

Der Sonderzug rollte zu den Todeslagern im Osten. „Endlösung der Judenfrage“ nannten die Nationalsozialisten die systematische Ermordung von rund sechs Millionen europäischen Juden.

Vier Deportierte aus Korbach überlebten: Alfred, Siegfried und Gertrud Kaufmann sowie Erika Oppenheimer. Sie legen Zeugnis ab.

Arbeit, Hunger, Erschießungen

Jüdische Zwangsarbeiter im Sägewerk des Konzentrationslagers Salaspils bei Riga 1941. Foto: Bundesarchiv

Nach einer mehr als 70-stündigen Fahrt erreichte der Zug am 12. Dezember 1941 Riga-Schirotawa. Von dort kam der größte Teil der Ankömmlinge ins Rigaer Ghetto, arbeitsfähige Männer kamen in das Arbeitslager Salaspils. Siegfried Zierig berichtet, dass sie bei minus 40 Grad und heftigem Schneesturm rund zehn Kilometer ins Lager marschieren mussten.

Der 1911 geborene Alfred Kaufmann berichtet:

„Ich erinnere mich […], daß wir in Posen einen sehr langen Aufenthalt hatten und dort vergeblich um etwas Wasser bettelten. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an die Äußerung eines SS-Mannes: ,Ihr braucht kein Wasser, Ihr verreckt sowieso.’ Bei unserem Transport waren viele Kinder und sehr alte Leute.

In Riga selbst und im Pickernicker Wald sind Juden in einer Menge getötet worden, die zahlenmäßig von mir nicht näher benannt werden kann. Die Juden wurden erschossen, erhängt, erschlagen, sie sind teils verhungert und teils erfroren. Ich kann heute nicht mehr sagen, in wieviel hundert Fällen ich selbst zugegen war, wenn Juden getötet worden sind.“

Auch Siegfried Kaufmann und sein Bruder Alfred kamen ins Männerarbeitslager Salaspils, seine Frau und seine Tochter ins Rigaer Ghetto. Um „Platz zu schaffen“, waren dort zuvor mehr als 25 000 lettische Juden erschossen worden. Die Deportierten fanden ihr Blut.

Alfred Kaufmanns Tätigkeit bestand in erster Linie aus Rodungs- und Steinbrucharbeiten und dem Bau von Baracken und Sicherungsanlagen. Er berichtet:

„Das Arbeitslager war z.Zt. als ich ankam nur zwei Baracken groß und da schon vorher bereits Transporte aus Köln und Düsseldorf angekommen waren, blieb uns eine Unterkunft versagt. Erst im Laufe der Zeit wurden weitere Baracken erstellt.“

Siegfried Kaufmann erinnert sich, dass an manchen Tagen acht bis vierzehn Männer starben. Anfangs gab es kein Fleisch und Fett, später etwas Pferdefleisch und Heringsköpfe, Nahrung, die im Wesentlichen aus Abfällen bestand. Wer sich nicht irgendwie etwas Essbares besorgte, starb. Fast täglich fanden Erschießungen statt.

Im Juli 1942 kamen die Brüder ins Rigaer Ghetto. Siegfried Kaufmann musste zusehen, wie ein SS-Wachmann seine kleine Tochter mit einem Gewehrkolben erschlug.

Er kam im Oktober 1943 ins Außenlager Mühlgraben. Als die Rote Armee vorrückte, wurde es am 6. August 1944 aufgelöst, die Insassen zogen ins Vernichtungslager Stutthof bei Danzig. Unter ihnen waren Siegfried Schilds Frau Jettchen sowie Gertrud und Siegfried Kaufmann. Ihre Ankunft ist für den Herbst belegt. Siegfried Kaufmann gab sich als Mechaniker aus.

Im Januar 1945 begannen bei strengem Frost die Todesmärsche nach Westen. Wer unterwegs zurückblieb, wurde erschossen. Siegfried und Gertrud Kaufmann überlebten. Alfred Kaufmann kam im Frühjahr 1945 ins Konzentrationslager Bergen Belsen, wo ihn die Alliierten befreiten.

 

Aktion „Dünamünde“: Mord an 5000 Menschen

Überlebende: Erika Mannheimer, verheiratete Oppenheimer. Hinter ihr: ihre Mutter Lina Mannheimer. Foto: Richard Oppenheimer

Etwa 5000 Juden wurden 1942 in Riga bei der Aktion „Dünamünde“ ermordet – unter ihnen auch 60 bis 120 Deportierte aus Kassel. Erika Oppenheimer berichtet:

„Anfang Februar, es war ein Sonntagmorgen, wurde gepfiffen. Alles musste auf der Hauptstraße im Ghetto antreten. Wir wurden in Reihen aufgestellt, es waren drei oder vier Reihen hintereinander. […] Ich stand in der ersten Reihe. Ghetto-Kommandeur Obersturmbannführer Kurt Krause ging langsam die Reihen ab und holte mit seinem kleinen Rohrstöckchen die Leute aus Reih und Glied heraus. Er deutete auf die Leute und sagte: ,Du, Du, Du’ usw. Die Leute mussten sofort heraustreten. In der Leipziger Straße des Ghettos standen ca. 10 LKW´s. Die Leute wurden mit Schimpfworten wie, ,Schweinehund’, ,Macht los ihr Saujuden’ auf die LKWs getrieben. Sobald einer voll war, kam der nächste LKW.

Ich kannte viele Leute, die auf diese Weise verschwanden. Ich selbst habe ca. 200 Leute wegkommen sehen. Es waren zumeist Alte und Kranke. Man hatte gesagt, die Leute kämen nach ,Dünamünde’. Lettische Juden sagten uns jedoch, ,Dünamünde existiert nicht, die Leute werden erschossen.’“

Danach „war ich drei Tage lang bei einem sogen. Aufräumungskommando. […] Dort musste ich Kleider von lettischen Juden sortieren, die in der Aktion erschossen worden waren. […] Die Kleidung war blutbefleckt und hatte Einschusslöcher. Man fand Briefe, Wertsachen und sogar ab und zu abgeschossene Körperteile. Ich selbst sortierte einen Mantel, in dem noch ein abgeschossener Arm steckte.“

Tröscher-Preis für Förderkreis

 

Tröscher-Preis für Förderkreis

Agrarsoziale Gesellschaft lobt Aktion „Landkulturboten“

 
Anerkennung für den Förderkreis Synagoge in Vöhl: (von links) Arnulf Tröscher, Neffe des Stifters, Karl-Heinz und Birgit Stadtler vom Vorstand des Förderkreises und die Laudatorin Ute Göpel. Foto: Förderkreis Synagoge Vöhl/Agrarsoziale Gesellschaft

Vöhl – Der Förderkreis „Synagoge in Vöhl“ hat in Göttingen für sein Projekt „Landkulturboten“ von der Agrarsozialen Gesellschaft den diesjährigen Tassilo-Tröscher-Preis erhalten. Der vom früheren hessischen Landwirtschaftsminister Tassilo Tröscher gestiftete Preis wird alle zwei Jahre für innovative Projekte im ländlichen Raum vergeben.

Laudatorin Ute Göpel, Fachreferentin im Landeskirchenamt, würdigte die Vöhler Synagoge als Museum und wichtigen Ort des Gedenkens, als einen Ort vielfältiger Begegnungen und des kulturellen Lebens. „Das Herzstück und die eigentliche Triebfeder aber sind – wie immer – unglaublich engagierte und kreative Menschen.“

Das Projekt beschrieb sie folgendermaßen: „Sechs Schüler und Schülerinnen werden intensiv geschult und bieten – als Ferienjob – jeweils in Zweierteams zwei Wochen in den Sommerferien Führungen für Gäste an und werben über soziale Medien unter Gleichaltrigen für den Besuch der Synagoge. Sie arbeiten darüber hinaus an je einem individuellen Projekt, deren Ergebnisse zum Teil in Videos, Youtube- oder Facebook-Beiträgen dokumentiert sind.“ Ein Blick auf die Homepage lohne sich, sagte die Laudatorin.

Der Förderkreis war einer von fünf Preisträgern. Beworben hatten sich fast 250 Gruppen aus dem ganzen Bundesgebiet für diesen Preis. Vereinsvorsitzender Karl-Heinz Stadtler dankte für den Preis und die Auszeichnung. Er erläuterte, dass der Förderkreis Synagoge in Vöhl das Projekt in diesem Jahr zum vierten Mal erfolgreich durchgeführt habe.

Das Preisgeld von 1000 Euro werde als Startkapital für eine Wiederholung im Jahr 2022 verwendet, wofür insgesamt rund 6000 Euro benötigt werden. Er hoffe, dass der Förderkreis den benötigten Betrag durch Spenden aufbringen könne.  red

Einstimmen auf den Advent

 

Einstimmen auf den Advent

 
Große Spielfreude: Das Ensemble „Santiago“ verbindet feurige Intensität mit Ernsthaftigkeit. Foto: pr

Vöhl – Zu Beginn der Adventszeit stimmt das Ensemble „Santiago“ am Samstag, 27. November, das Publikum in der ehemaligen Vöhler Synagoge musikalisch auf die Zeit der Lichterfeste verschiedener Religionen ein.

Das Ensemble um den Gitarristen Johannes Treml hat in der Synagoge schon mehrmals zusammen mit dem marokkanischen Lautenspieler Faleh Khaless gastiert. Das diesjährige Programm „Ocho Kandelikas“ („Acht Kerzen“) verbindet feurige Intensität mit Ernsthaftigkeit, Anspruch und überschäumender Spielfreude.

In farbenprächtigen Bearbeitungen erleben die Zuhörerinnen und Zuhörer Lieder der Sepharden, südamerikanische und mediterrane Kompositionen.

Chanukka- und Adventsklänge wechseln sich bei dem Konzert mit der magischen Welt der arabischen Musik ab, die Faleh Khaless mit seinem hochvirtuosen Lautenspiel aufleuchten lassen wird.

Zusammen mit Katharina Fendel (Flöte), Annika Rink (Gitarre, Gesang) und Christph Oppenheimer (Percussion) lässt das Ensemble, vereint durch einen weiten stilistischen Horizont, handgemachte, leidenschaftlich gespielte Musik erklingen.

Das Konzert in der Synagoge in Vöhl beginnt am Samstag, 27. November, um 19 Uhr. Wegen der Corona-Pandemie finden in der Synagoge maximal 60 Gäste Platz, die geimpft, genesen oder getestet sein müssen (3G-Regel). Karten sollten unter Tel. 05635/1022 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zum Preis von 18/16 Euro vorbestellt werden. Wird der Eintrittspreis nicht vorab überwiesen, wird an der Abendkasse ein Aufschlag von zwei Euro erhoben.  red

Im Dialog den Frieden bewahren

 

Im Dialog den Frieden bewahren

Gedenkveranstaltungen für Opfer des Holocaust in Vöhl

 
Jugendliche zündeten bei der Pogrom-Gedenkveranstaltung in der ehemaligen Vöhler Synagoge Kerzen an.
Foto: Armin Hennig

Vöhl – Nach einem Jahr Pause zündeten mit Lea Eisenberg, Mali Klöcker, Luca Mohnen und Niko Sell in Gegenwart von Zeugen die 72 Kerzen zum Aufruf der Namen der Vöhler Juden an, die Opfer des Nationalsozialismus geworden waren.

Im Vorjahr ließen die Präventionsmaßnahmen nur die virtuelle Version der Kombination Friedensgebet in der Martinskirche und Gedenken an die Reichspogromnacht zu, umso eindrucksvoller geriet in diesem Jahr die Anknüpfung an die gute Tradition. In der Martinskirche arbeitete Pfarrer Jan Friedrich Eisenberg die verbindenden Elemente zwischen den beiden Religionen mit der gemeinsamen Wurzel heraus.

Dabei verwies er auch auf zahlreiche verwandte Elemente in Struktur und Ausgestaltung bei den benachbarten Gotteshäusern, an deren Bau zum Teil wohl dieselben Handwerker beteiligt waren.

„Im Dialog zu bleiben, hilft den Frieden zu bewahren“ lautete die Empfehlung Eisenbergs für sämtliche Konfliktfelder des Lebens, auch im Hinblick auf die Reihe der jüdisch-christlichen Dialoge.

Karl-Heinz Stadtler ging in seiner Gedenkrede in der Synagoge auf die dunklen Seiten der Nachbarschaft in düsteren Zeiten und die Konsequenzen ein, die an den Verbrechen im Dritten Reich unbeteiligte Generationen für ihr Handeln ziehen sollten. Dabei begann der Vorsitzende des Förderkreises mit der sich immer schneller drehenden Spirale der Diskriminierung gegen jüdische Mitbürger seit 1933.

Er richtete dann den Fokus auf die Vorfälle in Vöhl und zog eine lokale Unrechtsbilanz von Angriffen oder Übergriffen auf Vöhler Juden. Drei junge Männer aus der jüdischen Gemeinde wurden schon kurz nach der Machtübernahme gewissermaßen präventiv verhaftet. Als besonders boshafte Ironie der Geschichte erwies sich das Schicksal von Günter Sternberg, der unter dem Wachpersonal einen jungen Mann aus der Vöhler Nachbarschaft erkannte. Das Gebäude an der Mittelgasse war keine Synagoge mehr und nur deshalb nicht von den Ausschreitungen am 9. November 1938 betroffen. An der Versteigerung von Einrichtung und Hausrat der deportierten Juden beteiligten sich die ehemaligen Nachbarn.

„Keiner unter den heute Lebenden war an den Verbrechen der Nazis beteiligt oder hat die Deportation der Nachbarn einfach hingenommen oder gar davon profitiert, aber aus der deutschen Geschichte haben wir die Verpflichtung, für das Recht von Menschen auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit einzutreten. Ob sie nun wegen ihres Geschlechts, der Hautfarbe oder ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden“, sprach Stadtler eine Verpflichtung auf die Garantien des Grundgesetzes aus.

Pfarrer i. R. Günther Maier und Barbara Küpfer sprachen die Totenklage Kaddisch in deutscher und aramäischer Sprache. Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt vom Chor „Da Capo“.

1000 Besucher sehen Stelen

 

1000 Besucher sehen Stelen

Ausstellung in Vöhler Synagoge mit Dank beendet

 
Melancholie und Lebensfreude: : Das Duo Beate Lambertz und RoMa Barth gestaltete mittels einer musikalischen Weltreise mit Klezmer-Akzenten den stilechten musikalischen Rahmen für die Finissage in der Vöhler Synagoge. Foto: Hennig

Vöhl – „Es war eine tolle Erfahrung“: Dieses Fazit zog Karl-Heinz Stadtler nach zwölf Wochenenden mit vielseitigem Begleitprogramm und mehr als 1000 Besuchern bei der Stelen-Ausstellung in der Synagoge in Vöhl.

„Wir haben damit etwas ganz Besonderes geleistet und dabei den Verein bis aufs äußerste strapaziert und zahlreiche Kräfte gebunden“, erklärte der Vorsitzende des Förderkreises bei der Abschlussveranstaltung.

Besonders erfreulich aus Sicht der Veranstalter: Zahlreiche Gäste hatten zum ersten mal ihren Fuß über die Schwelle der ehemaligen Synagoge in Vöhl gesetzt. Zur Erfolgsgeschichte der Ausstellung gehörte auch der Dank an alle, die die Ausnahme-Veranstaltung ermöglicht hatten. Von den Sponsoren, deren finanzielle Unterstützung die Ausschreibung eines Wettbewerbs und die Anschaffung von sechs Stelen ermöglicht hatten, über Künstler, die für ganz kleine Gagen aufgetreten waren, bis hin zu den Mitgliedern, bei denen Uli Müllers Vorträge einen zusätzlichen Publikumsmagneten darstellten.

In ihrer Videobotschaft hob Angela Dorn hervor, dass Kunst sichtbar mache, was sonst verschleiert werde. Zudem lobte die hessische Ministerin für Wissenschaft Kunst, dass Ausstellung und Begleitprogramm das Geschichtsbewusstsein vertieft hätten.

Dr. Jürgen Römer, der sonst selten Mittel der Leader-Förderung für kulturelle Zwecke frei machen kann, sieht die Entscheidung nicht nur durch den hohen Besucherzuspruch gerechtfertigt. Das hohe ehrenamtliche Engagement sei ein Beweis für die Kräfte, die unsere Gesellschaft zusammenhalten würden.

Dabei nahm er auch Bezug auf die Skulptur „Gebündelt“ von Christian Schnatz, die zu den sieben Werken gehört, die im Rahmen der Ausstellung verkauft wurde. „Vielleicht sind wir trotz aller widriger Umstände aktuell freier, als wir es je vorher waren“, sagte Römer. Bürgermeister Karsten Kalhöfer erklärte, er sei stolz auf die Strahlkraft der Ausstellung weit über Vöhl und den Landkreis hinaus.

Das Duo Beate Lambertz und RoMa Barth gestaltete mittels einer musikalischen Weltreise mit Klezmer-Akzenten den stilechten musikalischen Rahmen für die Finissage. Im thematischen Kontrastprogramm gaben sich Melancholie und Lebensfreude, Todesnähe und schwungvolle Liebe auf den ersten Blick einander die Hand. Für etliche Songs aus anderen Sprachen und Kulturkreisen hatte die Multi-Instrumentalistin sangbare deutsche Strophen gedichtet, die im Wechsel mit dem Original erklangen.

Chansons einer sensiblen Diva

 

Chansons einer sensiblen Diva

Konzert in der Vöhler Synagoge erinnert an französische Sängerin Barbara

 
 
Einfühlsames Porträt geschaffen: Karolina Petrova und Hans-Richard Ludewig trugen bei ihrem Konzert in der Vöhler Synagoge Texte und Chansons in französischer und deutscher Sprache vor. Foto: Armin Hennig

Vöhl – „Ich bin in meinen Chansons, sonst nirgends“: Unter diesem Vorzeichen stand die schlüssige Inszenierung des Lebens der französischen Sängerin Barbara in der Vöhler Synagoge. Karolina Petrova und Hans-Richard Ludewig erinnerten an die Künstlerin.

Barbara wurde 1930 als Tochter jüdischer Emigranten in Paris geboren. Da sie bei der Aufführung ihrer Chansons nicht nur die Ohren ihrer Zuhörer, sondern auch den unvergesslichen Eindruck im Auge hatte, blieb sie nicht nur in jeder Hinsicht stilbildend, sondern bot die ideale Vorlage für Karolina Petrovas Bio-Programm, das die optisch wie vokal ziemlich wandlungsfähige Sängerin mit Gisela Donath erarbeitet hatte.

Als vielseitiger Begleiter malte Hans-Richard Ludewig an Akkordeon und Piano ansprechende Stimmungsbilder oder setzte mit dem Glockenspiel gleich zu Beginn stilechte Akzente, während Karolina Petrova erste Schritte in Barbaras Kindheit und ihrem Weg zur Bühne tat.

„Au Bois du Saint Armand“gestaltete die Erinnerung an einen Zufluchtsort im nicht von der Wehrmacht besetzten Teil Frankreichs. Der Baum als Freund in einer von Verfolgung geprägten Kindheit und die Suche nach dem verloren gegangenen Gefühl sollte noch im weiteren Verlauf des Programms bei der Reflexion über das Selbstbewusstsein der Chansonière eine Rolle spielen, die als Monique Andrée Serf geboren wurde und sich später als Barbara neu erfand.

Der Künstlername war eine Hommage an die aus Odessa stammende Großmutter Warwara, die als einzige immer an die Begabung des Mädchens geglaubt hatte.

Die Wunschvorstellung der Kinderzeit war der Ruhm als größte Pianistin ihrer Zeit zu wirken, da es kein Klavier gab, musste die Tischplatte die Tasten ersetzen, gleichbedeutend mit ständigen Einbrüchen des Alltags durch profane Tätigkeiten wie Tischdecken.

Das rhythmische Klopfen auf die Tischplatte im frühen Chanson „Liberté“ spielt auf diese Phase an. In Deutschland ist Barbara in erster Linie durch das Chanson „Göttingen“ bekannt, das einen bedeutenden Beitrag zur deutsch-französischen Verständigung nach dem Zweiten Weltkrieg leistete und auch zuerst Karolina Petrovas Aufmerksamkeit weckte.

Die Geburtswehen dieses Liedes, die mit dem beinahe abgesagten ersten Auftritt in Deutschland einsetzen, bildeten eine der großen Spielszenen, denn als Veranstalter Hans-Gunter-Klein nicht mit dem vertraglich vereinbarten Flügel aufwarten konnte, wartete die eigenwillige Künstlerin anderthalb Stunden bis zum Auftrittsbeginn, so lange dauerte es, bis zehn Studenten ein geeignetes Instrument aus einer Wohnung in der Nachbarschaft ins Junge Theater transportiert hatten.

Erst danach gelingt es der sensiblen Künstlerin, sich auf die Stadt der Gebrüder Grimm, die Märchenwelt der eigenen Kindheit und die Kinder einzulassen, die nicht für die Leiden des Krieges verantwortlich sind.

Zweites szenisches Feuerwerk war ein (fiktives) Interview des Filmemachers Georg Stefan Troller mit der widersprüchlichen Diva im lärmendsten Café von Paris mit Blick auf die Türme der ältesten Kirche in Saint-Germain-des-Prés.

Harmonie im Universum

 

Harmonie im Universum

Ghaku Okazaki erklärt sein Kunstwerk in Vöhler Synagoge

 
Stelen-Ausstellung in der Vöhler Synagoge: Künstler Ghaku Okazaki erläutert die Bedeutung seines Kunstwerks „Ehre des Sternes“. Foto: Nadja Zecher-Christ

Vöhl – Insgesamt 30 Stelen von Künstlern kann man derzeit in den Gärten der ehemaligen Synagoge Vöhl im Rahmen der Ausstellung „Erinnern – Wachen – Erleben“ bestaunen. Am Samstag war einer der Künstler, der japanische Bildhauer und Maler Ghaku Okazaki, zu Gast und erläuterte die Bedeutung seines Kunstwerks.

Okazaki hat japanische Kunst an der Tama Art University in Tokyo studiert und diese Art von Kunst auch bei seiner Stele „Ehre des Sternes“ angewandt. Das Kunstwerk besteht aus Beton und Stein und ist mit Acryllack bemalt.

Mit seinem Werk möchte der Künstler visualisieren, dass alle Lebewesen, darunter auch der Mensch, verschiedene Geschlechter, Kulturen und die Natur miteinander in Harmonie miteinander leben können. „In Deutschland gibt es diese traurige Geschichte“, sagte er. Man spüre, dass diese Harmonie in Gefahr sei.

Bei seiner Stele verbinden sich menschliche und pflanzliche Elemente zum Gesamtkunstwerk. Aus einem blauen lächelnden Kopf wächst ein Baum. Leben und Tod werden dargestellt.

„In meiner Heimat gibt es auch dieses Zeichen, was aussieht wie der Stern bei den Juden. Es hat aber eine andere Bedeutung“, sagt Okazaki. Eins der Dreiecke des Sterns stehe für die Erde, die Weiblichkeit und den Raum, das andere für den Himmel, die Männlichkeit und die Zeit. Zusammen symbolisiere dies das Universum. „Das ist die Magie des Zeichens, wo vielfältige Sachen miteinander verbunden sind. Da gibt es potenzielle Harmonie, weil nichts ausgeschlossen wird“, sagt er.

Im Rahmen seines Kunststudiums in Japan habe er gelernt, Malerei mit Kalligrafie zu verbinden. Daher verwende er auch heute noch Kalligrafie bei seinen Gemälden und Skulpturen. „Bei der japanischen Kalligrafie verwendet man drei Sprachen und auch drei verschiedene Schriftzeichen, und zwar Chinesisch, Sanskrit und Japanisch“, erläutert Okazaki. Auch diese Zeichen befinden sich auf der Stele, ebenso wie „? und ?“, die für den Anfang und das Ende stehen. Ein chinesisches Schriftzeichen steht für die Leere. „Wenn ich immer eine Leere in mir behalte, dann kann ich auch tolerant gegenüber anderen Menschen, Kulturen und Religionen sein“, betont der Künstler.

Die Ausstellung in der Synagoge Vöhl geht noch bis zum 31. Oktober. Geöffnet ist sie jeweils samstags und sonntags in der Zeit von 14 bis 17 Uhr.

Viel Geduld und eine gute Tarnung

 

Viel Geduld und eine gute Tarnung

Ulrich Müller präsentiert in der Vöhler Synagoge faszinierende Fotos

 
Tiere in der Ederseeregion: Hobbyfotograf Ulrich Müller faszinierte die Besucherinnen und Besucher in der Vöhler Synagoge mit seiner beeindruckenden Ausstellung. Foto: Nadja Zecher-Christ

Vöhl – Egal ob gefiedert oder pelzig: Die faszinierenden Tierbilder von Ulrich Müller entlocken den Besuchern so manch erstauntes „Ah“ und „Oh“. Unter dem Motto „Du kannst sie sehen und rufen hören – Tiere in der Ederseeregion“ hatte der Vöhler Hobbyfotograf am Wochenende seine Ausstellung in der ehemaligen Synagoge Vöhl bestückt – mit 37 seiner schönsten Tierfotografien im Großformat.

Viele Monate ist er durch die heimischen Wälder gelaufen, um die Tiere abzulichten. Er präsentierte zudem Videoclips, die auch Jungfüchse bei der Futtersuche und ein Grünspechtpaar bei der Fütterung der Jungen zeigten. Der Tierfotografie widmet sich Müller seit ungefähr fünf Jahren.

„Mein Schwerpunkt liegt bei der Vogelfotografie. Den Schwarzstorch habe ich im Ederseebereich von Herzhausen entdeckt“, sagt Müller. Den Schwarzspecht habe er in einer Höhle nahe Basdorf gefunden, den Buntspecht beim Aussichtspunkt Hochstein in Vöhl und den Grünspecht im Garten von Familie Dietzel aus Dorfitter.

„Die Herausforderung ist, sich erst einmal die Örtlichkeit zu erschließen“, erklärt er. Er habe die Spechte zwar hören können und sie auch durch die Luft fliegen sehen, aber man müsse dann halt auch die Bruthöhle finden, um die Spechte fotografieren zu können. Erst dann könne man ein Tarnzelt aufstellen und mit der Beobachtung beginnen. „Man muss Geduld haben, und eine gute Tarnbekleidung ist wichtig, um sich im Wald unkenntlich zu machen“, sagt Müller.

Manchmal benötige man aber auch nur eine Portion Glück. Ein Foto von einem Reh und seinem Kitz sei quasi im Vorbeigehen entstanden. „Die meisten Fotos muss man sich aber hart erarbeiten“, betont er. Für seine Aufnahmen nutzt er neben einem 150 bis 600 mm-Teleobjektiv, auch ein Makro- und ein Weitwinkelobjektiv. „Beim Teleobjektiv sollte man eine kurze Belichtungszeit einstellen“, erklärt Müller. Man hört ihm die Begeisterung an, mit der er über sein Hobby spricht.

Davon profitierten die Ausstellungsbesucher, denn um sich den Tierarten zu nähern, hat sich Müller auch mit den Lebensgewohnheiten der Tiere befasst und gab das Wissen weiter, unter anderem dass sich Grünspechte am liebsten von Ameisen ernähren.

Indien und Edersee im Fokus

 

Indien und Edersee im Fokus

Ausstellungen mit Bildern des Hobbyfotografen Ulrich Müller

 
Eindrücke aus Indien hat Ulrich Müller mitgebracht. Viele davon werden bei einer seiner beiden Ausstellungen zu sehen sein. Foto: Ulrich Müller(pr

Vöhl – „Du kannst sie sehen und rufen hören – Tiere in der Ederseeregion“, so lautet der Titel einer Foto-Ausstellung, die am Samstag, 16. und Sonntag, 17. Oktober jeweils von 14 bis 17 Uhr in der ehemaligen Synagoge Vöhl zu sehen sein wird.

Ulrich Müller aus Vöhl hat eine Auswahl seiner schönsten Fotos zusammengestellt. Tiere ganz nah, Auge in Auge. Großformatige Fotos und kurze Videoclips werden so manchen überraschen. „Viel Geduld, Kenntnis und eine gute Tarnung machen es möglich, Tiere so nah vor die Linse zu bekommen“, verrät der Fotograf. – Für Besucher gelten die 3G-Regeln.

„Zwar anders, aber wie wir – Begegnungen in Indien“ heißt die zweite Foto-Ausstellung von Müller, die am darauffolgenden Wochenende gezeigt wird. Termin: Samstag und Sonntag, 23. und 24. Oktober, jeweils von 14 bis 17 Uhr in der Synagoge.

„Begegnungen sind das, was das Leben bereichert – das Leben auf der Straße, zu Hause und in den Dörfern, oder bei der Arbeit. Die Fotos zeigen meine Erlebnisse mit Menschen in einer anderen Welt. Natürlich und naturbelassen, arm und krank oder lustig und zufrieden“, schreibt Ulrich Müller in der Ankündigung.

Mit dem Rucksack machte er sich bereits mehrfach auf die Reise durch Indien. Vom Norden, dem Himalayagebirge, wo Yaks und Kaschmirziegen leben, bis an die südlichste Spitze, wo der Indische Ozean, die Arabische See und das Bengalische Meer aneinanderstoßen. Von Westen, wo am Meer noch riesige Holzschiffe gebaut werden und die letzten wilden Esel leben, bis zum Osten, an die Grenze von Bangladesch und Butan, wo lebende Brücken gebaut werden und die Frauen das Sagen haben.

Die großformatigen Fotos werden in den Räumen der ehemaligen Synagoge gezeigt und eine kontinuierlich laufende Diashow mit mehr als 1000 Fotos wird im Sakralraum zu sehen sein.

Während der beiden Ausstellungen werden Getränke, Kaffee und Kuchen angeboten.  red/srs

Künstler Ghaku Okazaki – Fotoausstellung „Tiere der Region“ – Karolina Petrova: „Ich bin keine schwarze Tulpe“

 

Kunst, Fotografien und Konzerte in der Vöhler Synagoge

Künstler Ghaku Okazaki – Fotoausstellung „Tiere der Region“ – Karolina Petrova: „Ich bin keine schwarze Tulpe“

 
Karolina Petrova singt Chansons. Foto: John Kanone

Vöhl – Auch am kommenden Wochenende wird in der Vöhler Synagoge viel geboten: Stelenausstellung im Hof, Fotoausstellung mit Tierfotografien von Ulrich Müller im Sakralraum, ein Saxofon-Duett, ein Künstlerbesuch und ein Synagogenkonzert mit Karolina Petrova.

Das Kunstwerk, das der aus Japan stammende Künstler Ghaku Okazaki nach Vöhl brachte, entsprach nicht den Kriterien der Ausschreibung. Gleichwohl steht es auf einem Baumstamm im Hof der Synagoge. Ein Missverständnis beim jungen Japaner war die Ursache für das Versehen. Am Samstagnachmittag macht Okazaki Station in Vöhl.

Er studierte Japanische Malerei in Tokyo und wurde Meisterschüler am Fachbereich Freie Kunst in Bremen. Die durch Volltonfarben und scharfe Konturen geprägte Formgestaltung ermöglicht es dem Künstler, Zeichen und Formen fließend zu verbinden. Ebenfalls am Samstagnachmittag unterhalten Sarah Küpfer und Ingo Stotz als Saxofon-Duett die Besucher mit flotten Melodien.

Ein Glanzlicht ist Ulrich Müllers Foto-Ausstellung „Du kannst sie sehen und rufen hören – Tiere in der Ederseeregion“. Großformatige Fotos machen es möglich, den meist seltenen Tieren wie dem Grünspecht quasi Auge in Auge gegenüberzustehen. Am Samstag und Sonntag jeweils um 14 Uhr führt Müller ein in seine Ausstellung, zu der auch kurze Videoclips gehören. Mit viel Geduld, fotografischen Kenntnissen und guter Tarnung sind ihm die Aufnahmen gelungen.

Am Sonntag beschließen Karolina Petrova und Hans-Richard Ludewig (Piano und Akkordeon) um 17 und bei entsprechender Nachfrage auch um 20 Uhr das Programm mit dem Konzert: „Ich bin keine schwarze Tulpe“ – Erinnerungen an die französische Sängerin Barbara in Texten und Chansons. „Ich singe mein Leben“ sagt die 1930 als Tochter jüdischer Emigranten in Paris geborene Barbara.

Ihre Kindheit ist geprägt von Verfolgung und Flucht. Früh verlässt sie ihr Elternhaus und begibt sich auf die Suche nach Liebe und Anerkennung. Die Suche bringt sie nach einer kurzen Ehe zu dem, was sie wirklich liebt: Ihre Lieder.

In Frankreich ist die gebürtige Pariserin aus der Reihe der Chansoninterpreten nicht wegzudenken, in Deutschland kennt man fast nur das Chanson „Göttingen“, das sie bei einer Reise dorthin als Liebeserklärung an die Stadt schreibt und damit einen Beitrag für die Aussöhnung von Frankreich und Deutschland leistet.

Gemeinsam mit Hans-Richard Ludewig (Piano und Akkordeon) gelingt es Karolina Petrova, ein einfühlsames Porträt über Barbara zu schaffen, in dem sie anhand von Texten und Chansons, gesungen in Französisch und Deutsch, die Facetten dieser Persönlichkeit aufzeigt.  red

Für das Konzert am Sonntag können Karten vorbestellt werden unter 05635/1022 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zum Preis von 18/16/14 Euro, an der Abendkasse ist ein Aufschlag von 2 Euro fällig. Ein Nachweis über Impfung, Genesung oder ein negativer Corona-Test ist vorzulegen.

Bei Rassismus widersprechen

 

Bei Rassismus widersprechen

Schüler besuchen und reflektieren Ausstellung an Synagoge

 
Schüler der Ederseeschule Herzhausen sowie Lehrer und der Schulleiter Erik Wohlfart-Schüßler besuchten die mobile Ausstellung „Out of the Box“, hier mit Karl-Heinz Stadtler vom Förderkreis Synagoge Vöhl. Foto: Stefanie Rösner

Vöhl – Vorurteile gegenüber Juden, Diskriminierung von Minderheiten, Ausgrenzung verschiedener Bevölkerungsgruppen: Alles Phänomene, die es in der Geschichte der Menschheit schon lange gibt, und die leider immer wieder in der Gesellschaft aufkommen. Schüler der Ederseeschule Herzhausen haben eine Ausstellung vor der Synagoge besucht, die sich mit der Historie von Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus beschäftigt.

Die Arbeitsgruppe Region gegen Rassismus in Waldeck-Frankenberg hat mit der Unterstützung des Netzwerks für Toleranz die Ausstellung mit dem Namen „Out of the Box“ erstellt, die auch schon in Korbach zu sehen war. An aufeinandergestapelten Kisten konnten die Besucher Wissenswertes nachlesen und lernen.

Schon in der Antike gab es Vorurteile und abwertende Bezeichnungen wie „Barbaren“ oder „Wilde“. Zudem wurden Menschen aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert und als Sklaven ausgebeutet.

Verschiedene Formen und Facetten von Rassismus werden beschrieben, rechte Vorfälle in Waldeck-Frankenberg aufgezeigt und überregionale Vorfälle rechtsextremer und rassistischer Gewalt genannt. Als sehr anspruchsvoll bezeichnete Karl-Heinz Stadtler als Gastgeber des Förderkreises Synagoge die Ausstellung.

Die Schüler der Klassen 8 bis 10 wussten ihren Beitrag zu leisten. So formulierten sie ihre eigenen Appelle für eine friedliche Welt: „Gegen Rassismus“ schrieben sie in bunten Farben auf eine dafür vorgesehene Box. „Mensch ist Mensch, ganz egal welcher Hautton oder Nationalität“ – unterzeichnet von mehreren Schülerinnen und Schülern der Klasse R8b.

Im Sakralraum der Synagoge besprachen die Schüler der 10a ihre Eindrücke mit Violetta Bat vom Netzwerk für Toleranz sowie mit Thomas Neutze vom Volkmarser Arbeitskreis Rückblende – Gegen das Vergessen. „Es überrascht mich, dass heute überhaupt noch Hakenkreuze an öffentliche Flächen gezeichnet oder in Bäume geritzt werden“, äußerte ein Schüler seine Gedanken zum Thema Rassismus.

Alle sind unterschiedlich, und doch sind wir alle gleichwertig und gleichberechtigt.“

Violetta Bat,
Netzwerk für Toleranz

Verschiedene Fragen kamen auf. Warum macht jemand das? Wann kamen die ersten Vorwürfe gegenüber Juden auf? Was ist Rassismus? Gibt es Menschenrassen?

„Alle sind unterschiedlich, und doch sind wir alle gleichwertig und gleichberechtigt“, erklärte Violetta Bat. Spannend waren die Antworten auf die Frage: „Was kannst du gegen Rassismus tun?“ Er würde widersprechen, sagte ein Schüler. Aufklärung wurde zudem als wirksame Methode genannt. „Haltung zeigen ist wichtig“, sagte Violetta Bat. Karl-Heinz Stadtler ergänzte: „Ich würde immer sagen, dass ich anderer Meinung bin. Das wünsche ich mir von uns allen. Auch bei diskriminierenden Äußerungen im Freundes- und Verwandtenkreis.“

Künstlerin Ulrike Gründel spendet

Künstlerin Ulrike Gründel spendet

600 Euro für Flutopfer-Hilfe

Ulrike Gründel und Andi Eisenmann. Foto: pr

Vöhl – Ulrike Gründel aus Dorfitter, die in der Vöhler Synagoge Bilder und weitere Kunstwerke ausgestellt hatte, versteigerte einige ihrer Exponate. 600 Euro kamen so zusammen. Diesen Betrag spendete sie für die Flutopfer in Westdeutschland.

Sie übergab das Geld an Andi Eisenmann, der zusammen mit weiteren Helfern aus Vöhl und Umgebung mehrmals an Wochenenden nach Ahrweiler fuhr, um dort bei Aufräumarbeiten zu helfen. Eisenmann, von Beruf Polizeibeamter, will das Geld seiner Kollegin aus Ahrweiler geben, die sich persönlich darum kümmern wird, dass das Geld die Betroffenen erreicht.  red

Ausstellung gegen Rassismus in Vöhler Mittelgasse

Ausstellung gegen Rassismus in Vöhler Mittelgasse

Synagoge: Bilder von Thorwirth stoßen auf große Resonanz – Musik am Nachmittag

Bilder von Hubert Thorwirth werden gezeigt. Foto: Stadtler

Vöhl – „Out of the Box“ heißt die Ausstellung, die „#Region gegen Rassismus“ in diesem Jahr mit Unterstützung des Netzwerks für Toleranz Waldeck-Frankenberg entwickelte. Sie zeigt die Geschichte von Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus in Mitteleuropa von der Antike über das Mittelalter bis in die Gegenwart und wird am kommenden Wochenende vor der Synagoge gezeigt.

Am Freitag, 1. Oktober, besuchen Schülerinnen und Schüler der Ederseeschule Herzhausen die Ausstellung von 8 bis 12 Uhr. Von 15 bis 17 Uhr sind auch andere junge Leute willkommen. Am Samstag und Sonntag ist die Ausstellung von 14 bis 17 Uhr für alle geöffnet. Am Samstag und am Sonntag um 14 Uhr gibt es eine kurze Einführung. Da an einigen Stationen mit QR-Code gearbeitet wird, ist die Nutzung des Smartphones zu empfehlen.

Thematisiert werden in der Ausstellung die religiös, ökonomisch und rassisch begründeten Formen der Judenfeindschaft, Rassismus im Zusammenhang mit Kolonialismus und Sklaverei, aber auch der Zweite Weltkrieg im Osten gegen die angeblichen slawischen Untermenschen und sogenannten „mongolischen Horden“. Auch die Hinrichtung unschuldiger polnischer Zwangsarbeiter bei Herzhausen ist Gegenstand der Ausstellung. Natürlich werden auch aktuelle Formen des Rassismus, Antisemitismus und der Fremdenfeindlichkeit dargestellt – der Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke, die Anschläge von Halle und Hanau sind furchtbare Beispiele hierfür.

Samstag und Sonntag sind von 14 bis 17 Uhr die Stelen-Ausstellung „Erinnern – Wachen – Erleben“ im Hof und die Karl-Thorwirth-Ausstellung im Sakralraum geöffnet. Weil die Karl-Thorwirth-Ausstellung auf starke Resonanz stößt und die Zahl der Gemälde inzwischen auf 30 gestiegen ist, werden sie noch weitere Wochenenden in der Synagoge zu sehen sein.

Im Hof der Synagoge gibt es am Wochenende außerdem ein ansprechendes musikalisches Angebot: Pia Ebeling wird am Klavier „Nuvole Bianche“ von Ludvico Einaudi, einen Walzer von Chopin, „River flows in You“, die Filmmusik aus „Sagenhafte Welt der Annelie“, einen Türkischen Marsch und „Halleluja“ von Leonard Cohen spielen. Sarah Küpfer und Robin Rauch stellen Saxofon-Duette vor und mit Maja Rauch präsentiert Sarah Küpfer Querflöten-Duette.  red

Kunst in neuem Licht sehen

Kunst in neuem Licht sehen

Art-Night in der Vöhler Synagoge beeindruckt die Besucher

Graffiti-Stil: Fred Baumgart (rechts) und Eduard Lass neben der Glas-Stele ohne Titel. Die Elemente der Komposition wurden zu einer faszinierenden Einheit geformt.

Vöhl – Veränderung der Wahrnehmung, erhöhte Sensibilisierung, das ist der Anspruch jedes Kunstwerks und jeder thematischen Ausstellung. Mit der Art-Night ging die ehemalige Synagoge Vöhl einen Schritt weiter.

Einen Monat nach der Vernissage der Stelen-Ausstellung und der Präsentation der Jury-Ergebnisse im Licht eines Sommernachmittags, setzte die Art-Night zahlreiche Kunstwerke in ein neues Licht. Dadurch kamen bislang übersehene Feinheiten zum Vorschein, die unter voller Sonneneinstrahlung verborgen blieben.

Von den ausgezeichneten Kunstwerken profitierte besonders Adrian DeDeas „Bluebird“ von starken Spots, aufgrund des phosphoreszierenden Innenlebens erwies sich der Guckkasten in Betonoptik als einer der Publikumsmagneten. Massive Tagesgewinner mutierten dagegen oft zu monolithischen Mauerblümchen, während sich stiefmütterlich gewürdigte Stelen mit transparenten Qualitäten als facettenreiche Meisterwerke entpuppten.

Zur regelrechten Offenbarung geriet der Kontrast bei Fred Baumgarts Glas-Stele im Graffiti-Stil, die unter blauem Himmel schon zu den Hinguckern zählte, aber trotzdem vergleichsweise blass wirkte. Zur allzeit sichtbaren Kombination von schützender Hand, Davidsstern und Menora gesellten sich nun die Botschaften von politischen Gefangenen und KZ-Insassen, die mit den offenen Fenstern an der linken Seite als Symbol der Sehnsucht nach Freiheit korrespondierten.

Der Künstler, der bei der Vernissage nicht zugegen sein konnte, stand bei der Art-Night mehr im Fokus als seine Sonnenschein-Kollegen und gern Rede und Antwort.

Als thematisches Gegenstück im unteren Garten erstrahlten Christine Schirrmachers „Spiritual Guardians“ in Blau, Gold, Purpur und Rot mit der schützenden Hand als Fundament für die miteinander verschmolzenen Symbole. Auch vermeintliche Kataloggrößen wie Lisa Schwermer-Funkes Spiel mit der Perspektive des Erinnerns, bzw. Hassen Sheidaeis Stele aus gepressten Kleidern erfüllten im Licht der Nacht doch noch die ursprüngliche Verheißung.

Überall, wo Transparenz im Spiel war, offenbarte der Kontrast zwischen natürlicher Dunkelheit und starkem Kunstlicht zahlreiche bislang übersehene Feinheiten und Zusammenhänge.

„Die Art-Night hat unsere Erwartungen erfüllt“, zog Karl-Heinz Stadtler, Vorsitzender des Fördervereins, ein durchweg zufriedenes Fazit für die Veranstalter. „Der beleuchtete Garten bot ein sehr schönes Ambiente für die Stelen und natürlich auch für die doch recht zahlreich erschienenen Gäste“, erklärte er. Das Quartett „Chaverim“ habe mit seinen KlezmerKlängen die Menschen verzaubert. Sie hätten andächtig gelauscht und mit Applaus nicht gespart. Den Abschluss bildete ein Quiz. Berthold Herberz hatte mit dem Beamer Ausschnitte aus allen Stelen auf die Wand geworfen und die Gäste mussten raten, zu welcher Stele der Fotoausschnitt gehörte.

Gespräche über Versöhnung

Gespräche über Versöhnung

Jüdisch-christlicher Dialog am Donnerstag im Garten der Vöhler Synagoge

Jüdisch-christlicher Dialog: Dazu laden die evangelische Kirchengemeinde und der Förderkreis der Vöhler Synagoge am Donnerstagabend in den Garten neben der Synagoge ein – dort läuft derzeit eine Kunstausstellung. An der Stele Karl-Heinz Stadtler, rechts Pfarrer Jan Friedrich Eisenberg. Foto: Schilling

Vöhl – Zum dritten Jüdisch-christlichen Dialog laden der Vöhler Pfarrer Jan Friedrich Eisenberg und Karl-Heinz Stadtler vom Förderkreis der Vöhler Synagoge am Donnerstag, 23. September, ein. Beginn ist um 18 Uhr.

In den Dialog treten zwei ausgewiesene Fachleute: Pfarrer Dr. Manuel Goldmann aus Großkrotzenburg habe sich schon in seiner Doktorarbeit mit dem Alten Testament beschäftigt, berichtet Pfarrer Eisenberg. Er sei auch Beauftragter der Landeskirche für den Jüdisch-christlichen Dialog. Bis vor zwei Jahren leitete er das Studienseminar der Landeskirche in Hofgeismar, in dem auch angehende Pfarrer ausgebildet werden. „Er ist sehr kompetent“, sagt Eisenberg,

Für die jüdische Seite diskutiert Christopher Willing, der die reformierte Gemeinde in Felsberg begründet hat und Vorsitzender des Vereins zur Rettung der Synagoge in der Stadt ist. „Es wird ein sehr lebhaftes Gespräch“, sagt Stadtler voraus. Die Besucher können Fragen stellen und mitdiskutieren. Unter dem Titel „Versöhnung feiern“ geht es um einen Vergleich des jüdischen Festes Jom Kippur mit der christlichen Buße und dem Sakrament des Abendmahls. Jom Kippur, der „Versöhnungstag“, ist der höchste jüdische Feiertag – er wurde vorige Woche überschattet von Attentatsplänen auf eine Synagoge in Hagen.

Bislang gab es zwei Jüdisch-christliche Dialoge. Am 31. März ging es um den Vergleich zwischen Ostern und Pessach, an dem die Juden die Befreiung des jüdischen Volkes aus der Sklaverei in Ägypten feiern. Ende Mai folgte der Dialog über Pfingsten und Schawuot, das jüdische Wochenfest, das ein Erntedankfest ist, aber auch an den erneuten Empfang der zehn Gebote erinnert.

Wegen der Corona-Pandemie konnten beide Dialoge nur in der Form eines Zoom-Meeting übers Internet stattfinden. „Ich freue mich, dass wir uns jetzt live sehen“, sagt Pfarrer Eisenberg. „Ich erhoffe mir, dass wir ganz anders ins Gespräch kommen.“

Eigentlich sollte der Dialog in der Kirche stattfinden, „Wegen Corona gehen wir raus, wenn es das Wetter zulässt“, kündigt der Pfarrer an: in den Garten der Synagoge und in den Garten des einst von einer jüdischen Familie bewohnten Nachbarhauses. Dort läuft derzeit die Kunstausstellung „Erinnern – Wachen – Erleben“ mit 25 Stelen. Es gelten die 3G-Regeln.

Der vierte und letzte Dialog folgt am Donnerstag, 9. Dezember, um 19 Uhr. Dann geht es um den Vergleich des jüdischen Chanukka-Festes mit Weihnachten.

Geschichte wird lebendig

Ge­schich­te wird le­ben­dig

Ab­schluss­pro­jek­te der Land­kul­tur­bo­ten in der Vöh­ler Syn­ago­ge vor­ge­stellt

 
En­ga­gier­te Ju­gend­li­che: (von links) Kim­ber­ley Si­mon, Erik Pe­per, An­dré Strem­mel und Ni­ko Sell ha­ben wich­ti­ge Ar­beit in der Vöh­ler Syn­ago­ge ge­leis­tet. Auf dem Fo­to feh­len Ma­ri­us Put­scher und An­na Rä­bi­ger. Fo­to: Hen­nig

Vöhl – Mehr Füh­run­gen in die­sem Som­mer und ei­ne hö­he­re Er­leb­nis­tie­fe für die Be­su­cher, die vier­te Sai­son der Land­kul­tur­bo­ten in der Vöh­ler Syn­ago­ge war ein vol­ler Er­folg. Die­se Bi­lanz zog Karl-Heinz Stadt­ler bei der Vor­stel­lung der Pro­jek­te.

Ei­ne Ur­sa­che für das hö­he­re In­ter­es­se von Tou­ris­ten wa­ren ein neu­es Hin­weis­kon­zept und die An­ge­bo­te im Som­mer. Al­le Teil­neh­mer äu­ßer­ten sich po­si­tiv über ih­re Er­fah­run­gen bei den Füh­run­gen und die Chan­ce, durch den per­sön­li­chen Um­gang mit in­ter­es­sier­ten Gäs­ten fürs Le­ben zu ler­nen.

Vor die­sem Hin­ter­grund bat Bür­ger­meis­ter Kars­ten Kal­hö­fer die sechs Land­kul­tur­bo­ten dar­um, auch nach Ab­lauf ih­rer Zeit und dem Ab­schluss ih­rer Pro­jek­te wei­ter für die Na­tio­nal­park­ge­mein­de Vöhl und die Re­gi­on zu wer­ben.

Kom­mu­ni­ka­ti­on über bis­her be­stehen­de Sprach­bar­rie­ren hin­weg war der An­spruch der Über­set­zer­ar­beit von Kim­ber­ley Si­mon, die we­sent­li­che Tei­le des In­ter­net­auf­tritts in ih­re Mut­ter­spra­che über­setzt hat­te. Denn bei vie­len Nach­fah­ren von Vöh­ler Ju­den, die im an­glo-ame­ri­ka­ni­schen Sprach­raum auf­ge­wach­sen sind, spielt die deut­sche Spra­che nur noch ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le. Am En­de ih­rer Ar­beit von zwei Wo­chen ste­hen 35 000 Wör­ter und neun Füh­run­gen, in de­nen sie zahl­rei­che Fra­gen schlüs­sig be­ant­wor­ten konn­te.

Gut 150 Jah­re ei­ner Ma­ri­en­ha­ge­ner Fa­mi­lie, die ei­nen we­sent­li­chen Bei­trag zum kul­tu­rel­len und ge­sell­schaft­li­chen Le­ben von Ma­ri­en­ha­gen leis­te­te, bil­de­te das Er­geb­nis der Re­cher­chen von Ni­ko Sell, die fort­an auch über den In­ter­net­auf­tritt der ehe­ma­li­gen Syn­ago­ge zu­gäng­lich sind.

Der Schü­ler aus der Eder­see­schu­le in Herz­hau­sen zeich­ne­te den Stamm­baum ei­ner Fa­mi­lie aus Ma­ri­en­ha­gen. In sei­ner Dar­stel­lung kam dem 1786 ge­bo­re­nen Ja­kob Krat­zen­stein ge­wis­ser­ma­ßen die Rol­le des Pa­tri­ar­chen zu, sein En­kel Jo­sef (*1821) zähl­te zu den Grün­dern der Lie­der­ta­fel.

Als Gast­wirt und Kauf­mann stand Fe­lix Is­ling um die Jahr­hun­dert­wen­de gleich an meh­re­ren Schnitt­stel­len des dörf­li­chen Le­bens. Wäh­rend der NS-Zeit ge­lang ei­ni­gen Nach­fah­ren über ei­nen Häu­ser­tausch die Aus­wan­de­rung nach Hol­land. Der Han­dels­ver­tre­ter Her­mann Krat­zen­feld kam da­ge­gen im KZ Floss­bürg ums Le­ben, sei­ne Schwes­ter Hed­wig Win­ter, die nach Kas­sel ge­hei­ra­tet hat­te, wur­de im Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz ver­gast. Die Vor­stel­lungs­kraft der Be­su­cher stei­gern und ver­lo­ren ge­gan­ge­nen Glanz wie­der sicht­bar ma­chen woll­ten Erik Pe­per und An­dré Strem­mel mit ih­rem Aug­men­ted-Rea­li­ty-Pro­jekt. Die Be­wäl­ti­gung der tech­ni­schen Her­aus­for­de­run­gen ge­lang mit­tels der Kom­bi­na­ti­on un­ter­schied­li­cher Soft­ware. Nun ent­steht mit­tels im Ge­bäu­de an­ge­brach­ter QR-Codes ei­ne Si­mu­la­ti­on des frü­he­ren Got­tes­dienst­raums auf dem Smart­pho­ne der Be­su­cher. „Wir ha­ben im Um­gang mit Men­schen wie mit der Tech­nik in un­se­rer Zeit als Land­kul­tur­bo­ten viel fürs Le­ben da­zu ge­lernt“, zo­gen die bei­den Schü­ler der Al­ten Lan­des­schu­le in Kor­bach ein rund­um po­si­ti­ves Fa­zit aus ih­rer Zeit als Ent­wick­ler und Füh­rer durch die Ge­schich­te der Vöh­ler Ju­den und ih­rer Syn­ago­ge.

Spielfreudige Musiker



Spielfreudige Musiker

„Hör mal im Denkmal“: Quintett Sistanagila begeistert in Vöhl

Crossover light spielte das jüdisch-iranische Quintett Sistanagila in der Vöhler Henkelhalle. Foto: Armin Hennig

Vöhl – Das jüdisch-iranische Quintett Sistanagila begeisterte mit Crossover light und einem finalen Tabubruch die Zuhörer in der Vöhler Henkelhalle, dem Ausweichspielort für ein Konzert im Rahmen der Reihe „Hör mal im Denkmal“. Denn als spontan mitgetanzte Zugabe spielte das iranisch-jüdische Quintett „Hava Nagila“.

Dank dem frischen Zugang der fünf spielfreudigen Musiker klang der vermeintlich überstrapazierte Klassiker aber so anders, dass niemand im Vorstand des Fördervereins Synagoge Vöhl daran Anstoß nahm, dass das Hausverbot für allzu vernutzte Klänge ignoriert wurde.

Zumal der chassidische Niggun nicht nur Teil des Bandnamens ist, sondern auch zur Gründungslegende des in Berlin ansässigen Ensembles gehört, in dem Musiker aus miteinander verfeindeten Staaten eine neue musikalische Einheit bilden.

Die Offenheit für Einflüsse aus unterschiedlichen Stilrichtungen und Traditionen gehört zu den Stärken des Ensembles, das nicht persische Traditionen, jüdische Musikkulturen, sondern auch Latin Jazz und Ambient-Elemente ins Klangbild integriert.

Zur Premiere geriet ein bislang als Tomprak-Solo gespieltes Stück von Percussionist Jawad Salkhordeh, das Omri Abramov, der dem Sound der Band sonst mit dem Saxophon Flügel verleiht, zur improvisierten Konversation am Synthesizer weiter entwickelt hatte. Zwei Sätze aus einer Jahreszeiten-Suite, in der unterschiedliche Klimata und die Wetterphänomene in gegensätzlichen Landschaften in musikalische Bilder umgesetzt werden, gerieten zur ganz großen Reise.

Mit heller Stimme markierte Yuval Halpern den Unterschied zu maximal virtuosen Fusion-Ensembles wie Johannes-Krampen-Trio, Quadro Nuevo oder Tango Transit, die als reine Instrumentalisten schon einen höheren Grad von Intensität und Variabilität erreichen.

Denn während der musikalische Mastermind den Stammplatz an den Keyboards verlässt und mit dem Mikro an die Rampe tritt, können sich gerade Zuhörer, die es nicht permanent nach komplexen Mixturen voll raffinierter Sprünge durch diverse Stile verlangt, entspannt von der im Singer-Songwriter-Stil eingekleideten sephardischen Ballade „La Reine Jerifa“ verzaubern lassen. Vom mittelalterlichen Gewand der Geschichte von der Königin, die in der zum Zeitvertreib angeschafften Sklavin eine vermisste Schwester wieder erkennt, ist nichts mehr übrig geblieben.

Fazit: Die Schwergewichte der Fusion-Szene haben schon eine klarere musikalische Handschrift, auch für Klezmer-Puristen oder Traditionalisten wird die stilistische Vielfalt von Sistanagila vielleicht allzu beliebig wirken, aber dazwischen gibt es sicherlich eine breite Mitte, deren Ansprüchen die leichte Muse des Quintetts sicher sehr entgegen kommt.

Von Klassik bis Kabarett

Donnerstag, 2. September 2021, Waldeckische Landeszeitung
Von Klassik bis Kabarett

„Hör-mal im Denkmal“ in Adorf, Flechtdorf, Frankenberg und Vöhl

Sie freuen sich auf viele Zuhörer: (von links) Sascha Biehn-Tirre (Pfarrer in Adorf),Ursula Küthe (Vorsitzende des Kirchenvorstandes in Adorf), Karl-Heinz Stadtler (Förderverein Synagoge Vöhl), Sonja Klein (Sparkasse Waldeck-Frankenberg), Karin Keller (Förderverein Synagoge Vöhl), Bettina Riehl, Anna Evers (Förderverein Synagoge Vöhl), Birgit Gabriel (Kulturring Frankenberg), Jürgen Albrecht, Uwe-Lutz Scholten (beide Förderverein Kloster Flechtdorf) Foto: Röse

Waldeck-Frankenberg – Kultur in Kirchen und Denkmälern gibt es am zweiten Wochenende im September: Die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen fördert gemeinsam mit der Sparkasse Waldeck-Frankenberg vier Veranstaltungen in der Region im Rahmen der Reihe „Hör-mal im Denkmal“. Von klassischer Musik bis Kabarett ist alles dabei.

Die Veranstaltungsserie beginnt am Freitag, 10. September um 20 Uhr in der Evangelischen Kirche in Diemelsee-Adorf mit dem Kabarettisten Faith Cevikkollu. Dieser wird sein Programm „Fathimorgana“ zeigen.

Im Schlossgarten in Vöhl treten am Samstag, 11. September, „Sistanagila“ auf und präsentieren „eine iranisch-israelische Musik-Affäre“.

Zum Abschluss der Reihe gibt es am Sonntag, 12. September, gleich zwei Veranstaltungen. Um 17 Uhr tritt in der Liebfrauenkirche in Frankenberg das „Duo Concento“ auf und nimmt das Publikum mit auf eine Reise in die klassische Musik. In der Klosterkirche Flechtdorf tritt um 18 Uhr das Ensemble „La Tabatiere“ auf.

Die Veranstalter haben viel zu bieten. Aufgrund der geltenden Corona-Regelungen werden die Besucher gebeten, sich rechtzeitig anzumelden und beim Kartenvorverkauf ihre Daten zu hinterlegen. In den einzelnen Veranstaltungen gelten die 3-G-Regeln, die kontrolliert werden. Daher sollte rechtzeitig der Weg zum Eingang erfolgen und nicht zu knapp kalkuliert werden, damit die Künstler pünktlich beginnen können.

„Man kann bei der Bevölkerung einen Hunger nach Kultur wahrnehmen. Ich freue mich sehr auf diese Veranstaltungsreihe zum Tag des Denkmals“, betont Bettina Riehl von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, die das Projekt auch dieses Jahr wieder leitet. „Die Förderung durch uns und den Sparkassen vor Ort ist in diesem Jahr besonders wichtig.“ Coronabedingt sei nur ein Teil der sonst ausgebuchten Kirchen, Klöster und Synagogen besetzt gewesen. So sei erst durch die Förderung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen die Finanzierung der Künstler abgesichert. Riehl und die weiteren Veranstalter freuen sich darauf, endlich wieder Besucher zu den Kulturveranstaltungen begrüßen zu können und danken den Sponsoren für die Unterstützung.  fr


      
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