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"Synagoge in Vöhl"
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"Wir wollen nicht sterben"

© Lutz Benseler / WLZ 16.02.17 

„Wir wollen nicht sterben“


Ihnen droht die Abschiebung: Flüchtlinge bei einer Inforamtionsveranstaltung in der Vöhler Synagoge. Rechts: Fördervereinsvorsitzender Karl-Heinz Stadtler. Foto: Lutz Benseler

Von Lutz Benseler

Vöhl. „Letzten Freitag ist ein schlechter Brief gekommen“, sagt Nadjila Nazeri (15) mit fester Stimme ins Mikrofon. Rund 150 Menschen hören ihr in der Synagoge in Vöhl zu – Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer. Die junge Afghanin und ihre Familie sollen in einer Woche Deutschland verlassen.

Etwa zehn Afghanen und vier Pakistani allein aus der Gemeinde Vöhl hätten in den letzten Tagen ähnliche Briefe vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bekommen, sagt Karl-Heinz Stadtler vom Förderkreis „Synagoge in Vöhl“. Viele Mitglieder des Vereins engagieren sich auch für Flüchtlinge – und waren entsetzt über die Entscheidung der Behörde. „Wir können nicht akzeptieren, dass unsere Gäste abreisen müssen“, sagt Günter Maier, Pfarrer im Ruhestand. Seit einem Jahr lebt eine Familie aus Afghanistan in seinem Haus. „Wir wohnen in einer fröhlichen Wohngemeinschaft zusammen. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie schockiert wir waren“, sagt Maiers Frau Dorothea.

Demonstration geplant

Weil sich die Mitglieder damit nicht abfinden wollen, organisiert der Förderkreis nun den öffentlichen Protest. Geplant ist eine Ausstellung und eine Demonstration. Zum Auftakt berichten an diesem Dienstag die Flüchtlinge in der Synagoge über sich und ihre Situation.

„In Deutschland kann ich in die Schule gehen, einen Beruf lernen und arbeiten“, sagt Nadjila. Frauen in Afghanistan hingegen müssen den strengen Sittenregeln entsprechen. „Ich müsste immer zuhause bleiben“, sagt die 15-Jährige.

„Wir wollen leben, wir wollen nicht sterben. Afghanistan ist nicht sicher. Stoppt die Abschiebung“, sagt Shams Haydari (24). Sein Vater arbeitete bis in die 90er Jahre in der kommunistischen Regierung Afghanistans. Die Taliban haben Flugblätter aufgehängt, auf denen die Familie für vogelfrei erklärt wurde. „Trotzdem hat das BAMF die Abschiebung beschlossen“, sagt Karl-Heinz Stadtler. „Das sind Nachbarn und Freunde. Was hier passiert, empfinde ich als völkerrechtliche Schande ersten Grades“, sagt Landrat Dr. Reinhard Kubat.

Dann spricht Amin Rahini (23). Er war Polizist in einem kleinen Dorf im Kundus, kämpfte dort gegen die Taliban, bis sie die Polizeistation und sein Haus in Brand setzten und ihm schriftlich drohten, ihn zu töten. Auch Ashraf Naziri steht auf der Todesliste der Taliban. Er hatte ihnen die Zusammenarbeit verweigert. „Wir haben in Afghanistan eine Regierung und Polizei. Aber nur bis zum Abend“, schildert er die aktuelle Situation. Nach Sonnenuntergang gehöre das Land den Taliban.

Die ablehnenden Bescheide treffen nicht nur Afghanen: Pakistani Shabbir Ahmad (25), hat sich integriert, die Sprache gelernt und könnte zum 1. August eine Ausbildung bei einer Bäckerei in der Gemeinde Vöhl beginnen. Auch er soll zurück.

„Wir wollen hier bleiben, wir sind hier sicher. Hier ist es gut für unsere Familie“, fasst Nadjila Nazeri zusammen. Ihr kleiner Bruder Arash (8) drückt sich fest an sie. Freunde aus seiner Schulklasse kommen nach vorne und rufen: „Arash soll bleiben!“

Zusatz vom Förderverein:
Hier die Petition an den innenminister:Petitionan den hessischen Innenminister


      
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