Vöhl – Seit neun Jahren melden sich Schüler der Alten Landesschule in Korbach und der Ederseeschule in Herzhausen, um als Landkulturboten in der Vöhler Synagoge einen ungewöhnlichen Ferienjob anzutreten. Fünf Schülerinnen und Schüler, die sich in diesem Jahr engagieren, stellten sich vor Beginn ihrer neuen Aufgabe im kleinen Kreis in der Synagoge vor. Die musikalische Begleitung übernahmen Sahra Küpfer und Polly Hoffmann.

Die neuen Landkulturboten sollen in den Sommerferien jeweils zu zweit zwei Wochen lang Besucher durch die einstige Synagoge führen. Sie erklären dabei die zahlreichen Gegenstände jüdischer Religion und Kultur, wie das Haus früher einmal aussah und die Räume genutzt wurden. Sie informieren über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Vöhl und über die Arbeit des Förderkreises.

„Die Landkulturboten sind ein Herzensprojekt des Förderkreises“, betonte Karl-Heinz Stadtler, der stellvertretender Vorsitzender des Förderkreises der Synagoge in Vöhl ist.

„Wir sind stolz auf unsere Jugendlichen und freuen uns, dass auch in diesem Jahr das Netzwerk für Toleranz Waldeck-Frankenberg dieses Projekt mit einem Antrag auf Fördermittel auf Bundes-, Landes- und Kreisebene wieder einmal befürwortet und genehmigt hat“, erklärte er.

Die Schülerinnen und Schüler würden im Vorfeld viele Informationen und Materialien erhalten, um die Fragen der Besucher beantworten zu können. „Wenn es dann aber losgeht, arbeiten sie selbstständig und eigenverantwortlich. Wir stehen nur als Ansprechpartner im Hintergrund“, sagte Stadtler.

Ein interessantes, spannendes Thema, die jüdische Religion besser kennenzulernen, neue Erfahrungen zu sammeln, etwas Neues zu probieren und vor allem den Besuchern ein umfassendes Bild der Synagoge und der jüdischen Geschichte Vöhls zu vermitteln, das sind ihre Ideen und Erwartungen der Landkulturboten für ihren besonderen Ferienjob. Dass der nach Mindestlohn bezahlt wird, scheint beinahe Nebensache.

Ein von den ehemaligen Landkulturboten Johanna Albrecht und Marius Putscher zusammengestellter Film zu dem Ablauf einer Führung, gab den neuen Landkulturboten praktische Tipps für ihre zukünftige Aufgabe.

Der Förderkreis hat mit Konrad Rennert zudem einen KI-Experten gewonnen, der die Schülerinnen und Schüler in den verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz einführen wird. Das ist sicher eine große Hilfe für die individuelle Präsentation, die die Landkulturboten zu einem selbst gewählten Thema vorbereiten und die sie nach den Sommerferien in der Synagoge öffentlich präsentieren.

„So entstehen neue Perspektiven auf unsere Region, gesehen mit den Augen der jungen Generation“, sagte Peter Göbel vom Vöhler Gemeindevorstand. Er unterstützt das Projekt „Landkulturboten“ von Anfang an und betonte: „Die Jugendlichen setzen sich mit der Geschichte ihrer Heimat auseinander, übernehmen Verantwortung, sammeln Erfahrungen im Umgang mit Menschen, und tragen dazu bei, kulturelles Erbe lebendig zu halten und gesellschaftliches Miteinander zu stärken. Dass sie dies ausgerechnet in unserer Synagoge tun, ist ein starkes Zeichen.“BARBARA LIESE