Die letzten jüdischen Bewohner, Hermann und Minna Mildenberg; Frühjahr 1936
Das einzige erhaltene Bild vom Innenraum der Synagoge; Anfang der 30er Jahre
Foto: Ernst Davidsohn (1921-95) Schenkung von C. Baird (Nachfahrin der Vöhler Familie Frankenthal)
Detail aus dem Foto: der Thoraschrein; Anfang der 30er Jahre Foto: Ernst Davidsohn
Detail aus dem Foto: Dach des Thoraschreins; Anfang der 30er Jahre Foto: Ernst Davidson
Detail aus dem Foto: linkes Geländer; Anfang der 30er Jahre Foto: Ernst Davidsohn
Detail aus dem Foto: rechtes Geländer; Anfang der 30er Jahre Foto: Ernst Davidsohn
Detail aus dem Foto: Wandlampe; Anfang der 30er Jahre Foto: Ernst Davidsohn
Detail aus dem Foto: einer der zwei kleinen Leuchter; Anfang der 30er Jahre Foto: Ernst Davidsohn
Huldigungstafel an Ludwig I, Großherzog von Hessen-Darmstadt, 1806-30. Aufgestellt in der Synagoge , Pergament in deutscher und hebräischer Schrift. Historische Aufnahme aus dem Besitz der ehemaligen Vöhler Familie Frankenthal, 30-er Jahre. Foto: Ernst Davidsohn
In Kassel ausgebombt und 1944/45 im Synagogengebäude unterbracht.
In Kassel ausgebombt und 1944/45 im Synagogengebäude unterbracht.
1949 im Garten hinter der Synagoge; Foto: Sammlung Klaus Flämig
Synagoge in den 60-er Jahren
in April 1961 im Garten hinter der Synagoge; Foto: Sammlung Christel Schiller
in April 1961 im Garten hinter der Synagoge; Foto: Sammlung Christel Schiller
Besamimbüchse; 9,7x4cm, Messing versilbert, Schenkung von Frau Schöneweiß, Vöhl-Obernburg
Gewürzei mit Gewinde zur Aufbewahrung der Gewürze; Corozo Holz aus der Frucht der Elfenbeinpalme; Schenkung von Frau Anna Evers, Vöhl, 7x4,5cm, Fotos: Karl-Heinz Stadtler
Die Besaminbüchse ist für wohlriechende Gewürze (hebr. Bessomin) bestimmt, über die während der Sabbatausgangszeremonie ein Segensspruch gesprochen wird. Der Betende zieht den Wohlgeruch der Gewürze ein, als wolle er sich vor dem Scheiden des Sabbats noch einmal an seiner Weihe erquicken und erfreuen.

Fotos: Berthold Herberz
Hand mit Schlitz, vermutlich für Münzen oder Wachsfänger. Ansicht von vorne und von hinten. Bei der Renovierung des Betsaals der Synagoge wurde diese Hand unter einer Bodenplatte gefunden. Weichholz, Wachs, Reste einer Bemalung, 2 Schraublöcher von hinten, 14x6,5x2,5cm.
Gußeisen, Blech, Kerzenwachs, weiße Farbreste. Fund bei der Renovierung. Zur Beleuchtung oder zu rituellen Zwecken genutzt. 20 x 10cm Foto: Berthold Herberz
Neben der Geniza sind in der Synagoge Vöhl weitere Bücher aus Zeit der Jüdischen Gemeinden in Landkreis Waldeck-Frankneberg erhalten.
Fünf Bücher Moses in "Taschenbuch-Format". Ohne Einband und Titelblatt. Hebräisch, 12x8x3cm. Schenkung aus Korbach
Gebetbuch (Machsor) zu Rosch ha-Schana, Neues Jahr, ohne Einband und Titelblatt. Hebräisch. 21x14x3cm. Schenkung aus Korbach
Das Gebetbuch zu Rosch ha-Schana und das "Taschenbuch" der 5 Bücher Moses sind eine Spende von S. Aramanovich aus Korbach.
Fotos: Berthold Herberz
Eine Erklärung der beiden Schriften Thora und Machsor findet sich im Artikel Geniza auf dieser Website.
Alle Angaben sind mit der freundlichen Unterstützung von Herrn Beni Pollak, Lehrer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen erstellt.
Weitere Bücher aus dem Judentum im Museum:
Geschenk eines Besuchers der Synagoge, Messing, 22x18x4cm
Chanukkia aus Schwalefeld, Gemeinde Willingen, Messing, 23x22x12cm
Chanukkia als Öllampe aus einem Frankenberger Haushalt, Messing, 21x14x5cm
Chanukkia für die Reise, Eisenblech, vermessingt, 25x7,5x4,5cm. Schenkung von Frau Schöneweiß, Vöhl-Obernburg Fotos: Karl-Heinz Stadtler
Chanukka (Einweihung) ist das Fest zur Erinnerung an die erneute Besitznahme und Weihe des Tempels zu Jerusalem am Jahre 165 v.Chr., also ein Freudenfest aus historischem Anlass. Zur Erinnerung an ein Lichtwunder in diesem Zusammenhang pflegt man an den acht Tagen des Festes jeweils ein Licht mehr zu entzünden, bis am letzten Tage acht Lichter brennen. Der neunte Kerzenhalter — häufig abnehmbar wird - als ,,Diener“ (Schamasch) zum Anzünden der Kerzen genutzt.
Der siebenarmige Leuchter. Hergestellt im Jahre 2004 von Heinrich Figge, Höringhausen nach dem Entwurf von Frau Dr. h.c. Thea Altaras. Der ursprüngliche Leuchter wurde 1974 nach Kassel verkauft. © Kurt-Willi Julius
© Kurt-Willi Julius
Entwurf des "Kronleuchter" von Frau Dr. h.c. Thea Altaras (+ 28.09.2004)
Der Entwurf des "Kronleuchter" von Frau Dr. h.c. Thea Altaras (+ 28.09.2004)
Hartholz, 96x61x7cm, Blei


Fotos: Berthold Herberz
Laut Rechnung sind die beiden Setzkästen 1930 gekauft worden. Dr. Helge-Ulrike Hyams aus Marburg hat sie aus dem Besitz des Marburger Druckerei-Unternehmers Hermann Bauer erhalten. Sie schenkte diese dem Förderverein im Jahre 2009.
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Das biblische Buch Esther als Rolle (hebr. "Megilla"), zum gottesdienstlichen Gebrauch. Die Esterrolle wird jährlich am Purimfest verlesen. Sie berichtet von der Bedrohung der Juden im babylonischen Exil durch den Judenfeind Haman und die Rettung durch die mutige und kluge Königin Ester. Purim ist ein fröhliches Fest, ähnlich wie Karneval.
Holz, Papier, 37x7,5cm. Schenkung von Frau Schöneweiß aus Vöhl-Obernburg.
Foto: Kurt-Willi Julius
Die ursprüngliche Farbfassung des Sternenhimmels ist dunkelblau und wurde nicht wieder hergestellt.
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Farbschichten und Ornamentband im Nebenraum der Synagoge im 1. Obergeschoss.
Brüstung der Empore; die erste Fassung ist dunkelgrau. Foto: Berthold Herberz
Seitlicher Gefacherahmen an der Emporen-Brüstung. Foto: Berthold Herberz
Unterzug der Empore. Foto: Berthold Herberz
Die ursprüngliche Farbfassung von 1829 in dunkelgrau wurde nicht wieder hergestellt. Eine hellere Farbfassung wurde gewählt.
Foto: Kurt-Willi Julius
Die Empore im Jahre 2006 kurz nach der abgeschlossenen Renovierung. Sie war den Frauen der Gemeinde vorbehalten. Hier in Vöhl schloss die Empore bis zum Thoraschrein auf. Da Frauen sich nicht in der direkten Nähe der Thora aufhalten durften, saßen - nach Auskunft ehemaliger Gemeindemitglieder - in diesen beiden Enden der Empore die Jungen, welche kurz vor der Bar-Mizwa standen.
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Ein Teil des Sichtschutzes für die Frauenempore im Betsaal mit ursprünglicher Farbfassung. Der Raum war in den ersten Jahrzehnten nach der Einweihung der Synagoge erheblich dunkler angestrichen. Wie hier an einem Pfeiler zu sehen ist, waren zur Erbauungszeit die Pfeiler der Empore ohne Verkleidung. Diese wurde später hinzugefügt.
Foto: Kurt-Willi Julius
Auf der Empore sind die Sitzplatznummern für die Plätze noch vorhanden.
Foto: Berthold Herberz
Eine Geniza, Genisa (Lager, Depot, Speicher) dient zur Aufbewahrung verbrauchter jüdischer liturgischer Schriften. In der Vöhler Synagoge wurde der Dachboden dafür benutzt. Hier wurden Texte, die man nicht mehr benutzte, verschlossen abgelegt. Sie dürfen nicht einfach weggeworfen werden. Im Jahre 1999 wurde die Genisa von Jürgen Evers gefunden.
Fast alle Text sind Druckschriften in hebräischer Schrift - teilweise durch deutsche Übersetzung ergänzt. Drei Gebetbücher, eine Ausgabe der Thora (5 Bücher Moses), eine Predigt-Sammlung und ein Gebetbuch zu Pessach sind noch zu erkennen. Eine Schrift - die Thora - ist in Jiddisch verfasst, geschrieben mit hebräischen Buchstaben. Ein Blatt ist in Deutsch: es war Teil eines Schulbuchs.
Die Leserichtung der hebräischen Schrift ist von rechts nach links; die Schreibrichtung ist ebenso von rechts nach links. Und auch die Bücher sind für unsere Auffassung von Hinten aufzuschlagen. Dies gilt auch für die zweisprachigen Ausgaben in Hebräisch/Deutsch.
Neben den beschriebenen Büchern oder Buchfragmenten besteht ein Großteil der Genisa aus Gebetbuchseiten, lose verbunden oder einzeln und nicht mehr zuzuordnen.
Ein Siddur wird im Alltag und an Schabbat benutzt. Er enthält Gebete und Segenssprüche.
Siddur, Gebetbuch mit vollständigen Einband. Titelblatt verloren. Hebräisch. 18x11x2cm. Name des Eigentümers im vorderen Deckel nicht lesbar. Der hintere Deckel (siehe Foto) trägt vermutlich Namen naher Angehöriger, um diese im Gebet zu nennen.
Siddur, Gebetbuch nur mit vorderen Deckel. Der Eigentümer war Sigmund Lazarus aus Vöhl. Hebräisch. 18x11x1,5cm. Verlag Lehrberger, 1881, Rödelheim.
Siddur, Gebetbuch ohne Einband und Frontblatt. 20x12x2cm. Hebräisch - Deutsch.
Ein Machsor, ist eines der Gebetbücher zu jüdischen Festen.
Gebetbuch (Machsor) zu Pessach. Ohne Einband und Titelblatt, Hebräisch. 16x18x?cm.


Als Vergleich 5 gut erhaltene Machsorim. Eine komplette Ausgabe hat 9 Bände. Hier in Hebräisch - Deutsch. 1892 und 1898, Lehrberger, Frankfurt. 20x13x2cm. Die Funde aus der Vöhler Genisa haben ursprünglich so ausgesehen. Diese fünf Bücher sind ein Geschenk der Jüdischen Gemeinde Marburg.
Führender Verlag zu dieser Zeit war die Firma Lehrberger - Verlag und Druckerei in Rödelheim, Frankfurt am Main. Nachdem zunächst der Verlag Dr. Felix Kauffmann – Hebrew Publishing Co., in New York das Programm übernommen hatte, wurde der Nachfolger der Verlag Victor Goldschmidt in Basel, wo die Gebetbücher unter dem Schlagwort "Rödelheimer Ausgabe" heute noch erhältlich sind.
Der Machsor aus der Genisa gehört wohl nicht zu den "Rödelheimer Ausgaben". Sie hat ein anderes Format.
Im Jüdischen ist es die Thora, die aus fünf Büchern besteht. Die Bezeichnung "5 Bücher Moses" geschieht aus christlicher Sicht.



Die Thora (Fünf Bücher Moses) in Jiddischer Sprache in hebräischer Schrift. Einband und Titelblatt fehlen. 20x17x5cm. Das Buch ist mit mehreren Holzschnitten bebildert.
Die Jiddisch Sprache ist fast tausend Jahre alt und wurde und wird von Juden in weiten Teilen Europas gesprochen und geschrieben. Sie ist eine aus dem Mittelhochdeutschen hervorgegangene Sprache. Die jiddische Sprache hat sich im Mittelalter zunächst im Zuge der Ostsiedlung, später auch infolge der durch Verfolgung bedingten Migration der Juden vom deutschsprachigen Gebiet aus in Europa verbreitet, besonders nach Osteuropa. In Folge des 1. Weltkriegs wurden viele Juden aus Polen vertrieben und kamen nach Deutschland. Die meisten dieser Personen sprachen Jiddisch.
"מטה אהרן Der Aharonsstab. Hauspostille für jüdische Familien", Prag, 1861. Deutsch. Fehlt der Einband? Links gebunden. 23x15x?cm.
Das Heft enthält „homiletische [die Predigtlehre betreffende] Betrachtungen HAFTORAH zu den fünf Büchern Mosis“. Es sind Materialien zu Predigten und Exhorten (Ermahnungen) für angehende Rabbiner und Prediger zu den fünf Büchern Moses also der Thora. Die Haftara (Haftorah) ist die öffentliche Lesung aus den Prophetenbüchern.
Vom Autor Adolf Ehrentheil sind heute noch Nachdrucke anderer Schriften (z.B. Karmel, Myrthenzweige: Trauungs-Reden) erhältlich.
Einzelnes Blatt eines deutschen Schulbuchs. Die Aufgaben für die Schüler/innen sind in kleinerer Schrift. 18x12cm
Fotos: Berthold Herberz
Alle Angaben sind mit der freundlichen Unterstützung von Herrn Beni Pollak, Lehrer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen erstellt.
Weitere Bücher aus dem Judentum im Museum:
Bücherfunde ausserhalb der Genisa
Pessach-Buch
Siddur
Tanach
Zohar
Der Gebetsraum ist mit einem Klostergewölbe ausgestattet, was von außen nicht ersichtlich ist. Seine vier Seiten sind Ausschnitte aus einem Tonnengwölbe. Foto: © Kurt-Willi Julius;

Der Sternenhimmel der Synagoge mit dem Mond in der Mitte ist weitgehend original erhalten. Einige Bretter sind ausgewechselt. Aufbau ähnlich dem des Klostergewölbes aber mit zusätzlicher Mittelstrebe. Siehe den Beitrag: Bilder der Renovierung 2003. Die schadhaften Bretter dienten als Grundlage für Kunstwerke. Siehe den Beitrag: Kunst-Ausstellung Sternenbretter, 2005 und 2007 Foto: © Kurt-Willi Julius
Die Sterne waren teilweise aufgeklebt und sind später wieder übermalt worden. Foto: © Kurt-Willi Julius
Gewölbekonstruktion im Dachboden mit Aufhängung vor dem Auflegen von Isoliermaterial. Siehe den Beitrag: Bilder der Renovierung 2003 Foto: © Kurt-Willi Julius
Foto: Kurt-Willi Julius
Ein Stein mit Inschrift: "Zur Ehre Gottes und würdigen andenken" im Sockel der Synagoge.
Wahrscheinlich wurde zur Erbauungszeit 1828/29 gesetzt. Hier nach der Restaurierung 2002 mit neuer Farbfassung. Kalkstein, 37x37x30cm.
Foto: Noah Sach, Paraffin, sechs Dochte, 28cm
Eine Havdallah-Kerze ist eine spezielle Kerze, die im Judentum verwendet wird, um das Ende des Sabbats zu markieren und den Übergang von der heiligen Zeit des Sabbats in die neue Woche zu kennzeichnen. Die Kerze hat normalerweise mehrere Dochte, die zu einem Ende zusammengeführt sind. Sie wird während eines besonderen Rituals namens "Havdallah" angezündet, das am Samstagabend nach Einbruch der Dunkelheit stattfindet.
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Zwei hessische Löwen halten die Plakette mit der Inschrift "Ludwig" in hebräischer Schrift.
Zur Einweihung der Synagoge regierte Ludwig I. , Großherzog von Hessen-Darmstadt.
Dieses Wandgemälde wurde bei der Renovierung freigelegt.
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Druck, Replikat der Huldigungstafel im Betsaal, gestiftet von Jürgen Evers, Rahmen 60x50cm. Im Original Pergament mit deutscher und hebräischer Schrift.
Foto von Ernst Davidsohn (1921-95), Schenkung von Carol Baird (USA), Nachfahrin der Vöhler Familie Frankenthal
Historische Aufnahme aus dem Besitz der ehemaligen Vöhler Familie Frankenthal
Abschrift von Ernst Davidsohn (1921-95) Foto: Schenkung von Carol Baird (USA), Nachfahrin der Vöhler Familie Frankenthal
In der Synagoge wurde eine bereits 1808 fertiggestellte pergamentene Votivtafel zu Ehren Ludwigs I. (Regierungszeit, 1806-30), des ersten Großherzogs von Hessen, angebracht. In hebräischer und deutscher Sprache stand dort:
„Im Jahre 5568 (= 1808)
1829
Der Sieg verleiht den Königen Herrschaft, den Gesalbten. Er, der David seinen Knecht vom mörderischen Schwerdt gerettet. Er, der im Meer einen Weg, im starken Wasser eine Bahn macht, der segne, behüte, beschirme, unterstütze, erhebe, vergrößere und bringe hervor unsern Herrn Ludewig, Großherzog von Hessen und vermehre seine Herrlichkeit. Der König aller Könige erhalte mit seiner Allbarmherzigkeit sein Leben, behüte ihn vor jedem Unfall, vor jeder Trauer und vor jedem Schaden und sei sein Schutz. Lasse fremde Völker sich unter ihm beugen, seine Feinde vor ihm fallen und ihn bey allen seinen Unternehmungen glücklich sein. Der König aller Könige neige durch seine Allbarmherzigkeit sein Herz und das Herz aller seiner Räthe zur milden Regierung, daß er uns und das ganze Israel mit Wohlwollen beherrsche, daß in seinen und unsern Tagen Juda gerettet werde und Israel ruhig wohne. O, daß nach Zion der Erlöser komme, sei des Ewigen wohlgefälliger Wille und laß uns darauf sagen: Amen."
Übrigens erlebte der Förderkreis im Zusammenhang mit dieser Tafel eine angenehme Überraschung. Jürgen Evers hatte diesen Text unter den Aufzeichnungen des Vöhler Heimatforschers Walter Kloppenburg gefunden, ergänzt um eine Beschreibung der Tafel, aus der hervorging, dass sie auch eine hebräische Version enthielt. Evers bemühte sich nun um einen Übersetzer, und die Angelegenheit zog sich über einen langen Zeitraum hin, ohne dass eine hebräische Version entstand. Carol Baird, eine in Kalifornien lebende Nachfahrin der Vöhler Familie Frankenthal, schickte uns dann außer einem Foto von der Tafel auch die Kopie einer Abschrift, die ihr Vater Ernst Davidsohn Anfang der 30er Jahre von eben dieser Tafel gemacht hatte. Und so ist der Förderkreis ganz unerwartet in den Besitz dieses Textes gelangt. Dr. Thea Altaras ließ dann in Israel von einem Fachmann den Druck anfertigen, den wir heute in unserem kleinen Museum zeigen können.
Unter den Bildern aus Amerika war auch die schon mehrmals erwähnte bisher einzige Fotografie vom Inneren der Synagoge aus der Zeit vor 1938, die – fachkundig aufbereitet – einen guten Einblick in das Aussehen des Sakralraumes gewährt. Darauf erkennen wir (und finden dies durch einen Brief des Bezirkskonservators aus dem Jahr 1929 bestätigt), dass diese Tafel an einem Stativ hing und neben dem Thoraschrein (zur Straßenseite hin) stand. Den künstlerischen Wert der Tafel schätzte der Konservator gering ein, meinte aber, sie füge sich "vorzüglich in den einheitlichen Raum ein" und solle deshalb auf Leinwand aufgezogen werden.
Foto: Berthold Herberz
Nach 1938 wurde die Synagoge als Baustofflager benutzt. Der Text an einem Pfeiler für die Empore gibt vermutlicherweise die Bestellung eines Kunden wieder: "3 Sack Kalk 4 Sack Zement". Bleistift in Sütterlin-Schrift.
Foto: Berthold Herberz
Geschmiedeter Nagel; Wohl zum Aufhängen von Waren während der Nutzung als Baustofflager.
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Foto: Ulrich Müller zum Holocaustgedenktag 2021
Foto: Ulrich Müller zum Holocaustgedenktag 2021
Stahl, Zinn, 177x110x110cm. Das Kunstwerk von Eva Reneé Nele, hat die Künstlerin dem Förderverein als Leihgabe zur Verfügung gestellt.
Auf einer vierbeinigen ca. 1,80m hohen Stahlkonstruktion laufen Menschen ins Verderben. Dies geschieht aufrecht, was der Titel des Kunstwerks mitteilt.
Die Installation wurde im Jahre 2009 zum 10-jährigen Jubiläum des Förderkreises am 8. November 2009 aufgestellt.
Das Kunstwerk steht im ersten Obergeschoss der Synagoge.
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Der Jad wird als Zeigestab beim Lesen der Thora benutzt. Meistens hat er die Form einer kleinen Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger. Dieser Jad hat eine andere Form - ein marokkanischer Jad - und lässt sich durch seine Beschriftung als Thorazeiger einordnen.
Messing versilbert, 21x2cm, Schenkung von Frau Schöneweiß, Vöhl-Obernburg
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Die Beschriftung ist in hebräisch und lautet ins Deutsche übersetzt von oben nach unten:



Foto: Kurt-Willi Julius
Ausschnitt eines Fotos vom Grabstein des Bendix Külsheimer auf dem jüdischen Friedhof Vöhl.
Übersetzung der Inschrift:
Hier liegt begraben Pinchas, der Sohn Samuels.
Er verschied am 7. Nissan 670.
Seine Seele möge eingebunden sein in das Bündel des Lebens.
Das Datum lautet voll ausgeschrieben 7. Nissan 5670. Das ist der 16. April 1910.
Heute ist
und nach dem jüdischen Kalender nach MEZ der
Der jüdische Kalender ist eine Mischung aus Mond- und Sonnenkalender. Im Durchschnitt wird alle drei Jahre ein Mondmonat eingefügt, um beide Kalender in Einklang zu bringen.
Jüdische und christliche Feste haben Parallelen, darüber wurde im Jahre 2021 eine Veranstaltungsreihe mit der ev. Kirche durchgeführt. Im Vortrag von Sanja Mohnen über jüdische Feste sind einige dieser Feste beschrieben.
Foto: Berthold Herberz
Der Kidduschbecher wird für den Kiddusch (dt. Heiligung) benötigt, das ist die Weihe des Sabbats oder Festtages bei einem Becher Wein am Familientisch. Der Kiddusch besteht aus einem Segensspruch über Wein und Brot und einem hymnischen Gebet für den betreffenden Tag. Aus dem häuslichen Bereich hat der Kiddusch auch Eingang in die Synagogenliturgie gefunden. 11,8x6,5cm, Messing versilbert, Schenkung von Frau Schöneweiß, Vöhl-Obernburg
Foto: Karl-Heinz Stadtler Schenkung von Herrn Eckhard Willer, Bad Arolsen, ca 17cm
Die Kippa (dt. Käppchen) dient der im traditio- nellen Judentum üblichen Sitte beim Beten, beim Studium der heiligen Schriften und bei Vollziehung jeder religiösen Handlung den Kopf bedeckt zu halten. Für den Sabbat und für die Festtage gibt es oft besonders schön und aufwendig gearbeitete Käppchen. Schenkungen von Herrn Eckhard Willer, Bad Arolsen.
Buchenholz, Eisendraht, 40cm, um 1930 Foto: Berthold Herberz
Kleiderbügel der jüdischen Geschäfte von Familie Katzenstein (Name „Heinemann Katzenstein") in Frankenau, und Familie Stahl (Name „Siegmund Stahl ")in Korbach.
Buchenholz, Eisendraht, 40cm, um 1930 Foto: Berthold Herberz
Kleiderbügel des Kaufmanns Max Mildenberg aus Vöhl.
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Ladenschild von Hermann Mildenberg (1888-1961), der in der Wohnung der Synagoge lebte und Schuhmacher und Schuhhändler war. Er emigrierte 1937 in die USA. Das Schild befand sich auf dem Dachboden. Weichholz, 100x50x4cm.
Menora aus einem jüdischen Haushalt in Vöhl, Messing, 38x33x18cm
Menora im Betsaal, Ulmenholz, 165x90x60cm, hergestellt von einem einheimischen Tischler für die ehemalige Synagoge.
Menora im Betsaal, Eisen geschmiedet, Geschenk der evangelischen Kirchengemeinde Vöhl, 160x85x60cm, Bis Sommer 2023 in der Synagoge, jetzt in der ev. Martinskirche Vöhl.
Versilbertes Messing, 22x18,5x9,5cm, Schenkung von Frau Schöneweiß, Vöhl-Obernburg
Menora, geschmiedet aus Eisen, 80x45x35cm
Zinn, versilbert, 18x14,5x9cm, Schenkung von Frau Schellberg
Fotos: Karl-Heinz Stadtler
Die Menora, auch bekannt als Siebenarmiger Leuchter, ist eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums. Mose erhielt nach biblischer Darstellung auf dem Berg Sinai den Auftrag, ein transportables Heiligtum (Misch kan) zu errichten. Für jeden kultischen Gegenstand wurde ihm einerseits eine Beschreibung gegeben, andererseits ein himmIisches Modell gezeigt. Eines dieser Objekte war ein Leuchter.
Mesusa mit einer eingefügten Textrolle am Eingang des Betsaals, Schenkung einer Jüdin aus Volkmarsen, die in USA lebt.
Diese Mesusa enthält eine Textrolle. Metall, Glas ca 17cm, Schenkung von Frau Schöneweiß, Vöhl-Obernburg
Fotos: Karl-Heinz Stadtler
Die Mesusa - angebracht am Türpfosten - soll die Bewohner/innen eines Hauses an die jüdische Tradition erinnern und Haus und Bewohner/innen schützen.
Das Wort bedeutet „Türpfosten“ und bezeichnet eine Schriftkapsel, die im Judentum Verwendung findet. Dies geht auf mehrere Abschnitte in der Thora zurück: „Du sollst (diese Worte) auf die Türpfosten deines Hauses und deiner Stadttore schreiben.“ – 5. Mos. 6,9 und 5. Mos. 11,20
Demnach werden die entsprechenden zwei Abschnitte aus dem Schma von einem eigens dazu ausgebildeten Schreiber (Safer) mit einem nichtmetallischen Schreibgerät (Federkiel) auf ein Pergament (Klaf) geschrieben, auf der Rückseite das Wort אֵל שַׁדַּי (Shaddaj, deutsch: Allmächtiger), und aufgerollt in einen kleinen Behälter am Türpfosten angebracht. Der Behälter kann aus Metall, Keramik, Holz, Glas, Stein oder Kunststoff hergestellt sein. Viele Mesusot sind mit dem hebräischen Buchstaben (Schin) beschriftet. Dieses steht ebenfalls für Shaddaj.
Die Mesusa wird in Armreichweite im oberen Drittel des von außen gesehen rechten Türpfostens geneigt angebracht, und zwar so dass das obere Ende zum Raum zeigt. Dies entstand aus einer Diskussion unter den jüdischen Gelehrten, ob die Mesusa senkrecht oder waagerecht anzubringen sei; als Kompromisslösung einigte man sich auf die geneigte Stellung.
Einer anderen Erklärung zufolge hängt die Mesusa schräg, um damit auszudrücken, dass nur Gott die Dinge ganz richtig (gerade) machen kann, nicht aber die Menschen, deren Handlungen immer unvollständig (schief) bleiben. Außerdem gibt es die Vorstellung, die Mesusa ahme durch die Richtung des oberen Endes zum Raum hin die Neigung des Oberkörpers beim Betreten in den Raum nach.
Manche gläubige Juden küssen die Mesusa beim Betreten eines Raumes, indem sie die Fingerspitzen der rechten Hand an die Mesusa und dann zum Mund führen.
Aus der Mizwa der Mesusa haben sich auch säkulare Traditionen herausgebildet. Beispielsweise ist es üblich, dass die Anbringung der Mesusot mit einem Wohnungseinweihungsfest verbunden wird. Besonders schön gestaltete Mesusot sind dabei auch beliebte Geschenke.
Foto: Berthold Herberz
Foto: Berthold HerberzDieses „Pessach-Buch 5706 - 1946“ ist schon die 2. Auflage von 1948. Herausgeben in Marburg, gedruckt in Gießen. Pessach-Bücher (Haggada) erzählen die Geschichte des jüdischen Volkes nach dem Auszug aus Ägypten. Aus ihnen wird am Vorabend des Pessach-Festes gesungen und vorgelesen. Ein Geschenk von Dr. Helge-Ulrike Hyams an den Förderverein im Jahre 2009. 21,5x15,5x1,3cm
Israel Blumenfeld war Chefredakteur der Jüdischen Rundschau, die auf der Titelseite genannt ist. Sie erschien in Marburg und Gießen von 1946 bis ´48. I. Blumenfeld wurde 1915 in Polen geboren, kämpfte beim Aufstand im Warschaer Ghetto und wanderte 1948 nach Costa Rica aus. Er starb 1962 in Los Angeles.
Weitere Bücher aus dem Judentum im Museum:
Selma Rothschild ist in Vöhl 1867 geboren und 1942 in Treblinka umgebracht worden. Die Einträge im Album sind von 1880 bis 1901. 48 Personen haben sich eingetragen. 22x13,7x1,4cm, Einband mit Prägedruck. Restauriert 2022. Das Poesiealbum ist 2022 von Frau Renate Mahaj (Korbach) dem Förderkreis geschenkt worden.
Poesiealbumen sind ein fest eingebundenes, mit weißen Seiten, in das Zitate in Form von Reimen und Versen (Zweizeiler, Vierzeiler usw.) eingetragen werden können. Die poetischen Verse wurden durch Weitergabe des Albums an Verwandte, Mitschüler, Lehrer, Freunde und Bekannte gesammelt. Dabei stand jedem Eintrag in der Regel nur eine, die rechte, Buchseite zur Verfügung. Die linke Seite blieb leer. Die eingetragenen Lebensweisheiten, Ratschläge und Mahnungen religiösen und weltlichen Inhalts sollen einen Beitrag an theoretischer Lebenshilfe und -bewältigung leisten. Der Albumbesitzer/in übte im Allgemeinen keinen Einfluss auf die Auswahl des Textes bzw. die äußere Gestaltung der Eintragung aus (Quelle: Wikipedia).
Frau Elizabeth Foote hat zusammmen mit K.-H. Stadtler die Informationen zu Autoren/innen verfasst.
Frau Mahaj hat die Einträge , welche hauptsächlich in Sütterlin-Schrift verfasst sind, in Vereinfachte Ausgangsschrift übertragen.
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Das soziale Umfeld wurde in die vier Gruppen: Jüdisch, Christlich, Einheimisch und Verwandt eingeteilt. Die Autoren sind sowohl Frauen als auch Männer und die Personen sind in den vier Gruppen bunt gemischt. Dies mag auch daran liegen, dass S. Rothschild in einer Familie aufwuchs, die eine Hotel betrieb. Die größten 3 Gruppen sind die jüdischen Verwandten und die jüdischen verwandten Einheimischen neben den jüdischen Einheimischen. Neben diesen gibt es noch andere kleine Gruppen, wie jüdische Autoren, die nicht zu den 3 Gruppen gehören und christliche Autoren als Einheimische und Auswärtige. Erklärungsbedürftig ist die Gruppe der christlichen Verwandten, die auch als jüdisch zählen. Dies sind zum Christentum konvertierte Juden, die die NS-Regierung weiter als Juden behandelte.
Foto: Karl-Heinz Stadtler; Antiquarisch erworben
Diese Ansichtskarte wurde 1907 von einem Gast des "Hotel Prinz-Wilhelm" nach Brüssel verschickt wurde. Ganz unten auf der Ansichtskarte steht „Verlag von M. Rothschild in Vöhl“. Moritz Rothschild war 1907 bereits tot, der Prinz Wilhelm wurde von Sohn Alfred Rothschild betrieben. Vielleicht lief das Hotel noch unter dem Namen des Vaters; möglich ist auch, dass die Ansichtskarte noch von Vater Moritz in Auftrag gegeben worden war. Moritz oder Alfred werden die Motive ausgewählt und den Druck in Auftrag gegeben haben.
Zu sehen ist eine Dorfansicht, dann das „Hotel Prinz-Wilhelm - Pension für Sommerfrischler - Telephon im Hause“, außerdem die „Frankfurter Straße“, in der links der Gasthof zum Edersee, das aktuell teilweise abgerissene Nebenhaus und anschließend das damals im Besitz von Emanuel Katzensein befindliche Haus zu sehen ist. Rechts ist die „Alte Post“ zu erkennen.
Foto: Berthold Herberz
Der Krug enthält ein Faksimile von einer weitgehend erhaltenen Rolle.
In Qumran (Westjordanland) sind in den Jahren 1947 bis 1956 aus der Zeit des frühen Judentums, 3. Jahrh. v. Chr. bis 1. Jahrh. n. Chr., 15 intakte Schriftrollen gefunden worden. Schenkung von Frau Schöneweiß aus Vöhl-Obernburg. Ton, Papier, 16x5cm.
Foto: Noah Sach
Modell: Deutscher Kleinempfänger, DKE 38 (gebaut von 1938 bis 1944), Phenoplast, Handelsname: Bakelit®, Wellenbereich: MW und LW, 24cm x 24cm x 12cm, für Wechselstrombetrieb, Reichsadler mit Hakenkreuz an der Front und auf Bauteilen im Innern des Geräts, Schenkung aus Marburg
Das Radiogerät ist ein „Volksempfänger“ aus der Zeit des Nationalsozialismus. Es wurde im Auftrag von Joseph Goebbels, dem Reichspropagandaleiter in dritten Reich, entwickelt und kurz nach Adolf Hitlers Machtübernahme Ende Januar 1933 vorgestellt. Es war eines der wichtigsten Teile der NS-Propaganda. Reden von NS-Funktionären wurden übertragen, Falschinformationen während des Krieges verbreitet und die Vertreibung und damit die Ermordung der Juden propagiert.
Dieses Modell stammt aus Marburg - aus einer Haushaltsauflösung während der 80-er Jahre.
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Sabbatlampe an Kesselhaken, höhenverstellbar, 8 Brennstellen der Ölflammen mit Tropfenfang. Messing, Lampe 47x26cm; Haken 52 x 9cm (bei 10 Zähnen). Dauerleihgabe von Carol Baird, San Diego, CA
Die Sabbatlampe wird am Freitagabend vor Beginn des Sabbats angezündet. Die meist sternförmigen und sechs- bis achtflammigen Hängelampen waren seit dem späten Mittel- alter geradezu typisch für ein jüdisches Haus. Ursprünglich Öllampen, wurden sie später auch als Kerzenhalter benutzt und noch später manche sogar auf elektrisches Licht umgerüstet. Diese Schabbeslampe befand sich im Haus der Vöhler Familie Frankenthal und wurde der Vöhler Synagoge von der Nachfahrin Carol Baird aus USA als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Schenkung der Vöhler Familie Browa, Kudu-Horn, 75cm und 60cm
Der Schofar oder das Schofarhorn, auch Halljahrposaune genannt, ist ein altes Musikinstrument aus dem Vorderen Orient. Das aus dem Horn eines Widders oder eines Kudu gefertigte Instrument hat seinen Ursprung in der jüdischen Religion und dient ri- tuellen Zwecken. Er ist als einziges Instrument des Altertums noch heute in den Synagogen in Gebrauch. Der Schofar erinnert an die geplante Opferung Isaaks durch Abraham für Gott. An Isaaks Stelle wurde dann aber ein Widder geopfert, dessen Hörner Gott an das stellvertretende Sühneleiden Israels erinnern sollen (1. Buch Mose, Kapitel 22). Unter anderem zum Morgengebet beim jüdischen Neujahrsfest Rosch ha—Schana ebenso am Ende des Versöhnungstages Jom Kippur sind genaue Anweisungen bezüglich der Tonfolge und Blasweise festgelegt.
Messing, 29,5cm, Schenkung von Frau Schöneweiß, Vöhl-Obernburg
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Der Sederabend ab 14. Nisan ist der Vorabend und Auftakt des Pessachfestes. An ihm wird im Kreis der Familie oder der Gemeinde des Auszugs aus Ägypten gedacht. Auf dem Sederteller befinden sich folgende Speisen:
Bitterkraut, z.B. Meerrettich
Angebratene Lammkeule mit wenig Fleisch
Petersilie
Charosset – meist eine Mischung aus Äpfeln, Nüssen oder Mandeln, mit süßem Wein verdünnt
Salat (Lattich)
Gesottenes Ei
Siddur 0 vorne „Gebete der Israeliten“, deutsch-hebräisch, Übersetzung von Dr. Michael Sachs, „Sinai“ Publishing, Tel Aviv, Israel,1988, 12x9x2,5cm
Siddur 1 Israel, Jahr ?, englisch-hebräisch, "Gebetbuch der Israeliten", Spende aus Schwalefeld, Gemeinde Willingen, Einband Metall Halbedelstein, 12,8x9x2,7cm
Siddur 1, Vorsatz
Siddur 1, Titelblatt, Text umgeben von den Wappen der 12 Stämme Israels.
Siddur 2 vorne, „Gebete der Israeliten“, deutsch-hebräisch, Übersetzung von Dr. Michael Sachs, „Sinai“ Publishing, Tel Aviv, Israel, 1978, Einband Metall und Halbedelstein, 12,8x9x2,7cm
Siddur 2 hinten
Siddur 2, Vorsatz
Siddur 2, Titelblatt
Siddur 2, Illustration
Fotos: Karl-Heinz Stadtler
Das Wort „Siddur“ bedeutet „Ordnung“, und bezeichnet die Ordnung und Reihenfolge der Gebete.
Ein Siddur enthält die Gebete für den Alltag und den Sabbat, das sind das Morgen-, Nachmittags- und Abendgebet und das Mussafgebet, das nur am Sabbat und an Feiertagen gesprochen wird. Daneben enthält der Siddur Segenssprüche, die in der Synagoge oder zuhause gesprochen werden, und Gebete für besondere Anlässe sowie die wichtigsten Gebete für die hohen Feiertage.
Alle Angaben sind mit der freundlichen Unterstützung von Herrn Beni Pollak, Lehrer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen erstellt.
Der Verlag „Sinai“ Publishing, Tel Aviv, Israel, ist ein Verlag aus Wien und Bratislava, dort im Jahre 1853 von Joseph Schlesinger als „Joseph Schlesinger Verlagshaus“ gegründet. Im Jahre 1939 verlegte er seinen Sitz nach Tel Aviv. Beni Pollak ist den Betreibern des Verlags verwandtschaftlich verbunden.
Weitere Bücher aus dem Judentum im Museum:
Bücherfunde ausserhalb der Genisa
Genisa
Pessach-Buch
Tanach
Zohar
© Kurt-Willi Julius
In die alten Fußbodenplatten ist das Kunstwerk morgen - ge-stern (2005) (Stern ohne Himmel auf israelischer Erde)" von Kurt-Willi Julius eingelassen.
© Kurt-Willi Julius
Vielen Bodenplatten waren zerbrochen und mussten ersetzt werden. Um die neuen Platten kenntlich zu machen, sind sie aus andersfarbigen Vogesen-Sandstein. Die alten Platten mussten abgearbeitet werden, da die Fußbodenheizung nur eine bestimmte Stärke zuließ. Dabei zerbrachen weitere Platten.
Foto: Berthold Herberz
Die Synagogenbänke sind zerstört. An einem Emporenpfeiler kann aufgrund des Befunds in der Lackierung auf ihre Höhe und Form zurückgeschlossen werden.
Foto: Noah Sach
Dies ist das Totenkleid von Hannelore Dreyfuß aus Battenberg, das sie dem Förderkreis bei ihrem Besuch im Jahre 2009 geschenkt hat. Tachrichim sind traditionelle einfache weiße Totenkleider, die normalerweise aus reinem Leinen hergestellt sind und in die die Leichen verstorbener Juden gehüllt werden.
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Der Gebetsmantel (Tallit) ist ein Schal aus geköperter weißer Seide mit Fransen und Schaufäden; an den Schmalseiten ist ein breiter und fünf schmale dunkelblaue Streifen eingewebt; das Kopfteil (der mittlere Teil der Oberkante) ist mit breitem Seidenbrokatband eingefasst. 175x100cm, Textil mit Stickerei mit Silberfaden.
„The Holy Scriptures“ englisch-hebräisch, „Sinai“ Pubishing, Tel Aviv, Israel, 1969, 14,3x11x7cm, Einband Metall, Halbedelstein.
Titelblatt und Vorsatz (2. Blatt nicht sichtbar)
Fotos: Karl-Heinz Stadtler
Der Tanach ist die Hebräische Bibel, die Sammlung heiliger Schriften des Judentums. Er besteht aus den Hauptteilen Tora, Propheten (Neviʾim)und Schriften (Ketuvim). Aus den drei Anfangsbuchstaben der hebräischen Worte ergibt sich das Akronym "Tanach".
Der Verlag „Sinai“ Publishing, Tel Aviv, Israel, ist ein Verlag aus Wien und Bratislava, gegründet dort im Jahre 1853 von Joseph Schlesinger. 1939 verlegte er seinen Sitz nach Tel Aviv.
Weitere Bücher aus dem Judentum im Museum:
Bücherfunde ausserhalb der Genisa
Genisa
Pessach-Buch
Siddur
Zohar
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Kunststoff, 7x5x5cm. Schenkung von Frau Schöneweiß aus Vöhl-Obernburg.
Die Tefillin (vielleicht von hebr. Tefilla = Gebet, also „Gebetsriemen“) sind Riemen, an denen lederne Kapseln oder Gehäuse befestigt sind in denen vier auf Pergament geschriebene Toraabschnitte enthalten sind: Deut. 6, 4-9; ebd. 11, 13-21; Ex 13, 1-10; ebd. 11-16. Sie werden beim Morgengebet an Hand und Kopf angelegt, und zwar auf dem linken Arm, dem Herzen gegenüber, und auf der Stirnhöhe. Die Texte, die von der Forderung unbegrenzter Liebe zu dem einen Gott, von der Verantwortung vor dem ewigen Richter und von der dauernden dankbaren Erinnerung an die Befreiung Israels aus der ägyptischen Knechtschaft handeln, sollen zu treuem Gehorsam gegen Gottes Gebet führen.
David Shankbone creator QS:P170,Q12899557, Tefillin worn by a man at the Western Wall in Jerusalem, CC BY 3.0
Yonkeltron at English Wikipedia, Tefillin-shel-yad, CC BY 3.0
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Zeitgenössische Figur mit unbekannten Ursprung, Textil, Kunststoff, 20x6x6cm

Fotos: Karl-Heinz Stadtler
Diese Thorarolle ist nicht vollständig. Es ist nur noch eine Schriftrollenstange vorhanden, und das Pergament unvollständig. Zeitweise wurde sie in einer christlichen Einrichtung in Jerusalem aufbewahrt. In einem dazugehörenden Brief heißt es, dass ein deutscher Soldat die Rolle aus der brennenden Synagoge in Witebsk (Belarus) gerettet und nach Deutschland gebracht habe.
Holz, Pergament, 65x8,5cm. Schenkung von Frau Schöneweiß aus Vöhl-Obernburg.
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Die Thora ist eine handgeschriebene Rolle aus Pergament – manchmal auch aus Ziegenleder – mit dem hebräischen Text der fünf Bücher Mose. Aus einer Thorarolle wird in jüdischen Gottesdiensten gelesen, und zwar in jeder Woche der zu dieser Woche gehörende Abschnitt.
Eine Thorarolle für den Gottesdienstgebrauch wird grundsätzlich von Hand geschrieben. Sie gehört zur Grundausstattung einer jeden Synagoge.
Die Rolle ist auf zwei Schriftrollenstangen aufgerollt; die Enden werden hin und wieder durch den sog. Wimpel, hergestellt aus einer Beschneidungswindel, zusammengehalten. Sie wird von einem kunstvoll bestickten Mantel umhüllt und von einer Krone gekrönt.
Die hier ausgestellte Rolle ist nicht vollständig. Sie beginnt mit dem 2. Buch Mose, Kap. 9, Vers 13. Das Pergament hat noch eine Länge von 9m.
Sie stammt aus einem Antiquariat in Wroclaw (Breslau), Polen. Holz, Pergament, 95x15cm jede Seite.
Dem Förderkreis wurde sie von einem nicht mehr existierenden Marburger Museum geschenkt. Übergeben wurde sie von Helge-Ulrike Hyams.
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Thorarolle mit Thoramantel, 33x10cm, Holz, Papier, Textil. Schenkung von Frau Schöneweiß aus Vöhl-Obernburg.

Dieser Thoravorhang stammt aus New York und wurde dem Förderverein im Jahre 2000 von den Familien Mildenberg und Behrend geschenkt. Der Samtstoff ist mit goldenem Faden bestickt mit goldenen Fransen und Bordüren versehen und misst 220x160cm. Links ist eine von zwei erhaltenen Wandleuchten zu sehen. Sie dienten zur Beleuchtung des Thoraschreins.

Die Inschrift im Banner lautet:
„Ein Baum des Lebens ist sie all jenen, die an ihr festhalten.“
Das Wort "sie" bezeichnet die Weisheit bzw. die Thora.

Fotos: Karl-Heinz Stadtler
Die Inschrift in der Spender-Unterschrift
"Eine Spende von Meir, Sohn des Samuel Weinberg und seiner Gattin
zu Ehren der Dame Eidel, der Tachter des
Joel Kofer (oder: Kaufer)
Möge sie ein langes Leben leben.
Anlässlich des erreichten 80. Lebensjahres"
Die genannten Personen sind Mitglied einer jüdischen Gemeinde in New York.
Durch das Zusammenlegen zweier jüdischer Gemeinden, war ein Thora-Vorhang nicht mehr benutzt.
Foto: Karl-Heinz Stadtler
Beschneidungswindel des am 5.11.1953 geborenen Richard Steven Rau. Textil, 250x23cm (einmal gestückelt)
Die Windel, auf der ein neugeborener Knabe bei der Beschneidung liegt, wird anschließend in vier Streifen zerschnitten, die dann zu einem langen Band zusammengenäht werden. Dieses nennt man in der ursprünglichen allgemeinen Bedeutung ,,die Wimpel". Sie wird mit einem Text bestickt oder bemalt, der in seinem Grundgehalt meist gleich ist: Er nennt zunächst den Namen des Kindes und seines Vaters, dem mit der Abkürzungsformel ,,SCHeLlTa" ein langes Leben gewünscht wird, dann der Tag der Geburt des Kindes, und darauf folgt der Wunsch, dass Gott es heranwachsen lassen möge zur Kenntnis und Beachtung des Gesetzes (der Tora), zum Ehestand (symbolisiert durch die Chuppa, den bei der Trauung verwendeten Baldachin) und zur Wohltätigkeit, der schließlich mit “Amen. Sela." beschlossen wird. Die Wimpel wird am ersten Geburtstag des Kindes, wenn er ,,in die Schule (= Synagoge) getragen" wird, dort als Stiftung übergeben und dient dann zur Umwicklung der Tora-Rolle, wodurch diese geschützt wird. Am Sabbat nach dem 13. Geburtstag des Knaben, wenn er als religionsmündiger Bar-Mizwa (,,Sohn des Gesetzes") zum ersten Mal in der Synagoge zur Lesung aufgerufen wird, wird ihm die entsprechende Tora-Rolle mit seiner Wimpel umkleidet vorgelegt. Dieser Brauch, der vor allem unter den westdeutschen Juden gepflegt wurde, soll die enge Verbindung des Einzelnen zur Tora symbolisieren. Die hier gezeigte Tora-Wimpel ist eine Stiftung der Synagogengemeinde Congregation Beth Hillel & Beth Israel, Inc. in New York City. Walter Mildenberg und seine Schwester Ursula Behrend überreichten sie im September 2000 dem Förderkreis Synagoge in Vöhl e.V. im September 2000. siehe: Stammbaum Familie Mildenberg, Levi
Foto: Kurt-Willi Julius
An der unterschiedlichen Färbung ist an der Südost-Wand der Synagoge der Aufstellungsort des Thoraschreins zu erkennen. Die Farbfassung ist aus der Zeit der Zerstörung der Inneneinrichtung. Die Videos: Rekonstruktion der Inneneinrichtung 2021a and Rekonstruktion der Inneneinrichtung 2021b zeigen die Synagoge mit Thoraschrein.
Foto: Berthold Herberz
Von beiden Wandleuchtern waren die Gläser zerbrochen. Da in der evangelischen Kirche in Vöhl gleiche Leuchten vorhanden waren, wurden die Gläser nach der Renovierung der Kirche der Synagoge als Schenkung übergeben. Holzsockel, Messing, Glas, 45 x15cm.
Foto: Berthold Herberz
B´resheet - „Im Anfang“, Wandtafel aus Ton mit den Anfangssätzen der Genesis: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde….“, glasiert, 16x12x1cm, Schenkung
Foto: Berthold Herberz
Messingblech, 15,5x15,5cm, Schenkung von Frau Schellberg
Die hebräische Beschriftung lautet:
Liebe (ahawa),
Glück (oscher),
Segen (bracha),
Gesundheit (briut),
Erfolg (hazlacha) und
Fruchtbarkeit (prion)
Übersetzung: Sahra Küpfer