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"Wir treten ein für Toleranz"

 
„Wir treten ein für Toleranz“
Setzt sich für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit ein: Karl-Heinz Stadtler ist Vorsitzender des Förderkreises der alten Vöhler Synagoge. Foto: renner
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Renner, Julia

VON JULIA RENNER

Vöhl - „Facetten des Rassismus“ hieß die erste große Veranstaltungsreihe, die der Förderkreis der Synagoge Vöhl jetzt auf die Beine gestellt hatte. Über Rassismus (im Alltag), bewegende Flüchtlingsschicksale und was jeder Einzelne von uns gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus unternehmen kann, darüber sprachen wir mit Karl-Heinz Stadtler, Vorsitzender des Förderkreises.

Herr Stadtler, in der Schule, im Fernsehen, in Zeitungen wird Rassismus immer wieder thematisiert. Warum fanden Sie es wichtig, es dennoch zum Gegenstand einer großen Veranstaltungsreihe zu machen?

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind so aktuell wie eh und je. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahres sahen wir im immer wieder Fernsehbilder von Demonstrationen der politischen Rechten gegen angebliche Überfremdung durch Menschen anderer Herkunft und Religion. Die Demonstrationen waren von Feindschaft und Hass geprägt. Da mehrere Vorstandsmitglieder in der Flüchtlingsbetreuung engagiert sind, hat uns das sehr aufgewühlt, zumal auch „unsere“ Flüchtlinge immer wieder Probleme bei der Anmietung von Zimmern hatten und haben. Eine unterschwellige Ablehnung von Menschen mit anderer Herkunft erfährt man immer wieder, auch bei uns in Dörfern. Oft geht es um Ablehnung des Fremden allgemein.

Hat Deutschland ein Rassismus-Problem?

Dies ist nicht nur ein deutsches Problem, obwohl es hier natürlich besonders virulent ist und obwohl wir aufgrund unserer Geschichte eine besondere Verantwortung haben. Auch in anderen Ländern gibt es Rassismus.

Während der Veranstaltungsreihe gab es Lesungen, Vorträge, Konzerte, Ausstellungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Gibt es eine zentrale Botschaft?

Das ist das Ziel, das wir uns als Verein immer setzen: Wir wollen eintreten für Toleranz, Offenheit und Demokratie. Das haben wir versucht, mit der Veranstaltungsreihe deutlich zu machen.

An einem Wochenende ging es vor allem um Asyl und Flüchtlinge. Einige berichteten von ihrer Flucht, der alten und neuen Heimat. Gibt es etwas, das Sie besonders bewegt hat?

Ich hatte schon vorher Kontakt aufgenommen zu einer jungen Syrerin. Vor allem ihre Fluchtgeschichte, mit welchen Gefahren sie verbunden war, der Weg übers Meer - das war schon sehr berührend. Oder ein Eritreer, der aus Äthiopien geflohen ist und den Weg über die Sahara und das Mittelmeer nahm. Er hat Schlimmes erlebt, war inhaftiert und wurde gefoltert. Er konnte gar nicht über alles sprechen.

Erst vor ein paar Tagen habe ich einen Afghanen zum Flughafen gebracht, der freiwillig ausreiste, nachdem er eine Gerichtsverhandlung hatte, die negativ für ihn ausging. Der Richter schrieb in das Urteil, dass er ihm seine Geschichte nicht glaube und das hat den jungen Afghanen schwer getroffen. Er wird nicht in seiner Heimatregion wohnen können, da die von Taliban beherrscht wird, die ihn mit dem Tode bedroht haben.

Sie selbst haben in der Reihe auch einen Vortrag gehalten, in dem es um die vergessenen Mordlager im Holocaust ging. Warum sind Belzec und Sobibor vergessene Mordlager?

Vergessen deshalb, weil sie lange Zeit unbekannt waren. Man kannte Auschwitz, wusste aber nichts von Sobibor und Belzec, vielleicht noch etwas von Treblinka. Von diesen Lagern haben wir erst nach 1990 erfahren, nach den Veränderungen in der Sowjetunion. Vorher hieß es immer, dass Menschen aus Nordhessen nach Osten deportiert wurden. Man wusste nicht, wohin.

Sie sind selbst auch dort gewesen und haben die Lager besucht.

Ja, wir haben mit dem Bildungswerk Stanislaw Hantz aus Kassel eine Bildungsreise dorthin gemacht. Heute sieht man von den Vernichtungslagern nur noch sehr wenig, es sind nur noch Gedenkstätten. In Sobibor und Treblinka gab es Aufstände und danach hat man diese beiden Lager dem Boden gleich gemacht und dort ukrainische Bauern angesiedelt. Als die Rote Armee kam, sollte nicht mehr zu sehen sein, was ursprünglich mal dort war.

Während die Veranstaltungsreihe lief, gab es den Anschlag auf die Synagoge in Halle, bei dem zwei Menschen starben. Wie haben Sie den Anschlag erlebt?

Ab dem kommenden Tag wurde unsere Synagoge 24 Stunden am Tag bewacht. Der Anschlag war an einem Mittwoch, und von Donnerstag bis zum folgenden Montag war die Polizei vor dem Haus. Anschließend waren Polizisten bei unseren Veranstaltungen vor Ort.

Der Anschlag hat uns animiert, relativ kurzfristig zu einer Lesung gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus einzuladen. 50 Frauen und Männer, darunter auch Repräsentanten der Kirche sowie Kreis- und Landespolitiker haben teilgenommen.

Hat dieser Anschlag Konsequenzen für die Arbeit des Förderkreises in Vöhl?

Wir fühlen uns in unserer Arbeit bestätigt. Es ist richtig und notwendig, was wir tun. Und wir werden es natürlich fortsetzen.

Was kann jeder Einzelne machen gegen Rassismus?

Jeder sollte immer dann, wenn er mit rassistischen oder fremdenfeindlichen Äußerungen konfrontiert wird, das nicht unwidersprochen lassen. Wir sollten deutlich machen, dass das nicht unsere Position ist.

 

      
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