Vöhl – Beim 200. Konzert in der Vöhler Synagoge trafen „Tango Transit“ und Tilmann Höhn aufeinander – eine Formation, die zuvor noch nie gemeinsam aufgetreten war, aber spektakuläre Töne auf die Bühne zauberte. Ein musikalisches Erlebnis.

„Tango Transit“ allein ist schon der Hammer – in Kombination mit Tilmann Höhn, einem der besten Gitarristen des Landes, wird daraus der „Oberhammer“. Bereits beim 100. Konzert im Mai 2013 waren „Tango Transit" in der Synagoge zu Gast – damals wie heute ein Feuerwerk akustischer Musik. Im Mittelpunkt: ein herausragendes, akrobatisches Akkordeonspiel von Martin Wagner. Er entlockt dem Instrument Töne, die man so kaum erwartet – schon gar nicht von einem Akkordeon. Komplettiert wird das Trio durch Hanns Höhn (Bass) und Andreas Neubauer (Schlagzeug).

Tilmann Höhn erweist sich als Klangtüftler: Er wechselt laufend die Gitarren – manchmal mehrmals innerhalb eines Stücks – von der Akustik- zur E-Gitarre oder zur Konzertgitarre und wieder zurück. Ergänzend kommen verschiedene Klangkörper und elektronische Hilfsmittel zum Einsatz.

Die Stücke sind häufig im Tango angesiedelt, entwickeln sich jedoch weiter – Neues entsteht, die Grenzen zu anderen Stilrichtungen sind fließend. Der „Transit“ führt in Jazz, Blues bis hin zur Weltmusik – alles in einem unverwechselbaren Klangkosmos mit überraschenden Wendungen, artistisch und akrobatisch, zugleich aber von bemerkenswerter Leichtigkeit geprägt.

Der Konzertabend begann mit einem Akkordeon-Solo mit nahezu unfassbaren Tonfolgen, bevor Bass und Schlagzeug einsetzten. Anschließend gesellte sich Tilmann Höhn zum Trio und bereicherte die ohnehin faszinierenden Stücke mit Gitarrenklängen – meist aus eigener Feder und mit viel Raum für Improvisation. Viel Probenzeit habe es im Vorfeld nicht gegeben, doch alle vier Musiker sind Meister der Improvisation.

„The Postman“ erinnerte an Zeiten reger analoger Post, „The Curtain“ an einen verregneten Tag. „Night in Egypt“ zauberte orientalische Klänge in den Raum. Immer wieder übernahm das Akkordeon die Führung. In „Under African Skies“ simulierten E-Gitarre und Schlagzeug die Geräusche einer afrikanischen Nacht. Solostücke auf der Konzertgitarre oder harmonische, tango-inspirierte Klangbilder mit Anklängen an die USA ergänzten das abwechslungsreiche Programm. Trotz hochsommerlicher Hitze hatten die Musiker sichtlich Freude am Spiel – und das Publikum ebenso.HANS PETER OSTERHOLD