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Alpen Klezmer in der Vöhler Synagoge

Alpen-Klezmer in der Vöhler Synagoge – Konzert mit stärkerer zweiter Hälfte
 
Ungewohnte Spielart: Alpen-Klezmer boten (von links) Christian Dawid, Ilja Schneyveys und Sängerin Andrea Pancur in der Vöhler Synagoge. Für die Zuhörer keine leichte Kost, doch am Ende sprang dann doch der Funke aufs Publikum über. Foto: Hennig
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Hennig, Armin

Von Armin Hennig

Vöhl. Klezmer ist maximal Crossover-tauglich - ob Balkan oder Bossanova, Tango oder Klänge aus Tausend-und-einer-Nacht. Im Verlauf der letzten 20 Jahre wurden in der alten Synagoge in Vöhl schon so gut wie alle Kombinationen des jiddischen Jazz durchgespielt und variiert.

Mit Andrea Pancurs Alpen-Klezmer kam eine bislang ungewohnte Spielart mit bayrischem Akzent nach Vöhl. Frisch betextete Klassiker der Weltmusik in Münchner Mundart, garniert mit alpenländischer Hüttenmusik und dem „Zwiefachen“ (eine Kombination aus Dreher und Walzer), bereicherten das globale musikalische Spektrum. Zwischen den einzelnen Stücken gab die im Stadtteil Ramersdorf geborene Sängerin, die im Sponti-Viertel Neuperlach sozialisiert wurde, biografische Splitter und Erklärungen zu den für Klezmer-Fans eher exotischen Musikstilen aus Bayern.

Zum Auftakt enttäuschte das Quartett mit einer ziemlich breiten, sonst aber nicht allzu eigenständigen Version von Hannes Waders „Schon so lang“ sämtliche Hörerwartungen, ehe Christian Dawids Klarinetten-Solo im besten Klezmer-Stil Schwung in die Folkballade aus den Siebzigern brachte und damit den strukturellen Bezug zur Stilrichtung herstellte.

Bassist Alex Haas gestaltete den nahtlosen Übergang zur Eigenkomposition „Is do wos“, Alpen-Klezmer pur mit einem Spritzer musikalischem Humor. Das lebensfrohe „Di Humpn mit Wein“ zeichnete im Instrumentalteil auch den Lebensweg des aus den Bürgerkriegswirren nach Argentinien geflüchteten litauischen Dichters Hirsch Blosteyn nach. Er musste später als Bewohner von Moskau im Zweiten Weltkrieg auch noch die Begleiterscheinungen der nächsten deutschen Invasion erdulden.

Zum Abschluss der Weltreise vom Klezmer in den Tango und zurück erdete sich das Trio mit Akkordeonist Ilja Schneyveys im Alpenvorland mit zünftiger Hüttenmusik. Ein ironischer Schlenker als Einstimmung auf den Zwiefachen, als bayrischen Mittelteil vor dem Nahost-Tango in Trio-Besetzung, der Andrea Pancur eine Verschnaufpause vor dem Finale gönnte, in dessen Verlauf die Sängerin erst das Publikum mit der Münchner Version eines alten Pessach-Liedes fesselte und anschließend aufmerksame Zuhörer in eifrige Mitsänger verwandelte.

„Aufam Markt in Obagiasing“, die oberbayrische Fassung von Angelo Branduardis „Alla fiera dell Est“, geriet zur bis dahin intensivsten Darbietung von Andrea Pancur, während die Handlung von Strophe zu Strophe immer ausführlicher und durch Wiederholung länger wird.

„Bella Ciao“ war der Sommerhit 2018, auch wenn die Wurzeln des Partisanenliedes aus dem Zweiten Weltkrieg deutlich älter sind, wie die Sängerin bei der Ansage der auch am Jiddischen Broadway populären Weise ausführte, die letztlich auf ein ligurisches Kinderlied zurückgehen soll. Beim allgegenwärtigen Schlager des endlosen Sommers sprang der Funke auf Anhieb über. Zuhörer, die zu Beginn des Konzerts doch etwas mit der ungewohnten Sprache und den alpenländischen Harmonien gefremdelt hatten, stimmten freudig ein.

 

      
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