20.10.2026, Musikalische Reise beeindruckt

 
Hommage an den Veranstaltungsort: Das Trio Santiago hat dem Publikum bei seinem Konzert in der Vöhler Synagoge ein abwechslungsreiches Programm von höfischer Musik bis zu Tangoklängen präsentiert.
© Foto: Armin Hennig

Musikalische Reise beeindruckt

Trio Santiago hat bei Konzert in der Vöhler Synagoge seine Klasse bewiesen
 
 

Vöhl – Musikalische Reise um das Mittelmeer und über den großen Teich: Beim geografischen Profil blieb sich das Trio Santiago treu. Ausgangspunkt war am vergangenen Samstag beim 202. Konzert in der Vöhler Synagoge Spanien, das Königreich, in dem die Sonne einst niemals unterging.

Zum Auftakt erklang höfische Musik aus dieser Ära. Bei der Renaissance-Suite „Recercadas“ gab ein Gitarrenakkord von Johannes Treml den Einsatz für Boginja Katharina Fendels Flöte, die eine getragene Melodie anstimmte, während Khaless Faleh an der Laute erst einmal Rhythmusarbeit leistete.

Beim abschließenden Accelerando ließ das Trio erstmals seine Klasse aufblitzen. Eine veränderte Rollenverteilung gab es dagegen bei der barocken Suite in D-Dur, die sich als ausführliches Duett zwischen Laute und Gitarre entwickelte, ehe sich die Flöte spät mit dem melodischeren zweiten Thema zu Wort meldete.

Die Trilogie „Los Biblicos/Adio querida/A la una“ hatte zwar ein dunkles Kapitel als historischen Hintergrund, wurde trotzdem zur wohlklingenden Hommage an den Veranstaltungsort, denn sie gestaltete die Adaption der nach der Reconquista vertriebenen sephardischen Juden an die musikalischen Stile/Traditionen der neuen Heimat: sardische und italienische Einflüsse oder Balkanrhythmen.

Beim Auftakt ließ Katharina Fendel viel, viel Heimweh mit ihrer Bassquerflöte anklingen, deren samtiger Klang auch das Abschiedslied an die Geliebte bestimmte, ehe Laute und Gitarre beim Finale ein rhythmisches Feuerwerk abbrannten, auf dessen Basis die reguläre Querflöte in höchsten Tönen jubilierte.

Die mit Tangomotiven gestalteten Wolkenbilder „Nubes des Buenos Aires“, deren finaler Höhepunkt die Zusammenballung und Entladung eines Gewitters bildet, gehörten schon beim letzten Auftritt des Trios in Vöhl zum Repertoire.

Gerade bei der jüngsten Interpretation des in Töne gesetzten Naturschauspiels wie bei Johannes Tremls musikalischer Visitenkarte „La Perla“ wurde in zahlreichen Details wie bei der Intensität deutlich, dass es beim Trio Santiago auch bei der Arbeit mit vertrautem Material keinen Stillstand bei den Musikern und stets frische Anreize für die Zuhörer gibt.

Nach der Pause gingen die drei Musiker noch mit höherer Intensität zu Werke. „Hija mia/Cantiga de fuego“ und „Ravendance“ erwiesen sich als rhythmisch-komplexe melodische Feuerwerke. Absolute Höchstspannung baute das anfangs langsamste Stück im Programm auf.

„Caravan to Marakesh“ war die musikalische Umsetzung einer Reise, die auf Kamelen in einem tunesischen Dorf begann und mit dem legendären Zug fortgesetzt wurde. Khaless Faleh, der sein Kindheitserlebnis in Töne gesetzt hatte, eröffnete den Zuckeltrab mit einzeln gezupften Akkorden.

Johannes Treml nahm das karge Thema auf, während sein Kollege mit der schnelleren Variante beschleunigte, der Flötenhauch nicht mehr als eine Ahnung, der Wechsel auf das schnellere Verkehrsmittel dagegen auf Anhieb ebenso klar nachvollziehbar wie das finale Diminuendo/Decrescendo die Schritte vom Bahnsteig nachzeichnete.

Die Beschreibung des Wasserfalls „Ouzud“ erwies sich als ähnlich eindrucksvolle Klangmalerei. Denn Laute und Gitarre wirbelten eifrig und während sich ihre Motive miteinander verschmolzen, fielen die Flötentöne sanft ins rhythmische Gemenge. Das Konzert endete mit zwei Zugaben.