Vöhl – Die Fenster der kleinen Synagoge in der Mittelgasse sind hell erleuchtet – in wechselnden Farben. Drinnen werden auf einer Leinwand nacheinander die Namen von 792 Juden gezeigt, mit Angaben zu ihrem Wohnort und dem Ort ihres Todes. Karl-Heinz Stadtler, 2. Vorsitzender des Förderkreises „Synagoge in Vöhl“, kennt ihre Lebens- und Familiengeschichten durch jahrzehntelange Recherchen sehr genau. Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erzählt er von Menschen aus Waldeck-Frankenberg, die in unterschiedliche Lager deportiert wurden. So entsteht aus der langen Namensliste eine anrührende, anschauliche Chronik des Erinnerns.

In einem kurzen Rückblick erinnerte der 1. Vorsitzende Philipp Wecker nicht nur an die Vergangenheit. Er mahnte zugleich, sich in der politischen Gegenwart nicht allein dem Antisemitismus von rechts entgegenzustellen, sondern sich auch gegen Stimmen aus der politischen Linken zu behaupten, die auf deutschen Straßen offen das Existenzrecht des Staates Israel in Frage stellten.

Ein Video mit dem Titel „Zerborstene Leben“ lenkte anschließend den Blick auf eine andere Facette der Schrecken des Nationalsozialismus. Die Produktion basiert auf einem Theaterstück der Theatergruppe der Lebenshilfe Korbach, das bereits bei der Korbacher Theaterwoche zu sehen war. „Wir wurden damals angesprochen, an einem Bundeswettbewerb teilzunehmen. Dafür mussten wir aus dem Theaterstück eine Videoproduktion machen“, erzählt Spielleiterin Sonja Schmitt-Zenker. „Wir konnten die Bühne hier in der Synagoge nutzen, denn auch aus Waldeck-Frankenberg wurden Menschen mit Einschränkungen in das Vernichtungslager Brandenburg gebracht.“

Durch die Kamera erlebten die Zuschauer ganz unmittelbar, wie die Schauspieler – mit diskreter Unterstützung von vier Begleitern ohne Behinderung – Gefühle wie Vertrauen, Angst, Mut, Verzweiflung, Flucht, Hoffnung, das Sich-Verstecken-Müssen oder Resignation in ausdrucksstarke Gesten und Tanz umsetzten.

Zum Schluss erinnerte Stadtler an ein weiteres Projekt: „Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen“. Schülerinnen und Schüler der achten und zehnten Klassen der Ederseeschule Herzhausen erarbeiteten unter professioneller Regie ein Theaterstück auf Grundlage von Biografien Vöhler Juden. Die Premiere wird am 28. Februar in der Synagoge gefeiert, eine zweite Aufführung folgt am 1. März.BARBARA LIESE