Donnerstag, 17. September 2026, Waldeckische Landeszeitung / Lokales
Musikalische Zeitreise begeistert
Dresdner Salondamen überzeugen in der Vöhler Synagoge mit Chansons und Filmhits

Vöhl – „Irgendwo auf der Welt“: Unter diesem Motto spielten die Dresdner Salondamen am vergangenen Samstag in der Vöhler Synagoge auf ihrer Partitur der weiblichen Seele mit Schlagern, Chansons und Filmhits aus den Zwanzigern, Dreißigern und Vierzigern.
Zum Auftakt des Konzerts erklang die Titelmelodie, eröffnet durch schwermütige Moll-Akkorde, die Silke Krause anschlug. Auf das Konto der Pianistin gingen auch die feinsinnigen Arrangements, mit denen das Quintett die Zuhörer auf Anhieb in seinen Bann zog. Karolina Petkova gestaltete die erste Strophe von „Irgendwann“ als Solistin mit sparsamster Begleitung. Von Strophe zu Strophe gesellte sich stufenweise Zuwachs bei vokaler und instrumentaler Begleitung hinzu, bis sich sämtliche Klangregister entfaltet hatten.
Auf die nuancierte Schwermut der Eröffnung folgte mit dem Medley „Reise ins Glück“ ein virtuoser Melodien-Cocktail, der mit einer kräftigen Prise Ironie gewürzt war und mit Charleston (Ain’t She Sweet) als Streich-Trio mit Pianobegleitung eröffnet wurde. Danach übernahm Franziska Graefe bei „Mein kleiner grüner Kaktus“ die vokale Führungsrolle. Bei jedem Einsatz zu „Hollari, Hollari, Hollaro“ gingen die frei stehenden Damen auf ihre Zehenspitzen.
Mit „Ich bin die fesche Lola“, „Heinrich, wo greifst du denn hin?, „Was macht der Maier“, „Ein Freund, ein guter Freund“ und „Wenn die Elisabeth…“ gaben sich allerlei Favoriten schon früh die Ehre. Cécile Pfeiff und Beate Hoffmann setzten Solo-Akzente am Saxofon und Bass.
Im Verlauf des Programms gab Carolina Petkova so allerlei Anekdoten aus 29 Jahren zum Besten, etwa wie sie bei der Gründung als Diva angeheuert worden war, um später festzustellen, dass es sich bei den Salondamen tatsächlich um ein Diven-Konsortium handelte. Gleichbedeutend mit Führungsrollen am Mikro für vier Mitglieder.
Hatte ein Hauch von Tango schon kurz durch die Eröffnung geweht, so bestimmte der Rhythmus vom Rio de la Plata bei „Unter den Pinien von Argentinien“ das Tempo, während Cécile Pfeiffs samtener Alt von der Leidenschaft auf der Südhalbkugel erzählte. Mit dem unvermeidlichen Augenzwinkern, natürlich.
Nicht jeder Klassiker wurde wortwörtlich wiedergegeben, etliche Texte wurden der jeweiligen Diva auf den Leib geschrieben und boten, im Anschluss Anlass zu Frotzeleien. So war Franziska Graefe „Von Kopf bis Fuß auf Günther“ eingestellt und musste sich von den Kolleginnen später anhören, dass sie einfach keinen anderen männlichen Maßstab kennen würde. Cellistin und Bassistin Beate Hoffmann brach dagegen mit dem tiefsten Timbre im Quintett die „Herzen der stolzesten Herren“.
Das Publikum, samt und sonders Wiederholungstäter, die gern das von der Kulturstiftung der Sparkassen ermöglichte Angebot angenommen hatten, ging gern auf jede Aufforderung zum Mitmachen ein. „Drum lächle – smile“ mit eigenem Text zu Charlie Chaplins Klassiker beendete das offizielle Programm. Zuvor gab Karolina Petkova den Zuhörern die Botschaft auf den Weg, auch in vermeintlich düsteren Zeiten, stets das Positive im Blick zu behalten.ARMIN HENNIG