26.2.2026, „Schicksalsmelodie der Lottozahlen“

Donnerstag, 26. Februar 2026, Waldeckische Landeszeitung / Lokales

„Schicksalsmelodie der Lottozahlen“

„Glück“-licher Chansonabend mit Maria Thomaschke in der Vöhler Synagoge

Auf der Suche nach dem Glück: Chansonnière Maria Thomaschke trat mit dem Pianisten Nikolai Orloff in der ehemaligen Vöhler Synagoge auf. © Foto: Astrid Rau

Vöhl – Was ist Glück? Woher kommt es, warum geht es? Diesen Fragen ging am Samstagabend in der ehemaligen Synagoge Vöhl die Chansonnière Maria Thomaschke nach.

In ihrem Programm „Das Glück rennt hinterher“ stellte sie mit ihrem Begleiter am Klavier, Pianist Nikolai Orloff, neben bekannten Liedern (Kreisler, Jacques Brel, Piazolla) und Texten (Brecht, Kästner, Tucholsky) vor allem weniger Bekanntes vor, das aber ebenso hörenswert war. Zusätzlich baute Thomaschke etliche Definitionen von „Glück“ ein. Sie hatte dafür recherchiert und Freunde befragt, was sie darunter verstehen.

Dieser Chanson-Abend war maximal abwechslungsreich: nachdenklich, lustig, hintersinnig, wissenschaftlich, überraschend, ermutigend, melancholisch, philosophisch. Es war, als habe die Chansonnière ihr Publikum mit in ein Universum genommen, in dem die Himmelskörper die verschiedenen Aspekte von „Glück“ darstellen. Als Reiseleiterin brachte sie dabei ihrem Publikum mit ausdrucksstarker Stimme und großartigem Schauspiel all die Sehenswürdigkeiten dieser Glücks-Reise nahe. Fantastisch einfühlsam und stimmig war dabei die Begleitung von Pianist Nikolai Orloff, der auch als Sidekick fungierte.

Auf dieser Reise durchs Glücksuniversum ging es um die glückliche Beseeltheit eines Verliebten („Das Glück“) ebenso wie um den Frust einer Dame, die im „Kreuzworträtsel“ jedes Wort findet, aber partout keinen Mann. Oder um den ausgebrannten Großstädter, der von Landidylle träumt, aber dann feststellt, dass wirkliches Landleben eher unromantisch ist.

Wieder andere liefen dem Glück hinterher, sei es, indem sie auf den großen Lottogewinn („Schicksalsmelodie der Lottozahlen“) hoffen, sei es, dass sie sich in glückloser Selbstoptimierung („To do“) verlieren. Glück für junge Eltern: „Ein kleiner Mensch kommt, und er bleibt“, für die neunjährige Frieda: „Erdbeerkuchen bei Oma“. Laut Statistik lebten „in Kassel die glücklichsten Menschen“. Und im Duden ist Glück das „Ergebnis des Zusammentreffens besonders günstiger Umstände“, für die Wissenschaft hingegen eine Sache der richtigen Hormone. Glück, das wurde deutlich, ist höchst individuell, und es hängt auch ein bisschen von einem selbst ab, ob und wo man es findet.

Mit ihrem Programm haben Maria Thomaschke und Nikolai Orloff nicht nur reichlich Beifall erhalten. Einige Zuhörer waren so begeistert, dass sie nach dem Programm blieben, um sich mit den Künstlern angeregt weiter über das Thema auszutauschen.

ASTRID RAU