Freitag, 03. Juli 2026, Waldeckische Landeszeitung / Lokales
Kunst aus Sternenbrettern
Ausstellung wird am 5. Juli in Vöhler Synagoge eröffnet

Vöhl – Die Ausstellung „Shtil, di Nacht iz oysgeshternt – Kunst aus Sternenbrettern“ wird am kommenden Sonntag, 5. Juli, um 15 Uhr in der ehemaligen Vöhler Synagoge eröffnet. Bis zum 9. August kann sie von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 15 bis 18 Uhr besucht werden.
Bei der Renovierung des Sakralraums der ehemaligen Synagoge wurde in den ersten 2000er Jahren festgestellt, dass 18 der Bretter aus der Kuppel wurmstichig waren.
Sie wurden herausgenommen, wieder haltbar gemacht und Menschen gegeben, die daraus Kunstwerke herstellten. Die Ergebnisse ihrer Arbeit werden nun ausgestellt. Das teilte Karl-Heinz Stadtler vom Förderkreis Synagoge in Vöhl in der Ankündigung mit.
Viele der Künstlerinnen und Künstler wohnten oder wohnen in Neuseeland, Indien, Israel, Togo,und Surinam. Andere kommen aus Deutschland. Einige von ihnen sind inzwischen gestorben.
Zu sehen sind in der Ausstellung zahlreiche sehr unterschiedliche Werke, wie einige Beispiele zeigen.
Der Inder K.V. Balakrishnen hat sein Brett in eine Tapisserie eingearbeitet, die die Symbolwelt dreier miteinander verbundener Religionen – Judentum, Christentum und Hinduismus – in einer eigenen künstlerischen Bildsprache zusammenzuführen versucht.
Thomas Emde, aus unserer Region stammend, ist Farbkünstler. Farbe wird hier nicht nur als Mittel zur Bildgestaltung eingesetzt, sondern selbst zum eigenständigen Material.
Vered Kaminski aus Jerusalem ist eine der bedeutendsten Schmuckdesignerinnen Israels. Ein zentrales Thema Ihrer Arbeit ist das Zerlegen und Neuzusammensetzen von Materialien und Strukturen. Dies hat sie auch bei dem Brett aus der Synagogenkuppel realisiert.
„Und die Nacht war dunkel und erhellte die Nacht“ – so lautet der Titel der Arbeit von Miguel Rothschild, einem aus Argentinien stammenden, aber in Berlin lebenden Enkel eines Vöhler Juden.
Reta Reinl gab ihrem Werk den Titel „Kleines großes Zelt, schimmernd“. Es besteht aus gerissenen Papiersternen, zwischen denen gelbe und schwarze Pigmente schimmern.
Wolfgang Niedeckens „Drei Nägel und ein Stück vom Himmel“ ist eine Arbeit, die Erinnern und Hoffen miteinander verbindet.
Der aus Neuseeland stammende Hafiz Parker und seine deutsche Frau Ulrike schufen gemeinsam die Arbeit „From Another Planet (Von einem anderen Stern)“, in der das historische Sternenbrett in eine farbintensive Bildwelt integriert wird.
Die Vernissage am Sonntagnachmittag wird von Sahra Küpfer und Polly Hoffmann musikalisch umrahmt, unter anderem mit dem Namensgeber der Ausstellung, einem Partisanenlied aus dem Ghetto von Wilna in Litauen aus dem Jahr 1942, das eine Frau feiert, die einen Nazi-Konvoi überfallen hat. Einige der regionalen Künstlerinnen und Künstler werden anwesend sein. Der Förderkreis lädt zu Gesprächen über die Kunstwerke ein.RED